Marktbericht 20:02

Fed-Sitzung lähmt die Anleger Die Märkte stehen still

Stand: 18.06.2014, 20:02 Uhr

Die Anleger können sich auch am Mittwoch nicht entscheiden, ob die Kurse nun fallen oder weiter steigen sollen. Wie es an den Börsen weitergeht hängt wieder einmal von der US-Notenbank ab.

Vor der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung der Fed haben sich Anleger deshalb mit Engagements an den Aktienmärkten zurückgehalten. Auch blieben starke Impulse mangels wichtiger Konjunkturdaten aus. Der Dax muss einen Großteil seiner Tagesgewinne wieder abgeben und geht nur 0,1 Prozent höher bei 9.930 Zählern aus dem Handel. Am Vormittag war der Leitindex noch bis auf 9.964 Punkte geklettert, 44 Zähler über dem Schlusskurs von Dienstag. Danach bröckelten die Kurse langsam wieder ab.

Auch an der Wall Street herrschte vor der Zinsentscheidung der Fed weitgehend Stillstand. Im Dow Jones-Index überwogen bei Börsenschluss in Frankfurt dann doch die Pessimisten: der Index notiert 0,14 Prozent tiefer bei 16.784 Punkten.

Für Verunsicherung hat vor allem der jüngste Anstieg der US-Inflationsrate auf 2,1 Prozent gesorgt. Dies hat die Sorge ausgelöst, die Fed könne früher als erwartet die Zinswende einleiten. Von der Pressekonferenz am Abend mit Fed-Chefin Janet Yellen erhoffen sich die Anleger deshalb neue Hinweise auf den künftigen Kurs der US-Geldpolitik. Dass die monatlichen Anleihekäufe durch die Fed um weitere zehn Milliarden auf 35 Milliarden Dollar reduziert werden, gilt als nahezu sicher.

Sollte die Fed allerdings laut darüber nachdenken, die Zinsen doch früher zu erhöhen als erwartet, könnte es an den Aktienmärkten rasch ungemütlich werden, so die Meinung von Experten. Dagegen dürfte der Euro unter Druck geraten. Signalisiere die Fed dagegen wie die EZB eine längerfristige Nullzinspolitik, werde das Pfund Sterling aufwerten, so Experten.

Euro legt leicht zu

Der Euro hat am Mittwoch überraschend zugelegt. Bei Börsenschluss in Frankfurt wird die Gemeinschaftswährung bei 1,3568 Dollar gehandelt und liegt damit etwas höher im Kurs als am Vorabend. Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs am Dienstag auf 1,3568 (Montag: 1,3532) Dollar festgesetzt.

RWE und Eon wieder höher im Kurs

Im Dax verteidigt die RWE-Aktie bis zum Handelsende ihre Spitzenstellung. Dabei profitiert der Versorger von einer positiven Studie der Santander Bank. Sie haben ihre Einstufung von "Underweight" auf "Buy" angehoben, das Kursziel von 26,35 Euro auf 35,15 Euro aufgestockt. Auch für Eon schraubte Santander das Ziel von 12,95 auf 15,55 Euro hoch, beließ das Papier aber auf "Hold".

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,76
Differenz relativ
-0,14%

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,75
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+0,69%

Analysten beflügeln Infineon

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
22,92
Differenz relativ
+2,50%

Zu den Favoriten im Dax gehört auch heute wieder die Infineon-Aktie. Sie markiert am Mittag bei 9,42 Euro ein frisches Sechs-Jahres-Hoch. Analyst Sandeep Deshpande von JPMorgan vermittelt in einem aktuellen Kommentar einen positiven Eindruck vom Auftritt des Unternehmenschefs auf der Technologiekonferenz der Investmentbank. Der Auftragstrend von Infineon bleibe robust und die Aussichten seien gut, er bleibe bei "Overweight" für die Aktien.

Berenberg traut Commerzbank nichts mehr zu

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,44
Differenz relativ
-1,40%

Dagegen muss die Commerzbank-Aktie am Mittwoch erneut Federn lassen. Grund ist eine negative Studie der Berenberg Bank. Deren Analyst hat seine Einstufung für den Titel auf "Sell" mit einem Kursziel von 7,30 Euro belassen. Die ultralockere Geldpolitik sowie nur zögerliche Kostensenkungen im Kerngeschäft der Bank bremsten die Geschäfte und erschwerten es, die Kapitalrenditeziele zu erreichen, schrieb Analyst Nick Anderson.

Wie begehrt ist Micros Systems?

Und auch in der Softwarebranche könnte sich ein Bieterkampf anbahnen. Oracle will laut "Bloomberg" für mehr als fünf Milliarden Dollar den Rivalen Micros Systems kaufen. Analysten gehen aber davon aus, dass Konkurrenten wie IBM oder SAP noch höhere Gebote für den Softwarespezialisten für Hotels und Restaurants vorlegen könnten. Die Micros-Aktie schoss an der Nasdaq um 14,9 Prozent in die Höhe.

Tui spürt Kenia-Krise

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,66
Differenz relativ
+0,11%

Im MDax gehört die Tui-Aktie zu den schwächsten Werten. Zeitweise ist sie sogar der größte Verlierer in dem Index. Wegen der zunehmenden Anschläge in Kenia geht die Zahl der Buchungen in das ostafrikanische Land zurück. Eine Tui-Deutschland-Sprecherin sagte dem Radiosender MDR Info, die Zahl deutscher Tui-Urlauber in Kenia sei "ungefähr um zehn Prozent" gesunken.

Südzucker erhält neuen Nackenschlag

Südzucker: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12,67
Differenz relativ
-1,78%

Auch die Südzucker-Aktie gerät erneut unter Druck. Die Ratingagentur Moody's hat die Bonitätsnote von Baa1 auf Baa2 herabgestuft, Hauptgrund ist der schwache Gewinnausblick. Südzucker hatte bereits im April seine Prognose gesenkt und im Mai vor Überkapazitäten gewarnt. Die Aktie war daraufhin mächtig unter Druck geraten.

Rheinmetall rüstet Algerien auf

Rheinmetall: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
103,15
Differenz relativ
+2,18%

Dagegen kann die Rheinmetall-Aktie am Mittwoch klar von einem Medienbericht profitieren, sie legt um zwei Prozent zu und ist fast den ganzen Tag über der mit Abstand größte MDax-Gewinner. Wie das "Handelsblatt" berichtet, wird Rheinmetall in den kommenden Wochen mit Algerien einen Vertrag zur Produktion von 980 Radpanzern des Typs "Fuchs 2" unterzeichnen. Das Gesamtvolumen des Auftrags liege bei 2,7 Milliarden Euro, schreibt das Blatt unter Berufung auf informierte Kreise.

Nordex erneut in Türkei erfolgreich

Nordex: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,79
Differenz relativ
+0,14%

Im TecDax zählt die Nordex-Aktie zu den begehrtesten Werten. Der Windturbinenbauer hat aus der Türkei drei Bestellungen über insgesamt 44,4 Megawatt erhalten und damit den bestehenden Kundenstamm in dem Wachstumsmarkt ausgebaut. Alle Projekte werde Nordex bis zum Sommer 2015 fertigstellen. Die Türkei gehört für Nordex zu den bedeutendsten Märkten.

Air Berlin arbeitet an Sanierung

Air Berlin: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
0,03
Differenz relativ
+5,08%

Abwärts geht es mit der im SDax notierten Aktie von Air Berlin. Die Airline will in den nächsten Monaten einen Plan für ihre tiefgreifende Sanierung erarbeiten. Konkrete Aussagen zum neuen Geschäftsmodell seien im dritten Quartal, das von Juli bis Ende September läuft, zu erwarten, sagte Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Unternehmens. Air Berlin ächzt nach jahrelangem Expansionskurs unter hohen Schulden und tiefroten Zahlen

Fedex im Glück

FedEx: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
197,82
Differenz relativ
+1,22%

Der US-Paketdienst FedEx profitiert von einem anziehenden Versandgeschäft. Im Tagesdurchschnitt sind nach eigenen Angaben im vierten Quartal mehr Pakete verschickt worden als je zuvor. Die Lieferungen seien jeweils auch schwerer - und damit teurer - gewesen. So legte FedEx für das vierte Geschäftsquartal überraschend gute Zahlen vor. Der Gewinn je Aktie von 2,46 Dollar übertraf deutlich die Erwartungen der Experten. Die Aktie legt deutlich zu.

H&M gefällt

Gute Geschäfte mit der Frühlingskollektion haben der Modekette H&M im zweiten Geschäftsquartal von März bis Mai einen Gewinnsprung beschert. Der Umsatz wuchs im Vergleich zum Vorjahresquartal um 19 Prozent auf 44,18 Milliarden Kronen (4,9 Milliarden Euro), der Gewinn um 25 Prozent auf 5,8 Milliarden Kronen (rund 645 Millionen Euro). Die Kollektionen seien "gut angekommen", sagte Persson. Derzeit hat die Kette weltweit mehr als 3.100 Geschäfte. Auch über das Netz will das Unternehmen mehr verkaufen.

Alstom: GE will nachbessern

General Electric wird Berichten zufolge voraussichtlich am morgigen Donnerstag ein nachgebessertes Angebot für die Energiesparte des französischen Alstom-Konzerns vorlegen. "Das Angebot wird natürlich nachgebessert", sagte einen GE nahestehende Person. Demnach wird sich der US-Konzern am Donnerstag an die Regierung in Paris und die Gewerkschaften wenden. Bevor der Alstom-Verwaltungsrat spätestens am Montag entscheidet, wird zunächst die Regierung eine Bewertung der verschiedenen Angebote vorlegen.

Valeant lässt nicht locker

Derweil lässt der Pharmakonzern Valeant nichts unversucht, um beim Botox-Hersteller Allergan doch noch zum Zuge zu kommen. In der laufenden Woche will man nun den Aktionären direkt ein Angebot unterbreiten und so eine "feindliche Übernahme" versuchen. Allergan selbst hatte die Valeant-Offerte, die das Unternehmen mit mehr als 50 Milliarden Dollar bewertet, stets als zu niedrig abgelehnt. An der Börse wird Allergan derzeit mit 47,8 Milliarden Dollar bewertet.

Facebook startet neuen Versuch

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
180,74
Differenz relativ
+0,80%

Facebook hat in den USA eine Anwendung gestartet, mit der Fotos und Videos verschickt werden können, die sich nach der Ansicht von alleine löschen. Damit will Facebook vor allen bei jungen Internetnutzern punkten.

Erstes Smartphone von Amazon erwartet

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.588,55
Differenz relativ
+0,18%

Gegen 19 Uhr europäischer Zeit dürfte zudem Amazon sein erstes Smartphone präsentieren. Laut Medienberichten kann das Gerät unter anderem dank eines ausgeklügelten Kamera-Systems 3D-Bilder auch ohne Spezialbrille anzeigen. Mit den Kameras soll das Gerät auch das Gesicht des Nutzers erkennen können. Amazon würde mit dem Smartphone eine Lücke in seinem Geräteangebot schließen.

Halloren streicht Dividende zusammen

Der Schokoladenhersteller Halloren streicht seine Dividende wie geplant zugunsten von Investitionen kräftig zusammen. Für das vergangene Jahr werden zehn Cent pro Aktie ausgeschüttet und damit 60 Prozent weniger als im Vorjahr, wie Vorstandschef Klaus Lellé am Mittwoch nach der Hauptversammlung des Unternehmens mitteilte.

Mox Telecom insolvent

Um 30 Prozent abwärts geht es mit der Aktie der Mox Telecom AG. Die Firma hat Insolvenz beantragt. Anlass für diesen Schritt war, dass auslaufende Finanzierungen von den beteiligten Banken nicht verlängert wurden. Insgesamt fehlen dem UNternehmen damit rund 30 Millionen Euro. Die Mox Deals AG sowie die operativen Tochtergesellschaften sind von dem Verfahren derzeit nicht betroffen.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr