Die Unsicherheit überwog

von Karsten Leckebusch

Stand: 28.03.2007, 20:00 Uhr

Dass der deutsche Aktienmarkt sensibel auf Nachrichten aus den USA reagiert, ist bekannt. Am Mittwoch ging es runter, als US-Konjunkturzahlen nicht hielten, was sie versprachen. Immerhin: der L-Dax verbesserte sich noch um 24 Punkte.

Bei 6.841 Punkten ging der L-Dax aus dem Handel, nachdem der elektronische Handel zweieinhalb Stunden zuvor noch mit einem Abschlag von 0,6 Prozent bei 6.819 Punkten geschlossen hatte.

Ein ruhiger Handelstag war dies nicht. Die Nachrichten aus den Unternehmen konnten nicht sämtlich überzeugen, bei Siemens sorgte die Schmiergeldaffäre für happige Abschläge, und dann zogen auch noch schlechte US-Konjunkturzahlen an den Nerven der Anleger.

Zunächst stiegen die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter langsamer als erwartet. Dann äußerte sich Fed-Chef Ben Bernanke vor dem US-Kongress skeptisch zur Konjunkturentwicklung in den USA. Vor allem die Lage auf dem Immobilienmarkt sei weiterhin besorgniserregend. Die amerikanischen und europäischen Märkte regierten auf diese Neuigkeiten mit Verlusten, der Dow Jones notierte nach der Rede von Bernanke mit einem Prozent im Minus.

Nachrichten aus dem Dax
Besagte Schmiergeldaffäre ließ die Siemens-Aktie an das Dax-Ende rutschten. Aktien des Industriekonzerns verloren 2,3 Prozent. Am Dienstag war Zentralvorstand Johannes Felmayer im Zusammenhang mit dubiosen Millionenzahlungen festgenommen worden.

Volkswagen verbilligte sich ebenfalls. Die Aktie sackte um 2,6 Prozent ab, nachdem Porsche sein Pflichtangebot vorgelegt hat. Dies liegt mit 100,92 Euro je VW-Aktie allerdings deutlich unter dem gegenwärtigen Aktienkurs. Die Übernahmefantasie rund um Volkswagen ist daher zunächst einmal auf eine etwas längere Bank geschoben.

Aktien des Stromkonzerns Eon beendeten den Handel mit einem sehr leichten Minus von 0,1 Prozent. Die EU-Kommission hat Spanien wegen seiner Auflagen für die geplante Übernahme verklagt. Nun wird das oberste EU-Gericht darüber entscheiden. Die Madrider Börsenaufsicht gab zudem bekannt, dass sie keine Einwände gegen das Übereinkommen von Eon und Caja Madrid habe. Caja Madrid hatte sich bereit erklärt, ihren 9,9-prozentigen Endesa-Anteil in zwei Jahren an Eon zu verkaufen. Am Abend kündigte die spanische Staatsholding SEPI an, ihre Anteile nicht an Eon verkaufen zu wollen.

Eine Nachricht gab es auch von BASF. Der Chemiekonzern hat seine Preise für Polyetheramine erhöht, die Aktie stieg um 1,2 Prozent. Henkel verteuerte sich um 1,4 Prozent, offensichtlich wirkt hier noch ein positives Analystenkommentar von Dienstag nach. Bayer verteuerte sich um 1,5 Prozent. Morgan Stanley hat das Kursziel für Aktien des Konzerns von 50 auf 54 Euro erhöht. Außerdem kündigte der Konzern an, dass die Sparte CropScience in China in diesem Jahr zweistellige Zuwachsraten erzielen werde.

Röhren und Finanzberatung
Im MDax verlor die Aktie des Stahl- und Röhrenherstellers Salzgitter 2,1 Prozent. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hat angedeutet, dass das Land Niedersachsen Salzgitter vor einer Übernahme schützen wolle. Dies nimmt aus Sicht der Aktionäre eine Menge Übernahmefantasie aus der Aktie. Außerdem hat der Konzern nach einem Rekordergebnis im vergangenen Jahr "nur" seine bisherige Prognose bestätigt, wonach der Umsatz in etwa unverändert bleiben soll.

Ebenfalls schwächer präsentiert sich trotz einiger neuer Großaufträge der Baukonzern Hochtief. Die Aktie verliert zwei Prozent, allerdings hat sich das Papier seit Jahresbeginn schon um knapp 40 Prozent verteuert. Im hinteren Bereicht des Index' platziert sich auch der Bahntechnikkonzern Vossloh. Die Aktie verliert drei Prozent, nachdem der Konzern eine Bilanz vorlegte, der es an Überraschungen mangelte.

Mit einem Minus von 0,4 Prozent ging die Aktie des Finanzdienstleisters AWD aus dem Handel. Das Unternehmen hat einen an sich erfreulichen Quartalsbericht präsentiert und erwartet ein Umsatzwachstum um mindestens zehn Prozent in diesem Jahr.

Kontron gut, Solarworld nicht
Im TecDax zählt die Kontron-Aktie zu den wenigen Kursgewinnern. Der Hersteller von Minicomputern hat im vergangenen Jahr einen deutlichen Gewinnanstieg verbucht und damit die Gewinnerwartungen übertroffen. Die Aktie stieg um 0,5 Prozent. Um 2,2 Prozent verteuerte sich Morphosys. Das Biotechunternehmen gab bekannt, dass es mit dem japanischen Pharmakonzern Astellas Pharma zusammenarbeiten werde.

Mit deutlichen Kursverlusten reagierte die Solarworld-Aktie auf einen unerwartet schlechten Ausblick auf das laufende Jahr. Der Konzern erwartet beim Ebit "nur" einen Anstieg um 20 Prozent im Vergleich zu 2006. Allerdings nannte Solarworld-Chef Asbeck diese Prognose "konservativ". Die Aktie verlor 4,5 Prozent.

Kleinwerte
Im SDax geriet Medion unter Druck. Der Elektronikhändler hat eine enttäuschende Bilanz für das vergangene Jahr präsentiert und will seinen Aktionären deshalb keine Dividende mehr zahlen. Die Aktie verlor 4,3 Prozent. Der Zementhersteller Dyckerhoff verbilligte sich um 0,7 Prozent. Das Unternehmen erwartet für 2007 ein konstantes operatives Ergebnis von 403 Millionen Euro, der Umsatz soll leicht auf 1,5 Milliarden Euro steigen.

0,9 Prozent gab die Aktie des Handyzulieferers Balda ab. Die Firma will in diesem Jahr 600 bis 650 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften, was etwas mehr ist als die Experten erwartet hatten. Curanum profitiert von einer deutlich besseren Jahresbilanz. Die Aktie ging mit einem Plus von 2,2 Prozent aus dem Handel.

Medigene enttäuscht
Auch Medigene hat die Jahresbilanz vorgelegt und verbilligte sich um 1,2 Prozent. Das Biotechnologieunternehmen kündigte nämlich unter anderem an, dass sich das Konzernergebnis im laufenden Jahr wieder verschlechtern werde. Ursache dafür seien steigende operative Kosten und sinkende Meilensteinzahlungen von Partnern.

Noch ein paar Zahlen
Ein Plus von 1,1 Prozent verbucht die EOP Biodiesel-Aktie. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern fiel zwar um acht Prozent auf eine Million Euro, der Konzernumsatz wuchs im vergangenen Jahr jedoch um beachtliche 186 Prozent. Der IT-Dienstleister Bechtle verbilligte sich um 1,5 Prozent. Das Unternehmen hat die Jahresprognose bekannt gegeben, wonach der Umsatz in diesem Jahr um zehn Prozent auf 1,35 Milliarden Euro steigen soll.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr