Die Woche endet unentschieden

Stand: 04.03.2011, 19:58 Uhr

Die neu aufflammenden Kämpfe in Libyen haben am Freitagnachmittag die Kapitalmärkte rund um den Globus belastet. Der Dax verlor 0,7 Prozent und beendet die Woche mit einem Nullsummenspiel. Im späten Handel zog die Wall Street die Kurse noch weiter runter.

Bei 7.173 Punkten begann der Dax die Woche, bei 7.179 beendete er sie. Dass der Leitindex am Dienstag bis auf 7.356 Punkte nach oben kletterte und auch den Freitag mit Kursgewinnen über die 7.300-Punktemarke begann, wurde zunichte gemacht von einer starken Verunsicherung, die am Nachmittag den Dax schließlich 0,7 Prozent schwächer schließen ließ.

Auch in den USA war dieser Unruhe zu spüren. Was viele fürchten, sagte ein Händler, sei, dass die Unruhen von Libyen auf andere arabische Länder übergreifen könnten. Wäre Saudi-Arabien betroffen, "wäre das eine Katastrophe". Auch in New York gingen die Anleger kein Risiko ein, der Dow Jones notierte mehr als ein Prozent schwächer, als in Frankfurt der Parketthandel beendet wurde. Der LDax gab gegenüber dem Xetra-Schlusskurs noch 30 Punkte nach.

Amerikanische Konjunkturdaten fielen zwar besser aus als erwartet, honoriert wurde dies dennoch nicht. Als "nicht allzu beeindruckend" wurden die 195.000 neu geschaffenen Stellen im Februar abgetan. Die Prognose übertrafen die Arbeitsmarktdaten zwar, doch lagen die inoffiziellen Schätzungen wohl noch darüber.

Der Euro machte sich nach den schwach aufgenommenen amerikanischen Arbeitsmarktdaten wieder auf den Weg nach oben und durchbrach kurzfristig die 1,40-Dollarmarke. Dies wurde auch nicht von einer erneuten Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens beeinträchtigt. Die Ratingagentur Fitch senkte ihren Kreditausblick für Spanien auf "negativ".

Defensives war gefragt
Lediglich eine Handvoll Aktien aus dem Dax schlossen mit Kursgewinnen. Fresenius, Merck und Henkel waren wegen ihres defensiven Charakters gefragt. Auch unter den Gewinnern waren die Versicherer Münchener Rück und Allianz, die aber in den vergangenen Tagen deutlich eingebüßt hatten.

MAN ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
95,80
Differenz relativ
-0,31%

Straffreiheit für MAN?
Der Dax-Konzern MAN könnte in dem seit längerem von der EU-Kommission angestrengten Verfahren gegen europäische Lkw-Hersteller wegen Preisabsprechen straffrei ausgehen. MAN habe das Verfahren selbst angestoßen und könnte als "Kronzeuge" der möglicherweise millionenschweren Bestrafung durch die EU entgehen, schreibt die "Financial Times". In dem Verfahren geht es darum, dass MAN, Scania, Daimler, Volvo und Iveco angeblich Preise abgesprochen haben. Im Januar wurden europaweit Büros der Firmen durchsucht.

Indizes: Neu gemischt
Der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse hat die Zusammensetzung der Dax-Indizes neu berechnet. Diesmal gab es Veränderungen im TecDax und im SDax. Neu in den TecDax rücken das Telefonunternehmen Gigaset und Süss Microtec auf und ersetzen dort Conergy und Manz Automation.

Im SDax trifft es die Aktien des Holzverarbeiters Pfleiderer. Das Unternehmen kämpft derzeit um sein Überleben und wird aus dem Index entfernt. Nachfolger wird das bisher nur Eingeweihten bekannte Immobilienunternehmen Hamborner REIT. Alle Änderungen treten am 21. März in Kraft.

Celesio erwartet mehr Umsatz und Gewinn
Der im MDax notierte Pharmagroßhändler Celesio legt zwar erst am 23. März seine Jahresbilanz vor, doch hat Vorstandschef Fritz Oesterle bereits jetzt seine Schätzung für das Jahr 2010 genannte. Er rechne damit, sagte er der "Wirtschaftswoche", dass Celesio im vergangenen Jahr etwa 23 Milliarden Euro umgesetzt habe. Das seien 1,5 Milliarden mehr als 2009. Oesterle zeigte sich auch zuversichtlich, dass Celeseio die Ergebnisprognose von 670 bis 690 Millionen Euro erreichen wird.

Kabel Deutschland: Cable Holding verringert
Im MDax verlor die Aktie des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland fast vier Prozent. Die Beteiligungsgesellschaft Cable Holding verringerte, wie die Gesellschaft am Morgen mittteilte, ihre Beteiligung am Kabelnetzbetreiber weiter. Dazu verkaufte sie 20 Millionen Aktien zum Preis von je 38 Euro an institutionelle Investoren.

Hannover Rück erholen sich
Die Papiere des im MDax notierten Rückversichers Hannover Rück schlossen am Freitag deutlich erholt. Die Firma fiel zwar wieder mit negativen Nachrichten auf: Das jüngste Erdbeben in Neuseeland werde die Firma fast so stark treffen wie das Beben in Chile vor einem Jahr, mit einer Nettoschadensbelastung von etwa 150 Millionen Euro. Da die Aktie in dieser Woche aber bisher stark abgegeben hatte, legte sie 1,8 Prozent zu.

E10: Biospritfirmen jubeln
Aktien der an der Börse notierten Biospritfirmen legten am Freitag deutlich zu. Damit holten sie aber nur ihre heftigen Vortagesverluste auf, als sie wegen der Unsicherheitswelle wegen des angeblichen Stopps des neuen Biosprits E10 stark gefallen waren. Cropenergies bestätigte am Freitag zudem die Jahresprognose, um diese Befürchtungen ganz aus dem Weg zu räumen.

Zahlen und Prognosen
Die im SDax notierte Fluglinie Air Berlin hat für spätestens 2012 wieder schwarze Zahlen angekündigt, "wenn unsere Mitgliedschaft in der Flugallianz Oneworld wirkt", wie sich Air Berlin-Chef Joachim Hunold ausdrückte. 2010 hatte die Firma wegen des harten Winters einen Verlust gemacht. Handfeste Monatszahlen legte der Billigflieger Easyjet. Die britische Firma verbuchte einen Passagierzuwachs um 13,1 Prozent auf 3,8 Millionen Leute. Bereits im Januar flogen 19 Prozent mehr Menschen mit Easyjet als vor einem Jahr.

Gagfah wird verklagt
Die Aktie des Immobilienunternehmens Gagfah aus dem MDax schloss 12,2 Prozent schwächer. Die Aktie wurde am Nachmittag belastet von einer möglichen Klage der Stadt Dresden gegen den Konzern. Die Stadt habe Gagfah informiert, so die Firma in einer Mitteilung, dass sie eine Klage gegen Tochterfirmen erwäge. Grund seien angebliche Verletzungen bestimmter Verpflichtungen, die Gagfah bei der Privatisierung von Wohnungen eingegangen sei.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)