Die Rückkehr der Krisenstimmung

Stand: 09.09.2008, 20:01 Uhr

Die Kursgewinne von Montag waren nur von kurzer Dauer. Am Dienstag kehrten die bekannten Konjunkturängste und Finanzkrisensorgen zurück. Mit der Wall Street kippte auch der Dax ins Minus. Im späten Handel weiteten sich die Verluste aus.

Fast 30 Punkte verlor der Dax im späten Handel gegenüber dem Schlusskurs auf Xetra. Der LDax schloss um 20 Uhr bei 6.206 Punkten, was einem Tagesminus von 0,8 Prozent entspricht.

Am Morgen noch schien es, als könne der deutsche Aktienmarkt die Kursgewinne von Montag zumindest halten. Enttäuschende Immobiliendaten aus den USA und Liquiditätsorgen um die Investmentbank Lehman Brothers ließen die Stimmung jedoch kippen.

Aktien von Lehman Brothers verloren im Handelsverlauf mehr als 40 Prozent. Ein Zeitungsbericht war der Auslöser: Die Gespräche mit der staatlichen Korea Development Bank über eine dringend benötigte Finanzhilfe für Lehman sei beendet worden, hieß es. "Der Markt fürchtet nun, dass keiner Geld in das Unternehmen stecken will". Dass die Zahl der zum Verkauf stehenden Häuser im Juli um 3,2 Prozent gefallen ist, trug ebenfalls nicht zur Beruhigung bei.

Im Gegensatz zu den US-Finanzaktien schlugen sich die deutschen Banken- und Versicherungsaktien ordentlich. Deutsche Bank-Papiere legten, an der Spitze im Dax, um drei Prozent zu. Dahinter folgte die Postbank mit einem Kursplus von 2,1 Prozent. Hier gab es ein nicht mehr ganz so aktuelles Übernahmegerücht. Die Banco Santander wurde ein weiteres Mal als möglicher Postbank-Käufer ausgegraben.

Bloß raus! Aus Stahl und Rohstoffen!
Ganz anders war die Stimmung die Rohstoff- und Stahlaktien. Thyssenkrupp-Papiere verloren acht Pozent, Salzgitter verbilligte sich um sieben, Klöckner&Co. um fast acht Prozent. Die Papiere des Grafitspezialisten SGL krachten um mehr als zehn Prozent in die Tiefe, und Dax-Aufsteiger K+S gab fast sieben Prozent ab.

"Alles, was mit Rohstoffen zu tun hat, wurde verkauft", sagte ein Händler. Begründet wurden die Kursverluste zum einen mit der Entscheidung einer brasilianischen Eisenerzmine, die Preise zu erhöhen. Zum anderen scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass Stahl- und Rohstoffunternehmen sehr allergisch auf eine mögliche Konjunkturkrise reagieren könnten.

Will Pfizer was von Bayer?
Die Bayer-Aktie entzog sich heute dem negativen Trend. Sie schloss 1,2 Prozent fester. Gerüchteweise will der amerikanische Pharmakonzern Pfizer das Medikamentengeschäft von Bayer übernehmen. Von Bayer hieß es, man kommentiere die Gerüchte nicht. Auch Händler halten eine Übernahmen für unwahrscheinlich, da Bayer zuvor erst zerschlagen werden müsste.

Lufthansa befördert weniger Passagiere
Die Lufthansa hat im August mit knapp 6,13 Millionen Passagieren etwa 1,2 Prozent weniger befördert als im Juli. Der Transport von Fracht und Post ging um 8,2 Prozent auf 152.000 Tonnen zurück. Der Konzern begründete den Rückgang unter anderem mit den Nachwirkungen des Streiks im Juli. Die Aktie gewann 1,1 Prozent.

Windräder von Siemens an Eon
Der Industriekonzern Siemens liefert 500 Windräder an den Stromversorger Eon. Die Windräder werden eine Gesamtleistung von etwas mehr als einem Gigawatt erzeugen. Rene Umlauft, Chef der Sparte Erneuerbare Energien bei Siemens, sprach vom bisher "größten Rahmenabkommen im Windenergiegeschäft". Die Aktie profitierte allerdings nicht von dem neuen Auftrag, sie gab 1,4 Prozent ab. Auch Eon-Aktien notierten 3,1 Prozent schwächer.

Deutsche Börse hält an Geschäftsmodell fest
5,3 Prozent verlor die Aktie der Deutschen Börse. Spekulationen, dass der einflussreichen Großaktionär TCI durchsetzen will, dass die Deutsche Börse das Frankfurter Aktienhandelsgeschäft verkauft, hatten die Aktionäre verunsichert. Am Abend äußerte sich die Börse dazu. Wie nicht anders zu erwarten hält das Management am integrierten Geschäftsmodell des Handelsbetreibers fest, es sieht "signifikante Vorteile und Synergien in der Verzahnung der Geschäftsbereiche" Kassamarkt, Eurex und Clearstream.

Celesio bekommt Analystenlob
Die Aktie des Pharmagroßhändlers Celesio gewann 9,7 Prozent. Die Analysten von Cheuvreux haben das Kursziel der Aktie, die zur Zeit 30 Euro kostet, auf 31 Euro erhöht. Die Analysten schrieben, die Geschäftsaussichten des Unternehmens in Großbritannien hätten sich verbessert.

Lanxess sieht keine Chemieschwäche
Der Chemiekonzern Lanxess hat sich optimistisch zu den Geschäftsaussichten im dritten Quartal geäußert. Vorstandschef Axel Heitmann sagte, dass Lanxess eventuelle Schwächen durch das profitable Wachstum in den so genannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China wettmachen könne. Die Chemiebranche zeige weltweit derzeit aber keine Schwäche, sagte Heitmann weiter. Die Aktie verlor heute 1,9 Prozent.

EADS mit Sparprogramm "Plus"
Nach "Power 8" kommt "Power 8 Plus". Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS stellte das neue Einsparprogramm vor. Es sieht den Ausbau der Fertigung und des Einkaufs im "Dollarraum" vor. Bis 2012 will Airbus zusätzlich eine Milliarde Euro einsparen. Davon entfallen 650 Millionen Euro auf Airbus. Mit dem Vorläuferprogramm "Power8" spart der Konzern bis 2010 bereits 2,1 Milliarden Euro ein und streicht 10.000 Stellen in der Verwaltung. Die Aktionäre honorieren Sparpläne, die Aktie legte um 1,5 Prozent zu.

Patrizia stark dank Immobilienverkauf
Der Immobilienkonzern Patrizia hat mit zwei so genannten "Blockverkäufen" 78,5 Millionen Euro erlöst. Die Objekte liegen nach Angaben von Patrizia in "begehrter Innenstadtlage" von München und Dresden. Man sei nun auf dem richtigen Weg, das geplante Gewinnziel von bis zu 30 Millionen Euro in diesem Jahr zu erreichen, teilte die SDax-Firma weiter mit. Analysten äußerten sich ebenfalls optimistisch, die Aktie stieg um 5,3 Prozent.

Medigene berichtet Mitte September
Der Biotechnologiekonzern Medigene hat bekannt gegeben, dass er Mitte des Monats neue Studienergebnisse zu einem der Hoffnungsträger des Unternehmens, dem Krebsmedikament Endotag, präsentieren wird. Aktionäre erwarten offenbar gute Nachrichten, die Aktie gewann 6,3 Prozent.

Kein Conergy-Wind mehr
Der Wind- und Solarkonzern Conergy hat sich von seiner Windsparte getrennt. Die Investmentfirma Warburg Pincus übernahm die Sparte, die Conergy-Bilanz wird durch den Verkauf mit 35 Millionen Euro belastet. Die Firma teilte mit, man wolle sich so weiter auf Photovoltaik-Geschäft konzentrieren. Die Aktie verlor sieben Prozent

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