Die Zukunft fest im Blick

Detlev Landmesser

Stand: 16.04.2009, 20:18 Uhr

Die Anleger sind immer noch freudig bereit, auf zarte Hoffnungszeichen hin Aktien zu kaufen. Dass die Wirtschaftsrealität unverändert düster ist, stört derzeit niemanden.

Der Dax schaffte es erstmals seit Anfang Februar wieder über die Marke von 4.600 Punkten. Der L-Dax beendete den Abendhandel mit 4.618,57 Punkten. Bis zum Abend hat sich auch an der Wall Street eine positive Tendenz durchgesetzt.

Wie gestern der Index der Fed von New York lieferte diesmal der Geschäftsklima-Index der Notenbank von Philadelphia (Philly-Fed-Index) ein Hoffnungssignal. Der Frühindikator zeigte mit minus 24,4 Punkten einen deutlich besseren Wert an als erwartet. Der März-Wert hatte noch bei minus 35,0 Punkten gelegen. Der negative Wert weist gleichwohl weiterhin auf eine sinkende Wirtschaftsaktivität hin. Für Euphorie sei es daher noch zu früh, doch die Aufräumarbeiten begännen offenbar, kommentierten die Experten der Postbank.

Zudem sank die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche überraschend deutlich auf 610.000, während Volkswirte eigentlich von 655.000 Erstanträgen ausgegangen waren.

US-Immobilienmarkt stürzt weiter ab

Die Zahl der Baubeginne in den USA im März wurde dagegen mehr oder weniger übergangen. Diese fielen gegenüber Februar um 10,8 Prozent auf eine auf das Jahr hochgerechnete Zahl von 510.000. Volkswirte hatten eigentlich mit 540.000 gerechnet.

Allerdings lassen sich selbst solche Daten ins Positive wenden: So gehen die Experten der Commerzbank davon aus, dass der amerikanische Wohnungsmarkt seinem Boden nahe ist: "Die Bautätigkeit ist jetzt auf ein derart niedriges Niveau gefallen, dass es kaum noch Raum für einen größeren Rückgang gibt", heißt es in ihrer aktuellen Analyse.

JP Morgan nährt die Bankenfantasie
Für gute Laune sorgte aber nicht zuletzt JP Morgan: Mit einem Quartalsgewinn von 2,1 Milliarden Dollar konnte die Bank die Markterwartungen übertreffen. Nach Goldman Sachs ist JP Morgan damit die zweite US-Großbank, die mit überraschend positiven Quartalszahlen für Zuversicht sorgt. "Dass so mancher Kunstgriff in puncto Bilanzierungsspielräume angewendet wird, stört das Bild des 'Happy Banking' nicht", kommentierte Robert Halver von der Baader Bank.

US-Pleite belastet Coba-Tochter
Kein Wunder, dass die Deutsche Bank und die Commerzbank zur Abwechslung wieder zu den stärksten Dax-Titeln gehörten. Dass die Commerzbank-Tochter Eurohypo von einer der größten Immobilien-Pleiten betroffen ist, störte dabei nur wenige. Die Eurohypo ist Gläubiger des zweitgrößten US-Shoppingmall-Betreibers General Growth Properties, der heute Gläubigerschutz beantragte. Nach Angaben der Eurohypo, die der größte deutsche Pfandbrief-Emittent ist, belaufen sich ihre Forderungen auf rund 260 Millionen Dollar.

Nokia wird schwacher Jahresstart verziehen
Auch die Nokia-Aktie zog kräftig an - trotz eigentlich miserabler Quartalszahlen. Der weltgrößte Handyhersteller lag im ersten Quartal sowohl bei Umsatz als auch bei Ergebnis deutlich unter den Analystenprognosen. Doch blickten die Anleger auch hier nach vorn. Der finnische Konzern bestätigte seinen Ausblick auf das Gesamtjahr und erklärte, dass die Nachfrageentwicklung mittlerweile klarer vorherzusehen sei.

Ebay meldet Milliardenzukauf
Die Aktie von Ebay tendierte in New York seitwärts. Das Internet-Auktionsunternehmen kauft den südkoreanischen Internethändler Gmarket für bis zu 1,2 Milliarden Dollar.

Credit Suisse beflügelt Stahltitel
Im Dax entwickelten sich die Stahlwerte ThyssenKrupp und Salzgitter überdurchschnittlich. Die Credit Suisse hat den gesamten Stahlsektor von "Marketweight" auf "Overweight" hochgestuft. Die Analysten setzen darauf, dass sich die Wirtschaft in China erholt. Zudem würden die Titel der Branche derzeit fast auf historischen Tiefständen bewertet, hieß es zur Begründung.

Arabischer Großauftrag für MAN
Die MAN-Aktie war mit 4,7 Prozent Plus ebenfalls stark gefragt. Der Dax-Konzern hat einen Großauftrag für 400 Busse aus Abu Dhabi erhalten. Das Auftragsvolumen belaufe sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag, teilte MAN Nutzfahrzeuge mit.

Schlechte Zeiten für Edel-Autos
Unter den deutschen Autobauern traf es BMW und Daimler auf dem europäischen Automarkt im März besonders hart. Während die Pkw-Neuzulassungen insgesamt um 9,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr sanken, wiesen die beiden Premium-Hersteller Rückgänge von 20,8 beziehungsweise 14,6 Prozent auf. Dagegen büßte Volkswagen nur 0,3 Prozent ein - hauptsächlich wegen der Abwrackprämie in Deutschland. Der VW-Aktie half das allerdings wenig, während Daimler und BMW sogar zulegen konnten.

K+S weiter im Aufwind
Schon den zweiten Tag in Folge beflügelte Eurochem die K+S-Aktie. Händler verwiesen auf Gerüchte, der russische Düngemittelkonzern bereite ein Übernahmeangebot von 52,50 Euro pro Aktie vor. Eurochem ist bereits Großaktionär bei K+S. Außerdem hat Sal. Oppenheim den Wert von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft. Den fairen Wert sehen die Analysten weiterhin bei 49,90 Euro.

Touristik wieder unter dem Tui-Dach?
Erneut fiel auch die Tui-Aktie mit starken Gewinnen auf. Der MDax-Konzern plane einen Umbau, berichtete die "Hannoversche Allgemeine Zeitung". Das Reisegeschäft in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Polen solle direkt unter das Dach der Muttergesellschaft kommen. Bislang ist der Bereich Zentraleuropa, auf den 40 Prozent der Urlauber entfallen, einer von drei Bereichen der Londoner Tui Travel. Tui hält an der Reisetochter 51 Prozent.

Conergy gewinnt ein Fünftel an Wert
Mit einem Plus von 20 Prozent war Conergy der auffälligste TecDax-Titel. Wahrscheinlich seien Leerverkäufer zu Eindeckungen gezwungen worden, nachdem die Aktie die Marke von 1,00 Euro übersprungen hat, meinten Händler. "Zudem setzen einige wohl ihre Hoffnungen darauf, dass es Conergy bald gelingt, die Preise für Silizium neu zu verhandeln", meinte ein Marktteilnehmer.

Lichtblick für Infineon
Auch die Infineon-Aktie entfernte sich weiter von der Ein-Euro-Marke. Die "FAZ" hatte berichtet, dass im Werk Dresden angesichts einer ausreichenden Orderlage im April und Mai die Kurzarbeit ausfalle. Zudem gebe es Hoffnungen wegen einer möglichen Großfusion im japanischen Chipsektor.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)