Marktbericht 20:07

Erneut Verluste für den Dax Die Wolken werden dunkler

Stand: 27.01.2014, 20:07 Uhr

Ende der Aktienhausse oder nur eine ganz normale Korrektur? Am Aktienmarkt herrscht Verunsicherung, wie es nach der Hausse des Vorjahres weitergeht. Zumal immer neue Probleme am Horizont auftauchen.

Nach dem Ausverkauf vom Freitag sind die Investoren zum Wochenbeginn nicht wieder zu billigeren Kursen eingestiegen. Der deutsche Leitindex Dax verlor am Ende trotz ermutigender heimischer Konjunkturdaten 0,46 Prozent auf 9.349 Punkte und musste damit zum Wochenstart weitere Verluste einstecken. Deutlich stärker bergab ging es im Technologieindex TecDax, der 1,9 Prozent verlor. Auch nachbörslich tendierte der L/E-Dax leichter und schloss bei 9.331 Punkten.

Weder der erneut gestiegene Ifo-Geschäftsklimaindex für den Januar am Vormittag, noch die positiven Kommentare der Bundesbank zu den Aussichten der heimischen Wirtschaft haben die Gnade der Anleger gefunden.

Schwellenländer weiter unter Druck

Da zudem auch die Wall Street nach anfänglichen Gewinnen aktuell keine klare Richtung findet, verabschiedeten sich die Anleger am Nachmittag mehr und mehr vom Markt. Zudem ging auch heute die Unsicherheit an den Märkten zahlreicher Schwellenländer weiter.

In der Türkei wurde der tagelange Sinkflug der Landeswährung Lira erst gestoppt, als die Notenbank eine Sondersitzung ankündigte. Experten rechnen mit einer baldigen Zinserhöhung. Nicht zuletzt die Erwartung eines sukzessiven Endes der Liquiditätsflut der Fed hat viele Investoren dazu veranlasst umzuschichten, und dabei ihr Geld aus den Schwellenländern abzuziehen.

Warten auf neue Zahlen und die Fed

Die Investoren blicken nun auf die am Dienstag und Mittwoch auf der Agenda stehende Sitzung des Zinsausschusses der US-Notenbank sowie den Fortgang der Berichtssaison. Bereits seit längerem gibt es mahnenden Stimmen, dass das Anziehen der geldpolitischen Zügel sehr behutsam erfolgen muss, um Verwerfungen an den aufstrebenden Märkten und deren Währungen möglichst zu vermeiden.

Der Blick dürfte sich morgen aber auch auf die heimische Berichtssaison richten, die langsam an Fahrt aufnimmt. Mit Siemens steht sowohl die Hauptversammlung und das Zahlenwerk des Dax-Schwergewichts auf der Agenda. Das Siemens-Papier legte im Vorfeld gegen den Trend 1,1 Prozent zu.

Die kommenden Daten, das hat die Vergangenheit schon des Öfteren gezeigt, haben dabei allemal das Zeug, dass die Karten am Aktienmarkt wieder neu gemischt werden können. Auch am Devisenmarkt warten die Marktteilnehmer auf die Zinssitzung. Der Euro tendierte heute seitwärts unter der Marke von 1,37 Dollar.

Personalentscheidungen im Blick

Zur richtungslosen Tagestendenz passte es, dass ausgerechnet eine Personalentscheidungen bei den Dax-Konzernen Lanxess und Merck für deutliche Bewegung sorgte. Die Aktie der Darmstädter Merck KGaA kam dabei mit einem Abschlag von über zehn Prozent deutlich unter die Räder und war größter Tagesverlierer im Dax.

Dass Papier rauschte in den Keller, nachdem bekannt wurde, dass Finanzchef Matthias Zachert das Unternehmen verlässt und neuer Firmenchef beim Spezialchemiekonzern Lanxess wird. Für Merck sei das ein "großer Verlust", erklärte ein Händler.

Lanxess: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
67,16
Differenz relativ
-0,80%

Im Gegenzug legte das Lanxess-Papier 8,2 Prozent zu und war damit mit Abstand bester Dax-Wert. Mit dem neuen Chef steigt die Hoffnung der Aktionäre, dass der zuletzt enttäuschende Geschäftsverlauf des Spezialchemiekonzerns wieder anzieht.

Investor wettet auf ThyssenKrupp-Anstieg

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,33
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-1,78%

Gefragt waren auch ThyssenKrupp-Aktien, wenn auch in wesentlich bescheidenerem Ausmaß. Das Papier legte 1,1 Prozent zu, weil der Finanzinvestor Cevian hat seinen Anteil auf über zehn Prozent angehoben hat (Finanzkreise sprechen von 12 bis 15 Prozent) und in den Aufsichtsrat strebt. Laut Cevian dient die Investition allerdings nicht der Umsetzung strategischer Ziele, sondern der Erzielung von Handelsgewinnen.

Die ThyssenKrupp-Aktie befindet sich seit Mitte Dezember wieder auf Klettertour, nachdem das Papier zuvor zurückgefallen war. Um sich jedoch weiteres Aufwärtspotenzial zu verschaffen, müsste sie nun das November-Hoch bei 19,60 Euro rasch überwinden. Sonst droht in Verbindung mit dem Januar-Hoch (19,56 Euro) eine unschöne Doppel-Top-Formation.

SAP in Angriffslaune

Auch die SAP-Aktie legte zu. Finanzvorstand Werner Brandt hatte sich am Wochenende selbtsbewusst zu Wort gemeldet: In der "Euro am Sonntag" gab er sich besonders übernahmehungrig: Bei Zukäufen "könnten wir fast jede Größenordnung stemmen", so Brandt. Als mögliche Akquisitionsziele bezeichnete Brandt Cloud-Anbieter.

Auflagen für Fresenius

Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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65,00
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Aus kartellrechtlichen Gründen muss der Bad Homburger Gesundheitskonzern bei der Übernahme der Kliniken von Rhön-Klinikum Abstriche machen. Wie Fresenius am Montag mitteilte, werden insgesamt fünf Kliniken mit einem Gesamtumsatz von rund 160 Millionen Euro von der Übernahme ausgeschlossen.

Damit sollen insgesamt 40 Kliniken und 13 medizinische Versorgungszentren einen neuen Besitzer bekommen. Fresenius plant, insgesamt rund drei Milliarden Euro auszugeben. Die Kartellbehörde will sich noch bis Ende Februar mit der Prüfung Zeit lassen. Die Fresenius-Aktie gab 0,9 Prozent ab.

Obermann verlässt Ziggo

Der ehemalige Telekomchef René Obermann verlässt nach der Übernahme durch den US-Kabelkonzern Liberty Global das niederländische Unternehmen schon wieder. Obermann war erst zu Jahresbeginn auf den Chefsessel von Ziggo gewechselt. Liberty, der weltgrößte Kabelbetreiber, zahlt in bar und übernimmt auch die Schulden von Ziggo. Damit beträgt der Gesamtwert des Geschäftes rund zehn Milliarden Euro. In Deutschland gehören bereits Unitymedia und Kabel BW zum Portfolio der Amerikaner.

Medigene-Zukauf kommt gut an

Die im Prime Standard der Frankfurter Börse notierte Biotech-Aktie Medigene legte über vier Prozent zu. Die Anleger honorierten die Übernahme der Münchener Trianta Immunotherapies GmbH. Diese verfügt über drei vielversprechende Immuntherapie-Plattformen bei der Krebsbekämpfung. Diese Therapieform stößt auf zunehmendes Interesse der Pharmaindustrie. Medigene-Chef Frank Mathias sprach von einer "transformierenden Akquisistion" für das Unternehmen.

Medigene zahlt in eigenen Aktien und nutzt dazu das genehmigte Kapital, um 1.017.811 neue Aktien im Wert von rund vier Millionen Euro auszugeben. Des Weiteren wurden den Trianta-Gesellschaftern stufenweise Meilensteinzahlungen von bis zu 5,875 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Ernüchterung bei Vodafone

Die Übernahmefantasie ist erst einmal raus aus der Vodafone-Aktie, nachdem der US-Markführer AT&T erklärt hat, dass er nicht an einer Übernahme des britischen Telekom-Rivalen interessiert sei. Die Aktie verliert an der Londoner Börse deutlich fast vier Prozent.

Gleichzeitig wird Vodafone in Presseberichten mit dem spanischen Kabelnetzbetreiber Ono in Verbindung gebracht, der angeblich für 6,4 Milliarden Euro auf der Wunschliste der Briten stehen soll. Auch die T-Aktie verliert in einem schwachen Branchenumfeld knapp ein Prozent, AT&T-Papiere liegen in New York hingegen aktuell leicht besser im Markt.

Vodafone: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,99
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+0,36%
AT&T: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
28,95
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+0,24%
Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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13,94
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RBS mit hohen Rückstellungen

Die sich größtenteils in Staatsbesitz befindliche Royal Bank of Scotland muss weitere Milliardenbeträge für Rechtsrisiken zurückstellen. Insgesamt sind zusätzlich drei Milliarden Pfund zurückgestellt worden. Der größte Batzen mit 1,9 Milliarden Pfund sei für Forderungen aus einem Rechtsstreit über den Verkauf fragwürdiger Hypothekenpapiere in den USA reserviert worden. RBS war 2008 mit 45 Milliarden Pfund vor dem Kollaps gerettet worden.

Airbus-Stellenabbau wird konkreter

Die Stellenstreichungen bei Airbus werden konkreter. Wie aus Gewerkschaftskreisen durchsickerte, sind vor allem deutsche Standorte besonders hart betroffen. Der avisierte Konzernumbau betreffe hierzulande 2438 Arbeitsplätze, davon 1010 im Eurofighter-Werk im bayerischen Manching. Auch andere europäische Standorte sind betroffen, insgesamt geht es um 5.291 Arbeitsplätze. Die Pläne für das Rüstungsgeschäft wurden bereits im Dezember bekanntgemacht. Damals wurden allerdings noch niedrigere Zahlen genannt.

Samsung und Ericsson schließen Frieden

Die beiden Unternehmen haben ihren bereits seit Ende 2012 laufenden Patentstreit beigelegt. Die Schweden hatten Samsung seinerzeit wegen Patentverstößen verklagt, woraufhin Samsung mit einer Gegenklage geantwortet hatte. Zukünftig wird es jetzt eine gegenseitige Lizenzvereinbarung geben, wobei Samsung regelmäßig Nutzungsgebühren sowie eine Anfangszahlung leistet.

Die Vereinbarung werde sich ergebnisseitig unmittelbar im Umfang von 370 Millionen Euro im vierten Quartal auf die Zahlen auswirken, erklärte der schwedische Netzwerkausrüster. Der Grund für Samsungs Versöhnungs-Kurs: Der südkoreanische Smartphone-Marktführer will seine Position kurz vor dem nächsten großen Patentprozess gegen Apple stärken. Noch wichtiger könnte für Samsung aber auf Dauer eine Kooperation mit Google sein, die ebenfalls am Montag bekanntgegeben wurde. Die beiden Unternehmen wollen sich in den kommenden zehn Jahren gegenseitig Zugang zu ihren Erfindungen gewähren.

Robot-Google

Alphabet A: Kursverlauf am Börsenplatz Tradegate für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.061,94
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Derweil stößt Google das Tor in Richtung künstliche Intelligenz weiter auf. Der Internet-Riese bestätigte die Übernahme des Start-ups DeepMind unter anderem dem Technologieblog "Recode" und dem "Wall Street Journal" in der Nacht zum Montag.

Apple: Die Spannung steigt

Auch Apple macht mal wieder auf sich aufmerksam: Der Konzern arbeitet laut dem gewöhnlich gut informierten "Wall Street Journal" an einem mobilen Bezahldienst für seine Geräte. Apple legt heute Abend nach US-Börsenschluss seine mit Spannung erwarteten Quartalszahlen vor. Die Aktie liegt aktuell an der Nasdaq 1,14 Prozent im Plus.

Caterpillar deutlich im Aufwind

Die bei den Börsianern auch gerne als Konjunkturindikator gesehene Aktie des Baumaschinenherstellers ist stark gefragt, nachdem das Zahlenwerk für das vierte Quartal mit einem Gewinn je Aktie von 1,55 Dollar deutlich über den Erwartungen von 1,28 Dollar lag. Auch im Ausblick für 2014 äußerte sich das Management zuversichtlich und will auch eigene Aktien zurückkaufen.

Sony nur noch Ramsch

Die Sony-Aktie gab in einem schwachen Gesamtmarkt an der Tokioter Börse knapp drei Prozent nach, nachdem die Ratingagentur Moody's die Bonität des japanischen Elektronikkonzerns abgestuft hat. Die Agentur stuft das Unternehmen nur noch mit Ba1 und damit nicht mehr mit einem Investment-Grade-Rating ein, bei allerdings stabilem Ausblick. Fällt die Bonitätsbewertung unter die Grenze des Investment Grade sprechen die Kreditanalysten von Ramschniveau.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.