Die neue Popularität der Kassandras?

Angela Göpfert

Stand: 17.06.2009, 20:15 Uhr

Was haben sie nicht gewarnt - vor einem "falschen Optimismus" und einer "absurden Börsenrally". Doch im Gegensatz zu den vergangenen Wochen scheinen sich die Kassandras nun auch zunehmend Gehör zu verschaffen. Der Abgabedruck im Dax war jedenfalls beachtlich. Ein etwas anderes Bild zeichnete indes die Wall Street.

Der Dax büßte am Mittwoch bis zum Xetra-Schluss 1,9 Prozent ein auf 4.799 Punkte. Im Handelsverlauf war er gar zeitweise unter die wichtige 200-Tage-Linie bis auf ein Tief von 4.761 Punkten gerutscht.

Im späten Parketthandel sorgte die Wall Street allerdings für etwas Erleichterung. Zuversichtliche Analystenstimmen zum Technologiesektor hievten die US-Börsen ins Plus. Daraufhin konnte auch der Late-Dax seine Verluste eingrenzen, er beendete den Parketthandel schließlich mit einem Punktestand von 4.823 Zählern.

Kein schönes technisches Bild
Sollte die Unterstützungszone im Bereich von 4.780/4.800 Punkten nun auch die kommenden Tage halten, so könnte das dem Dax immerhin eine kleine Verschnaufpause verschaffen. Der kurzfristige Abwärtstrend bleibt davon laut Charttechnikern aber unbenommen.

"Von Entwarnung kann im Hinblick auf weitere Turbulenzen und Tiefs jedoch nicht die Rede sein", kommentierte etwa Wieland Staud von Staud Research. Von technischer Seite habe sich das Bild für die Aktienmärkte mittlerweile deutlich eingetrübt, sagte auch Helaba-Marktanalyst Christian Schmidt.

Pure Panik bei K+S
Im Dax stand heute die K+S-Aktie mit einem Abschlag von bis zu 18 Prozent im Fokus der Anleger. Der Düngemittelkonzern hat wegen der nach wie vor schwachen Nachfrage seine Produktionskürzungen ausgeweitet und für 2009 eine Umsatz- und Ergebniswarnung ausgesprochen. Das hatte zu einer regelrechten Verkaufs-Panik geführt.

Deutsche Post im FedEx-Sog
Für eine böse Überraschung sorgte auch FedEx, der US-Logistikkonzern meldete einen Quartalsverlust und einen Umsatzeinbruch um 20 Prozent. Das riss auch die Papiere der Deutschen Post nach unten, sie verloren 5,9 Prozent. Das Beunruhigende daran: Paketdienste gelten als Vorboten der wirtschaftlichen Entwicklung.

Zykliker unter Abgabedruck
Dabei halten mittlerweile viele Marktbeobachter die zuletzt an den Börsen gespielten Hoffnungen auf eine rasche V-förmige Erholung der Konjunktur für überzogen. Das drückte auf die Stimmung für Rohstoffwerte: Aktien von Salzgitter- und ThyssenKrupp büßten jeweils über sechs Prozent ein.

Auch die markante Kurserholung bei Automobil- und Finanztiteln scheint mehr und mehr auszulaufen: Aktien von Daimler und Deutsche Bank verloren 3,4 respektive 4,0 Prozent, Commerzbank-Aktien gaben um 6,6 Prozent nach.

Ein guter Tag für defensive Titel
Auf der Dax-Gewinnerseite fanden sich dagegen defensive Titel aus der Gesundheits- und Telekombranche wieder: So legten Aktien von FMC um knapp drei Prozent zu, auch Titel von Fresenius, Deutsche Telekom und Merck verbuchten Gewinne und folgten damit einem europaweiten Trend.

VW-Aktie: Hexen ante Portas?
Die VW-Aktie schwankte heute deutlich, notierte mal 2,3 Prozent höher, mal 1,8 Prozent niedriger. Damit gab der Dax-Titel schon mal einen - zugegebenermaßen milden - Vorgeschmack auf das, was Anleger am Freitag erwarten könnte. Marktbeobachter rechnen für den Hexensabbat vor allem bei der VW-Aktie mit heftigen Verwerfungen.

Vor diesem Hintergrund verblassten Meldungen, wonach Wolfsburg angeblich fordert, das an einem Porsche-Einstieg interessierte Emirat Katar müsse zunächst mit VW sprechen. Porsche wies dies jedoch ebenso zurück wie einen Zeitungsbericht über eine Blockade der Katar-Gespräche durch Piech.

Krones hat neuen AR-Chef
Auf der Hauptversammlung des MDax-Konzerns und Getränkeabfüllanlagen-Herstellers Krones wurde Ernst Baumann zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden ernannt. Der ehemalige BMW-Personalvorstand löst Lorenz Raith an der Spitze des Kontrollgremiums ab.

Tui, Vossloh und EADS auf Gewinnerseite
An der MDax-Spitze beendete die Premiere-Aktie mit einem Aufschlag von 5,5 Prozent den Handel. Die Tui-Aktie profitierte ebenso wie die Vossloh-Aktie von einer Kaufempfehlung durch Sal. Oppenheim. EADS-Titel gewannen 0,9 Prozent. Die Airbus-Mutter fasst eine Umwandlung in eine Europäische Gesellschaft (SE) konkreter ins Auge.

Sal. Oppenheim stößt Arcandor ab
Arcandor-Aktien büßten zeitweise 9,9 Prozent ein, konnten das Minus aber bis zum Handelsschluss auf 2,8 Prozent eingrenzen. Die Privatbank Sal. Oppenheim hat ihren 3,7-prozentigen Anteil an dem insolventen Handels- und Touristikunternehmen verkauft.

Conergy-Mitarbeiter unter Verdacht
Im TecDax sorgte das Solarunternehmen Conergy für Aufruhr. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Kursmanipulation, des Insiderhandels und der Bilanzfälschung gegen Conergy-Mitarbeiter. Der Anfangsverdacht richte sich gegen Verantwortliche des Unternehmens, darunter auch solche auf Vorstandsebene, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Conergy-Papiere verloren 7,4 Prozent.

Infineon und Drägerwerk nicht gut gelitten
Noch stärker verloren Drägerwerk-Aktien, sie büßten 9,8 Prozent ein und setzten damit ihre Talfahrt fort. Am Dienstag hatte das Unternehmen einen Gewinneinbruch in Aussicht gestellt. Heute stufte Equinet den Titel auf "Reduce" herab. Auch Aktien von Infineon verzeichneten herbe Einbußen von 9,4 Prozent. Die zahlungsunfähige Infineon-Tochter Qimonda steht laut dem Insolvenzverwalter vor dem Ausverkauf.

Kontron-Aktie hält Gewinne nicht
Die Kontron-Aktie konnte ihre frühen Gewinne nicht bis zum Xetra-Schluss halten, sie ging mit einem Minus von 0,1 Prozent aus dem Handel. Das Unternehmen hat zwei Entwicklungsaufträge aus der Informations- und Telekommunikations-Branche erhalten.

Rohstoffe auf der Verliererseite
Der Ölpreis sank nach den jüngsten Daten zu den US-Lagerbeständen auf ein Tagestief von 69,00 Dollar. Vor allem die unerwartet gestiegenen Bestände an Benzin und Destillaten (Heizöl, Diesel) lasteten auf dem Preis für das schwarze Gold.

Auch die Preise für Industriemetalle gingen erneut zurück. Wachsende Konjunkturzweifel drückten unter anderem den Preis für die Tonne Kupfer auf 4890 Dollar. Vergangene Woche war die Notierung noch auf ein Acht-Monats-Hoch von 5388 Dollar geklettert.

Unterdessen setzte der Goldpreis seine jüngste Talfahrt fort: Die Feinunze notierte zeitweise unter 930 Dollar. Analysten führten dies auf die leichte Erholung des Dollar zurück. Der Euro verbilligte sich auf knapp 1,39 US-Dollar.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr