Die Skepsis kehrt zurück

Lothar Gries

Stand: 14.07.2008, 20:04 Uhr

Das Interesse am Autozulieferer Continental und Kaufpläne im Bankensektor haben dem Dax am Montag einen freundlichen Wochenauftakt beschert. Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer.

Bereits im Abendhandel schmelzen die Tagesgewinne wieder weitgehend ab. Der Dax rutscht deutlich unter die Marke von 6200 Zähler und notiert nur noch 14 Punkte über dem Stand vom Freitag bei 6164. An der Wall Street rutschen die Kurse nach anfänglichen Gewinnen sogar ins Minus. Zwar schnürte die US-Regierung ein Hilfspaket für die ins Trudeln geratenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Anleger befürchten aber, die Hilfen würden nicht ausreichen, um das wachsende Ausmaß der Finanzkrise abzufedern.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notiert am Abend 0,41 Prozent schwächer bei 11 060 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 0,9 Prozent auf 1228 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank um knapp einen Prozent.

Dabei hatte der Tag verheißungsvoll begonnen. Berichte über ein Übernahmeangebot des nicht börsennotierten fränkischen Autozulieferers an den Dax-Konzern Continental bescherten dem deutschen Leitindex Zuwächse von zeitweise 1,5 Prozent. Die Conti steigt um knapp 22 Prozent. Beide Unternehmen bestätigten erste Kontakte. «Es hat ein kurzes Gespräch gegeben, und es wird möglicherweise noch weitere Gespräche geben», sagte ein Sprecher von Schaeffler. Details zu Form und Inhalt des Gesprächs sowie zum weiteren Zeitplan wollte er nicht nennen.Das Familienunternehmen aus Herzogenaurach bietet angeblich zehn Milliarden Euro für die Übernahme des Dax-Unternehmens.

Santander will britische Bank kaufen

Unterstützung erhielt der Dax von den Expansionsplänen der spanischen Großbank Santander. Ungeachtet der anhaltenden Finanzkrise kündigten die Spanier am Mittag die Übernahme der britischen Bank Alliance & Leicester an. Rund 1,3 Milliarden Pfund will Santander dafür zahlen. Dies ist ein Aufschlag von 36 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs vom Freitag.

Davon profitieren auch die Aktien der Commerzbank und der Hypo Real Estate, die zeitweise um mehr als fünf Prozent zulegten, dann jedoch einen Großteil ihrer Gewinne wieder einbüßten. "Die Kaufpläne von Santander sind eine gute Nachricht für eine mögliche Transaktion im Zusammenhang mit der Dresdner Bank", sagte ein Händler. Santander war noch bis vor kurzem als einer von mehreren Interessenten für die Allianz-Tochter im Gespräch gewesen, die auch als möglicher Partner der Commerzbank gilt.

Erfolg für Freddie Mac
Nach den schweren Turbulenzen der vergangenen Tage hat der US-Immobilienfinanzierer Freddie Mac einen ersten Vertrauenstest an den Märkten bestanden. Das Unternehmen fand am Montag ohne Probleme Käufer für kurzfristige Anleihen im Wert von drei Milliarden Dollar. Der Verkauf war mit besonderer Spannung erwartet worden, weil Zweifel an der finanziellen Stabilität des Immobilienriesen in der vergangenen Woche zu einem Kurzsturz an den Börsen geführt hatten.

Primacom schließt Beherrschungsvertrag
Die Mainzer Firma Primacom wird ab sofort ihrem Mehrheitsaktionär, der Luxemburger Omega, unterstellt. Im Rahmen eines Beherrschungsvertrags garantiert die Omega den Aktionären die Zahlung eines Gewinnanteils in Höhe von 0,71 Euro je PrimaCom-Aktie. Alle Aktionäre erhalten zusätzlich eine einmalige freiwillige Sonderzahlung von 1,18 Euro je PrimaCom-Aktie, also insgesamt einen Betrag von 8,90 Euro je PrimaCom-Aktie. Die Aktie gewinnt 9,35 Prozent.

IDS Scheer von Kaufgerüchten getrieben
Auch im TecDax wird das Übernahmethema gespielt. Die Aktie des IT-Dienstleisters IDS Scheer springt um 24 Prozent in die Höhe, nachdem Spekulationen aufekommen waren, der Softwarekonzern SAP könne Interesse an einer Übernahme haben. SAP wollte das nicht kommentieren.

Bier-Fusion unter Dach und Fachr
Auch sonst dreht sich an der Börse einiges um das Thema Übernahmen und Fusionen. Der Bierkonzern Inbev übernimmt nun doch den US-Konkurrenten Anheuser-Busch. Allerdings zahlen die Belgier nun 70 Dollar je Aktie und damit fünf Dollar mehr als bisher angeboten. Durch die Transaktion entsteht der weltgrößte Braukonzern. Das neue Unternehmen soll Anheuser-Busch InBev heißen.

Daimler mit weniger Gewinn?
Beim Stuttgarter Automobilkonzern Daimler wächst die Sorge vor einem Gewinneinbruch der Sparte Mercedes-Benz Cars, berichtet die "Automobilwoche". "Besonders kritisch ist der Absatzrückgang der S-Klasse, nicht zuletzt in den USA", zitiert das Magazin einen Unternehmensinsider. In den Vereinigten Staaten seien neuerdings vor allem kleinere, verbrauchsgünstige Autos wie die C-Klasse gefragt, mit denen Mercedes aber nicht so viel Geld verdient. Daimler-Aktien zeigen sich dennoch unbeeindruckt.

ThyssenKrupp droht den Kunden
Der Stahlkonzern ThyssenKrupp will höhere Stahlpreise durchsetzen. Kunden, die einen Jahresvertrag mit fest vereinbarten Preisen für 2008 haben, könnten auf der Einhaltung bestehen, aber sie müssten sich "dann darauf einstellen, dass die Preise für das Jahr 2009 deutlich stärker steigen", sagte ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Außerdem könne diesen Kunden nicht garantiert werden, dass sie im Jahr 2009 die gewünschte Menge Stahl von dem Düsseldorfer Konzern erhielten. "Denn unser Qualitätsstahl ist knapp". Die Aktie notiert leicht im Plus.

Metro leidet unter Herabstufung
Ziemlich schwach entwickelt sich zu Wochenbeginn die Metro-Aktie. Merrill Lynch hat das Anlageurteil von "Neutral" auf "Underperform" zurückgenommen und das Kursziel von 51,00 auf 37,00 Euro reduziert. Es bestehe die Gefahr, dass das Unternehmen seine Zielvorgaben nicht erreichen werde. Zudem dürfte das wirtschaftlich schwächere Umfeld zu einer Eintrübung der Geschäftsaussichten auch in Osteuropa beitragen, hieß es.

Im MDax profitieren IVG Immobilien von einer positiven Goldman Sachs-Einstufung. Die Analysten haben den Wert von "Sell" auf "Neutral" hochgestuft. Die Aktiegewinnt 3,6 Prozent.

Dax TecDax-Mitglied Roth & Rau steigt ebenfalls kräftig, nachdem Lehman Brothers die Aktie mit der Einstufung "Equalweight" und einem ,Kursziel von 130 Euro aufgenommen hat. Das Unternehmen habe eine breite Kundenbasis und mit der Kooperation mit Manz Automation eine gute Stellung innerhalb der Branche, so Lehman.

Die angesprochene Manz AG profitieren von einer Lehman-Empfehlung. Die Analysten nahmen die Papiere mit "Overweight" und einem Kursziel von 200 Euro in die Berichterstattung auf. "Manz Automation ist unser bevorzugtes Solar-Ausrüstungsunternehmen", schrieben die Analysten.

Ein anderes Solar-Unternehmen, die Solon AG, ist dagegen weniger gut gelitten. Lehman senkte die Einstufung von "Equalweight" auf "Underweight" und das Kursziel von 62 auf 40 Euro.

Freenet-Chef droht
Der Vorstandsvorsitzende des Telekom-Unternehmens Freenet Eckhard Spoerr will bei einer Niederlage im Machtkampf mit den beiden Großaktionären United Internet und Drillisch zurücktreten. "Dann bin ich weg, von einem Tag auf den anderen", kündigte er gegenüber der "Welt am Sonntag" an.

EADS bekräftigt Gewinnziel
Die Tochter des EADS-Konzerns, Airbus, rechnet auf der Luftfahrtmesse im englischen Farnborough in der kommenden Woche mit neuen Aufträgen. "Airbus hat bis zur Jahresmitte netto 487 Aufträge erhalten. Wir dürften weitere gute Nachrichten in Farnborough mitteilen", sagte Airbus-Geschäftsführer Fabrice Bregier der französischen Zeitung "Le Figaro". Auch dementierte der Konzern Spekulationen über eine bevorstehende Gewinnwarnung.

Philips überrascht positiv
Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat im zweiten Quartal sein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) um sieben Prozent auf 413 Millionen Euro nach oben geschraubt. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 368 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz wuchs um sieben Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Die Analysten hatten 6,3 Milliarden Euro vorhergesagt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr