Marktbericht 20 Uhr

Dax auf tiefstem Stand seit 6 Wochen Die Minuszeichen herrschen an den Börsen

Stand: 16.09.2016, 20:00 Uhr

So tief stand der Dax seit sechs Wochen nicht mehr. Und woran liegt's? An der Konjunkturangst und den Hexen. Und dann hat die Deutsche Bank noch dem Dax den Rest gegeben.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutschlands größte Bank steckt in der Klemme. Der Deutschen Bank drohen in den USA 14 Milliarden Dollar Strafe wegen dubioser Geschäfte auf dem US-Immobilienmarkt. Zwar will das Geldinstitut sich wehren. Doch Anleger sorgen sich, ob sie das schafft. Aus Angst vor einer weiteren Kapitalspritze stoßen sie die Aktie ab und befördern sie mehr als acht Prozent ins Minus. Jetzt bringt es die Bank nur noch auf ein Gewicht von 16,5 Milliarden Euro an der Börse.

In den Sog geraten andere Bankaktien wie die der Royal Bank of Scotland (RBS), der eine ähnlich hohe Strafe droht. In Zürich rutschten UBS und Credit Suisse ab, denen ähnliche Vergehen vorgeworfen werden. In New York gehen die Titel von Goldman Sachs und JPMorgan in die Knie. Ein wenig Balsam für die Deutsche Bank wäre der Verkauf der britischen Versicherungstochter Abbey Life, über den heute gemunkelt wurde. Er könnte dem deutschen Branchenprimus eine Milliarde Euro einbringen.

Dax unter 10.300

Die Deutsche Bank hat auch den Dax einige Punkte gekostet, er ging heute mit einem Minus von 1,5 Prozent beim Stand von 10.276 Punkten aus dem Xetra-Handel. Der L-Dax im späten Handel konnte ein paar Punkte wieder aufholen und schloss bei 10.292.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Anleger brauchten auch wegen des Verfalls an den Terminmärkten gute Nerven, der vereinzelt für stärkere Kursausschläge sorgte. Der große Verfall der Futures und Optionen - der "Hexensabbat" - setzte dem Dax zu. Die um 14:30 Uhr veröffentlichten Konjunkturdaten aus Amerika hatten dagegen kaum Einfluss.

Zinserhöhung im Dezember?

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Wohl aber auf den Devisenmarkt, wo nach der Bekanntgabe der Inflationsrate für August wieder Zinsspekulationen aufflammten. Die amerikanische Inflationsrate lag bei 1,1 Prozent und damit höher als erwartet. Nun gehen wieder mehr Investoren von einer Zinserhöhung im Dezember aus. An den Terminmärkten bewerten Börsianer die Chancen dafür wieder mit mehr als 50 Prozent, nachdem es zuletzt nur 47 Prozent waren.

Dafür sprechen auch die zuletzt schwächeren Konjunktursignalen. So hellte sich die Stimmung der Konsumenten im September entgegen den Erwartungen nicht auf. Das von der Uni Michigan ermittelte Verbrauchervertrauen verharrte bei 89,8 Zählern. Fachleute hatten einen Anstieg auf 90,8 Punkte erwartet. Der Dollar bekam einen kräftigen Schub. Der Euro sank im Gegenzug um 0,8 Prozent auf 1,1156 Dollar, das ist der tiefste Stand seit zehn Tagen.

Dow Jones im Minus

Wenn das Zinsniveau noch länger niedrig bleibt, spricht das tendenziell zwar für Aktien. Doch bei Anlegern kommen nun Konjunktursorgen auf, und das überlagert die Hoffnung auf längere Niedrigzinsen. Die Wall Street eröffnete denn auch schwach, konnte ihre Verluste aber eindämmen. Der Leitindex Dow Jones notiert zur Stunde rund 0,7 Prozent im Minus bei 18.092 Punkten. Das liegt nicht nur an den Finanztiteln. Auch Oracle-Anleger zogen sich zurück, weil der US-Softwarekonzern mit seiner Quartalsbilanz hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Dagegen gehörten die Anteilsscheine von Intel zu den Gewinnern, weil der Chipkonzern seine Prognose für das dritte Quartal anhob.

Mit Gold und Öl geht's abwärts

Ballast für die Aktienmärkte sind auch die wieder nachlassenden Ölpreise, sowohl bei der Nordseesorte Brent als auch der amerikanischen Sorte WTI. Das bestehende Überangebot drückt die Preise. Die Internationale Energieagentur IEA geht davon aus, dass es länger anhält als bisher gedacht. Erst recht, wenn die Opec-Länder Libyen und Nigeria wie angekündigt ihre Produktion ausweiten.

Es wird fleißig gebort in den USA

Auch die Zahl der aktiven Bohrlöcher in den USA ist weiter gestiegen, um 2 auf 416. Seit Ende Juni ist die Zahl nicht mehr gesunken. 86 neue Fördereinrichtungen wurden in diesem Zeitraum in Betrieb genommen. Immerhin hat sich der Anstieg verlangsamt, was gleichwohl nicht verwunderlich ist, solange der Ölpreis unter 50 Dollar bleibt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November kostet 46,20 US-Dollar, die US-Sorte WTI zur Lieferung im Oktober 43,36 Dollar.

Auch Gold verliert an Wert. Der Preis für die Feinunze fällt auf nunmehr 1.314 Dollar. Binnen zehn Tagen hat er um knapp drei Prozent nachgegeben.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa bald Ramsch?

Unter den Dax-Titeln fällt neben der Deutschen Bank auch die Lufthansa-Aktie mit größeren Verlusten auf. Eine Einigung im seit vier Jahren schwelenden Tarifkonflikt zwischen der Airline und ihren Piloten ist in weite Ferne gerückt, die Sondierungsgespräche mit der Gewerkschaft sind gescheitert. Da sorgt man sich, das der nächste Streiks bald ansteht. Zu allem Überdruss sieht die Ratingagentur S&P die Zukunft der Lufthansa inzwischen skeptischer. Analysten sehen die Gefahr, dass die Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau abrutscht.

Vonovia auf der Pole Position

Einer der wenigen Dax-Gewinner ist die Vonovia-Aktie. Das hat sie einer Heraufstufung von Barclays zu verdanken - von "Equal Weight" auf "Overweight". Zudem hob die britische Investmentbank das Kursziel von 32,40 auf 37,00 Euro an. Die Bewertung und der Substanzwert des Immobilienkonzerns hätten noch reichlich Luft nach oben.

Auch Hessen und Baden-Württemberg verklagen VW

Ein Jahr Abgasskandal - ein blamables Jubiläum für VW heute. Und die schlechten Nachrichten reißen nicht ab. Wegen der Kursverluste der VW-Aktie nach Bekanntwerden des Dieselskandals wollen nach Bayer nun auch Hessen und Baden-Württemberg Volkswagen auf Schadenersatz verklagen. Immerhin gab es auch Positives: das wichtige China-Geschäft läuft und bügelt Absatzschwächen andernorts aus. So schaffte es VW, seine Verkäufe im August um gut sechs Prozent zu steigern.

BaFin schaut sich Linde an

Linde machte Schlagzeilen, weil sich die Finanzaufsicht BaFin Linde genauer anschaut. Sie prüft, ob der Dax-Konzern die Märkte zu spät über den Führungswechsel informiert hat.

Analysten bremsen Covestro aus

Die Covestro-Aktie ist größter Verlierer im Nebenwerteindex MDax. Schuld sind negative Analystenstimmen. So hat die britische Investmentbank HSBC die Kunststofftochter von Bayer heute mit der Empfehlung "Reduce" und einem Kursziel von 40 Euro gestartet.

Puma zieht ab

Im SDax thront die Puma-Aktie an der Index-Spitze mit stolzen neun Prozent Plus. Der Ausbruch über die Marke von 230 Euro, die zuletzt zweimal einen weiteren Anstieg ausgebremst hatte, habe neue Käufer angelockt, sagte ein Börsianer. Der Handel in den Papieren des Sportartikelherstellers sei geprägt von dem geringen Streubesitz - lediglich zwei Millionen Aktien sind frei handelbar. 86 Prozent der Anteile gehören der französischen Kering-Gruppe. Dünne Handelsbücher erleichtern starke Kursbewegungen.

IVG-Nachfolgerin OfficeFirst will im Herbst an die Börse

Der Büroimmobilienkonzern IVG will zurück an die Börse. Die Nachfolge-Gesellschaft OfficeFirst, in der das alte Kerngeschäft gebündelt ist, strebt noch vor Jahresende eine Notierung im streng regulierten Prime Standard an.

Nordex spricht von Boom

TecDax-Mitglied Nordex weiß sich gut zu präsentieren. Der Windturbinenbauer rechnet mit einem rasanten Wachstum in den USA. "Wir werden im vierten Quartal einen Boom in den USA erleben und hohe Volumina in den kommenden vier Jahren", sagte Vorstandschef Lars Bondo Krogsgaard im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Der Auftragseingang werde sehr stark vom US-Geschäft getrieben. Der Aktie gibt das aber keinen Schub.

Neue Hoffnung für KTG Energie?

Das Bremer Familienunternehmen Zech übernimmt den Großteil der Vermögenswerte von KTG Agrar und auch die Mehrheitsbeteiligung an KTG Energie. Die Aktie von KTG Energie schnellt daraufhin um mehr als 75 Prozent in die Höhe. Anleger hoffen, der überraschend schnelle Eigentümerwechsel könnte das Geschäft wieder zum Laufen zu bringen. Auch der Bond von KTG Energie steigt extrem.

Der Haldex-Übernahmepoker wird spannend

Der Autozulieferer Knorr-Bremse will im Bieterrennen um den schwedischen Nutzfahrzeugzulieferer Haldex dem Rivalen ZF nicht das Feld überlassen. Die Münchener legen jetzt 125 schwedische Kronen in bar je Aktie des Nutzfahrzeugzulieferers auf den Tisch. Zuvor hatte Knorr 110 Kronen geboten - soviel wie zuvor auch der Friedrichshafener Autozulieferer ZF. Doch auch der erhöhte sein Angebot heute: allerdings nur auf 120 Kronen.

Großauftrag für GE in Großbritannien

Der Bau des neuen Kernkraftwerks Hinkley Point in Großbritannien beschert dem Siemens-Rivalen General Electric (GE) Aufträge im Wert von 1,9 Milliarden Dollar. GE soll Turbinen, Generatoren und Ausrüstung zu dem Großprojekt beisteuern.

Cloud-Dienste treiben Oracle-Geschäft an

Das Cloud-Geschäft sorgt beim SAP-Konkurrenten Oracle für Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Im vergangenen Quartal legte der Konzernumsatz um zwei Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar zu. Die Erlöse im Cloud-Bereich sprangen dagegen um stolze 59 Prozent hoch. Der konzernweite Gewinn wuchs um fünf Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar.

Fiat Chrysler ruft fast zwei Millionen Fahrzeuge zurück

Der italienisch-amerikanische Autobauer Fiat Chrysler muss wegen eines Airbag-Defekts weltweit 1,9 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten beordern. Es ist möglich, dass das Luftkissen bei Unfällen nicht ausgelöst wird. Betroffen von dem Rückruf sind Modelle der Baujahre 2010 bis 2014. Der Defekt hat nach Kenntnis von Fiat zu drei tödlichen Unfällen geführt.

Samsung ruft eine Million Galaxy Note 7 in USA zurück

Smartphone-Weltmarktführer Samsung hat am Donnerstag gemeinsam mit der US-Verbraucherschutzbehörde CPSC offiziell den Rückruf von einer Million seiner Premium-Mobiltelefone Galaxy Note 7 gestartet. Vor der Inbetriebnahme des Flaggschiff-Produkts des südkoreanischen Herstellers wird wegen der Brandgefahr fehlerhafter Akkus weltweit gewarnt.

bs

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr