Die Zuversicht schwindet

Stand: 25.06.2012, 20:01 Uhr

Europa-Sorgen und kein Ende. Gleichzeitig sinkt die Hoffnung der Anleger in die Politik. Schwerer Tobak, kein Wunder, dass der Dax zum Wochenauftakt einen glatten Fehlstart hinlegt.

Der Dax verliert nach einem insgesamt schwachen Handelstag etwas über zwei Prozent und schließt bei 6.132 Zählern. Im Tagestief war der deutsche Leitindex schon bis auf 6.118 Punkte gefallen. Das Tageshoch lag bei 6.229 Punkten. Nachbörslich tat sich nur noch wenig, der L/E-Dax bewegte sich kaum.

Immer wieder Griechenland, Sorgen um spanische und italienische Banken und jetzt auch noch Zypern. Die Probleme, denen sich Europas Politiker gegenüber sehen, scheinen kaum alle zu lösen. Zunehmend macht sich daher Skepsis breit über das, was die Politik leisten kann und wird - und das bedeutet, dass die Kurse fallen.

Denn am Wochenende findet der nächste Euro-Gipfel statt, krankheitsbedingt allerdings ohne den neuen griechischen Regierungschef Antonis Samaras. Soeben wurde zudem bekannt, dass der designierte griechische Finanzminister Vasilios Rapanos seinen Rücktritt erklärt hat. Der Finanzexperte hatte am Freitag einen Schwächeanfall erlitten und wurde seitdem in einem Krankenhaus behandelt.

Zudem hat Zypern am frühen Abend wie erwartet einen Antrag auf EU-Hilfen gestellt. Die Ratingagentur Fitch hatte das Land, das ab dem 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, auf BB und damit auf "Ramsch" gestuft.

Auch der Euro tendierte zusammen mit dem Aktienmarkt schwächer und pendelte sich im späten Geschäft auf niedrigem Niveau knapp unter der Marke von 1,25 Dollar ein.

Auch die Wall Street blickt auf Europa
Die Angst vor einer Verschärfung der Lage in Europa zieht auch die New Yorker Börsen ins Minus. Der Dow-Jones-Index steht aktuell gut ein Prozent im Verlust, der S&P-500-Index fällt sogar um 1,6 Prozent. An der Nasdaq sinken die Kurse knapp zwei Prozent.

"Am Markt herrscht die Meinung vor, dass der EU-Gipfel ergebnislos verlaufen wird", sagte Analyst Peter Cardillo von Rockwell Global Capital. Zudem gibt es Sorgen, dass Spanien komplett unter den Euro-Rettungsschirm gehen muss. Hintergrund sind die hohen Zinsen, die das Land zahlen muss, denn die Renditen für spanische Staatsanleihen haben weiter angezogen.

Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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42,01
Differenz relativ
+1,55%
Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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15,61
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-0,95%
RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,52
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-0,38%

ThyssenKrupp am Dax-Ende
Gewinner gab es heute kaum im Dax, lediglich Bayer und der Gesundheitskonzern Fresenius lagen leicht im Plus. Fresenius will den türkischen Dialyseanbieter Ren-Med Diyaliz übernehmen, gab aber keine näheren Details bekannt.

Tagesverlierer waren HeidelbergCement, die zusammen mit ThyssenKrupp und Deutsche Bank am Dax-Ende lagen. Thyssen litt dabei unter einem negativen Analystenkommentar. Deutsche Bank gehörten im Strudel der Euro-Sorgen zu den größten Verlierern. RWE verloren ebenfalls überdurchschnittlich: Der Konzern verlangt nach einem Pressebericht vom russischen Monopolisten Gazprom eine Preissenkung für Erdgas. Zudem gibt es Schwierigkeiten beim Anschluss eines Offshore-Windparks in der Nordsee.

Bayer holt Verluste auf
Die Bayer-Aktie trotzte hingegen dem schwachen Markttrend. Das Papier, das noch am Vormittag über zwei Prozent im Minus gelegen hatte, drehte am Nachmittag ins Plus und schloss 0,2 Prozent besser.

Die Anleger griffen zu nachdem bekannt geworden war, dass auch den beiden amerikanischen Konkurrenten Pfizer und Bristol-Myers-Squibb von der Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung ihres gemeinsam entwickelten Thrombose-Medikamentes Eliquis für eine Form von Herzrhythmusstörungen verweigert wurde. Auch dem Bayer-Medikament Xarelto, das ebenfalls als Thrombosemittel eingesetzt wird, war zuletzt das gleiche Schicksal wiederfahren. Die Behörde verlangt in allen Fällen weitere Daten.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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15,11
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+0,20%

Telekom rüstet auf
Die US-Tochter T-Mobile erwirbt vom Mitbewerber Verizon neue Lizenzen, mit denen das Unternehmen die Datenmengen für Smartphones besser bewältigen kann. Finanzielle Details der Vereinbarung wurden nicht veröffentlicht.

Insgesamt sollen 60 Millionen Menschen mehr erreicht werden können. Damit kann T-Mobile USA nach den Worten von Firmenchef Philipp Humm besser auf dem Markt konkurrieren. Die Telekom ist nach dem Scheitern des T-Mobile-Verkaufs an AT&T in Zugzwang, in ihre US-Netze zu investieren. Die Aktie verliert mit dem schwachen Gesamtmarkt, war aber zuletzt gut gelaufen.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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74,27
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+0,12%

BMW und Toyota bald Hybrid-Partner?
Über eine Zusammenarbeit der beiden Automobilhersteller berichtet der "Spiegel" ohne Quellenangabe. Die neue Vereinbarung werde weit über die bisherigen Projekte bei der Motorenauslieferung hinausgehen. Auch in japanischen Presseberichten heißt es, das Toyota BMW Hybridtechnologie liefern wolle. BMW wollte sich am Montag nicht äußern. Die Aktie verlor überdurchschnittlich 2,7 Prozent.

Südzucker: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11,98
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+1,61%

Südzucker auf gutem Kurs
Südzucker-Aktien gehörten nach positiv aufgenommenen vorläufigen Quartalszahlen zu den größten Tagesgewinnern im MDax und legten 1,7 Prozent zu. Der größte europäische Zuckerkonzern hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2012/13 seinen Umsatz um gut 15 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro verbessern können. Das operative Ergebnis stieg um 43 Prozent auf 263 Millionen Euro. Der Konzern profitierte vom hohen Zuckerpreis. Sein Gesamtjahresprognose bestätigte das Unternehmen.

Rheinmetall im Blick
Der Automobilzulieferer und Rüstungskonzern Rheinmetall beendete den Handelstag nach wechselvollem Verlauf letztlich mit einem Abschlag von 1,1 Prozent. Die Aktie hatte zunächst mit Aufschlägen auf die Nachricht reagiert, dass der Großaktionär des Konkurrenten Krauss-Maffei Wegmann (KMW) sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umwandeln und mit Rheinmetall zusammenschließen will. "Es wäre sinnvoll, wir würden den Weg mit Rheinmetall in eine gemeinsame AG gehen", sagte Burkhart Braunbehrens der "Financial Times Deutschland".

Für Kabel braut sich was zusammen
Aktien des Kabelanbieters fielen im MDax überdurchschnittlich um 1,7 Prozent. Zuvor hatten die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF erklärt, dass sie ihre Verträge mit den größten Kabelnetzbetreibern in Deutschland zum 31. Dezember 2012 gekündigt haben. Sie wollen nicht mehr dafür bezahlen, dass ihre Programme in die Netze eingespeist werden. Die sogenannten Einspeiseentgelte seien historisch überholt, sagte MDR-Intendantin Karola Wille am Montag. Betroffen sind auch die nicht-börsennotierten Unternehmen Unitymedia und Kabel Baden-Württemberg. Beide Seiten betonten aber ihren weiteren Verhandlungswillen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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147,72
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-1,32%

Porsche: Schnell zu VW
Der Autohersteller Porsche will möglichst schnell unter das Dach von VW schlüpfen. "So lange zu warten, hilft keinem der Beteiligten - weder den Unternehmen, noch dem Fiskus", sagte der bei der Porsche Holding und bei VW als Vorstandschef agierende Martin Winterkorn am Montag auf der Hauptversammlung in Stuttgart.

Tipp24 nach Abspaltung
Die Aktie des Glückspielanbieters Tipp24 notierten mit deutlichen Verlusten von über vier Prozent, haben aber im Verlauf ihre Abschläge deutlich eingegrenzt. Grund ist die am Montag wirksam gewordenen Abspaltung des Deutschland-Geschäfts "Lotto24". Die Aktie des Unternehmens soll erstmals am 3. Juli notiert werden.

Syzygy hebt Gewinnprognose an
Kräftig gesucht waren Syzygy-Aktien. Das auf Internetanwendungen spezialisierte Technologieunternehmen aus Bad Homburg hatte zuvor erklärt, dass es im laufenden Jahr aufgrund einmaliger positiver Steuereffekte den Gewinn je Aktie um 0,54 Euro steigern wird.

Abschreibung bei Nanostart
Das Unternehmen schreibt seinen Anteil von 50 Prozent plus einer Aktie an seiner Holmenkol-Beteiligung ab. Die Wertberichtigung beläuft sich auf vier Millionen Euro. Auch zukünftig wird nicht mit einer positiven Wertentwicklung gerechnet, hieß es am Nachmittag in einer Mitteilung. In der laufenden Woche soll es eine Stellungnahme des Vorstandes geben, dessen genauer Termin aber noch nicht bekannt ist.

Nanostart ist eine Beteiligungsgesellschaft, die Wagnis-Kapital in junge Unternehmen investiert, die sich mit Nanotechnologie beschäftigen. Die Aktie verliert rund ein Prozent.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr