Marktbericht 20:02

Dax kommt nicht vom Fleck Die Ruhe vor dem Sturm?

Stand: 17.02.2014, 20:02 Uhr

Der deutsche Leitindex hat sich am Montag kaum von der Stelle gerührt. Schuld sind die fehlenden Investoren aus Amerika. Auch kursrelevante Unternehmensnachrichten gab es keine. Doch schon morgen dürfte wieder Bewegung in den Handel kommen.

Viele Händler zeigen sich aber zuversichtlich, dass der Dax schon bald wieder an Fahrt gewinnen und dabei sogar die Marke von 10.000 Punkten knacken könnte. Experte Manfred Hübner vom Analysehaus Sentix sprach in einer Studie von einer kurzfristig "prächtigen" Stimmung am Aktienmarkt, die von der Sehnsucht nach der 10 000-Punkte-Marke im Dax bestimmt werde.

Neue Impulse könnten morgen Vormittag vom ZEW-Konjunkturbericht für Deutschland kommen. Erwartet wird, dass sich der Aufwärtstrend in der Umfrage unter den 350 Finanzexperten fortsetzt und sich im Bereich seines 8-Jahres-Hochs über 60 Punkten stabilisieren kann.

Händler warnen allerdings vor einem klassischen "Buy the rumors, sell the facts"-Effekt, da der Dax nach der jüngsten Korrektur schon sehr viel positives Überraschungspotenzial eingepreist habe. Für weitere Kursgewinne müssten die Daten also über den Erwartungen liegen.

Der Dax ist am Montag in einem impulslosen Handel praktisch auf der Stelle getreten. Er schloss bei 9.656 Punkten, 0,06 Prozent oder 5,6 Punkte unter dem Schlussstand vom Freitag. Dabei zeigt sich erneut, dass die Frankfurter Börse ohne die Marktteilnehmer aus Amerika nur ein äußerst begrenztes Eigenleben führt und weitgehend orientierungslos wirkt. Wegen des "President's Day" blieben die New Yorker Börsen am Montag nämlich geschlossen.

Lage hellt sich auf

Gestützt wird die Stimmung der anleger auch von der allmählichen Verbesserung der wirtschaftlichen und politischen Lage in den europäischen Süd-Staaten. Einer der Hoffnungsträger ist der designierte italienische Ministerpräsident Matteo Renzi, von dem sich Börsianer ein höheres Reformtempo versprechen.

Und die Bundesbank attestiert Deutschland einen stabilen und kräftigen Aufschwung. "Die konjunkturelle Grunddynamik der deutschen Wirtschaft dürfte sich im Winterhalbjahr 2013/2014 spürbar erhöht haben", heißt es in dem am Mittag veröffentlichten Monatsbericht der Notenbank. Motor für das deutsche Wachstum ist laut Bundesbank die verbesserte Lage der Weltwirtschaft.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1528
Differenz relativ
+0,32%

Der Kurs des Euro hat am Montag in einem ruhigen Handel um die Marke von 1,37 US-Dollar gependelt. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde bei Börsenschluss in Frankfurt mit 1,3705 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,3699 (Freitag: 1,3707) Dollar festgelegt. Der Dollar kostete damit 0,7299 (0,7296) Euro.

Lanxess souverän an der Spitze

Lanxess: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
68,10
Differenz relativ
+1,40%

Im Dax kann die Lanxess-Aktie bis zum Handelsende ihre Spitzenposition verteidigen. Zwar liegen keine neuen kursrelevanten Nachrichten vor, doch der Titel sendet mit dem Anstieg über das November-Hoch (53,64 Euro) ein positives technisches Signal. Fundamental stützt weiterhin die Freude über den neuen CFO.

Deutsche Telekom und die G-Hoffnungen

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,98
Differenz relativ
+0,25%

Auch die T-Aktie zieht leicht an. Das Dax-Schwergewicht steht laut einer griechischen Zeitung vor der Aufstockung seines Anteils an der griechischen OTE. Zudem berichtet die "Wirtschaftswoche", die Deutsche Telekom könnte durch den Einsatz einer neuen Technologie mit dem vielsagenden Kürzel "G.fast" Milliarden beim Bau neuer Datenautobahnen sparen.

ThyssenKrupp: Citi sticht CS und Macquarie

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,69
Differenz relativ
+1,86%

Die ThyssenKrupp-Aktie ist dagegen bis zum Handelsende der mit Abstand größte Kursverlierer im Dax - und liefert damit zugleich einen schönen Beweis dafür, welche Analystenmeinung am Markt wirklich zählt. Zwar haben Credit Suisse und Macquarie ihre Kursziele für den Stahltitel angehoben. Doch gegen eine Verkaufsempfehlung durch die Citigroup können sie offenbar einfach nicht "anstinken".

Merck geht erneut in die Verlängerung

Ins Minus gerutscht ist auch die Aktie des Darmstädter Merck-Konzerns. Der Pharmakonzern hat sein milliardenschweres Übernahmeangebot für die britische Spezialchemiefirma AZ Electronic Materials zum dritten Mal verlängert. Aktionäre des Unternehmens können ihre Anteilsscheine nun bis zum 28. Februar andienen.

BMW-Kooperation: SGL springen an

Auch die BMW-Aktie gehört zu den Verlierern im Dax. Der Dax-Titel hatte sich am Freitag noch bis auf wenige Cent an sein Allzeithoch bei 86,88 Euro angenähert. Laut dem "Handelsblatt" wollen BMW und SGL ihre Kohlefaser-Produktion ausweiten, um die hohe Nachfrage nach den Elektroautos i3 und i8 zu befriedigen.

Das beflügelt die Aktien der SGL Group im MDax. Die Aussicht auf eine deutliche Steigerung der Kohlefaser-Produktion hat das Papier auf den höchsten Stand seit Mitte Januar getrieben. Die Titel legen um 12,7 Prozent auf 30,70 Euro zu und waren der mit Abstand stärkste Wert im MDax.

Klöckner auf Elfmonatshoch

Zweitstärkster Wert im Mdax sind die Papiere von Klöckner & Co. Sie haben am Montag ein neues Elfmonatshoch erreicht. Bei einem Plus von 4,86 Prozent auf 11,64 Euro standen die Aktien des Stahlhändlers so hoch wie seit Anfang März 2013 nicht mehr. Zuvor hatten sie knapp über 11,50 Euro eine Widerstandsmarke durchbrochen, an der sie zuvor mehrfach abgeprallt waren. In jüngster Zeit hat der europäische Rohstoffsektor deutlich an Fahrt aufgenommen: Im Februar gewann der Stoxx Europe 600 Basic Resources bisher mehr als sieben Prozent.

Morphosys bekommt Geld

Im TecDax ist die Morphosys-Aktie einer der größten Gewinner. Der Konzern hatte am Morgen den Erhalt einer Meilensteinzahlung von Novartis bekannt gegeben. Diese wurde durch die behördliche Anmeldung und den geplanten Beginn einer klinischen Studie der Phase I für einen Antikörper im Bereich der entzündlichen Erkrankungen ausgelöst.

QSC rudert zurück

Dagegen sind die Aktien von QSC ans TecDax-Ende gerutscht. Händler begründeten dies mit einem Interview der "Börsen-Zeitung" mit der Finanzchefin Barbara Stolz. Stolz betrachtet die vor zwei Jahren kommunizierten Mittelfristziele für 2016 mittlerweile als eine Herausforderung. Angesichts der optimistischen Markterwartungen und der guten Kursentwicklung sei die negative Reaktion der Anleger nachvollziehbar, sagte Analyst Markus Friebel von Independent Research.

Vossloh mit neuem Chef

Im SDax steigt die Vossloh-Aktie bis zum Handelsende zum Spitzenreiter auf. Sie reagiert damit auf eine massive Umbesetzung im Vorstand. Vorstandssprecher Werner Andree sowie Vorstandsmitglied Norbert Schiedeck scheiden mit Wirkung zum 31. März 2014 aus dem Vorstand aus, teilte das Unternehmen am Mittag mit. Neuer Vorstandsvorsitzender soll Hans Schabert werden, zudem sollen Volker Schenk und Oliver Schuster in das Gremium einziehen. Die Gründerfamilie Vossloh hatte sich Ende November vom größten Teil ihres Aktienpakets von über 30 Prozent getrennt. Chefaufseher Thiele selbst hält seit Oktober 2012 über 25 Prozent der Vossloh-Aktien.

Kion hochgelobt

Kräftig aufwärts geht es auch mit der ebenfalls im SDax notierten Kion-Aktie. Die Deutsche Bank hat das Kursziel für Kion nach den Zahlen von 34 auf 40 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Endlich habe sich die Trendwende auf dem westeuropäischen Markt eingestellt, Kion sei am besten positioniert, um hiervon zu profitieren.

Palfinger zeigt sich knauserig

Der österreichische Kran- und Hebesysteme-Hersteller Palfinger hat im vergangenen Jahr aufgrund eines starken Geschäftes außerhalb Europas mehr verdient. Die Aktionäre des Herstellers von Ladekränen für Lkws, Schiffe oder Züge sollen daher eine höhere Dividende von 0,41 (Vorjahr: 0,38) Euro je Aktie erhalten, teilten die Salzburger am Montag mit. Analysten hatten jedoch mit einer noch höheren Gewinnausschüttung von 0,44 Euro je Titel gerechnet.

Google setzt auf Ultraschall-Technologie

Unter den ausländischen Titeln macht erneut Google durch einen spannenden Zukauf auf sich aufmerksam. Der Internet-Gigant hat das israelische Startup SlickLogin gekauft, das eine innovative Art erfunden hat, herkömmliche Passwörter mit einer zweiten Sicherheitsstufe zu ergänzen: Ultraschall-Töne, die zwischen Smartphone und PC eines Nutzers ausgetauscht werden. Zuletzt hatte Google durch mehrere Zukäufe im Bereich künstliche Intelligenz von sich reden gemacht.

Bastei Lübbe prüft Weltbild

Der Kölner Verlag Bastei Lübbe prüft derzeit die Bücher des insolventen Weltbild-Konzerns. Interesse habe der Verlag vor allem am digitalen Geschäft. Doch es sei schwierig, sich ein genaues Bild zu verschaffen, weil die Struktur von Weltbild sehr kompliziert sei, sagte Verlagschef Thomas Schierack am Montag am Rande einer Investorentagung der Nachrichtenagentur Reuters.

lg

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