Die Woche endet versöhnlich

von Karsten Leckebusch

Stand: 25.04.2008, 19:58 Uhr

Knapp 6.900 Punkte und ein Plus von mehr als ein Prozent. Die Anleger haben wieder Mut gefasst. Am Freitag standen Quartalszahlen im Mittelpunkt, die Wall Street dämpfte die gute Stimmung ein wenig.

Kursverluste an den US-Börsen beeinträchtigten die Rally-Stimmung im Dax. Wegen schwacher Konjunkturzahlen und einem nicht zufrieden stellenden Geschäftsausblick des Softwarekonzerns Microsoft notierte die Wall Street bei Handelsschluss in Frankfurt im roten Terrain.

Die schlechte US-Verbrauchervertrauensstatistik brachte die Anleger aus dem Tritt. Der von der Universität Michigan festgestellte Index fiel im April kräftiger als erwartet auf 62,6 Punkte und damit auf den tiefsten Stand sei 1982. Als Grund wurden die hohen Preise für Energie und Lebensmittel genannt.

Der Dax gab im Verlauf des Nachmittags daher einen Teil seiner hohen Kursgewinne wieder ab um beendete den Xetra-Handel mit einem Aufschlag von 1,1 Prozent und 6.897 Punkten. Im späten Handel in Frankfurt übersprang der L-Dax allerdings die 6.900-Punktemarke und wurde zum Handelsende bei 6.907 Punkten festgestellt.

Während die Wall Street aber recht deutlich ins Minus rutschte und der Nasdaq Composite Index mit einem Minus von mehr als einem Prozent notierte, hatten am deutschen Aktienmarkt die beachtlichen Kursgewinne Bestand, dank guter Unternehmensbilanzen und Prognosen.

Die Dax-Gewinner
An der Dax-Spitze gewann die Aktie des Münchener Autoherstellers BMW 4,3 Prozent. Der Autokonzern bestätigte trotz eines schwachen US-Geschäftes seine Geschäftsprognosen. Wegen der Probleme in den USA hatte BMW am Donnerstag noch angekündigt, 236 Millionen Euro zurück zu stellen.

Ebenfalls mehr als vier Prozent gewann die Lufthansa-Aktie. Die Anleger reagierten auf die Quartalszahlen, die die Fluggesellschaft am Donnerstag bekannt gegeben hatte. Die Lufthansa hatte sich außerdem zuversichtlichen für das laufende Jahr geäußert. Analysten belohnten dies am Freitag mit optimistischen Einschätzungen.

An Platz drei der Dax-Top-Liste platzierte sich der Pharma- und Chemiekonzern Bayer. Die Aktien legten um 3,1 Prozent zu. Auf der Hauptversammlung bekräftigte Bayer, dass auch 2008 ein Rekordergebnis sein werde. Außerdem berichtete Bayer über Klagen aus den USA gegen das Herzmittel Trasylol. "Klagen außerhalb der USA sind uns nicht bekannt", sagte Bayer-Chef Werner Wenning.

MAN hebt Prognose an
Der Lastwagenhersteller und Maschinenbauer MAN hat im ersten Quartal sein operatives Ergebnis um 43 Prozent auf 455 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz verbesserte sich um 16 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Der Konzern hob die Umsatzprognose für 2008 von fünf auf zehn Prozent an. Die Aktie gewann 0,3 Prozent.

Continental profitiert
Der Reifenhersteller und Automobilzulieferer profitierte von einer guten Bilanz des amerikanischen Konkurrenten Goodyear, der dank teurerer Produkte, schwachem Dollar und höherer Preise im ersten Quartal wieder einen Gewinn machte. Außerdem sagte Conti-Chef Manfred Wennemer auf der HV in Hannover, dass sein Konzern in Asien bis 2015 einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent anstrebe. Die Aktie stieg um 2,4 Prozent.

Heftige Verluste?
Vermeintlich heftige Kursverluste verbuchten die Papiere von BASF, Volkswagen und Springer. Diese Aktien wurden am Freitag, nach den Hauptversammlungen am Donnerstag, ex Dividende gehandelt. Bei BASF sind dies 3,90 Euro, bei VW 1,80 Euro, bei Springer vier Euro je Aktie.

Thyssenkrupp leidet unter Nippon Steel
Thyssenkrupp-Papiere fielen ohne Dividendenabschlag um 1,4 Prozent. Branchenkollege Nippon Steel rechnet nach einem schwachen Geschäftsjahr mit weiter sinkenden Gewinnen. Schuld seien hohe Rohstoff- und Transportkosten. Die Anleger nahmen ThyssenKrupp in Sippenhaft.

ProSieben ein Viertel weniger wert
Ebenfalls echte und sehr kräftige Kursverluste musste die ProSiebenSat.1-Aktie hinnehmen. 26,4 Prozent verlor das Papier des im MDax notierten Senderkonglomerats. Der Konzern meldete eine äußerst schwache Quartalsbilanz. Der Erlös sank um zwei Prozent auf 729 Millionen Euro, der Gewinn brach um ein Viertel auf 88,5 Millionen Euro ein. Wegen der Flaute im Werbemarkt sieht es auch für das zweite Quartal nicht gut aus.

Deutsche Bank weckt Hoffnungen
Der Bankensektor beschloss den Handelstag mit Kursgewinnen. Ein Grund dafür waren Berichte, wonach die Deutsche Bank für Teile des Europageschäftes der Citigroup bieten wolle. "Die Banken trauen sich nach den ganzen Negativmeldungen zur Subprimekrise wieder was zu. Das schafft an der Börse Vertrauen", kommentierte ein Händler. Die Deutsche Bank-Aktie stieg um 0,8 Prozent, Commerzbank-Aktien kletterten um 2,4 Prozent.

Commerzbank steigt bei Hochtief ein
Die Commerzbank hat rund zwölf Prozent der Anteile an dem Essener Baukonzern Hochtief erworben. Die Bank teilte mit, dass sie seit zehn Tagen diesen Anteil halte. Die Aufstockung sei nur vorübergehend, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Größter Einzelaktionär des größten deutschen Baukonzerns ist immer noch der spanische Konzern ACS, der 25,08 Prozent an Hochtief hält. Hochtief-Aktien stiegen um 2,4 Prozent.

Insolvenz und Icatibant
Die operative Thielert-Tochter Thielert Aircraft Engines meldete am Donnerstag Insolvenz an. Einen Tag, nach dem die Thielert-Aktie etwa 80 Prozent verlor, rappelte sich der Kurs zunächst auf. Die Aktie schloss dann aber unverändert.

Jerini-Aktien erholten sich um 30 Prozent. Am Donnerstag brach die Aktie massiv ein, weil die US-Gesundheitsbehörde das Jerini-Medikament Icatibant nicht zulassen wird. Die Nachricht, dass wenigstens die europäische Arzneimittelbehörde EMEA das Medikament zur Zulassung empfiehlt, sorgte für den Kurssprung am Freitag. Zwischenzeitlich notierten Jerini-Aktie sogar 100 Prozent höher.

Erster IPO des Jahres
Aktien den Börsenneulings Ropal stiegen an ihrem ersten Handelstag kräftig. Der Spezialbeschichtungshersteller hatte seine Aktien zu 7,50 Euro ausgegeben, der erste Kurs im Entry Standard wurde bei 8,90 Euro festgestellt. Ropal-Aktien beendeten den elektronischen Handel bei einem Kurs von 9,6 Euro.

Was sonst geschah
Der Industrieausrüster R. Stahl verbesserte seinen Umsatz im vergangenen Quartal um 14 Prozent auf 54 Millionen Euro, das Vorsteuerergebnis stieg auf 6,6 Millionen Euro. 2011 will R. Stahl einen Umsatz von 300 Millionen Euro erreichen, die Aktie zog um 4,1 Prozent an.

Der Automatisierungsspezialist Rohwedder hat wegen hoher Kosten für Zukäufe einen hohen Jahresverlust verbucht. 2007 betrug der Nettoverlust 1,7 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 6,8 Millionen Euro im Jahr 2006. Die Rohwedder-Aktie beschloss den Handel trotzdem mit einem leichten Plus von 0,5 Prozent.

Kräftige Kursanstiege ohne Nachrichten verzeichneten unter anderem die Aktien von Bilfinger Berger (plus 6,5 Prozent), Patrizia (11,3 Prozent) und Bauer (sieben Prozent).

Die im MDax notierten Maschinenbauer Kuka und Gildemeister verteuerten sich um 4,8 beziehungsweise 5,4 Prozent. Die beiden Maschinenbauaktien übernehmen auch die Spitzenplätze im der Wochenperformance. Die Aktien legten von Montag bis Freitag um mehr als zehn Prozent zu.

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