Die Woche ist gerettet

Stand: 24.09.2010, 20:01 Uhr

Neuer Konjunkturoptimismus in den USA hat die Anleger am Freitag aus ihrer Lethargie gerissen. Wie befreit legte der Dax 1,8 Prozent zu und verpasste nur ganz knapp die 6.300-Punktemarke. Im Dax war nur von Merck-Aktionären Heulen und Zähneklappern zu vernehmen.

Drei Tage hintereinander schloss der Dax mit Verlusten. Und auch der Freitag schien ein gar nicht so berauschender Handelstag zu werden. Der Dax begann im Minus, und selbst der gute Ifo-Geschäftsklimaindex schaffte es nicht, die lethargischen Anleger zu motivieren.

Freundliche Zahlen von der amerikanischen Wirtschaftsentwicklung ließen am Nachmittag die Optimisten das Ruder übernehmen. Binnen kurzer Zeit drehte der Dax ins Plus und schloss, im Kielwasser der ebenfalls sehr freundlichen Wall Street, 1,8 Prozent besser bei 6.298 Punkten. Womit auch die Wochenbilanz gerettet ist. Von Montag bis Freitag steht nun beim Dax ein Plus von 1,4 Prozent zu Buche.

Was den Aktionären eine derartige Freude bereitet hatte, waren die jüngsten Zahlen zum Auftragseingang langfristiger Güter in den USA. Zwar entwickelte sich die Statistik im August etwas schlechter als erwartet, ohne den Transportsektor gewann der Ordereingang jedoch an Fahrt und legte sogar leicht zu. Die Schwäche des Transportsektors war vor allem auf den Rückgang von Flugzeugbestellungen bei Boeing zurückzuführen.

Mit den Ordereingängen hatte der Markt seine gute Nachricht gefunden, nach der er gesucht hatte, kommentierten Marktbeobachter die rasante Aufholjagd an den Märkten.

Der Dax zeigte sich als Spielfeld der Konjunkturoptimisten. Ganz oben bei den Gewinnern lagen so konjunktursensiblen Titel wie die der Autohersteller und Vertreter der Chiphersteller und Chemiebranche, Siemens und Infineon. Vergleichsweise unterdurchschnittlich beendeten die Versorger, das Medizintechnikunternehmen Fresenius und der Einzelhandelskonzern Metro den Handel.

Gold und Euro legen zu
Der Goldpreis schwang sich am Freitag weiter in die Höhe und verfehlte nur äußerst knapp die Marke von 1.300 Dollar je Feinunze. Zugleich verteuerte sich auch der Euro, der mehr als ein Cent auf über 1,345 Dollar zulegte. Händler begründeten die Eurostärke mit der Erwartung, dass die amerikanische Notenbank ihre Geldpolitik weiter lockert.

Rückschlag für Merck

Im Dax gab es bei Handelsschluss lediglich einen Kursverlierer. Die Aktie des Pharmakonzerns Merck beendete den Handel mit einem Verlust von 10,2 Prozent. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte sich gegen die Markteinführung des MS-Medikamentes Cladribin von Merck entschieden. Die Behörde wies auf die Risiken des großen Merck-Hoffnungsträgers hin und merkte an, dass ihrer Meinung nach die Vorteile die Nachteile nicht aufwiegen würden.

Lkw und Turnschuhe
Äußerst starke Kursgewinne verbuchte die Aktie des Lkw-Herstellers MAN, die 6,2 Prozent zulegte. Die Aktie profitierte von den Absatzzahlen des Herstellerverbandes ACEA. Dieser hatte mitgeteilt, dass der Lkw-Absatz in Europa im August um ein Zehntel gestiegen sei. Außerdem gab es eine freundliche Analystenstudie. Die Fachleute von Nomura hatten der Aktie am Morgen ein neues verbessertes Kursziel verpasst. Bei 92 Euro sehen die Analysten den neuen fairen Wert, derzeit notiert MAN bei knapp 81 Euro.

Auch das Papier des Sportartikelherstellers Adidas legte kräftig zu. Die Anleger reagierten auf gute Vorgaben eines Konkurrenten aus Amerika. Nike hatte das erste Quartal seines neuen Geschäftsjahres mit einem Gewinnplus von neun Prozent auf 559 Millionen Euro abgeschlossen. Besonders gute Geschäfte meldete Nike aus den USA, China und den Schwellenländern.

Axel Springer platziert erfolgreich
Der Medienkonzern Axel Springer platzierte am Freitag rund 5,48 Millionen Aktien aus eigenem und dem Besitz der Deutschen Bank für je 92 Euro. Käufer der Aktien waren institutionelle Investoren, die für einen Frischkapitalzufluss bei Springer von 250 Millionen Euro sorgten. Der Konzern will das frische Geld in die weitere Digitalisierung und die Expansion ins Ausland stecken. Der Streubesitz erhöht sich nach der Platzierung von 24 auf 41 Prozent. Die Aktie schloss leicht im Plus, nachdem sie den längsten Teil des Handels im Minus notiert hatte.

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
131,50
Differenz relativ
-4,54%

Conti heraufgestuft
Im MDax stieg die Aktie des Automobilzulieferers Continental um sechs Prozent. Händler verwiesen auf eine neue, gute Studie der Deutschen Bank. Die Fachleute hatten das Kursziel für Conti-Aktien von 63 auf 68 Euro angehoben. Sie begründeten dies mit den besseren Aussichten für die europäische Auto-Konjunktur.

Glaxo bangt um Avandia
Ähnlich wie Merck kämpft das britische Arzneimittelunternehmen GlaxoSmithKline mit Problemen bei einem Blockbuster. Die Firma soll ihr Diabetesmittel Avandia komplett vom Markt nehmen, empfiehlt die EU-Arzneimittelbehörde. Die EMA verwies auf das erhöhte Herzinfarktrisiko des Mittels. Auch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA schränkte den Zugang zu Avandia "erheblich" ein. Der Streit um das Medikament ist nicht neu, die Aktie des britischen Konzerns reagierte auf die Nachricht daher kaum.

Bankenaufspaltung in England?
In Großbritannien könnte es möglicherweise eine Aufspaltung von Großbanken nach amerikanischem Vorbild geben. Eine von der Regierung gegründete Kommission meldete am Freitag, sie prüfe die Trennung der Institute in Privatkundengeschäft und Investmentbanking. Außerdem untersuche man, welche Folgen die Beschränkung von Eigenhandel und Investment hätten. Die britische Bankenlandschaft war durch die Krise stark ins Wanken geraten. Die Großbank Lloyds musste durch eine Teilverstaatlichung gerettet werden. Analysten erwarten nicht, dass sich die Kommission mit der Forderung nach einer Bankenaufspaltung durchsetzen kann, Aktien britischer Banken notieren am Freitag daher unauffällig.

Die britischen HSBC meldete am Freitag Abend, dass der langjährige Vorstandschef Michael Geoghegan Ende des Jahres zurücktreten werde. Abgelöst wird er von Stuart Gulliver, dem bisherigen Leiter des Investmentbankings. Finanzdirektor Douglas Flint wird neuer Chef des Verwaltungsrates.

Petrobras beginnt Kapitalerhöhung
Der brasilianische Ölkonzern Petrobras will ab Montag kommender Woche seine angekündigte Kapitalerhöhung durchführen. Der Konzern plant, die gigantische Summe von 70 Milliarden Dollar damit einzunehmen. Damit wäre dies die größte jemals durchgeführte Kapitalerhöhung. Petrobras will mit dem Geld vor allem die Erschließung von Tiefseeölfeldern im Atlantik finanzieren.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier