Die Zinsen retten den Mittwoch

Stand: 24.02.2010, 20:05 Uhr

Knapp ins Plus rettete sich der Dax an diesem Mittwoch, dank beruhigender Worte von Ben Bernanke vor dem Kongress und zwei guten Firmenbilanzen aus dem Dax. Ansonsten war die Nachrichtenmixtur eher toxisch. Sorgen macht vor allem der amerikanische Immobilienmarkt.

Die Eigenheimstatistik, die am Mittwoch veröffentlich wurde, war eine große Enttäuschung. Dass im Januar nur 309.000 Häuser verkauft wurden statt der erwarteten 360.000 nahmen die Anleger zunächst zum Anlass, sich von ihren Aktien zu trennen. Denn dem amerikanischen Immobilienmarkt kommt eine Schlüsselrolle zu bei der nachhaltigen Wirtschaftserholung in den USA.

Dass Dax und Dow zum Handelsende nicht ins Minus drifteten, verdankten sie vor allem den Aussagen von Ben Bernanke vor dem amerikanischen Kongress. Er bestätigte die Niedrigzinspolitik der Notenbank und sagte, die Zinsen würden noch für lange Zeit sehr niedrig bleiben. Der Dax, der durch Hausmarktstatistik und schwache GfK-Zahlen angeschlagen war, rettete sich zum Handelsschluss knapp über die Nulllinie und schloss 0,2 Prozent fester bei 5.616 Zählern. Im späten Handel kamen noch knappe 20 Punkte hinzu.

Commerzbank abermals unter Abgabedruck
Die Commerzbank-Aktie verlor 2,8 Prozent, eine Reaktion auf die am Dienstag bekannt gegebenen äußerst schlechten Zahlen der Bank. Die Bank hatte einen Verlust von 4,5 Milliarden Euro gemeldet, am Mittwoch verringerten eine Reihe von Analysten ihre Kursziele. Die Commerzbank könnte zudem, berichten Medien, in diesem Jahr eine Kapitalerhöhung von bis zu drei Milliarden Euro vornehmen.

Drei gute Bilanzen, ein schwacher Ausblick
Deutliche Kursgewinne von mehr als vier Prozent verzeichneten die beiden Gesundheitskonzerne Fresenius und Fresenius Medical Care aus dem Dax. Beide Firmen legten am Mittwoch ihre Jahreszahlen vor und überzeugten mit Milliardenumsätzen und hohen Gewinnen. Für 2010 erwarten die Konzerne mehr Umsatz und mehr Gewinn. Auch die MLP-Aktie, im MDax notiert, stieg kräftig um vier Prozent. Die Jahresbilanz 2009 war zwar schwächer als 2008, im vierten Quartal erholte sich das Geschäft des Finanzdienstleisters jedoch deutlich, bis 2012 will MLP die Ebit-Marge verdoppeln. Beim Triebwerkbauer MTU, ebenfalls im MDax notiert, reagieren die Anleger mit deutlichen Verkäufen auf die Bilanz. MTU hatte vergangenes Jahr 20 Prozent weniger Gewinn verbucht, 2010 sollen Umsatz und Gewinn "nur" stabil bleiben. Sieben Prozent Kursverlust war die Folge.

Pfusch in Düsseldorf?
Berichte über Unregelmäßigkeiten auf mehreren deutschen Großbaustellen drückten den Kurs des Baukonzerns Bilfinger Berger um 5,4 Prozent in den Keller. Prominent geht es um die U-Bahn in Düsseldorf. Nun wolle man die Vorfälle "lückenlos" aufarbeiten, sagte ein Konzernsprecher. "Die Vorfälle führen natürlich zu einem Imageschaden." Anleger befürchten wohl noch mehr, nämlich hohe Kosten für die Beseitigung der Schäden und eine schwächere Auftragslage.

Dialog Semiconductor und die Solartitel
Die Aktie des Chipentwicklers Dialog Semiconductor aus dem TecDax verlor 4,8 Prozent. Ein größerer Insider-Verkauf, Aufsichtsratsmitglied Christopher Burke hat sich von 45.000 Aktien im Wert von einer halben Million Euro getrennt, belastete das Papier. Einige Solartitel, darunter Centrotherm, SMA Solar und Q-Cells, waren im TecDax ebenfalls unter Druck. Q-Cells-Papiere wurden am Mittwoch von den Analysten von Merrill Lynch abgestuft. Die Experten senkten das Kursziel auf 5,50 Euro und bekräftigten ihre "Underperform"-Einschätzung.

Intershop legt vor, Estavis verkauft sich
Aus den hinteren Reihen gab es Neuigkeiten von Intershop und Estavis. Das Softwareunternehmen Intershop legte passable Zahlen vor, der Umsatz stieg 2009 um 13 Prozent, der Gewinn erreichte 1,7 Millionen Euro. Auch für 2010 ist Intershop zuversichtlich, die Aktie legte 5,4 Prozent zu. Auch das Immobilienunternehmen Estavis kann bei seinen Anlegern punkten. Das SDax-Unternehmen TAG steigt mit 15 Prozent bei Estavis ein und zahlt dafür 2,35 Euro je Aktie, was einem 37-prozentigen Aufschlag auf den Schlusskurs von gestern entspricht.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)