Die Sorgen sind wieder da

Stand: 10.11.2008, 20:05 Uhr

Befeuert von den guten Aussichten eines massiven chinesischen Konjunkturprogramm gewann der Dax im Laufe des Vormittages drei Prozent hinzu. Am Nachmittag und im späten Parketthandel zehrte die schwache Wall Street die Kursgewinne wieder auf.

5.135 Punkte erreichte der Dax im Laufe des Montagshandels, das war ein Plus von mehr als drei Prozent. Nachdem die Wall Street zwar ebenfalls mit Kursgewinnen gestartet war, diese Gewinne aber schnell wieder abgab, bröckelte es auch beim Dax.

Der Xetra-Dax verzeichnete noch ein Plus von 1,8 Prozent von 5.026 Punkten, im späten Parketthandel rutschte der Leitindex unter die 5.000-Punktemarke und schloss bei 4.940 Zählern.

Der Schuldige für den späten Kursrutsch war, wie so oft, die Wall Street. Bei Handelsende auf dem Frankfurter Parkett notierten die drei großen US-Indizes sämtlich im Minus. Erwähnenswert waren Kursverluste von bis zu 25 Prozent bei Autokonzern General Motors, nachdem sich mehrere Analysten äußerst negativ zu den Zukunftsaussichten des Unternehmens geäußert hatten.

Ebenfalls beachtenswert war die Bilanz des Versicherungskonzerns AIG, welcher einen Milliardenverlust meldete. Im dritten Quartal fiel nach Angaben der Firma ein Nettoverlust von 24,47 Milliarden Dollar an. Dies entspricht einem Verlust je Aktie von 9,05 Dollar. Analysten hatten mit lediglich 1,37 Dollar gerechnet. Die Aktie stieg dennoch kräftig, weil die US-Regierung der Firma finanziell unter die Arme greifen will.

Konjunkturpaket befeuerte Industriewerte
Im Dax profitierten Industriekonzern von der Ankündigung der chinesischen Regierung, die Wirtschaft des Landes mit etwa einer halben Billion Euro zu unterstützen. Wirtschaftsminister Michael Glos erwartet dadurch Impulse für die deutschen Exporteure. "Ich glaube, daraus ergeben sich gute Liefermöglichkeiten und Geschäftsbeziehungen für deutsche Unternehmen", sagte er.

K+S- und ThyssenKrupp-Aktien stiegen um mehr als sechs Prozent, bei MAN und BASF stand ein Plus von mehr als fünf Prozent zu Buche.

Finanztitel wieder am Dax-Ende
Während die Industrietitel zumeist Gewinne verbuchten, sah es bei den Finanzaktien trübe aus. Der Versicherungskonzern Allianz gab seine Bilanz bekannt. Allein im dritten Quartal fiel ein Verlust von zwei Milliarden Euro an. Die Bilanz wurde vor allem durch milliardenschwere Abschreibungen bei der mittlerweile an die Commerzbank verkaufte Tochter Dresdner Bank belastet.

Aber auch ohne die Dresdner Bank brach der Gewinn von über zwei auf 0,5 Milliarden Euro ein. Der Konzern revidierte zudem seine Prognosen für 2008 und 2009 und rechnet nun mit weiteren Abschreibungen. Aktien der Commerzbank verloren angesichts der großen Verluste der neuen Tochter 3,6 Prozent. Allianz-Papiere verloren 0,5 Prozent.

Post zieht sich zurück
Die Deutsche Post trennt sich unrühmlich von ihrem US-Geschäft und entlässt konzernweit 15.000 Mitarbeiter. Wegen der Kosten für die Abwicklung der defizitären Sparte rechnet die Post damit, 2008 mit einem noch nicht bezifferbaren Verlust abzuschließen. Die Drittquartalsbilanz des Bonner Konzerns fiel allerdings recht gut aus. Das Konzernergebnis betrug 429 Millionen Euro, der Umsatz stieg auf 13,8 Milliarden Euro. Die Aktionäre begrüßten den Rückzug aus den USA, die Aktie schloss 6,9 Prozent höher und war damit Dax-Spitzenreiter.

Henkel bringt Ecolab an die Börse
Der Konsumgüterkonzern Henkel will seine 30-prozentige Beteiligung an der US-Reinigungsfirma Ecolab los werden. Größtenteils soll Ecolab an der Börse platziert werden, teilte Henkel mit. Darüber hinaus soll Ecolab für 300 Millionen Euro eigene Aktien von Henkel kaufen. Noch am Montag will Henkel den Registrierungsantrag für die Börsennotierung stellen. Mit dem Erlös will der Dax-Konzern seine Schulden tilgen. Die Aktie verlor 0,3 Prozent.

Bilfinger mit Gewinnsprung
Der im MDax notierte Baukonzern Bilfinger Berger legte im dritten Quartal einen ordentlichen Gewinnsprung hin: Der Gewinn kletterte um 40 Prozent auf 54 Millionen Euro. Insgesamt erwartet Bilfinger Berger nun einen Jahresüberschuss von 300 Millionen Euro, nach 242 Millionen im Jahr 2007. Das Hochbaugeschäft soll allerdings mit einem Jahresverlust von zehn Millionen Euro abschließen. Die Aktie gewann 2,9 Prozent.

Manz verfehlt die Erwartungen
Der Solar- und LCD-Maschinenhersteller Manz Automation hat die ersten neun Monate mit einem ordentlichen Gewinn- und Umsatzwachstum abgeschlossen. Die Erlöse stiegen um 240 Prozent auf 159,1 Millionen Euro Millionen Euro, das Ebit stieg um das Dreifache auf 18,8 Millionen Euro. Analysten hatten mit etwas mehr gerechnet, die Aktie verlor mehr als neun Prozent.

Hohe Verluste bei Colonia
Die im SDax notierte Immobilienfirma Colonia Real Estate hat im vergangenen Quartal wegen Abschreibungen Verluste erwirtschaftet. Der Fehlbetrag lag bei knapp 50 Millionen Euro, nachdem Colonia vor einem Jahr noch einen Gewinn von 54,3 Millionen Euro erzielt hatte. Wegen der schwachen Entwicklung reduzierte das SDax-Mitglied erneut seine Jahresprognose. Colonia rechnet nun mit einem Verlust von 55 bis 60 Millionen Euro. Die Aktie verlor 4,9 Prozent.

Centrotec weiter unter Dampf
Der Heizungs- und Lüftungsspezialist Centrotec hat die ersten neun Monaten mit kräftigen Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn abgeschlossen. Die Erlöse stiegen um ein Fünftel auf 346,8 Millionen Euro, das Ebit kletterte um 40 Prozent auf 22,9 Millionen Euro. Centrotec rechnet jetzt mit einem Jahresumsatz von bis zu 475 Millionen Euro nach bislang bis zu 445 Millionen Euro. Die Anleger griffen zu, die Aktie stieg um 8,3 Prozent.

Dyckerhoff mit verbesserter Bilanz
Der im SDax notierte Zementhersteller Dyckerhoff hat nach neun Monaten 1,55 Milliarden Euro erlöst. Das entsprach einem Zuwachs von 18 Prozent. Das Ebitda lag mit 466 Millionen Euro 31 Prozent über Vorjahresniveau. Die Aktie steigt um 3,5 Prozent.

Drei kleinere Bilanzen
Der Windparkentwickler Plambeck hat in den ersten neun Monaten dank des Verkaufs seiner dänischen Tochter einen Gewinn von 24,1 Millionen Euro erreicht. Die Aktie stieg um mehr als zehn Prozent.

Das Internet-Portal Xing hat wegen mehr zahlender Kunden seinen Umsatz im dritten Quartal um 86 Prozent auf rund 9,2 Millionen Euro verbessert. Das Ebitda stieg von gut 2,0 auf 3,7 Millionen Euro. Xing-Papiere gingen 1,4 Prozent höher aus dem Handel.

Die an der Frankfurter Börse notierte chinesische Firma ZhongDe Waste Technology hat im dritten Quartal den Umsatz um 82 Prozent auf 15,6 Millionen Euro verbessert. Der Gewinn stieg auf 6,5 Millionen Euro. Die Aktie stieg um neun Prozent.

McDonald's steigert Umsatz
Die weltweit größte Fastfoodkette McDonald's hat ihren Umsatz im Oktober um mehr als acht Prozent gesteigert. In den USA legten die Erlöse um etwa fünf Prozent zu. Vorbörslich waren McDonald's-Papiere an der Wall Street gefragt, sie stiegen um etwa drei Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr