Marktbericht 20:05 Uhr

Dax über 10.300 Punkten Die Stimmung an der Börse steigt

Stand: 19.04.2016, 20:05 Uhr

Ist vielleicht doch nicht alles so schlimm wie zu Jahresbeginn befürchtet? Die Zeichen verdichten sich, dass die Investoren mehr Mut fassen und beginnen, ihre Depots wieder auffüllen. Der Dax legt heute kräftig zu und erinnert an bessere Zeiten.

Die Investoren ließen sich am Dienstag nicht lumpen und trieben den deutschen Leitindex Dax am Ende auf 10.349 Punkte, ein Tagesgewinn von 2,27 Prozent. Damit steht der Dax so hoch wie seit Anfang Januar nicht mehr, als der Abschwung begann. Die kräftige Erholung der größten deutschen Standardwerte in diesem Monat setzte sich also fort. Sie hat dem Index seit dem 7. April auf Basis der Schlusskurse schon eine Rally von über 800 Punkten beschert.

Bei einer Schwankungsbreite von 220 und einem Tageshoch von 10.370 Punkten war der Aufschwung heute breit untermauert und ging quer durch alle Branchen. Lediglich die beiden Bankaktien im Index konnten der allgemeinen Aufbruchsstimmung nicht recht folgen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.244,54
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Technisch ist der Markt nun übergekauft, was für eine Pause zum Luftholen oder eine zumindest temporäre Seitwärtsbewegung spricht. Anderseits wurde mit dem heutigen Tag die wichtige 200-Tage-Linie erfolgreich attackiert, die bei leicht unter 10.300 Punkten verläuft. Kann der Dax sich oberhalb dieser Marke behaupten, besteht markttechnisch weiteres Erholungspotenzial.

Die Stimmung steigt wieder

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

"Die Stimmung an den Kapitalmärkten hat sich in der vergangenen Woche weiter aufgehellt", schrieb Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie für Deutschland, Österreich und Osteuropa bei BlackRock in der Quartalsanalyse. Derzeit herrsche eine Gemengelage aus bescheideneren Erwartungen und der um sich greifenden Erkenntnis, dass das Ende der Welt nicht unmittelbar drohe.

Die Prognosen für die Unternehmensentwicklung im ersten Quartal seien wohl etwas zu pessimistisch gewesen, erklärte auch Andreas Paciorek von CMC Markets. Die bessere Stimmung spiegelte sich in der Umfrage des ZEW-Instituts unter Analysten und Anlegern wider, die besser als erwartet ausfiel.

Der ZEW-Indikator stieg im April deutlich um 6,9 auf 11,2 Punkte. Experten hatten nur einen Wert von 8,0 Punkten erwartet. Es war der zweite Anstieg in Folge. "Die deutsche Wirtschaft wird auf ihrem unspektakulären Wachstumskurs bleiben", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank die ZEW-Daten.

ZEW-Konjunkturindex April 2016

ZEW-Konjunkturindex April 2016. | Bildquelle: ZEW, Grafik: boerse.ARD.de

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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66,62
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-0,39%

Auch der ausgebliebene Ölpreisschock nach der gescheiterten Konferenz der Ölförderer zur Deckelung der Produktion sorgte für viel Erleichterung am Markt. Denn es gibt Hoffnung, dass dies im Juni gelingen könnte, wenn der Iran sein Förderniveau vor den Atomsanktionen wieder erreicht haben will. Dieses Prinzip Hoffnung ließ den Ölpreis der Nordseesorte Brent um rund zwei Prozent auf über 43 Dollar je Fass steigen.

Gewinne quer durch alle Branchen

Sehr viele Dax-Werte lagen zum Teil deutlich über zwei Prozent im Plus. An der Spitze thronten RWE, die von den Investoren zuletzt wieder positiver gesehen werden. Das Papier des sich im Umbruch befindenden Versorgers hat in den letzten zehn Handelstagen rund 20 Prozent zugelegt. Auch heute ginge es mit 4,68 Prozent auf 12,53 Euro weiter deutlich aufwärts.

Indexschwergewicht Daimler, Infineon und Beiersdorf (beflügelt durch gute Zahlen des französischen Konkurrenten L' Oréal) lagen ebenfalls ganz vorne und gewannen alle über drei Prozent hinzu. Stark auch BMW und ThyssenKrupp. Stahlaktien liefen erneut besser als der Markt. Sie profitierten von einem Interview mit EU-Kommissarin Elzbieta Bienkowska. Sie stellte in der "FAZ" europäischen Stahlunternehmen staatliche Hilfen in Aussicht.

Im MDax ging es weniger stürmisch zu, trotzdem rückte der Index der mittelgroßen Aktien ebenfalls deutlich um 1,32 Prozent vor. Hier bremsten die Kursverluste von Onlinehändler Zalando und Leuchtenhersteller Osarm. Bei Zalando trübten erste Berechnungen für das Auftaktquartal die Laune der Anleger. Bei Osram hat Finanzvorstand Klaus Patzak das Handtuch geworfen, hinzu kam eine negative Studie von HSBC.

Euro baut Gewinne aus

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1453
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+0,31%

Die Gemeinschaftswährung legte am Nachmittag nach schwächer als erwartet ausgefallenen Daten vom US-Hausmarkt deutlicher zu und notiert derzeit bei 1,1380 Dollar rund einen halben Cent höher als am Morgen. Die Daten spielen Mitgliedern der US-Notenbank Fed in die Hände, die für eine vorsichtige Vorgehensweise bei künftigen Zinserhöhungen in den USA eintreten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1343 (Montag: 1,1306) US-Dollar festgesetzt.

Dow-Jones-Index kämpft mit den 18.000 Punkten

Dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, zeigt derzeit der New Yorker Leitindex Dow Jones. Der Index, der auf hohem Niveau steht, sucht derzeit seinen Weg. Er kämpft nach unten mit der Verteidigung der wichtigen Marke von 18.000 Punkten, die er seit neun Monaten nicht mehr erreicht hatte. Gleichzeitig ist aber auch das Rekordhoch aus dem vergangenen Mai bei 18.351 Punkten immer näher gerückt. Aktuell liegt der Dow minimal im Plus bei etwas über 18.000 Punkten, unter die er aber im Handelsverlauf mit 17.984 Punkten im Tagestief bereits gerutscht war.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.007,18
Differenz relativ
-1,60%

In Amerika ist die Berichtssaison schon weiter fortgeschritten, weshalb die Anleger sich primär auf Neues aus dem Unternehmenssektor konzentrieren. Bisher legten gleich eine ganze Reihe großer Schwergewichte schon ihre Zahlen vor, darunter auch solche aus dem Dow Jones. Nach Börsenschluss werden ab 22:00 MEZ mit Chiphersteller Intel und dem Internetkonzern Yahoo zwei weitere Höhepunkte erwartet.

Deutsche-Bank-Prozess nähert sich dem Ende

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,56
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-0,44%

Im Prozess gegen Co-Bankchef Jürgen Fitschen und frühere Topmanager des Hauses soll nach Angaben des Landgerichts München am kommenden Montag (28.4.) das Urteil fallen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten versuchten Betrug beim Schadenersatzprozess gegen den Medienunternehmer Leo Kirch vor. Prozessbeobachter rechnen mit einem Freispruch.

Gerüchte um neuen Evonik-Chef

Strategievorstand Christian Kullmann solle bei der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats zum stellvertretenden Vorstandschef des Spezialchemiekonzerns aus dem MDax gekürt werden. Dies verlautete aus dem Aufsichtsrat nahe stehenden Insiderkreisen. Das Gremium wolle mit dem Schritt ein Signal für die Nachfolge des seit 2009 amtierenden Vorstandschef Klaus Engel setzen, hieß es. Der Chemiker Engel wird am 21. April 60 Jahre alt. Sein Vertrag läuft 2018 aus.

Nordex empfohlen

Nordex-Aktien waren im TecDax gefragt. Grund war eine Kaufempfehlung von Warburg. Analyst Arash Roshan Zamir zeigte sich sehr optimistisch für die am 3. Mai erwarteten Ergebnisse des ersten Quartals. Starke Geschäftszahlen dürften einen Trendwechsel einläuten, glaubt der Experte.

Roche auf Kurs

Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat im ersten Quartal seinen Umsatz um fünf Prozent auf 12,4 Milliarden Franken verbessert. Das Unternehmen übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Diese hatten im Schnitt 12,26 Milliarden Franken prognostiziert. Vor allem die teuren Krebsmedikamente waren erfolgreich. Die Aktie legte zu.

Viel Neues aus Amerika

Zahlreiche US-Schwergewichte haben Zahlen vorgelegt. Pharma- und Kosmetikriese Johnson & Johnson aus dem Dow lag mit 1,68 Dollar je Aktie leicht über den Analystenerwartungen. Die Aktie legt aktuell in New York 1,4 Prozent zu. Indexkollege UnitedHealth, der größte US-Krankenversicherer, liegt noch besser im Rennen mit 1,7 Prozent im Plus. Dank guter Geschäfte der Tochter Optum stand im ersten Quartal unter dem Strich ein Gewinn von 1,6 Milliarden US-Dollar (1,4 Milliarden Euro) und damit 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Enttäuschend lief es hingegen für den Zigarettenhersteller Philip Morris, der Umsatz- und Gewinneinbußen verzeichnete. Auch die Aktionäre der Kult-Motorradmarke Harley Davidson dürften von den Zahlen eher weniger begeistert sein. Der Nettogewinn sank im ersten Quartal auf 250,5 Millionen Dollar nach knapp 270 Millionen vor Jahresfrist. Deutliche Verluste gibt es für die Aktie des Online Video-Dienstes Netflix, dessen Ausblick nicht gut ankommt an der Börse.

Goldman Sachs verdient deutlich weniger

Besonders im Blick stehen natürlich auch noch die Zahlen von Amerikas führender Investmentbank, Goldman Sachs, dessen Aktie im Dow enthalten ist. Die Bank litt wie viel anderen Branchenkollegen auch unter den Börsenturbulenzen im ersten Quartal und musste kräftig Federn lassen. Allerdings fielen die Zahlen etwa wie erwartet aus, so dass die Aktie nach anfänglich moderaten Verlusten mittlerweile ins Plus gedreht ist.

rm

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"