Die Ruhe vor dem Sturm?

Detlev Landmesser

Stand: 08.10.2007, 20:22 Uhr

Am Vorabend der Berichtssaison hielten viele Börsianer die Füße still. Der Dax musste die Marke von 8.000 Punkten wieder preisgeben. Dabei kostete die SAP-Aktie den Leitindex fast 15 Punkte.

Der L-Dax schloss 0,4 Prozent tiefer bei 7.974,73 Punkten. Von den US-Börsen, wo sich die Anleger kurz vor Beginn der Quartalsberichtssaison ebenfalls zurückhalten, kam keine Unterstützung: Die großen Indizes lagen am Abend moderat im Minus. Morgen läutet der Aluminiumriese Alcoa die Berichtssaison der Unternehmen zum dritten Quartal ein.

Der TecDax machte dem Dax die Jagd nach der runden Marke nach. Erstmals seit seiner Einführung seit viereinhalb Jahren kletterte der Technologieindex zeitweise über 1.000 Punkte.

Milliardenumsatz in SAP-Aktien

Unter gigantischen Umsätzen ging es mit der SAP-Aktie nach unten. Im Xetra-Handel wurden rekordverdächtige 1,37 Milliarden Euro mit dem Softwaretitel umgesetzt - übrig blieb ein Kursminus von vier Prozent, das den Dax 14,8 Indexpunkte kostete.

Nicht nur dass Beobachtern der Übernahmepreis für die französisch-amerikanische Business Objects etwas zu hoch erscheint; 4,8 Milliarden Euro wollen die Walldorfer zahlen. Das Objekt der Begierde hat ausgerechnet am Montagmorgen vor enttäuschenden Lizenzumsätzen im dritten Quartal gewarnt. Überhaupt sind die Börsianer über den Strategieschwenk des deutschen Softwareprimus verwirrt. Bis zuletzt hatte SAP bekräftigt, aus eigener Kraft wachsen zu wollen.

VW steigt und steigt
Die VW-Aktie, die sich mit neuen Rekordkursen an die Dax-Spitze setzte, wurde sozusagen zum Selbstläufer: Ab Mittwoch wird der Autotitel in den EuroStoxx 50 aufgenommen. Nach der Übernahme von Endesa durch Enel und Acciona rückt VW für den spanischen Versorger in den europäischen Benchmark-Index auf.

BMW: Gut ist nicht gut genug
Ein stattliches Absatzplus von 7,4 Prozent im September reichte den Anlegern bei BMW offenbar nicht. Die Aktie reagierte kaum. Im vergangenen Monat konnte die Marke BMW ihren Absatz um 3,5 Prozent auf 118.027 steigern. Bei Mini kletterten die Verkaufszahlen um 31,2 Prozent auf 23.805.

BASF forscht für Chip-Industrie
Besser aufgelegt war die BASF-Aktie. Der weltgrößte Chemiekonzern hat eine Kooperation mit dem "führenden Forschungszentrum für Halbleiter", IMEC, angekündigt. Die Partner wollen Reinigungslösungen und Metallisierungssysteme für die Chip-Industrie entwickeln. Gerüchte über ein Interesse der Ludwigshafener an dem Schweizer Wettbewerber Lonza wollte BASF nicht kommentieren. Die Lonza-Aktie sprang deutlich an.

Asien-Fantasie zündet bei Deutscher Bank nicht
Der deutsche Branchenprimus will in den kommenden Jahren kräftig in Japan und den asiatischen Schwellenländern wachsen. Asiens Anteil am Gesamtumsatz soll binnen fünf bis acht Jahren von derzeit zwölf auf 20 Prozent wachsen, so Vorstandsmitglied Jürgen Fitschen. Der Bank-Aktie nützte die Wachstumsfanatsie am Montag nichts, sie verlor leicht.

Commerzbank erwartet steigende Margen
Der Branchenkollege Commerzbank notierte ebenfalls kaum verändert. Wegen der internationalen Kreditkrise rechnet das Institut mit steigenden Margen für die Banken. "Ich glaube, dass die Risikoaufschläge in den kommenden Monaten leicht steigen werden", sagte der fürs Mittelstandsgeschäft zuständige Commerzbank-Vorstand Martin Blessing am Montag. Dies werde dann auch zu höheren Margen für die Kreditgeber führen.

S&P erhöht Rating für HRE
Auch der dritte Banktitel im Dax, die Hypo Real Estate, konnte von einer an sich guten Nachricht nicht profitieren. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Bonitätsnote für den Immobilienfinanzierer auf "A" von "A-" hochgestuft. Die Hochstufung folge dem Abschluss der Übernahme der Depfa Bank, teilte S&P mit. HRE hatte den Staatsfinanzierer für mehr als fünf Milliarden Euro übernommen -ein positiver Einfluss auf das Kreditrating war am Markt bereits erwartet worden.

Kalte Dusche von KlöCo
Am Abend brach die Aktie von Klöckner & Co um mehr als 15 Prozent ein. Zuvor hatte das MDax-Unternehmen vor einem geringer als erwartet ausfallenden operativen Ergebnis im laufenden Jahr gewarnt. Besonders die rückläufigen Edelstahlpreise haben die Pläne des Stahlhändlers durchkreuzt.

Hochtief managt Energie
Die Aktie von Hochtief gewann ein halbes Prozent. Der Baukonzern übernimmt von Vattenfall den Bereich Energie-Contracting. Mit dem Zukauf steigen die Essener nach eigenen Angaben zum führenden Anbieter im Bereich Energiemanagement auf. Der Umsatz in dem Bereich liegt bei 90 Millionen Euro.

Douglas mit gefälligen Aussichten
Douglas wächst weiter organisch und durch Zukäufe. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/07 hat die Parfümeriekette ihren Umsatz um zwölf Prozent auf drei Milliarden Euro gesteigert. Auf vergleichbarer Basis, also organisch habe das Wachstum bei 3,3 Prozent gelegen, teilte das MDax-Unternehmen mit. Douglas geht davon aus, dass das Ergebnisziel vor Steuern zwischen 139 und 142 Millionen Euro erreicht wird.

Ärger bei Conergy?
Wenn ein Finanzvorstand geht, sieht das die Börse selten gern - die Conergy-Aktie bekam das am Montag zu spüren. Der TecDax-Titel verlor fast neun Prozent. Am Morgen hatte das Solarunternehmen gemeldet, dass Finanzvorstand Heiko Piossek seinen Stuhl für Jörg Spiekerkötter räumen muss. Am Markt gingen daraufhin Gerüchte um eine Gewinnwarnung bei dem Solar-Spezialisten um. An Aufträgen zumindest mangelt es Conergy nicht. Vor Börseneröffnung hatte das Unternehmen gemeldet, dass eine Tochtergesellschaft in Australien die größte Windfarm bauen will. Das Projekt umfasse 500 Turbinen.

Aixtron mit Nano-Übernahme
Der Aachener Chipanlagenbauer übernimmt die britische Nanoinstruments Ltd, um sich neue Perspektiven im Bereich der Nanotechnologie zu eröffnen. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, so Aixtron. Nanoinstruments stelle Forschungsanlagen für Materialien her, die künftig vermehrt in optischen und elektronischen Bauelementen zum Einsatz kommen sollten.

Morphosys mit neuer Kooperation
Leichte Zugewinne verbuchte Morphosys. Das Biotech-Unternehmen startet eine Forschungskooperation mit dem neuseeländischen Branchenkollegen Genesis Research and Development. Die Neuseeländer werden einen Antikörper einsetzen, der auf der Morphosys-Technologie HuCAL basiert. Finanzielle Einzelheiten der Zusammenarbeit wurden nicht bekannt gegeben.

Air Berlin brummt
Die Aktie von Air Berlin gewann fast sechs Prozent. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft hat nach Passagierzahlen im September um 21 Prozent zugelegt. Im vergangenen Monat wurden knapp 2,5 Millionen Gäste nach 2,0 Millionen im Vorjahreszeitraum. "Wir haben im September den höchsten Zuwachs in diesem Jahr erzielt", erklärte Vorstandschef Joachim Hunold am Montag in Berlin. Die Auslastung der Flugzeuge lag mit 83,6 Prozent 2,4 Prozentpunkte über dem Vergleichsmonat des Vorjahres.

Comdirect und Sino mit Orderrückgängen
Der Angstmonat an der Börse hat sich in den Orderzahlen bei Comdirect und Sino niedergeschlagen. Bei der Commerzbank-Tochter aus dem SDax wurden 668.783 Orders registriert, gegenüber 957.160 im Vormonat. Das betreute Kundenvermögen stieg allerdings von 19,61 auf 20,24 Milliarden Euro. Die wesentlich kleinere Sino musste ein Orderminus von 46 Prozent auf 82.627 hinnehmen.

Frogster bricht ein
Einen massiven Kurseinbruch erlebte die Frogster-Aktie. Der Berliner Spielehersteller aus dem Entry Standard verschiebt den Start für das Online-Spiel "The Chronicles of Spellborn" von Ende 2007 auf das erste Quartal 2008. Frogster hält die Lizenzrechte für den deutschsprachigen Raum, Frankreich und Asien.

Ringen um ABN entschieden
Im milliardenschweren Übernahmekampf um ABN Amro hat sich das Konsortium um die Royal Bank of Scotland die erforderliche Mindestzustimmung der Aktionäre gesichert. Die Besitzer von insgesamt 86 Prozent der ABN-Aktien hätten der Offerte zugestimmt, teilte die Bietergruppe am Nachmittag mit. Noch in dieser Woche wolle das Konsortium, zu dem auch die spanische Santander und die belgisch-niederländische Fortis gehören, bekannt geben, ob alle Bedingungen seines Angebots über rund 71 Milliarden Euro erfüllt seien.

Strabag SE strebt an Wiener Börse
Ein großer Börsengang kündigt sich in Österreich an. Der österreichisch-deutsche Baukonzern Strabag SE will am 19. Oktober an der Wiener Börse sein IPO feiern. Am Montag teilte das Unternehmen die Preisspanne von 42 bis 48 Euro mit. Bei 28,2 Millionen auszugebenden Aktien würde das Volumen der Emission 1,18 bis 1,35 Milliarden Euro betragen. Die österreichische Gruppe kontrolliert auch die börsennotierte Kölner Strabag AG.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"