Die Luft wird dünner

Stand: 06.08.2009, 20:12 Uhr

Auf dem Weg zu neuen Jahreshochs tut sich der Dax schwer. Am Donnerstag verdarben die US-Börsen den deutschen Anlegern ein wenig die Laune. Trotz guter Konjunktursignale wurde der Aufwärtsdrang gebremst.

Als Hauptspielverderber machten Marktteilnehmer den US-Technologieriesen Cisco aus. Dessen düsterer Geschäftsausblick belastete vor allem US-High-Tech-Aktien, zog aber auch den Dow Jones bis zum Ende des deutschen Parketthandels in die Minuszone. Der Late-Dax hielt sich nur noch haarscharf über dem Vortagesschluss.

Industrieaufträge machen Mut

Die am Morgen zurückeroberte Marke von 5.400 Punkten hatte der Dax bereits am Nachmittag wieder preisgeben müssen - und das trotz ermutigender Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung. So sind die Industrieaufträge in Deutschland nach aktuellen Statistiken im Juli deutlich gestiegen. EZB-Präsident erwartet, dass sich die Wirtschaft im Euro-Raum in der zweiten Jahreshälfte wieder aus dem "Tal der Tränen" kämpft. Bei ihrer turnusmäßigen Sitzung beließen die Währungshüter den Leitzins in Euroland erwartungsgemäß auf dem Niveau von 1,0 Prozent.

Nicht zuletzt steuerten aus die USA mit überraschend guten Arbeitsmarktdaten am Nachmittag ein wenig Schützenhilfe für die Märkte bei. Doch die Börsen konnten sich auch im späten Handel in Deutschland nicht mehr aufrappeln.

HaRü, Henkel und Lufthansa begehrt

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,80
Differenz relativ
+1,71%

Auf während das Parketthandels in Frankfurt behielt die Aktie des Rückversicherers Hannover Rück dank ausgezeichneter Quartalszahlen ihre "Pole Position" im Leitindex bei. Auch die Papiere von Henkel und Lufthansa waren, wie schon am Mittwoch, stark gefragt.

VW gibt Gas am Zuckerhut

Die Volkswagenaktie verlor im Parketthandel ein wenig an Schwung und reduzierte ihre Gewinne auf rund 1,9 Prozent. Dabei hatte das Unternehmen am Nachmittag gemeldet, man wolle im Wachstumsmarkt Brasilien bis zum Jahr 2012 eine Million Fahrzeuge pro Jahr bauen. Dies wäre eine Steigerung um 39 Prozent jährlich.

Post legt Streit bei

Die Deutsche Post zahlt 9,4 Millionen Euro in einem Streit mit der US-Regierung um Verletzungen von Embargos durch Lieferungen in den Iran, den Suden und nach Syrien. Die beanstandeten Lieferungen in die Krisenländer waren durch die Post-Tochter DHL in den Jahren 2002 bis 2007 vorgenommen worden. Durch die Zahlung der Strafe ist der Streit nun jedoch beigelegt.

Morgan Stanley plaziert Börsenaktien

Für Ballast im Dax hatte am späten Nachmittag neben FMC und der Commerzbank auch die Aktie der Deutschen Börse gesorgt. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hatte laut Händlerangaben ein größeres Paket von Aktien des Börsenbetreibers platziert. Angeblich hat es sich dabei um 3,5 Millionen Anteilsscheine gehandelt, die Börsenaktie verlor knapp zwei Prozent.

Telekom hat einen weiten Weg vor sich

Der Ex-Monopolist hat ordentliche Zahlen vorgelegt: Im zweiten Quartal steigerte die Telekom ihren Umsatz um 7,4 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 8,4 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Der Gewinn kletterte von 394 auf 521 Millionen Euro. Am Markt wurde dennoch kritisch vermerkt, dass es schwierig werden dürfte, das Ziel eines Cash-Flows von sieben Milliarden Euro im Geschäftsjahr zu erreichen.

Commerzbank muss Risiken absichern

Nach deutlichen Kursgewinnen am Morgen rutschte die Commerzbank-Aktie ins Minus. Das Institut hat auch im zweiten Quartal Verluste geschrieben. Die Bank verlor im operativen Geschäft 201 Millionen Euro. Die Erwartungen der Experten wurden damit aber übertrumpft. Sie hatten mit 351 Millionen Euro operativem Verlust gerechnet. Unter dem Strich lag der Fehlbetrag bei 746 Millionen Euro. Die Risikovorsorge für faule Kredite musste verdoppelt werden, hieß es vom Unternehmen.

Fuchs Petrolub-Aktie läuft wie geschmiert

Mit einem Kursplus von fast neun Prozent schlossen die Aktien des Schmierstoffherstellers an der MDax-Spitze. Dabei hat Fuchs von April bis Juni einen Rückgang beim operativen Ergebnis von rund einem Fünftel auf 40,2 Millionen erlitten. Der Umsatz ging von 368 auf 291 Millionen Euro zurück. Auch im Gesamtjahr rechnet das MDax-Mitglied mit einem Umsatz- und Ergebnisrückgang.

ProSiebenSat.1 wächst wieder

Am anderen Ende der MDax-Skala rutschte das Papier des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1 um fünf Prozent ab. Die Senderkette hat im zweiten Quartal einen Umsatzanstieg um neun Prozent auf 694 Millionen Euro verbucht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erreichte mit 201,1 Millionen Euro fast das Vorjahresniveau. Der Gewinn sank von 60,0 auf 45,5 Millionen Euro. Dass die Anleger dennoch negativ reagieren, liegt laut Händlern vor allem an Gewinnmitnahmen bei dem Titel.

Fraport will weiter oben landen

Der Konzernumsatz bei dem Flughafenbetreiber ging im zweiten Quartal um 4,4 Prozent auf 493,5 Millionen Euro zurück. Dies war ein deutlicherer Rückgang als erwartet. Dafür schrumpfte aber auch der Gewinn weniger stark: Er ging um ein Drittel auf 47,8 Millionen Euro zurück. Fraport-Chef Wilhelm Bender erwartet für das Gesamtjahr ein Ebitda von 500 bis 530 Millionen Euro. Bender rechnet sogar mit
einer Landung am oberen Ende der Spanne.

Axel Springer leidet unter Werbeflaute

Der Medienkonzern aus dem SDax leidet unter der Wirtschaftskrise. Beim Umsatz verbuchte das Unternehmen einen Rückgang um 6,6 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro im ersten Halbjahr. Der Einbruch der Werbemärkte sorgte auch dafür, das dass Ebidta um ein Viertel auf 162,3 Millionen Euro schrumpfte. Springer hält an seiner Jahresprognose fest, wonach die Umsätze rückläufig und das Ergebnis "deutlich" schlechter ausfallen soll als im Vorjahr. Die Aktie notierte unverändert.

Blackstone hat die Kasse voll

Der Finanzinvestor Blackstone hat im zweiten Quartal prächtig verdient und einen Gewinn von 173 Millionen Dollar erzielt, 73 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In der Kriegskasse des Unternehmens schlummern mit 29 Milliarden Dollar für Investitionen so viele Mittel wie nie zuvor. Die Blackstone-Aktie rutsche an der Wall Street leicht ab, in Erwartung guter Zahlen hatte der Titel im Vorfeld allerdings rund 30 Prozent an Wert gewonnen.

Tagestermine am Mittwoch, 14. November

Unternehmen:
Merck KGaA: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
RWE: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Eon: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Wirecard: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Linde: Q3-Zahlen, 19:00 Uhr
BMW: Absatzzahlen für Oktober, 09:00 Uhr
Salzgitter: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Zooplus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bechtle: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ado Properties: Q3-Zahlen
Patrizia Immobilien: Q3-Zahlen
Deutsche Wohnen: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Adler Real Estate: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Deutsche Euroshop: Q3-Zahlen, 16:00 Uhr
ProSiebenSat.1: Kapitalmarkttag
Leoni: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr Uhr
Sixt Leasing: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
MLP: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Biotest: Q3-Zahlen
Shop Apotheke: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Indus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Tele Columbus: Q3-Zahlen
Leifheit: Q3-Zahlen
Maersk: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Raiffeisen Bank Internationa: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Alstom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Pirelli: Q3-Zahlen
Philip Morris: Pk zu Zahlen und Daten von Iqos, 10:00 Uhr
Cisco Systems: Q1-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, 00:50 Uhr
China: Einzelhandelsumsatz und Industrieproduktion im Oktober, 03:00 Uhr
Deutschland: BIP Q3, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im Oktober, 10:30 Uhr
Deutschland: Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank, 11:00 Uhr
EU: BIP Euro-Zone Q3, 11:00 Uhr
EU: Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr
USA: Realeinkommen und Verbraucherpreise im Oktober, 14:30 Uhr
USA: Rede des stellvertretenden Fed-Vorsitzenden Quarles vor dem House Financial Services Committee, 16:00 Uhr

Sonstiges:
IEA: World Energy Outlook, PK mit IEA-Chef Birol, 09:00 Uhr
Euro Finance Week: (bis 16. November): mit Rede von Bundesbank-Vorstand Balz