Die Unsicherheit bleibt

Karsten Leckebusch

Stand: 12.09.2007, 20:05 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt hat den Handel am Dienstag mit leichten Kursgewinnen beschlossen. Der hohe Ölpreis und der starke Euro verunsicherten viele Anleger, Auftrieb kam aber am Nachmittag von den US-Börsen.

Die Wall Street zeigte sich nach einem starken Kursplus auch am Dienstag freundlich. Der Dax konnte daher bis zum Handelsschluss im Computerhandel leicht zulegen und beschloss den Tag mit einem Aufschlag von 0,2 Prozent bei 7.473 Punkten. Auf dem Parkett sackte der LDax noch elf Punkte ab, weil sich bei den amerikanischen Indizes keine klare positive Tendenz abzeichnen wollte.

Die deutschen Aktienmärkte notierten trotz guter Unternehmensnachrichten dennoch den längsten Teil des Handelstagen im Minus. Belastungsfaktoren waren vor allem der Ölpreis, der trotz der jüngsten Anhebung der Förderquoten durch die Opec zeitweise auf ein Allzeithoch stieg. Am Abend erreichte der Preis für ein Fass amerikanisches Leichtöl zum ersten Mal den Wert von 80 Dollar, den höchsten Stand aller Zeiten.

Die Aktie der Lufthansa bekam dies zu spüren. Der Konzern, der einen erheblichen Teil seiner betrieblichen Aufwendungen für Kerosin ausgibt, wird von dem hohen Ölpreis trotz so genanntem "Fuel Hedging" kräftig betroffen sein. Die Aktie verlor 3,5 Prozent und war damit mit großem Abstand Dax-Schlusslicht. Am Morgen senkte die Investmentbank Morgan Stanley auch noch ihr Anlageurteil von "Overweight" auf "Underweight", sowie das Kursziel von 25 auf 22 Euro.

Der Euro kletterte ebenfalls auf ein Allzeithoch. Ein Euro kostete zur Tagesspitze 1,39 US-Dollar. Das belastete die Aktien von exportorientierten Unternehmen, von denen es im Dax einige gibt. Die traditionell für Währungsschwankungen anfälligen BMW-Aktien verloren daher 1,4 Prozent, DaimlerChrysler verbilligte sich um 0,2 Prozent. Volkswagen-Titel, die am Montag schwächelten, gingen etwa unverändert aus dem Markt. Dass die Kursverluste nicht noch größer ausfielen, sei, so die Börsianer, der IAA zu verdanken.

TI nimmt Infineon mit
Infineon-Aktien verloren 1,8 Prozent. Es belastete die gesenkte Gewinnprognose des amerikanischen Konkurrenten Texas Instruments. Der Chiphersteller kündigte am Dienstag auch an, sich über ein öffentliches Angebot und einer Umtauschanleihe von weiteren Teilen seiner Speicherchiptochter Qimonda zu trennen. Qimonda gehört noch zu 86 Prozent zu Infineon.

Wieder illegale Beihilfen?
Das Papier der Deutschen Post verlor 0,6 Prozent. Die EU-Kommission eröffnete ein Verfahren gegen den Dax-Konzern wegen unerlaubter staatlicher Beihilfen. Im schlimmsten Fall muss die Post abermals millionenschwere Rückzahlungen leisten. Schon 2002 zahlte die Post 572 Millionen Euro zurück, die sie an staatlichen Beihilfen erhalten hatte. Die Aktie verbilligte sich um 1,7 Prozent.

BASFs Pflanzenschutzpläne
Die Aktie des Chemiekonzerns BASF fiel trotz einer zuversichtlichen Prognose für die Pflanzenschutzsparte um 0,2 Prozent. Der Konzern meldete am Dienstag, die Entwicklungs- und Forschungspipeline der Sparte sei gut gefüllt. Laut Analysten war dies aber keine große Überraschung.

Trotzdem: Dax hielt sich gut
Einen Gewinn von 1,5 Prozent verbuchten die Aktien von Continental. Konzernchef Manfred Wennemer sagte auf der IAA in Frankfurt, dass die Kreditfinanzierung für die Übernahme der Siemens-Autosparte VDO gesichert sei. Conti erwarte bereits 2009 einen zusätzlichen Cashflow von einer Milliarde Euro aus der Übernahme. Wennemer kündigte weiter an, dass sich sein Konzern nach weiteren Übernahmezielen umsehen werde, allerdings nicht in der VDO-Größenordnung: "Eine weitere Megatransaktion können wir uns nicht erlauben".

Auch die Merck-Aktie schloss mit einem Aufschlag. Nachdem die Firma am Montag mit einer erfolgreichen Studie des Medikamentes Erbitux Furore machte, zogen am Dienstag die Analysten nach. Morgan Stanley und Credit Suisse hoben das Kursziel auf 121 Euro, die Aktie stieg um 2,2 Prozent.

Die FMC-Aktie kletterte wegen einer Empfehlung der US-Arzneimittelbörde kräftig um 3,2 Prozent. Die FDA hatte vorgeschlagen, von einer Obergrenze für Blutarmutsmittel abzusehen. Fresenius Medical Care vermarktet in den USA zwei entsprechende Medikamente.

Kredite und Handwerker
Im MDax sackte der Aktienwert der Mittelstandsbank IKB um 2,9 Prozent ab. Es belasteten Spekulationen über drohende Notverkäufe der zur IKB gehörenden Gesellschaft Rhinebridge. Das Handelsblatt berichtete zudem, dass die bundeseigene KfW ihren 38-prozentigen IKB-Anteil wohl verkaufen werde. Andernfalls sei die Kreditwirtschaft nicht bereit, sich an der Sanierung der IKB zu beteiligen.

Ein gnädiges Plus bilanzierten die Papiere der Baumarktkette Praktiker. Die Aktie notierte lange im roten Bereich, nachdem Branchenkonkurrent Hornbach am Montag eine Gewinnwarnung veröffentlicht hatte. Die Hornbach-Aktie fiel bei geringen Umsätzen um 13,7 Prozent. Praktiker verteuert sich um 0,6 Prozent.

Hopp kauft bei GPC weiter zu
Im TecDax verbesserte sich der Kurs der Biotech-Aktie GPC Biotech um 1,8 Prozent. SAP-Mitgründer Dietmar Hopp hat seinen Anteil am Biotechunternehmen auf 17,24 Prozent aufgestockt, wie das Unternehmen mitteilte. Vor anderthalb Monaten lag der Anteil, den Hopp hielt, noch bei knapp über zehn Prozent. Auch Hopps Sohn Oliver kaufte zu und hält nun 7,82 Prozent.

Kapitalerhöhung
Die Aktie des IT-Beraters Allgeier verteuerte sich um 8,2 Prozent. Die Firma hatte auf ihrer Hauptversammlung beschlossen, ihr Grundkapital auf 9,07 Millionen Euro zu verdoppeln. Dazu werden 4,54 Millionen neue Aktien im Verhältnis 1:1 ausgegeben. Die bisherigen Berechtigungsaktien zieht Allgeier ab Dienstag in die Notierung der Stückaktien der Allgeier Holding mit ein.

Solaranalysen
Die Papiere des Solarkonzerns Aleo Solar profitierten nicht von einer Kurszielanhebung durch die Commerzbank. Die Papiere verloren 2,5 Prozent, obwohl die Analysten die Empfehlung auf "Buy" und das Kursziel von 16 auf 16,50 Euro angehoben hatten.

Die Analysten der Commerzbank nahmen sich auch die im TecDax notierte Aktie des Solarunternehmens Solon zur Brust. Sie stuften die Aktie von "Buy" auf "Hold", hoben aber das Kursziel von 58 auf 66 Euro an. Die Aktie verbilligte sich um zwei Prozent, nachdem sie am Montag aber um mehr als zehn Prozent zulegte.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"