Marktbericht 11:40 Uhr

Marktbericht negativ U-turn
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Dax im Minus Die Luft ist schon wieder raus

Stand: 14.08.2019, 11:40 Uhr

Schwache heimische BIP-Zahlen überlagern die mögliche Annäherung zwischen den USA und China im Handelsstreit. Der Dax fällt zurück.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Seit der Eröffnung schon bewegt sich der deutsche Leitindex unter dem gestrigen Xetra-Schluss bei 11.750 Punkten. Am Mittag hat der Index auch den Kampf um die Marke von 11.700 Zählern verloren und notiert in der Nähe des Tagestiefs bei 11.659 Punkten. Zwar verteidigt er damit sein immer noch erhöhtes Niveau von gestern Nachmittag, weitere Avancen sind aber nicht in Sicht. Die Anleger bleiben vorsichtig.

Viele Krisen und schwache Konjunkturdaten

Stimmungstöter sind die befürchtet schwachen deutschen BIP-Zahlen für das zweite Quartal, in dem die Wirtschaft um 0,1 Prozent geschrumpft ist. Zudem lasten die zahlreichen internationalen Krisenherde in Rom, Hongkong, dem Iran oder, neu hinzugekommen, Argentinien, auf den Märkten.

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen Audio

Börse 9.00 Uhr: Schwaches Wachstum - schwacher Dax

Auch der zum 31. Oktober drohenden Chaos-Brexit ist ein immer realistischeres Szenario, seit Brexit-Hardliner Boris Johnson in Downing Street Number 10 eingezogen ist. Das britische Pfund hat seitdem schon kräftig abgewertet. Die Aussicht darauf, dass jederzeit eine dieser tickenden Zeitbomben explodieren kann, dämpft den Risikoappetit der Anleger.

"Nach Trumps zeitlicher Verschiebung einiger Strafzölle kann China zumindest einmal durchatmen, zum Aufatmen ist es zu früh", konstatierte Marktexperte Thomas Altmann vom Handelshaus QC Partners. Immerhin, in der Mutter aller Konflikte geht es zumindest wieder etwas konzilianter zu, was auch den internationalen Märkten geholfen hat.

Deutschlands Wirtschaft auf Schrumpfkurs

Handelskonflikte und eine schwächere Weltkonjunktur haben die exportabhängige deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal schrumpfen lassen. Das Bruttoinlandsprodukt fiel von April bis Juni um 0,1 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch nach vorläufigen Berechnungen mitteilte.

Schrumpft die Wirtschaft im laufenden Sommerquartal erneut, sprechen Experten von einer "technischen Rezession". Zwei Minus-Quartale in Folge gab es zuletzt um den Jahreswechsel 2012/13. Dessen ungeachtet sieht Bundeskanzlerin Angela Merkel keinen Handlungsbedarf der Regierung, um das Wachstum zu stimulieren. "Ich sehe derzeit keine Notwendigkeit für ein Konjunkturpaket", sagte sie am Dienstag.

"Fakt ist: Die deutsche Wirtschaft kommt seit einem Jahr nur noch im Kriechgang vorwärts. Für die zweite Jahreshälfte 2019 und auch für das nächste Jahr gibt es viele Unsicherheiten für die deutschen Exporteure, die sich kaum prognostizieren lassen", kommentiert Analyst Andreas Rees von Unicredit.

Chinas Industriewachstum knickt ein

Der Handelsstreit mit den USA bremst auch Chinas Industrieproduktion. Diese legte im Juli nur noch 4,8 Prozent zum Vorjahresmonat zu, wie das Statistikbüro am Mittwoch in Peking mitteilte. Der Anstieg ist der schwächste seit Februar 2002. Analysten hatten ein Plus von 5,8 Prozent erwartet, nachdem der Zuwachs im Juni 6,3 Prozent betragen hatte. Der Zollkonflikt der Volksrepublik mit den Vereinigten Staaten belastet bereits spürbar die globale Konjunktur.

Euro unter 1,12 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Gemeinschaftswährung handelt am Mittag auf etwas ermäßigtem Niveau bei 1,1180 Dollar auf dem Niveau des Vorabends. Der Dollar profitierte davon, dass die US-Regierung die Einführung der jüngst angekündigten Strafzölle auf Importe aus China für einige Produktgruppen verschieben will. Das chinesische Handelsministerium teilte zudem mit, dass die USA und China bereits in zwei Wochen telefonische Handelsgespräche führen wollen.

Deutsche Rentenhausse ist nicht zu bremsen

Am Markt für deutsche Anleihen haben die Kurse am Mittwoch ihren Höhenflug fortgesetzt. Der Terminkontrakt Euro-Bund-Future stieg am Morgen auf ein neues Rekordhoch bei 177,89 Punkten. Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen erreichte im Gegenzug ein neues Rekordtief bei minus 0,62 Prozent.

Gestützt wurden die Festverzinslichen durch schwache deutsche Konjunkturdaten. Internationale Handelskonflikte und die Abkühlung der Weltkonjunktur haben die exportorientierte deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal ausgebremst. Die jüngste Entwicklung im Handelsstreit zwischen China und den USA konnte die Kurse der Bundesanleihen nicht belasten.

Ölpreise wieder im Rückwärtsgang

Die Ölpreise sinken am Mittwoch und geben damit einen Teil der starken Gewinne von gestern wieder ab. Marktbeobachter sprachen von einer Gegenbewegung, nachdem die Annäherung im Handelsstreit zwischen China und den USA auch für Auftrieb bei den Ölpreise gesorgt hatte.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist seit Monaten ein bestimmender Faktor für den Handel am Ölmarkt. Mehrfach hatte die Sorge vor einer Eskalation die Furcht vor einem Rückgang der Nachfrage nach Rohöl auf dem Weltmarkt geschürt und die Ölpreise belastet. Die Krisenwährung Gold behauptet derweil ihr hohes Niveau bei 1.500 Dollar je Feinunze. Größere Bewegungen gibt es aber heute nicht.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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RWE - Sieger der Energiewende?

Die RWE-Aktie notiert trotz eines schwachen Marktes noch im Plus. Der Energiekonzern treibt mit einer Gewinnsteigerung im Rücken seinen Umbau zum Ökostrom-Riesen voran. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebitda) von RWE Stand alone, ohne operative Beiträge der Ökostromtochter Innogy, kletterte im ersten Halbjahr um rund 20 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro.

Die Zuwächse waren vor allem dem schwankenden Energiehandel zu verdanken, der auch im Gesamtjahr deutlich besser als zunächst erwartet abschneiden soll. RWE hatte deswegen bereits Ende Juli die Prognose für das Gesamtjahr angehoben.

Aus den Kerngeschäftsfeldern Braunkohle & Kernenergie, Europäische Stromerzeugung und Energiehandel erwartet das Management 2019 ein bereinigtes Ebitda von 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro. Die Dividende soll auf 80 von 70 Cent je Aktie steigen. RWE will im September die Ökostromgeschäfte der Tochter Innogy und des Konkurrenten Eon übernehmen.  | mehr

Hamburger Hafen zeigt sich krisenfest

HHLA-Aktien sind am Mittag gefragt und gehören zu den größten Gewinnern im SDax. Der Hafenbetreiber steigerte trotz der sich abkühlenden Konjunktur und anhaltender Handelskonflikte Umsatz und operatives Ergebnis (Ebit) im zweiten Quartal. Damit schnitt das Unternehmen besser ab als Analysten erwartet hatten.

Dank starker Zuwächse im Segment Logistik und einer erneut moderaten Steigerung der Erlöse bei der Immobilienbewirtschaftung stieg der Umsatz im ersten Halbjahr um 9,6 Prozent auf 693,7 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis (Ebit) kletterte um 14,4 Prozent auf 114,3 Millionen Euro.

Axel Springer verdient weniger

Aufgrund von Investitionen in die Digitalisierung und Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot der Beteiligungsgesellschaft KKR hat der Medienkonzern Axel Springer im ersten Halbjahr weniger verdient. Unter dem Strich verringerte sich der auf die Aktionäre der Gesellschaft entfallende Gewinn im Zeitraum Januar bis Juni von 169,8 Millionen Euro im Vorjahr auf 115,2 Millionen Euro. Der konzernweite Umsatz ging gleichermaßen von 1,56 Milliarden Euro im Vorjahr auf 1,53 Milliarden Euro zurück.

Das Ebitda sank um 2,7 Prozent auf 344,8 Millionen Euro. An der im Juni gesenkten Jahresprognose hält das Management fest: Demnach soll der Umsatz weiterhin im niedrigen einstelligen Prozentbereich sinken, beim Ebitda wird ein Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet.

Evotec legt die Latte höher

Das Biotechnologieunternehmen Evotec hat nach einem starken ersten Halbjahr die 2019er-Prognosen für den Umsatz und das operative Ergebnis erhöht. Beim Umsatz werde jetzt ein Anstieg von zirka 15 Prozent erwartet. Bisher hatte Evotec ein Umsatzplus von rund zehn Prozent in Aussicht gestellt. 2018 hatte das Unternehmen 364 Millionen Euro erlöst. Das um Sondereffekte bereinigte Ebitda soll jetzt im Vergleich zum Vorjahreswert von 92 Millionen Euro um mehr als zehn Prozent steigen. Bisher hatte die Prognose bei einem Plus von rund zehn Prozent gelegen. Die Aktie drehte im Tagesverlauf dennoch deutlich ins Minus.

Cancom mit Blue-Sky-Szenario

Aktien des Der Münchner IT-Dienstleisters notieren deutlich fester. Das TecDax-Untrnehmen hat heute endgültige Halbjahreszahlen präsentiert, und ist nach kräftigen Zuwächsen im ersten Halbjahr für 2019 zuversichtlicher. Der Vorstand erwartet bei Umsatz und Ergebnis nun "sehr deutliche" Steigerungen statt wie bislang "deutliche Steigerungen". In den ersten sechs Monaten schnellten die Erlöse um 30,1 Prozent auf 791,8 Millionen Euro und das bereinigte Ebitda um 21,4 Prozent auf 59,1 Millionen Euro.

Leoni rutscht in die roten Zahlen

Leoni: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der angeschlagenen Autozulieferer aus dem SDax hat ein erwartungsgemäß sehr schwaches zweites Quartal vorgelegt. Das bereinigte Ebit fiel auf minus 26 Millionen Euro nach einem Gewinn von 64 Millionen Euro im Vorjahr. Der freie Cashflow liegt bei minus 72 Millionen Euro nach minus 29 Millionen im Vorjahr.

Zuletzt hatte Leoni bekannt gegegeben, sich externe Berater zur Saniereung des Unternehmens ins Haus zu holen. Die Zahlen überraschen nicht wirklich, zu desaströs war die Nachrichtenlage zuvor. Die Aktie legte deshalb vorbörslich zunächst zu, hat diese Gewinne mittlerweile aber wieder abgegeben.

Bilfinger grenzt Verluste ein

Der krisengeschüttelte Ingenieurdienstleister Bilfinger ist im zweiten Quartal erneut in die roten Zahlen gerutscht. Der Vorstand bekräftigte am Mittwoch dennoch die Prognose für das Gesamtjahr, wonach das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) auf mehr als 100 Millionen Euro steigen soll.

Von April bis Juni erzielte der Konzern ein um 47 Prozent höheres Betriebsergebnis von 17 Millionen Euro. Unter dem Strich stand jedoch ein Verlust von sechs Millionen Euro nach einem Gewinn von elf Millionen im selben Zeitraum vor einem Jahr. An der Börse tröstet das allerdings niemanden, im Gegenteil. Das Bilfinger-Papier gehört im MDax zu den größten Tagesverlierern.

Va-Q-Tec wächst stürmisch

Va-Q-Tec, dessen Aktie im Prime Standard der Frankfurter Börse notiert wird, berichtet über ein stürmisches erstes Halbjahr. Das Unternehmen, das spezielle Vakuumverpackungen anbietet, hat die Erlöse bis zur Jahresmitte um 26 Prozent auf 31,3 Millionen Euro gesteigert.

Gleichzeitig berichtet die Firma aus Würzburg über Wachstum in allen Bereichen. Das Ebitda wurde mehr als verdreifacht auf 4,4 Millionen Euro. Auch für den Rest des Jahres zeigt sich das Management optimistisch.

SMT Scharf arbeitet sich vor

Das auf Untertage-Schienensysteme im Bergbau spezialisierte Unternehmen sieht sich auf Kurs. Im ersten Halbjahr steigerte SMT Scharf, dessen Aktie im Prime Standard der Deutschen Börse enthalten ist, den Umsatz um 17,8 Prozent auf 33,1 Millionen Euro.

Das Ebit stieg leicht von 3,1 auf 3,2 Millionen Euro. Umsatzstärkster Markt für SMT Scharf war China, wie Firmenchef Hans Joachim Theiß erklärte. Er sprach von einem robusten Marktumfeld. 2019 rechnet der Vorstand mit Umsätzen zwschen 72 und 75 Millionen Euro und einem Ebit zwischen 5,5 und 6,0 Millionen Euro.

Auch Facebook hat abgehört und mitgeschrieben

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Facebook hat Mitarbeiter ausgewählte Aufnahmen von Nutzern aus seinem Chatdienst Messenger anhören und abtippen lassen. Betroffen gewesen seien Nutzer, die die Transkriptions-Funktion für Sprachunterhaltungen eingeschaltet hätten, erklärte das Online-Netzwerk am Dienstag dem Finanzdienst "Bloomberg". Aufgabe der Mitarbeiter sei gewesen, zu prüfen, ob die Software die gesprochenen Sätze korrekt verstanden habe. Die Nachrichten seien anonymisiert worden. Die Praxis sei vor mehr als einer Woche eingestellt worden.

In den vergangenen Wochen waren auch Amazon, Apple und Google in die Kritik geraten, weil sie Mitschnitte von Sprachassistenz-Software von Mitarbeitern auswerten ließen, ohne dass es den Nutzern bekannt war.

Für Facebook ist die Situation noch etwas brisanter: Seit Jahren geht das Gerücht um, Apps des Online-Netzwerks hörten den Nutzern zu, um die Werbung zu personalisieren. Als Beleg werden Fälle genannt, in denen Anzeigen zu einer vorherigen Unterhaltung passen.

rm

Tagestermine am Mittwoch, den 21. August

Unternehmen:
Geely Automobile: Halbjahreszahlen, 05:20 Uhr
Zur Rose: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Voltabox: Halbjahreszahlen, 08:00 Uhr
Vapiano: Hauptversammlung, 11 Uhr

Konjunktur:
USA: Wiederverkäufe Häuser 07/19, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr
USA: FOMC Sitzungsprotokoll vom 31.7., 20 Uhr