Die Wirtschaftssorgen sind wieder da

Stand: 03.04.2009, 20:01 Uhr

Auch wenn sich die Wochenbilanz des Dax durchaus sehen lassen kann. Der Freitag war ein eher ernüchternder Handelstag. Konjunkturdaten aus den USA zeigten, die Krise ist immer noch da, der Dax schloss unverändert.

Die Kursgewinne, die der deutsche Leitindex im Laufe des Tages angesammelt hatte, schmolzen dahin, als schwache amerikanische Konjunkturzahlen die Wall Street am Nachmittag unter Druck setzten.

Schlechte Nachricht Nummer eins kam vom amerikanischen Arbeitsmarkt. Im März verloren 663.000 Menschen ihren Job, mehr als erwartet und deutlich mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg auf 8,5 Prozent, den höchsten Stand seit 1983.

Auch der ISM-Dienstleistungsindex fiel schwach aus. Der Index, der die Geschäftstätigkeit des Dienstleistungssektors abbildet, sank von 41,6 auf 40,8 Punkte. Experten hatten mit einem Anstieg gerechnet.

Der Dax beendete den elektronischen Handel am Freitag nahezu unverändert bei 4.385 Punkten, der L-Dax legte angesichts wieder steigender Kurse an der Wall Street noch etwas zu und schloss bei 4.402 Punkten.

Autoaktien waren gefragt
Daimler und BMW gehörten am Freitag zu den eindeutigen Gewinnern am deutschen Aktienmarkt. Die Analysten von Goldman Sachs veröffentlichte am Morgen eine Studie, in der es hieß, die Konzerne hätten die Chance, die Krise für "strukturelle Veränderungen hin zu höherer Effizienz zu nutzen". BMW-Chef Reithofer äußerte sich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zudem vorsichtig optimistisch. Man sehe leichte Erholungstendenzen bei der Nachfrage nach kleineren Modellen, außerdem habe das Minus beim Fahrzeugabsatz im März bei "weniger als 20 Prozent" gelegen, so Reithofer. Daimler-Aktien gewannen 5,9 Prozent, BMW-Papiere 3,8 Prozent.

BASF darf Ciba übernehmen
BASF-Aktien legten im Tagesverlauf 4,6 Prozent zu. Die amerikanische und die chinesische Wettbewerbsbehörde hatten am Freitag die Übernahme von Ciba durch BASF mit kleinen Auflagen genehmigt. Händler sagten auch, zur Zeit seien zyklische Titel wie Chemie- und Industrieaktien gefragt, neben BASF legten auch die Aktien von Siemens, K+S und MAN deutlich zu.

Bayer ist optimistisch und pessimistisch
Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer sorgte für eine gute und eine schlechte Unternehmensnachricht. In den nächsten beiden Jahren will der Konzern seine Produktion von Pflanzenschutzmitteln deutlich ausbauen und 30 Millionen Euro investieren. Es gebe weiterhin starke Nachfrage in diesem Bereich, teilte der Konzern am Nachmittag mit. Ansonsten erwartet Bayer allerdings keine Erholung. "Ich bin für dieses Jahr, aber auch für nächstes Jahr nicht optimistisch, was die Bewältigung der Krise angeht", sagte Bayer-Chef Wenning in einem Zeitungsinterview. Besonders das Kunststoffgeschäft leide weiter unter dem Einbruch in der Autoindustrie. Die Bayer-Aktie verlor am Freitag knapp ein Prozent.

MAN plant mehr Kurzarbeit
MAN hat auf der Hauptversammlung ein Bild der Krise gezeichnet. Nicht nur im Lkw-Geschäft, das binnen Jahresfrist um die Hälfte eingebrochen sei, sondern auch im Schiffdieselgeschäft sei die Krise deutlich spürbar, sagte MAN-Chef Hakan Samuelsson. Bislang seien 15 Prozent des Auftragsbestandes storniert worden. MAN will weiter sparen und beispielsweise die Kurzarbeit in der Verwaltung ausbauen. Die MAN-Aktie legte dennoch um mehr als drei Prozent zu.

Merck reagiert auf schwache Nachfrage
Auch der Spezialchemie- und Pharmakonzern Merck plant, die Kurzarbeit auszubauen. Für das Pigmentgeschäft plane man dies früher als erwartet, um auf die schwache Nachfrage zu reagieren, sagte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley auf der Hauptversammlung des Konzerns. "In Deutschland soll mit dem Mittel der Kurzarbeit die Produktionsanpassung baldmöglichst erfolgen, ohne dass Arbeitsplätze der Stammbelegschaft verloren gehen", so Kley. Merck-Papiere gingen 2,9 Prozent schwächer aus dem Handel.

Kaufen zusammen: Conti und Schaeffler
Die Aktie des Autozulieferers Continental gewann im MDax 13 Prozent. Der MDax-Konzern und seine Firmenmutter Schaeffler wollen künftig gemeinsam einkaufen und dadurch die Kosten senken. Allein zwischen 2009 und 2011 könnten so bis zu 400 Millionen Euro eingespart werden, teilten die beiden Unternehmen mit. Am Morgen machten zudem Spekulationen die Runde, Pirelli sei an der Conti-Reifensparte interessiert.

ProSieben kündigt Aktienrückkauf an
Deutliche Kursgewinne von 32 Prozent gab es bei der TV-Senderkette ProSiebenSat.1. Der Konzern hatte angekündigt, bis zu 4,9 Millionen Vorzugsaktien über die Börse aufzukaufen. Man wolle so Aktienoptionen bedienen können, teilte ProSiebenSat.1 mit.

Arques verkauft Druckerei
Die Beteiligungsgesellschaft Arques hat nach eigenen Angaben ihre derzeitige "Portfoliokonzentration" abgeschlossen. Am Freitag teilte der Konzern mit, er habe die Schweizer Druckerei Weberbenteli an das eigene Management und einen Finanzinvestor verkauft. Die aus dem Geschäft entstehenden Verluste hat Arques bereits im Jahresbilanzbericht, den der Konzern am 12. März vorgelegt hatte, berücksichtigt. Über weitere Konditionen des Verkaufs wurde nichts bekannt.

Hoch- und runtergestuft
Im MDax legte die Aktie des Holzkonzerns Pfleiderer etwa 13 Prozent zu. Die Unicredit hatte am Morgen die Empfehlung von "Sell" auf "Hold" gehoben. Im TecDax verlieren die Aktien der Software AG etwa sechs Prozent. Oppenheim hat die Einstufung von "Buy" auf "Neutral" gesenkt. Nach den anstehenden Zahlen für das erste Quartal gebe es keine größeren Kurstreiber mehr.

Gänzlich ohne Nachrichten gewann die Aktie des Autozulieferers Leoni im MDax 23 Prozent. Allerdings hatte der Wert in den vergangenen Monaten empfindliche Kursverluste verzeichnet.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr