Die Stimmung bleibt getrübt

Stand: 06.12.2011, 20:02 Uhr

Die drohende Herabstufung der Kreditwürdigkeit Deutschlands und aller anderen Staaten der Eurozone hat erneut Sand ins Getriebe der Märkte gestreut. Dennoch kann der Dax die Marke von 6.000 Punkten verteidigen.

Nach einem Minus von 1,3 Prozent im elektronischen Handel auf 6.028 Punkte kommt es auch am Abend zu Kursverlusten von 0,9 Prozent auf 6.040 Zähler. Der Euro notiert weiter knapp unter 1,34 Dollar.

Dass S&P nach der Warnung vor einer Herabstufung der Euroländer am Nachmittag auch dem Euro-Rettungsfonds EFSF mit dem Entzug seiner Topnote droht, konnte die Anleger kaum noch schrecken. Der Fonds könnte um ein oder zwei Stufen abgewertet werden, teilte die Agentur mit. Die Ratingagentur erklärte weiter, sie werde prüfen, ob die Ergebnisse des EU-Gipfels Ende der Woche in Brüssel geeignet seien, das Vertrauen der Finanzmärkte wiederherzustellen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die meisten anderen Politiker aus der EU reagierten demonstrativ gelassen, betonten jedoch abermals, bei dem Gipfel am Donnerstag und Freitag werde es Entscheidungen geben, die an den Märkten das Vertrauen in den Euro-Währungsraum zurückbringen sollten.

Abwarten an der Wall Street
Stützend für den Aktienmarkt erwiesen sich auch überraschend gute Nachrichten aus der deutschen Industrie. Sie hat im Oktober die stärkste Zunahme bei den Auftragseingängen seit eineinhalb Jahren verbucht. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte, zogen die Unternehmen im Oktober wegen der starken Auslandsnachfrage 5,2 Prozent mehr Bestellungen an Land als im Vormonat.

Abwarten heißt es dagegen an der Wall Street. Die Anleger setzen darauf, dass der Warnschuss von Standard & Poor's über den Atlantik den Durchbruch in der Schuldenkrise der Euro-Zone bewirken könnte. "Die Warnung von S&P könnte die EU dazu animieren, härter an einem Ausweg aus der Schuldenkrise zu arbeiten", sagte ein Analyst. Am Abend notiert der Dow Jones-Index 0,4 Prozent höher als gestern bei 12.149 Punkten.

Schockiert reagieren die Anleger dagegen auf eine Ankündigung von Metro. Auch RWE setzt den Gesamtmarkt unter Druck.

Böse Überraschung für Metro
Ganz übel sieht mit der Metro-Aktie aus. Das Papier bricht bis zum Handelsschluss um fast 14 Prozent ein und ist damit der mit Abstand größte Verlierer im Dax. Grund ist eine Gewinnwarnung. Setze sich der schwache Verlauf im wichtigen Weihnachtsgeschäft fort, geht Metro von einem Umsatz leicht unterhalb des Vorjahresniveaus von 67,3 Milliarden Euro aus. Zudem werde auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) leicht unterhalb des Vorjahreswerts von 2,4 Milliarden Euro liegen. Ein Börsianer erinnerte daran, dass Metro bereits mit den jüngsten Quartalszahlen das Jahresziel von einem guten Weihnachtsgeschäft abhängig gemacht habe.

RWE leidet unter Kapitalerhöhung
Weit oben auf der Verliererliste im Dax steht auch die Aktie von RWE. Das Unternehmen hat eine Kapitalerhöhung durchgeführt und dabei 52,3 Millionen neue Aktien ausgegeben und 28,1 Millionen eigene Aktien verkauft. Die insgesamt 80,4 Millionen Aktien seien zu 26 Euro das Stück bei institutionellen Investoren platziert worden, teilte der Versorger mit. Das ursprünglich anvisierte Volumen von bis zu 2,5 Milliarden Euro erreichte der Konzern aber nicht. Eingenommen haben die Essener letztlich 2,1 Milliarden.

Im Schlepptau der RWE-Aktie muss auch Eon überdurchschnittlich abgeben und ist der drittschwächste Wert im Dax.

K+S besser als der Markt
Der Düngemittelhersteller profitiert von Aussagen des Konkurrenten Yara zu einer sich belebenden Auftragslage. Die Aktie dreht bis zum Handelsschluss trotzdem leicht ins Minus.

MAN leidet unter Barclays
In die lange Verliererliste im Dax reiht sich auch die Aktie des Lkw-Produzenten MAN. Barclays Capital hat in einer Branchenstudie mögliche Absatzprobleme in Europa und Brasilien für 2012 angesprochen. Im Bereich der mittelgroßen Lkw sehen die Analysten sogar langfristige "Herausforderungen".

Air Berlin-Anleger fürchten Kapitalerhöhung
Zu den größten Verlierern im Sdax mit einem Kursabschlag von zuletzt mehr als drei Prozent gehört die Aktie von Air Berlin. Das "manager magazin" berichtete, die arabische Fluglinie Etihad stehe vor einem Einstieg bei Air Berlin. Die Minderheitsbeteiligung solle durch die Ausgabe neuer Aktien von Air Berlin in die Wege geleitet werden. Etihad bezeichnete den Bericht als "fehlerhaft".

Morphosys: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
83,85
Differenz relativ
+3,65%

Morphosys will wachsen
Unbeeindruckt reagieren die Aktien auf die Ankündigung des Biotechunternehmens Morphosys aus dem TecDax, im kommenden Jahr kräftig zukaufen zu wollen. Das sagte Firmenchef Simon Moroney gegenüber dpa-AFX. Für den am weitesten entwickelten Wirkstoff Mor 103 sucht der Konzern einen finanzstarken Partner.

Tag Immobilien hat große Pläne
Zu den Gewinnern im SDax gehört das Immobilienunternehmen Tag. Die Firma will für das Jahr 2011 erstmals eine Dividende von 20 Cents je Aktie zahlen. Für 2012 strebt das Unternehmen ein operatives Ergebnis von 35 Millionen Euro an und will erstmals auch einen FFO (Funds From Operations) ausweisen, dessen Zielgröße bei 27 Millionen Euro liegen soll.

Hönle kämpft sich nach vorn
Knapp im Plus liegt auch die Aktie des UV-Spezialisten Dr. Hönle. Das Unternehmen hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Das Konzernergebnis kletterte von 4,8 auf 7,7 Millionen Euro.

Delignit kommt voran
Um fünf Prozent zulegen kann die Aktie des Holzspezialisten Delignit aus dem Entry Standard. Grund ist eine Anhebung der Umsatzprognose. Aufgrund einer sehr erfreulichen und im Vergleich zum Markt überproportional positiven Entwicklung geht das Unternehmen davon aus, im zweiten Halbjahr einen Umsatz über dem des ersten Halbjahres 2011, der bei 14,2 Millionen Euro lag, zu erzielen. Damit wird auch das Gesamtjahr deutlich über den vergleichbaren Vorjahresumsätzen von 25,7 Millionen Euro abschließen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr