Die Zuversicht zerrinnt

Stand: 15.06.2011, 20:01 Uhr

An die wahrhaft schlechten Nachrichten aus Griechenland haben sich die Anleger mittlerweile gewöhnt. Wenn dann aber noch schwache US-Konjunkturdaten hinzukommen, beginnt die Furcht. So geschehen am Mittwoch, mit einem Dax-Minus von 1,3 Prozent.

Wie es den Unternehmen geht, deren Aktien an der Börse tagaus, tagein gehandelt werden, interessiert derzeit kaum jemanden. Die Bilanzsaison - eine außergewöhnlich gute übrigens - ist vorbei und bevor die nächste beginnt, vergehen noch ein paar Wochen.

Alle Augen sind auf Griechenland und die amerikanische Wirtschaftsentwicklung gerichtet und die Kauf- oder Verkaufsentscheidungen am Aktienmarkt dieser Tage richten sich streng nach der Nachrichtenlage in Griechenland und in den USA.

Konkret hieß dies an diesem Mittwoch, dass die Anleger verarbeiten mussten, dass sich die EU-Finanzminister nicht auf neue Hilfen für Griechenland einigen konnten, dass der griechische Ministerpräsident am Nachmittag offenbar seinen Rücktritt angeboten hat, dass die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen auf ein neues Allzeithoch stiegen.

Dies belastete nicht nur den Dax, der 1,3 Prozent niedriger bei 7.115 Punkten schloss, sondern drückte auch den Euro herab, von über 1,44 Dollar auf unter 1,42.

Schwache amerikanische Konjunkturdaten besorgten an diesem schwachen Handelstag den Rest. Vor allem der schwache Empire State Index verunsicherte die Investoren. Er sackte im Juni auf minus 7,79 Punkte ab. Plus 12,50 Punkte hatten die Volkswirte erwartet, dies war also eine handfeste Enttäuschung. Höher als gedacht waren zudem die aktuellen Verbraucherpreise. Die Kernrate im Mai lag 3,6 Prozent höher als vor einem Jahr, 3,4 Prozent hatte der Markt erwartet. Auch die Industrieproduktion entwickelte sich nicht so wie erwartet. Zwar gab es hier ein kleines Plus von 0,1 Prozent im Mai, die Prognose lag aber bei 0,2 Prozent.

Die Kurse an der Wall Street gaben im Handelsverlauf kontinuierlich nach, was den LDax noch auf 7.095 Punkte drückte.

Defensiv ist Trumpf
Im deutschen Leitindex zogen sich die Anleger auf die sichere Seite zurück. Gefragt war vor allem die Aktie des Gesundheitskonzerns Fresenius Medical Care, die ein Prozent zulegte. Auch die Adidas-Aktie zeigte sich von ihrer starken Seite. Die Anleger reagieren auf einen Analysteneinschätzung der HSBC. Die Fachleute hatten das Adidas-Papier auf "Overweight" hochgestuft.

RWE und Eon wieder schwächer
Die Aktien der Versorger waren am Mittwoch wieder unter Druck. RWE-Papiere gaben 2,4 Prozent nach. Die Citigroup hatte sich kritisch zu RWE geäußert und gemeint, der Konzern könnte in naher Zukunft eine bis zu fünf Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung benötigen, um die Bilanz aufzupolieren. Das Kursziel senkte die Citi auf 33 Euro. Eon erhielt von der Citigroup ein besseres Rating, dennoch verlor die Aktie 1,5 Prozent.

Fraport meldet Rekord
Der im MDax notierte Flughafenbetreiber Fraport hat im Mai einen neuen Passagierrekord erzielt. Im vergangenen Monat seien 5,04 Millionen Passagiere am Drehkreuz Frankfurt abgefertigt worden, teilte Fraport mit. Die Frachtzahlen gaben nach dem Boom im Vorjahr etwas nach. Die Fraport-Aktie schloss mit einem Plus von 0,2 Prozent etwas besser als der MDax-Durchschnitt.

Solarkonjunktur in der Krise?
Die Solartitel im TecDax waren am Mittwoch erheblich unter Druck. Auslöser der Verkaufswelle waren Berichte, dass die Solaranlagen-Installation in den vergangenen drei Monaten eingebrochen sei. Zwischen März und Mai seien deutlich weniger als 1.000 Megawatt neu installier worden, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich auf Regierungskreise. Im gesamten Jahr 2010 waren es noch 6.000 Megawatt. Wegen dieser schwachen Entwicklung werde, schreibt die Nachrichtenagentur, die für Juli geplante Kürzung der Solarförderung wohl ausfallen.

HV bei Krones: Neuer Finanzdirektor, neue Prognose
Auf der Hauptversammlung des Getränkeabfüllanlagenherstellers Krones aus dem MDax stellte die Firma einen neuen Finanzdirektor vor. Christoph Klenk heißt er und war bisher Forschungsleiter bei Krones. Hans-Jürgen Thaus, dem Klenk nachfolgt, geht Ende des Jahres in Rente. Auf der HV stellte er aber noch eine erfreuliche Prognose bis 2015 vor. Bis dahin, so Thaus, könnte Krones einen Jahresumsatz von bis zu 3,45 Millionen Euro erzielen, 2011 will die Gesellschaft 2,6 Milliarden Euro erlösen.

Qiagen bietet für Ipsogen
Der im TecDax notierte Biotechnologiekonzern Qiagen hat ein ambitioniertes Übernahmeangebot für den französischen Wettbewerber Ipsogen vorgelegt. Der Leukämie-Spezialist ist Qiagen 12,90 Euro je Aktie wert, was einer Prämie von 70 Prozent auf den Ipsogen-Schlusskurs von Dienstag entspricht. Ipsogen wurde 1999 gegründet und beendete das vergangene Jahr mit einem Verlust von 3,4 Millionen Euro.

Das mühsame Geschäft mit Mode
Unspektakulär waren die Geschäftszahlen der beiden Modehersteller Inditex und H&M. Die schwedische Modekette H&M meldete für das im Mai beendete zweite Quartal ein als recht schwach empfundenes Umsatzwachstum von zwei Prozent auf umgerechnet drei Milliarden Euro. Inditex steigerte den Gewinn im ersten Quartal um zehn Prozent und den Umsatz um elf Prozent auf 2,96 Milliarden Euro. Inditex wuchs vor allem in den Boommärkten Asien und Osteuropa, das Europageschäft blieb weiterhin schwach.

IPO gelungen: Pandora-Aktien legen zu
Der Börsengang des amerikanischen Internet-Musikdienstes Pandora ist in New York auf großen Zuspruch gestoßen. Das Unternehmen hatte Interessierten 14,7 Millionen Aktien zu je 16 Dollar angeboten. Diese wurden komplett platziert, wodurch das vor elf Jahren gegründete Unternehmen 235 Millionen Dollar einnahm. Pandora wird derzeit mit etwa 2,5 Milliarden Dollar bewertet, der Quartalsumsatz beläuft sich derzeit auf 50 Millionen. An der Börse setzte ein Hype ein: Pandora-Aktien sprangen kurz nach Handelsbeginn um mehr als 40 Prozent in die Höhe.

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.