Marktbericht 20:04 Uhr

VW-Krise belastet "Dieselgate" drückt den Dax

Stand: 24.09.2015, 20:04 Uhr

Der VW-Abgasskandal hat heute weitere Kreis gezogen und den Dax nach unten gezogen. Wird die VW-Krise zur Branchenkrise und diese dann womöglich zur Konjunkturkrise? Skeptiker haben derzeit jedenfalls Hochkonjunktur.

Den vierten Tag in Folge stand der deutsche Aktienmarkt ganz im Zeichen der VW-Abgaskrise, die immer mehr zur Branchenkrise wird. Denn ob auch andere Autohersteller frei von Schuld sind, bleibt eine heiß diskutierte Frage am Markt. Kommt da womöglich noch was nach? "Der Volkswagen-Skandal hat das Potenzial, den deutschen Aktienmarkt das gesamte vierte Quartal zu belasten", sagte Andreas Paciorek, Analyst des Online-Brokers CMC Markets.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 19.00 Uhr

Fakt ist, die Börse hat ein feines Gespür für die Sorgen um die wichtigste deutsche Industriebranche. "Dieselgate" sei nicht nur ein Problem der Automobil-Branche, sondern für die gesamte deutsche Wirtschaft, warnte Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der Deka Bank. Dieses Problem hat sich heute weiter verstärkt und dazu geführt, dass der gesamte Dax erneut einen ganz schwachen Tag erlebte.

Jahrestief in Sicht

Der Leitindex verlor am Ende 1,92 Prozent und schloss bei 9.427 Punkten. Es war der tiefste Schlusskurs des laufenden Kalenderjahres. Kurzzeitig sah es sogar so aus, als ob auch das bisherige Jahrestief bei 9.338 Punkten fallen würde, nachdem es im Tagestief am Nachmittag bis auf 9.362 Zähler bergab gegangen war. Ein Fall dieser Marke hätte charttechnisch ein weiteres Verkaufssignal ausgelöst und damit die Lage noch schwieriger gemacht.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dieses Szenario konnte aber im späten Geschäft abgewendet werden, als auf niedrigem Niveau doch noch Käufe einsetzten. Im Tageshoch, nach der Veröffentlichung eines besser als erwartet ausgefallenen Ifo-Geschäftsklimaindex, war der Dax schon bis auf 9.707 Punkte gestiegen. Die hohen Volatilitäten zeigen, dass der Markt extrem nervös ist.

Wall Street weiter im Minus

Hinzu kommt eine derzeit völlig orientierungslose Wall Street. Der US-Markt hat zwar kein Abgas-Thema, die anhaltenden Sorgen um die Konjunkturentwicklung in China und der Zick-Zack-Kurs der Notenbank Fed in der Zinspolitik sorgen aber dafür, dass dem Markt derzeit völlig die Richtung fehlt. Diese Unsicherheit drückt die Kurse der US-Aktien und sorgt für einen bisher schwachen September. Der Monat wird bisher jedenfalls seiner schwachen Saisonalität gerecht - was zwar nicht immer der Fall war/ist, den Bullen aber im Moment nicht viel nützt. Der Dow-Jones-Index verliert aktuell rund 1,2 Prozent.

Zudem lastet die Gewinnwarnung des Baumaschinenherstellers Caterpillar auf der Börse. Der Konzern leidet unter dem starken Dollar und will seinen Sparkurs verschärfen. An der Börse gilt Caterpillar, ähnlich wie der Aluminiumproduzent Alcoa, fast schon als Konjunkturindikator und wird stets stark beachtet. Die Aktie verliert deutlich. Nach Börsenschluss legt Adidas-Erzrivale Nike noch Geschäftszahlen vor. Am späten Abend spricht dann noch Fed-Chefin Janet Yellen auf einer Universitätsveranstaltung in Massachusetts.

Ifo-Index hilft nicht

Auch der besser als erwartet ausgefallene jüngste Ifo-Geschäftsklimaindex half der Börse nur kurz auf die Sprünge. Der vielbeachtete deutsche Konjunkturindex stieg von 108,4 Punkten im Vormonat auf einen Stand von 108,5 im September, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter 7.000 Unternehmen mitteilte. Erwartet war ein Wert von 108,0 Punkten. Das war der dritte Anstieg in Folge.

"Die deutsche Wirtschaft zeigt sich robust", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Allerdings erfolgte die Umfrage vor der VW-Krise. Kurz nach der Veröffentlichung erreichte der Dax am Vormittag dann sein Tageshoch.

Euro zieht an

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Während der Aktienmarkt nur kurz vom Ifo-Index profitierte, legt der Euro am Devisenmarkt kräftiger zu. Die Gemeinschaftswährung überspringt die Marke von 1,12 Dollar und legt damit im Tagesverlauf gut einen Dreiviertel Cent zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1241 (Mittwoch: 1,1150) US-Dollar fest. Die neuen US-Konjunkturdaten, die insgesamt robust ausfielen, beeinflussten den Kurs hingegen wenig. Sowohl die Daten vom Arbeits- als auch vom Hausmarkt waren etwas besser als erwartet ausgefallen. Der Absatz langlebiger Industriegüter im August schrumpfte zwar um zwei Prozent, dieser Rückgang war aber genau so prognostizert worden.

Neuer VW-Chef in Sicht

Einzig VW-Vorzüge behaupteten sich im Dax im Plus, wenngleich sie den größten Teil ihrer Gewinne bei hochvolatilem Handel wieder abgaben. Am Ende stand eine Tagesgewinn von 0,58 Prozent auf 112,15 Euro. Neuigkeiten zum Wolfsburger Autobauer gab es heute fast im Minutentakt.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zuletzt gingen Insidergerüchte um, dass Porsche-Chef Matthias Müller die Nachfolge des zurückgetretenen Martin Winterkorn übernehmen soll. Müller soll offiziell nach der Aufsichtsratssitzung am Freitag präsentiert werden. Volkswagen wollte sich nicht äußern. Klar ist, dass sich der Abgasskandal weit auf Europa ausgedehnt hat und die Konsequenzen noch gar nicht abzuschätzen sind.

BMW weist Vorwürfe zurück

BMW-Aktien waren schwächster Dax-Wert mit einem Abschlag von 5,15 Prozent. Dies, obwohl der BMW-Konzern am Mittag Berichte über Manipulationen zurückgewiesen hat. "Grundsätzlich gilt: Bei der BMW Group wird nicht manipuliert, und wir halten uns selbstverständlich in jedem Land an die gesetzlichen Vorgaben und erfüllen alle lokalen Testvorgaben", erklärte das Unternehmen am Donnerstag in München.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auslöser für den Fall der BMW-Aktie war ein Bericht der Zeitschrift "Auto Bild". Demnach hat ein BMW X3 Diesel bei Straßentest elfmal höhere Stickoxid-Werte ausgestoßen als laut der aktuellen Euro-6-Norm zulässig wären. Damit habe der Wagen noch schlechter abgeschnitten, als der von der US-Umweltbehörde EPA beanstandete VW Passat.

Daimler bescheinigt sich weiße Weste

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch Daimler hat bekräftigt, nicht betrogen zu haben. "Wir halten uns grundsätzlich an die gesetzlichen Vorgaben und haben keinerlei Manipulationen an unseren Fahrzeugen vorgenommen", sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag. Der Aktie half das nicht, das Papier war hinter BMW zweitschlechteste Dax-Aktie.

Salzgitter-Chef bestätigt

Der Aufsichtsrat des Stahlkonzerns hat den Vertrag mit Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann um weitere fünf Jahre verlängert. Damit wird Fuhrmann das Unternehmen mindestens bis 2021 leiten. Die neue Amtszeit beginnt am 1. Juli 2016. Fuhrmann steht dem Vorstand schon seit dem Jahr 2011 vor.

Drillisch an der TecDax-Spitze

Die Aktie des Mobilfunkanbieters profitierte von einem positiven Analystenkommentar und sprang an die Spitze des Technologieindex. Wolfgang Specht vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe hob das Kursziel für die Papiere des Mobilfunkanbieters von 44 auf 51 Euro an und bestätigte seine Kaufempfehlung. Der neu gestartete Vertrieb über Shops sollte das Wachstum des Mobilfunkanbieters beschleunigen, schrieb Specht in der Studie. Der Experte hob seine Umsatz- und Ergebnisschätzungen ebenfalls bis 2017 an.

Alphaform macht Kasse

Das Technologieunternehmen Alphaform wird einen Großteil seines operativen Geschäfts an das amerikanische Unternehmen Proto Labs verkaufen. Die Alphaform-Aktie, ein Penny-Stock, stieg um rund ein Viertel.

Chorus Clean Energy macht es noch einmal

Der Solar- und Windparkbetreiber Chorus Clean Energy will erneut versuchen, an die Börse zu gehen. Nach dem im Juli verschobenen IPO bietet das Unternehmen seine Aktien von 9,75 bis 12,50 Euro an. Das Bruttoemissionsvolumen soll bis zu rund 125 Millionen Euro betragen. Die Angebotsfrist läuft voraussichtlich bis zum 2. Oktober. Am 7. Oktober soll dann die Erstnotiz im streng regulierten Prime Standard erfolgen.

H&M kann nicht überzeugen

Der schwedische Modekonzern H&M hat im vergangenen Quartal den starken US-Dollar zu spüren bekommen. Der Gewinn konnte nur minimal auf umgerechnet 565 Millionen Euro verbessert werden. Denn die Produktionskosten fallen in der US-Währung an. Der Umsatz legte von 38,8 auf rund 46 Milliarden Kronen zu, umgerechnet 4,9 Milliarden Euro.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen