Die Nervosität ist zurück

Stand: 06.01.2012, 20:00 Uhr

Nach dem freundlichen Start ins neue Jahr gewinnt der Dax in dieser Woche 2,7 Prozent. Doch am Freitag meldet sich die Schuldenkrise zurück und auch der überraschend deutliche Rückgang der Arbeitslosigkeit in den USA kann die Furcht der Anleger nicht zerstreuen.

Nach einem kurzen Plus um 0,9 Prozent auf 6.152 Punkte setzen Gewinnmitnahmen ein und der Dax rutscht bis auf 6.012 Punkte ab. Den elektronischen Handel beendet das Börsenbarometer schließlich 0,6 Prozent tiefer bei 6.057 Punkten. Auch am Abend bleiben die Kurse weiter unter Druck.

Wegen der guten US-Arbeitsmarktzahlen hat der Euro am Freitag seine Reise in den Süden fortgesetzt und erstmals seit September 2010 die Schwelle von 1,27 Dollar durchbrochen. Am Abend notiert die Gemeinschaftswährung wieder leicht über 1,27 Dollar.

Die sich aufhellende Lage am US-Arbeitsmarkt kann auch die Anleger an der Wall Street nicht wirklich beeindrucken. Nach wie vor überwiegt die Furcht vor einer Eskalation der europäischen Schuldenkrise. Für Großinvestor George Soros hätte ein Zusammenbruch der Eurozone schlimmere Folgen als die Pleite der Bank Lehman Brothers. Am Abend notiert deshalb der Dow Jones-Index der amerikanischen Standardwerte 0,3 Prozent schwächer bei 12.376 Punkten.

Ungarn auf Ramschniveau
Für Verunsicherung diesseits und jenseits des Atlantik sorgt die Herunterstufung der Kreditwürdigkeit Ungarns auf Ramschniveau durch die Agentur Fitch. Einer der Gründe für den Schritt sei die "unorthodoxe Politik" der Regierung in Budapest, die das Vertrauen der Investoren untergrabe. Dass Ungarn kein Land der Eurozone ist, spiele keine Rolle, hieß es.

Furcht bereitet den Anlegern auch die Refinanzierung von Italien und Spanien. Beide Länder müssen in der kommenden Woche weitere Anleiheauktionen über die Bühne bringen. Steigende Renditen am Zweitmarkt, wo umlaufende Staatstitel gehandelt werden, wurden am Freitag als schlechte Vorzeichen interpretiert.

Aufträge für die Industrie gesunken
Negativ wirkte sich auch der Rückgang der Aufträge für die deutsche Industrie aus. Sie sind im November so kräftig zurückgegangen wie seit drei Jahren nicht mehr. Grund ist ein Minus der Nachfrage aus dem Ausland. Insgesamt verringerten sich die Bestellungen um 4,8 Prozent. Analysten hatten nur ein Minus von 1,7 Prozent erwartet.

Rohstoffwerte gefragt
In einem ansonsten nachrichtenarmen Handel gehört die Dax-Spitze neben ThyssenKrupp den Aktien von K+S. Dabei seien die Salzlager angesichts der relativ milden Witterung noch kaum angetastet, sagte ein Konzernsprecher am Freitag.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,76
Differenz relativ
-1,91%
Morphosys: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
84,70
Differenz relativ
-1,19%

Deutsche Bank abgestraft
Die Liste der Verlierer wird angeführt von den Aktien der Deutschen Bank. Damit sind die Papiere auch auf Wochensicht der schwächste Wert im Dax. Grund ist die Befürchtung, dass sich nach der Unicredit auch andere Banken durch die Ausgabe neuer Aktien frisches Kapital beschaffen müssen. Laut der "FAZ" kommt der Branchenprimus allerdings beim Verkauf von vier Sparten aus dem Kerngeschäftsfeld Vermögensverwaltung rasch voran. Ein Spartenverkauf würde mögliche Finanzsorgen bei der Deutschen Bank weiter abmildern.

Morphosys mit Kauffantasie
Um knapp zehn Prozent klettert die Aktie von Morphosys. Sie ist damit der mit Abstand größte Kursgewinner im TecDax. Händler verwiesen auf einen Artikel in der "Financial Times Deutschland", der Übernahmefantasie schüre. "In den kommenden Wochen steigen die Chancen, dass sich Novartis Gedanken über eine Übernahme macht", schreibt die Zeitung.

Fraport Favorit
Zu den Favoriten im MDax gehört die Aktie von Fraport. Der Frankfurter Flughafenbetreiber wurde von der Investmentboutique Equinet von "Accumulate" auf "Buy" heraufgestuft. Das Kursziel wurde allerdings "nur" mit 53 Euro bestätigt. Das bessere Anlageurteil wurde mit der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen begründet. Der zuständige Analyst rechnet nun mit signifikanten Steigerungen bei Umsatz und Gewinn in den kommenden Jahren.

Comdirect und Sino im Rückwärtsgang
Die im SDax notierte Aktie von Comdirect trotzt dem deutlichen Rückgang der Orderzahlen im Dezember. Im Geschäft mit Privatkunden führte die Bank nur noch gut 652.000 Aufträge aus. Das waren 20 Prozent weniger als im November. Noch viel härter traf es den kleineren Konkurrenten Sino. Die Düsseldorfer verbuchten im abgelaufenen Monat einen Rückgang um 45 Prozent bei den ausgeführten Aufträgen auf gut 76.000.

Tagestermine am Donnerstag, den 29. Oktober

Firmen:
Samsung: detaillierte Q3-Zahlen, 00:40 Uhr
Standard Chartered: Q3-Zahlen, 06:15 Uhr
Airbus Group: Q3-Zahlen, 06:30 Uhr
Credit Suisse: Q3-Zahlen, 06:45 Uhr
Kion: Q3-Zahlen, 06:55 Uhr
FMC: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Fresenius: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Takkt: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Nemetschek: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Siltronic,: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr)
OMV: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Anheuser-Busch InBev: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Clariant: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Geberit: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Grenke: Q3-Zahlen (Call 11.00 h), 07:00 Uhr
Nokia: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Swisscom: Q3-Zahle, 07:15 Uhr
Wacker Chemie: Q3-Zahlen, 07:15 Uhr
Volkswagen: 9-Monatszahlen, 07:30 Uhr
Drägerwerk: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Symrise: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Vossloh: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Befesa: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Schaltbau: 9Monatszahlen, 07:30 Uhr
Sanofi: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Orange: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Aixtron: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Telefonica: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Krones: Q3-Zahlen, 07:45 Uhr
MTU: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
LPKF: Q3-Zahlen (detailliert), 08:00 Uhr
DMG Mori: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Shell: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
BT Group: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Lloyds Banking Group: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Repsol: Q3-Zahlen, 08:05 Uhr
Dupont de Nemours: Q3-Zahlen, 11:00 Uhr
Spotify: Q3-Zahlen, 11:00 Uhr
Deutsche Börse: Call zu den Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Saint-Gobain: Q3-Umsatz, 17:50 Uhr
Twitter: Q3-Zahlen, 21:00 Uhr
Amazon: Q3-Zahlen, 21:01 Uhr
Starbucks: Q4-Zahlen, 21:05 Uhr
Facebook: Q3-Zahlen, 21:05 Uhr
Apple: Q4-Zahlen, 21:30 Uhr
Alphabet: Q3-Zahlen, 22:30 Uhr
Kraft Heinz: Q3-Zahlen
Conoco Phillips: Q3-Zahlen
Kellogg: Q3-Zahlen
Activision Blizzard: Q3-Zahlen
Moody's: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Japan: Bank of Japan, Zinsentscheid
Japan: Einzelhandelsumsatz 09/20, 00:50 Uhr Deutschland: Arbeitslosenzahlen 10/20, 09:55 Uhr
EU: Wirtschafts- und Industrievertrauen 10/20, 11:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen 10/20 (endgültig), 11:00 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 13:30 Uhr
USA: BIP Q3/20 (1. Veröffentlichung), 13:30 Uhr
EU: EZB Zinsentscheid, 13:45 Uhr
Deutschland: Verbraucherpreise 10/20 (vorab), 14:00 Uhr
USA: Schwebende Hausverkäufe 09/20, 15:00 Uhr

Sonsiges:
EU: EU-Videogipfel zur Corona-Pandemie, 18:30 Uhr