Die Nervosität steigt

Stand: 19.07.2010, 19:56 Uhr

Enttäuschende US-Daten vom Immobilienmarkt reichten am Montag aus, um den Dax in die Minuszone zu drücken. Die Marke von 6.000 Punkten gerät erneut in Gefahr. Auf dem Parkett macht sich wieder Verunsicherung breit.

Der Wochenauftakt wurde am Nachmittag verpatzt, als der US-NAHB-Hausmarktindex gemeldet wurde. Das Barometer für den Immobilienmarkt in den USA sank deutlich und ließ auch die Kursgewinne an den US-Börsen bis zum Abend deutscher Zeit wieder kleiner werden. Der Dax konnte sich im späten Parketthandel mit Ach und Krach über der Marke von 6.000 Punkten halten, verlor allerdings gegenüber dem Freitagsschluss rund ein halbes Prozent.

Schwankungen nehmen zu

Nach Ansicht von Marktexperten ist die Stimmung der Anleger derzeit sehr labil, zeigt auch der VDax, der die Schwankungsbreite im Dax misst, er stieg am Montag auf ein Zwei-Wochenhoch von knapp 23 Punkten.

Delta stellt nicht zufrieden

Auch Gewinne bei der ehemals pleitebedrohten US-Airline Delta konnten am Nachmittag die Stimmung nicht aufhellen. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal zwar fast eine halbe Milliarde Dollar verdient, doch Beobachtern schmeckte der Umsatz nicht, der mit 8,2 Milliarden die Erwartungen verfehlte. Zudem gab Delta einen schlechter als erwarteten Ausblick auf das laufende Quartal.

Defensive gewinnt

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
85,88
Differenz relativ
+0,44%

Im Dax schlossen "defensive" Titel wie die Deutsche Telekom oder der Pharmakonzern Merck den Tag als Gewinner ab. Auch Papiere des Stahlriesen ThyssenKrupp konnten Zugewinne verbuchen. Analysten der Investmentbank Cheuvreux hatten die Papiere des Stahlkonzerns von "underperform" auf "outperform" hochgestuft und das Kursziel von 20,50 auf 26,00 Euro erhöht. Ein ebensolches Anlageurteil von Cheuvreux ließ auch die Aktie der Deutschen Börse leicht steigen.

Versorger mit Fusionsaufschlag

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,69
Differenz relativ
-0,75%

Eon und RWE konnten gegen den Trend leichte Kursgewinne verbuchen. Belebend auf den Sektor wirkte die Nachricht, dass die Fusionsgespräche zwischen International Power und GDF Suez wieder in Gang gekommen sind. RWE meldete zudem, dass das Unternehmen 3,6 Milliarden Euro in ein ägyptisches Gasfeld investieren will. Partner bei der Erschließung ist der britische Öl-Konzern BP.

SAP will Sybase - immer noch

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
100,98
Differenz relativ
-3,53%

Der deutsche Software-Konzern SAP hat sein Übernahmeangebot für den Konkurrenten Sybase noch einmal bis zum 26 Juli verlängert. Damit reagiert das Unternehmen darauf, dass die EU-Kommission noch kein grünes Licht für den Deal gegeben hat. SAP will für umgerechnet 4,7 Milliarden Euro Sybase übernehmen.

Conergy mit neuem Chefkontrolleur

Der Solarkonzern hat einen neuen Aufsichtsratschef. Norbert Schmelzle folgt auf Eckhard Spoerr, der sich nach Angaben des Unternehmens aus persönlichen Gründen aus dem Gremium zurückzieht. Die Conergy-Aktie schloss am Montag rund zwei Prozent leichter.

Vorschusslorbeeren für Dialog

Die Aktie des Chip-Unternehmens Dialog Semiconductor war am Montag - wieder einmal - bester TecDax-Titel. Offenbar griffen einige Investoren einen Tag vor der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal bereits zu. Analysten rechnen mit einem guten Umsatz und Ergebnis, auch weil Dialog Zulieferer für das Apple-Handy iPhone ist.

Heideldruck will noch mehr

Der Druckmaschinen-Hersteller war der stärkste MDax-Wert in einem schwachen Gesamtmarkt. Heideldruck hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2010/11 seinen Auftragseingang um 43 Prozent auf 786 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Beim Umsatz rechnet das MDax-Mitglied mit rund 560 Millionen Euro nach 514 Millionen im entsprechenden Vorjahreszeitraum und außerdem mit einer Ergebnisverbesserung.

Philips erwartet schwaches Halbjahr

Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat im zweiten Quartal seinen Umsatz dank des weltweiten Konjunkturaufschwungs und Sparanstrengungen um zwölf Prozent auf 6,2 Milliarden Euro erhöht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Firmenwerte (Ebita) kletterte von 118 auf 527 Millionen Euro. Der hätten sich positiv ausgewirkt, hieß es. Allerdings rechnet Philips mit einem schwächeren Wachstum im zweiten Halbjahr.

HRE besteht Stresstest nicht?

Die staatliche Hypo Real Estate hat nach Agenturberichten vom Montagabend den Bankenstresstest der EU nicht bestanden. Das Institut war mit knapp acht Milliarden Euro allein an Griechenland beteiligt. Der Test ist für die HRE allerdings nicht wirklich relevant, da "toxische Papiere" ohnehin in eine "bad bank" ausgelagert werden sollen.

Euro hält sich trotz Ungarn und Irland

Um die Marke von 1,2950 Dollar pendelte die Gemeinschaftswährung am Montagabend. Dabei kamen aus Ungarn und Irland unschöne Nachrichten. Die ungarische Regierung ist uneins mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU über Sparmaßnahmen. Ungarn lehnt weitere Sparanstrengungen ab. Die Entwicklung drückte sowohl den ungarischen Forint als auch die dortige Börse nach unten. Etwas Gegenwind gibt es durch die Abstufung der Kreditwürdigkeit Irlands durch die Ratingagentur Moody's von Aa1 auf Aa2. Dass die Ratingagentur Fitch den baltischen Staat Estland auf die Note "A" hinaufgestuft hat, wirkt da eher als Randnotiz.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr