Die sechste Gewinnwoche in Folge

Lothar Gries

Stand: 17.04.2009, 20:02 Uhr

Deutschland steuert auf die schwerste Rezession seit Jahrzehnten zu, doch die Anleger hoffen auf eine baldige Trendwende und kaufen massiv Aktien. Das Interesse ist so groß, dass der Dax seine sechste Gewinnwoche in Folge verbuchen kann.

Es waren vor allem US-Daten, die dem deutschen Leitindex heute zu einem weiteren Auftrieb verholfen haben. Angeführt wurden die guten Nachrichten von der Citigroup, einem bereits tot gesagten Bankhaus, dem es aber trotz aller Belastungen gelungen ist, seine Verluste drastisch zu reduzieren. Hoffnungsvoll stimmten auch die Quartalszahlen des Mischkonzerns General Electric, der ebenfalls die Erwartungen übertraf.

Kein Wunder also, dass der Dax den Abendhandel mit einem kräftigen Plus von 65 Punkten bei 4.684 Punkten beendet. Das sind gut 30 Prozent mehr als der bisherige Jahrestiefstand von 3.588. Eine Auszeit haben sich dagegen die amerikanischen Anleger genommen. Zum Schluss in Deutschland notierte der Dow Jones Index gerade 44 Punkte oder 0,55 Prozent über seinem Vortagesstand.

Dabei hat sich das von der Universität Michigan gemessene Konsumklima in den USA in diesem Monat deutlich aufgehellt. Der Index stieg im April auf 61,9 Punkte von 57,3 Zählern im Vormonat und damit auf den höchsten Stand seit September. Volkswirte hatten nur mit 58,5 Punkten gerechnet. Die Anleger warten jedoch ab, ob sich die zuletzt präsentierten guten Ergebnisse als nachhaltig erweisen.

Die gute Stimmung an den Aktienmärkten trägt auch dazu bei, den Preis für Rohöl stabil über der Marke von 50 Euro zu halten. Auch in der kommenden Woche erwarten Experten dank neuer Hoffnungen auf ein Ende der konjunkturellen Talfahrt keinen Preisverfall an den Ölmärkten. Dagegen ist der Kurs des Euro den vierten Tag in Folge gefallen. Die Gemeinschaftswährung wird nur noch knapp über 1,30 US-Dollar gehandelt. Am Dienstag hatte der Euro noch deutlich über der Marke von 1,33 Dollar notiert.

Citigroup überrascht
Die Papiere der Citigroup haben sich heute nach einem wenig ermutigenden Ausblick des Finanzvorstandes sehr schwach präsentiert. Die Aktien sanken am Abend um mehr als vier Prozent. Dabei hat die Bank im ersten Quartal 2009 ihren Verlust auf 966 Millionen Dollar verringert hat, nach 5,2 Milliarden Dollar im gleichen Vorjahreszeitraum. Dies entspricht einem Verlust von 0,18 Dollar je Aktie, Analysten hatten ein Minus von 0,30 Dollar erwartet. Die Citigroup ist damit schon die vierte US-Großbank, die in der aktuellen Berichtssaison mit überraschend guten Zahlen die Anleger erfreute.

Die Zahlen verhalfen den hiesigen Bankwerten Deutsche Bank und Commerzbank zu kräftigen Kurssteigerungen.

GE mit mehr Gewinn als erwartet
Auch der Mischkonzern General Electric (GE) hat im ersten Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das Ergebnis ging zwar von 4,3 auf 2,8 Milliarden Dollar zurück, Experten hatten allerdings ein Abrutschen auf 2,3 Milliarden Dollar erwartet. Der Umsatz ging auf 38,4 Milliarden Dollar (29,4 Mrd Euro) zurück und damit mehr als erwartet.

Beiersdorf enttäuscht
Der Aktienkurs von Beiersdorf ist heute nach Bekanntgabe der Quartalszahlen abgestürzt. Die Papiere brachen zeitweise um mehr als 10 Prozent ein. Die Firma meldete einen Umsatzrückgang im Quartal und einen Gewinneinbruch der Klebstoffsparte Tesa. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging den vorläufigen Zahlen zufolge um ein Viertel auf 145 Millionen Euro zurück, die Ebit-Marge sank auf 10,1 (Vorjahr 12,9) Prozent. "Die Zahlen werden als Gewinnwarnung gewertet", sagte ein Händler. Mit so schlechten Zahlen habe man nicht gerechnet.

GM macht Opel Hoffnung
Der krisengeschüttelte Autokonzern General Motors (GM) sieht die Investorensuche für sein Europa-Geschäft mit der deutschen Tochter Opel gut vorankommen. Es gebe mehr als sechs Interessenten, sagte GM-Chef Fritz Henderson am Nachmittag bei einer Telefonkonferenz. Diese bekämen derzeit vertraulichen Einblick in die Bücher. "Dieser Prozess ist angelaufen", sagte Henderson.

Stahlwerte auf der Überholspur
Überdurchschnittlich gefragt sind auch die Papiere von Salzgitter und ThyssenKrupp. Als Ursache für die überraschende Hausse gelten Nachrichten vom japanischen Branchenriesen Nippon Steel. Der hat einem Pressebericht zufolge geringere Preiskürzungen mit seinen Hauptabnehmern, den Autokonzernen, ausgehandelt als befürchtet. Im MDax ziehen daher auch Klöckner & Co zweistellig an. "Zyklische Werte sind im Moment gefragt", kommentierte ein Händler.

Eon startet Verkauf von Thüga
Der Energiekonzern Eon treibt Kreisen zufolge den milliardenschweren Verkauf seiner Stadtwerke-Tochter Thüga voran. "Der Verkaufsprozess hat begonnen", sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der Preis könne bis zu 3,5 Milliarden Euro betragen. Der Konzern spreche mit den Stadtwerken aus Frankfurt, Hannover und Nürnberg über einen Anteil von 45 Prozent, während eine Gruppe von rund 30 Thüga-Beteiligungen 20 bis 30 Prozent übernehmen könne. Die Aktie verliert knapp 0,7 Prozent.

Carrefour zieht Metro runter
Metro-Aktien stehen am Dax-Ende. Sie leiden unter den enttäuschenden Umsatzzahlen von Europas größtem Supermarktbetreiber Carrefour. Der hat im ersten Quartal erstmals seit sechs Jahren einen Umsatzrückgang hinnehmen müssen.

Zwei-Wochen-Frist für HRE-Aktionäre
Der staatliche Rettungsfonds SoFFin hat neue Details zu seinem Übernahmeangebot für die Aktien der Hypo Real Estate (HRE) veröffentlicht. Die Annahmefrist beginnt am heutigen Freitag und endet am 4. Mai um 24 Uhr. Eine weitere Annahmefrist über den 4. Mai (24 Uhr) hinaus werde es nicht geben, hieß es in der am Freitag veröffentlichten Angebotsunterlage.

Premiere größter MDax-Verlierer
Nach Ende der neuen Bezugsrechte verliert die Aktie des Bezahlsenders mehr als zehn Prozent. Einem Händler zufolge bezahlten die Anleger, die drei Premiere-Aktien mittels des Bezugsrechts erworben haben, etwa 1,28 bis 1,29 Euro pro Anteilsschein. "Bis Montag können die Bezugsrechte nun ausgeübt werden, ab Freitag nächster Woche kommen sie mit in den Handel. Bis dahin wird sich der Kurs der 'alten' Premiere-Papiere diesem Preis noch etwas annähern", so der Börsianer.

Dax-Chart realtime

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USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
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