Marktbericht 20:06

Börse wieder auf Rekordkurs Die Wall Street zieht den Dax nach oben

Stand: 03.07.2014, 20:06 Uhr

Gute Daten vom Arbeitsmarkt treiben die New Yorker Börse auf neue Rekordstände. Das hebt auch den Dax wieder über 10.000 Punkte. Die Bullen haben das bessere Ende für sich.

Danach hatte es anfangs jedoch nicht ausgesehen. Denn die sehr gut ausgefallenen Daten vom US-Arbeitsmarkt im Juni schürten zunächst Zinsängste und sorgten in einer ersten Reaktion für Verunsicherung an der Börse. Die Anzahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft betrug im Juni 288.000, Experten hatten nur mit 212.000 gerechnet. Die Arbeitslosenquote fiel von 6,3 auf 6,1 Prozent.

Nicht zuletzt von einer Wende am Arbeitsmarkt hat die amerikanische Notenbank nämlich immer wieder den Fortgang ihres Tapering-Prozesses abhängig gemacht, der die Weltbörsen wie kaum ein anderer Prozess maßgeblich beeinflusst. "Die US-Notenbank dürfte sich durch die heutigen Zahlen in ihrem Beschluss einer sukzessiven Rückführung des Anleihekaufvolumens bestätigt sehen", erklärte Marktanalyst Johannes Janda von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dow über 17.000, Dax über 10.000 Punkte

Aber schnell wurde klar, dass der Hausse-Zug nicht aufzuhalten ist. Der Dow stieg erstmals in seiner 130-jährigen Geschichte schon zur Eröffnung über 17.000 Punkte und auch der marktbreite S&P-500-Index hat bei bisher 1.985,59 Punkten ein neues Rekordhoch markiert. Aktuell liegt der Dow gut ein halbes Prozent im Plus.

Da wollte sich der Dax nicht lumpen lassen, der deutsche Leitindex schloss 1,2 Prozent höher bei 10.029 Punkten und damit knapp am Tageshoch von 10.032 Zählern. Damit ist wieder Aufbruchstimmung im deutschen Aktienmarkt, der schon vorher bei Niveaus über 9.900 Punkten auf dem Sprung war. Im Späthandel tat sich nicht mehr viel, der L/E-Dax schloss unverändert zum Xetra-Ende bei 10.029 Punkten.

US-Konjunktur nimmt Fahrt auf

"Die USA hat die Wachstumsschwäche des ersten Quartals klar hinter sich gelassen und die Erholung nimmt wieder tüchtig Fahrt auf", kommentierte ein Händler in New York. Auch der nationale ISM-Einkaufsmanagerindex lag mit 56,0 Punkten auf hohem Niveau, allerdings knapp unter den Erwartungen von 56,3 Punkten. Die wöchentlichen Daten vom US-Arbeitsmarkt lagen mit 315.000 Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe auf gutem Niveau, aber leicht über den Schätzungen von 314.000 Anträgen.

Nach einem witterungsbedingten schwachen ersten Quartal hat sich die US-Wirtschaft damit wieder zurückgemeldet. Die Konjunkturdaten wurden bereits heute veröffentlicht, da die Börse wegen des amerikanischen Nationalfeiertages morgen geschlossen bleibt.

EZB lässt alles beim Alten

Keine Überraschung gab es beim EZB-Zinsentscheid. Die europäische Notenbank beließ erwartungsgemäß ihren Leitzins bei 0,15 Prozent, auch der Strafzins für Banken von 0,1 Prozent für bei der EZB geparktes Geld blieb unverändert. Bank-Chef Mario Draghi betonte wie stets, dass die Zinsen für längere Zeit auf dem niedrigen Niveau verharren werden. Insgesamt tickt die EZB mit ihrer anhaltenden expansiven Geldpolitik damit also weiterhin völlig anders als die Amerikaner, was die Märkte wiederum unterstützen sollte.

Es werde wahrscheinlich bis zum Jahresende dauern, bevor die jüngsten EZB-Maßnahmen sich deutlich bemerkbar machen, vermutet ING-Diba-Chefökonom Carsten Brzeski: "Wir erwarten, dass die Ruhe nach dem Sturm für einige Zeit anhält."

Euro gibt nach

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Am Devisenmarkt tendierte der Euro gegen den Dollar nach den Zahlen schwächer und kämpft mit der Marke von 1,36 Dollar. Das ist knapp ein halber Cent weniger. Eine restriktivere Geldpolitik der Fed würde das Dollar-Angebot verknappen, was den Greenback stützt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3646 nach 1,3656 Dollar am Vortag fest.

Tagessieger K+S

Die Aktie des Dünger- und Salzhersteller war heute bester Dax-Wert. Das Kasseler Unternehmen kann sich derzeit über sehr gute Geschäfte mit Düngemitteln freuen. "Wir wären in Lage, sehr viel mehr zu liefern, wenn wir mehr Mengen hätten", sagte der neue Kali-Vorstand Andreas Radmacher bei einem Pressegespräch im Bergwerk Werra im osthessischen Philippsthal.

In die Gewinnerliste schob sich im späten Geschäft auch die Deutsche Bank, die am Ende hinter K+S an zweiter Dax-Stelle aus dem Handel ging und 2,54 Prozent zulegte. Allerdings war das Papier zuvor wenig gefragt gewesen. Auch der Zykliker Deutsche Post legte über zwei Prozent zu. RWE stiegen nach einem positiven Analystenkommentar von Goldman Sachs.

Verlierer gab es nur einen einzigen. Volkswagen Vorzüge gaben leicht 0,16 Prozent nach. Die Aktie des Autobauers schloss damit zwar deutlich über Tagestief, litt aber unter Gerüchten über eine mögliche Übernahme des US-LKW-Bauers Paccar . "Klares Dementi", hieß es jedoch aus Wolfsburg.

BMW investiert in Mexiko

BMW-Produktionsvorstand Harald Krüger hat am Abend nach Xetra-Schluss bekannt gegeben, dass der Konzern sein neues Werk im mexikanischen San Luis Potosi, im Zentrum des Landes, bauen werde. Die Fertigungskapazität soll bei 150.000 Fahrzeugen im Jahr liegen. Die Münchener wollen eine Milliarde Euro investieren und 2019 mit dann 1.500 Beschäftigten mit der Produktion starten.

Welche Modelle in Mexiko gebaut werden sollen, wurde noch nicht verraten. Mexiko gilt in der Branche als attraktiv, weil es nahe des Mega-Automarktes USA liegt und von vielen Freihandelsabkommen profitiert. Dadurch können die Autos leicht in alle Welt exportiert werden.

Fielmann nicht gut genug?

Sell on good news - im MDax zierten Fielmann-Aktien nach den Zahlen zum zweiten Quartal das Indexende. Die Aktie des Brillenspezialisten war allerdings zuvor sehr gut gelaufen und eine der besten im Index der mittelgroßen Werte im ersten Halbjahr 2014 gewesen. Offensichtlich hatten die erfolgsverwöhnten Anleger heute mehr erwartet.

Symrise schließt Finanzierung erfolgreich ab

Der Aromastoffhersteller aus dem MDax hat die Finanzierung der Diana-Übernahme mit der Begebung einer Anleihe erfolgreich abgeschlossen. Das Unternehmen gab am Nachmittag bekannt, dass man erfolgreich ein Papier im Volumen von 500 Millionen Euro platziert habe. Der Kupon beträgt 1,75 Prozent. Die Gesamtfinanzierung im Volumen von 1,3 Milliarden Euro ist damit abgeschlossen.

Spekulationen um Cancom

Im TecDax legten die Papiere des IT-Dienstleister Cancom zu. Händler verwiesen auf Übernahmespekulationen, die neue Fantasie für die Aktien brächten. Marc Benioff, Vorstandschef des amerikanischen IT-Konzerns Salesforce.com, sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, sein Unternehmen erwäge Zukäufe unter deutschen Software-Anbietern und System-Integratoren. In dieses Beuteschema könnte Cancom daher fallen, wird nun an der Börse spekuliert.

Metro dementiert

Der Handelskonzern Metro hat einem Bericht der "Welt" zurückgewiesen, laut dem das Unternehmen sich möglicherweise von der seiner Elektronik-Kette Media-Saturn trennen wolle. "Wenn Herr Kellerhals ein gutes Angebot vorlegen würde, wäre Metro schon aus Gründen der Sorgfaltspflicht verpflichtet, es zu prüfen", hatte Metro-Vorstand Pieter Haas der Zeitung gesagt. Erich Kellerhals ist Minderheitsaktionär bei Media-Saturn. Die Nachricht sorgte für gute Stimmung, Metro legten 3,77 Prozent zu und waren zweitbester Wert im MDax.

Gewinnwarnung bei der Erste Group

Die österreichische Geschäftsbank schockte ihre Aktionäre am Abend nach Xetra-Schluss mit einer schlechten Nachricht. Die Bank muss im laufenden Jahr 2,4 Milliarden Euro Risikokosten berücksichtigen, bisher waren 1,7 Milliarden Euro eingeplant. Üblicherweise handelt es sich bei Risikokosten um Abschreibungen auf faule Kredite. Unter dem Strich werde voraussichtlich ein Rekordverlust von 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro stehen, teilte die Bank mit. Grund für die Verluste sind Probleme in Ungarn und Rumänien.

Bei Swiss Re winkt eine Sonderdividende

Der Schweizer Erzrivale der Münchener Rück hat auf seinem heutigen Investorentag erklärt, dass die Aktionäre mit weiteren Sonderausschüttungen rechnen könne, sollte es dem Unternehmen nicht bis Ende 2015 gelingen, drei Milliarden Dollar gewinnbringend anzulegen."Dann werden wir nach intelligenten Wegen suchen, das Kapital an unsere Aktionären zurückzugeben", erklärte Finanzchef David Cole.

Die reguläre Dividende soll erhöht werden, zumindest aber stabil bleben. Swiss Re gehört zu den ausschüttungsstärksten Gesellschaften der Branche, bereits im April wurden 4,15 Franken extra ausgeschüttet, das waren dann insgesamt acht Franken, oder zehn Prozent Rendite.

Barry Callebaut wächst langsamer

Der Schweizer Schokoladenhersteller hat ohne Berücksichtigung von Zukäufen in den ersten neuen Monaten ein Umsatzplus von 2,4 Prozent erzielt, das ist weniger als im Vorjahr. Bedingt durch den Zukauf von Pertra Foods stiegen die berichteten Erlöse des Weltmarktführers aber um 22 Prozent auf 4,32 Milliarden Franken. Vor allem in Europa lief es schlechter, anders als in Amerika und Asien, wo es deutlich bergauf ging. Die Aktie gibt an der Züricher Börse nach.

Facebook kauft Werbespezialisten

Das soziale Netzwerk kauft mit der Firma LiveRail einen Spezialisten für die Platzierung von Werbung in Videoinhalten. Die Anzeigen sollen dadurch relevanter für die Nutzer werden, erklärte Facebook in einem Blogeintrag. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt, nach Informationen des Blogs "TechCrunch" geht es um rund 500 Millionen Dollar.

rm

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat