Die Unsicherheit bleibt groß

Stand: 03.12.2008, 20:05 Uhr

Den Aktienmärkten bleiben heftige Schwankungen weiterhin erhalten. Am Mittwoch trieben die US-Börsen den Dax zunächst ins Plus, rutschten dann aber wieder ab.

An der Wall Street war der Handel am Mittwoch von heftigen Schwankungen gekennzeichnet. Zum Ende des Xetra-Handels notierten die US-Indizes deutlich im Plus, bis 20 Uhr deutscher Zeit hatten sich die Kursgewinne wieder in Verluste verwandelt. Grund war nach Händlerangaben ein "extrem schwacher" Arbeitsmarktbericht der privaten Agentur ADP. Offizielle Zahlen werden erst am Freitag gemeldet.

Durchwachsene US-Daten
Ein schwacher ISM-Dienstleistungsindex hatte am Nachmittag die Anleger kurz erschüttert. Der Index war deutlich von 44,4 auf 37,3 Punkte gefallen und signalisiert damit weiterhin ein Schrumpfen des Dienstleistungssektors.

Keine Entwarnung durch die Fed
Auch das "Beige Book", der Konjunkturbericht der US-Notenbank, zeichnet ein Bild der schwachen Konjunkturlage in den USA. Immerhin lässt nach Angaben der Notenbank der Preisdurck in der US-Wirtschaft spürbar nach

Der Dax hielt sich späten Parketthandel in Deutschland immerhin oberhalb der Marke von 4.500 Punkten, und das, nachdem er im Tagesverlauf schon einmal mit 2,5 Prozent in der Minuszone notiert hatte.

Lufthansa macht ernst mit AUA

Mitten in die Schwankungen am Gesamtmarkt platzte am Abend die Nachricht, dass die Lufthansa bei der geplanten Übernahme der Austrian Airlines (AUA) konkrete Maßnahmen beschlossen hat. Zunächst soll die 41,56 Prozent-Beteiligung der Österreichische Industrieholding AG (ÖIAG) übernommen werden. An die restlichen Aktionäre will das Unternehmen 4,44 Euro je Aktie und damit insgesamt 215 Millionen Euro zahlen. Die Lufthansa-Aktie notierte auch im späten Parketthandel fast unverändert.

Tech-Aktien folgen Nasdaq
Im Dax schafften es bis Handelsschluss vor allem Technologietitel wie Siemens und SAP, noch Boden gut zu machen, beide Titel schlossen rund drei Prozent im Plus. Aktien des Software-Konzerns reagierten am späten Nachmittag vor allem auf eine feste Technologiebörse Nasdaq. SAP-Chef Henning Kagermann hatte am Vormittag eine Rückkehr zu Wachstum für die Branche erst für das Jahr 2010 in Aussicht gestellt.

Jagd auf die HRE
Gut in Szene setzen konnten sich auch die Aktien von Fresenius Medical Care (FMC) und der Hypo Real Estate (HRE). Bei HRE sorgen nach Händlerangaben "Schnäppchenjäger" erneut für ein Kursplus von mehr als vier Prozent.
Die Aktien des Dialysekonzerns Fresenius Medical Care (FMC) gelten als defensives Investment und erfreuten sich auch am Mittwoch vergleichsweise großer Beliebtheit. Zudem hat die US-Bank Merrill Lynch ihre Kaufempfehlung für den Mutterkonzern Fresenius aus dem MDax bekräftigt.

Infineon als Pennystock
Mit extakt 1,00 Euro schloss die Chip-Aktie den Xetra-Handel am Mittwoch, zwischenzeitlich wurde sie aber bereits auf "Pennystock-Niveau" gehandelt, ein Tagesminus von mehr als 40 Prozent. Infineon hat für das Ende September abgeschlossene vierte Geschäftsquartal einen Verlust von 763 Millionen Euro bekannt gegeben - er mehr als doppelt so hoch wie erwartet. Noch dazu hatte Infineon signalisiert, dass eine Besserung nicht in Sicht sei. Immerhin veranschlagt Finanzvorstand den Buchwert der maroden Speicherchip-Tochter Qimonda inzwischen mit "null".

MAN stark belastet
Die Papiere des Nutzfahrzeugherstellers verloren drei Prozent und reagierten damit allergisch auf Aussagen des Unternehmens. MAN rechnet nicht mit einem schnellen Ende der Wirtschaftsflaute. Die Krise werde mit voraussichtlich zwei bis zweieinhalb Jahren deutlich länger dauern als ein normaler Abschwung. MAN stellt sich darauf ein und wird in seiner Lkw-Sparte weniger produzieren.

Autoaktien hatten am Mittwoch ohnehin einen schweren Stand; derzeit verhandeln die US-Autokonzerne erneut über ein Rettungspaket der Regierung. Anderenfalls könnte noch in diesem Jahr die Pleite eines der großen Konzerne drohen.

RWE macht viel Wind
Die Aktie des Versorgers hielt sich am Mittwoch knapp im Plus. Das Unternehmen hat von der britischen Regierung die Genehmigung zum Kauf seines größten Windparks erhalten. Bis 2014 sollen 200 Windräder vor der walisischen Küste Strom liefern. Der Auftrag wird von der im Februar gegründeten RWE Innogy übernommen.

Middelhof macht bei Arcandor Platz
Bei den Nebenwerten im MDax ragte die Arcandor-Aktie mit einem Plus von sieben Prozent heraus. Konzernchef Thomas Middelhoff wird nach Unternehmensangaben im Frühjahr abgelöst werden. Als Nachfolger gilt der scheidende Finanzchef der Deutschen Telekom, Karl-Gerhard Eick.

Vossloh schüttet Füllhorn aus
Die Aktionäre des Bahntechnik-Konzerns sollen vom Verkauf des Gleisbau-Geschäfts profitieren. Eine Sonderdividende soll deswegen ausgeschüttet werden. Zudem will Vossloh auch die reguläre Dividende von 1,70 auf 2,00 Euro anheben. Der Buchgewinn aus dem Spartenverkauf soll bei 42 Millionen Euro liegen.

Freenet-Aktie von Unsicherheit belastet
Aktien von Freenet verlieren mehr als sechs Prozent abwärts. Nach Händlerangaben belastet das "Gezerre" an der Unternehmensspitze den Kurs. Offenbar findet Freenet-Chef Eckhard Spoerr immer noch Unterstützung im eigenen Hause. "Der Aufsichtsrat steht zu Spoerr, und zwar einstimmig", sagte dessen Vorsitzender Helmut Thoma der "Süddeutschen Zeitung".

Conergy: Geld macht nicht glücklich
Das Solarunternehmen hat seine geplante Kapitalerhöhung abgeschlossen. Ein Bruttoemissionserlös von knapp 400 Millionen Euro fließt dem TecDax-Konzern zu, so Conergy am Mittwoch. Ein Großteil, 155 von insgesamt 363 Millionen neuen Aktien, wurden von der Dresdner Bank übernommen. Das Institut hatte sich vor der Transaktion auf die Übernahme von nicht bezogenen Aktien verpflichtet. Die Conergy-Aktie verliert dennoch wieder einmal deutlich um acht Prozent.

Blackberry-Hersteller sieht schwarz
Das US-Technologieunternehmen Research in Motion (RIM) musste am Mittwoch eine Gewinn- und Umsatzwarnung veröffentlichen. Je Aktie soll der Ertrag im dritten Geschäftsquartal nur noch zwischen 81 und 83 Cent liegen, der Umsatz soll 2,75 bis 2,78 Milliarden Dollar erreichen. Die RIM-Aktie startete in New York deutlich im Minus, drehte dann aber mit einem freundlichen Gesamtmarkt ins Plus.

Tagestermine am Mittwoch, 19. Dezember

Unternehmen:
Softbank: IPO der Mobilfunktochter in Tokyo
Ceconomy: Q4-Zahlen, 07:00 Uhr, und Bilanz-PK, 10:00 Uhr
General Mills: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20:00 Uhr, PK mit Fed-Chef Powell, 20:30 Uhr
Japan: Außenhandel im November, 00:50 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im November, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im November, 10:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q3, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im November, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr