Marktbericht 20:15

Dax steigt mit der Wall Street Die Laune steigt wieder am Aktienmarkt

Stand: 14.01.2014, 20:15 Uhr

Die Bullen haben im Moment Oberwasser. Denn Rücksetzer am Aktienmarkt haben eine geringe Halbwertzeit - zu groß ist der Anlagenotstand. Der Dax folgt am Nachmittag einer feundlichen Wall Street und schließt am Tageshoch.

Die Anleger am Aktienmarkt brauchen derzeit gute Nerven. Nach einem schwächeren Vortag hat sich der Dax am Dienstag im Handelsverlauf sukzessive nach oben gearbeitet und bei 9.540 Punkten, ein Tagesgewinn von 0,3 Prozent. Nachbörslich gab es weitere zwölf Punkte oben drauf auf 9.552 Zähler.

Damit hat der Index, der im Tagestief bei 9.381 Punkten stand, immerhin rund 160 Punkte aufgeholt. "Der kleinste Rücksetzer wird gleich für neue Käufe genutzt", erklärte ein Händler die Kursentwicklung. Dies zeige, wie hoch der Anlagenotstand ist. Allerdings sah es lange Zeit nicht danach aus, denn nach zuletzt durchwachsenen Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt fehlt den Anlegern weiter eine klare Orientierung, wie es mit der US-Geldpolitik weiter geht. Mit Spannung dürften die Börsianer daher auf den Konjunkturbericht der Fed, das Beige Book, blicken, der morgen nach Börsenschluss veröffentlicht wird.

Einzelhandelsumsätze beflügeln die Wall Street

Die Daten für den Dezember zeigen, dass die Amerikaner im wichtigen Weihnachtsgeschäft mehr ausgegeben haben als erwartet. Die Umsätze stiegen im klassischen Einzelhandel um 0,7 Prozent nach 0,4 Prozent im November. Experten hatten nur mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet. Dabei werden die schwankenden Preise für Benzin, Autos und Baumaterialien allerdings heraus gerechnet.

Die Daten sind von besonderer Wichtigkeit, denn der Einzelhandel steht für rund 30 Prozent des Konsums in den USA - der wiederum rund 70 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung ausmacht. Der Dow-Jones-Index liegt aktuell 0,5 Prozent im Plus bei 16.321 Punkten, der S&P-500 gewinnt sogar 0,8 Prozent.

Comeback der Verlierer - RWE wittert Morgenluft

Der deutsche Leitindex wurde von RWE angeführt, die fünf Prozent zulegten. Die Versorgeraktie profitierte von einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, nachdem die Abschaltung des AKW Biblis durch das Land Hessen rechtswidrig war. RWE will nun Schadenersatz fordern. Auch Konkurrent Eon folgt im Windschatten. Ganz vorne dabei war mit K+S eine weiterer Verlierer des vergangenen Jahres. Nachbörslich legten die Kasseler Eckdaten für 2013 vor, die im Rahmen der Prognosen lagen.

Commerzbank gehörten zu den größten Verlierern, allerdings war das Papier zuletzt gut gelaufen, so dass die Anleger Kasse machen. Berichte, wonach die Notenbankgouverneure und die Aufsichtsbehörden von den Großbanken weniger große Kapitalpolster verlangten als erwartet, hatten die Kurse der Bankaktien nach oben getrieben.

Euro leicht gestiegen

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro hat hingegen seinen kurzen Höhenflug bis auf 1,37 Dollar nicht halten können und ist auf 1,3679 Dollar wieder leicht abgerutscht. Die Gemeinschaftswährung hatte zuvor von Aussagen des österreichischen EZB-Ratsmitglieds Ewald Nowotny profitiert, der die Euro-Wirtschaft 2014 im Aufwind sieht.

"Es könnte Potenzial nach oben geben", sagte der Notenbanker einer Konferenz in Wien. Damit dämpfte er Spekulationen auf weitere geldpolitische Lockerungen. Zudem gab es robuste November-Produktionsdaten aus der EU, die sich ebenfalls stützend auswirken. Die EZB setzte den Kurs bei 1,3667 Dollar fest nach 1,3654 Dollar am Vortag.

Volkswagen unter Druck

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Größter Verlierer im Dax war die Aktie von Volkswagen mit einem Abschlag von 4,9 Prozent. Die Schweizer UBS empfiehlt ihren Kunden, die Aktie der Wolfsburger zu verkaufen und nennt ein Kursziel von 180 Euro. Analyst Philippe Houchois zieht die Aktien der Wettbewerber Daimler und BMW vor.

Unter Zugzwang steht VW auch in den USA, wo die Kernmarke zuletzt Marktanteile verloren hatte. Dieser Tendenz will der Konzern durch eine größere Modellvielfalt begegnen. "Da müssen wir noch viel mehr tun, als wir bisher gemacht haben. Da geht noch was", sagte der Entwicklungschef der Kernmarke VW-Pkw, Heinz-Jakob Neußer, bei der Automesse in Detroit.

Lanxess sieht sich im Plan

Der Spezialchemiekonzern wird seine für 2013 ausgegebenen Ziele aller Voraussicht nach erreichen. Das Unternehmen teilte auf einer Konferenz in New York mit, man sei optimistisch, nach einem schwierigen Jahr ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 710 bis 760 Millionen Euro zu erreichen. Für das neue Jahr sei man zuversichtlich, man rechne mit einer Ergebnisverbesserung. Lanxess hatte wegen der Autokrise in Europa im November einen Gewinneinbruch bekannt gegeben. 2012 stand noch ein operatives Rekordergebnis von 1,2 Milliarden Euro in der Bilanz. Die Anleger zeigten sich wenig beeindruckt, die Aktie gab leicht nach.

Amerikaner bleiben bei Celesio dran

Deutlich unter Druck stand die im MDax notierten Celesio-Papiere, nachdem der Übernahmepoker um den Pharmagroßhändler eine überraschende Wende genommen hat. Der US-Branchenkollege McKesson scheiterte an seinem selbst gesetzten Ziel, mindestens 75 Prozent der Unternehmensanteile einsammeln zu wollen.

Allerdings wollen die Amerikaner trotz der Schlappe nicht aufgeben. "Ganz klar ist ein gemeinsames Joint Venture für uns eine Alternative", sagte McKesson-Chef John Hammergren. Das Celesio-Management hatte den Plan von McKesson unterstützt.

Windräder für die Türkei

Der Windturbinenhersteller Nordex soll 14 Turbinen mit einer Leistung von zusammen 37,6 Megawatt in die Türkei liefern. Fachleute schätzen den Auftragswert der Anlagen auf rund 38 Millionen Euro. Sie sollen in einem Windpark auf einer Halbinsel bei Izmir zum Einsatz kommen. Nordex hat den Angaben nach in der Türkei bisher eine Kapazität von 710 MW errichtet. Der TecDax-Aktie gab der Auftrag keinen Rückenwind: sie gab fast zwei Prozent nach, war aber zuletzt einer der größten Anlagefavoriten.

Air Berlin will Schadenersatz

Die Fluglinie will vom Berliner Flughafhenbetreiber wegen der geplatzten Flughafeneröffnung 48 Millionen Euro Schadenersatz. Dies bestätigte ein Gerichtssprecher in Potsdam, wo morgen der Prozess beginnt. Pikant dabei: die Klage war seinerzeit noch vom damaligen Air Berlin-Chef Hartmut Mehdorn eingereicht worden. Der ist heute Flughafenchef und sitzt nun auf der Anklagebank.

JPMorgan mit Milliardengewinn

Die US-Großbank hat 2013 wegen zahlreicher Milliardenstrafen weniger verdient, schnitt dabei aber besser ab als erwartet. Insgesamt blieben 17,9 Milliarden Dollar (rund 13,1 Milliarden Euro) in den Büchern. Im vierten Quartal, das frei von Strafzahlungen war, wurden 5,3 Milliarden Dollar verdient. Die Aktie liegt vorbörslich an der New York Stock Exchange rund ein halbes Prozent im Plus.

Wells Fargo auf Kurs

Wells Fargo: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Auch Konkurrent Wells Fargo liegt gut im Rennen. Im vierten Quartal stieg das Nettoergebnis um zehn Prozent auf den Rekordwert von 5,61 Milliarden Dollar oder einen Dollar je Aktie. Erwartet waren nur 0,98 Dollar. Im Gesamtjahr stieg der Gewinn um 16 Prozent auf 21,9 Milliarden. Analysten lobten vor allem die gesunkenen Kosten, gleichzeitig stieg die Nachfrage nach Hypothekenkrediten. Die Aktie, die erst vor kurzem mit 46,16 Dollar ein neues Fünf-Jahres-Hoch erreicht hat, liegt vor Handelsbeginn jedoch leicht im Minus.

Kabelkrieg in Amerika

Mit dem Schmusekurs ist es jetzt vorbei, Kabelbetreiber Charter Communications will für den Konkurrenten Time Warner Cable nun ein feindliches Übernahmeangebot in Höhe von 132,50 Dollar je Aktie vorlegen. Zusammen mit den 25 Milliarden Dollar Schulden des Unternehmens geht es damit um insgesamt 62 Milliarden Dollar.

Lange Zeit hatte sich die Nummer vier der Branche um das einstmals zum Medienriesen Time Warner gehörende Unternehmen bemüht, sich aber immer wieder eine Abfuhr eingehandelt. Charter bietet jetzt den Aktionären direkt 83 Dollar in bar, der Rest soll in Charter-Aktien bezahlt werden. Der Preis ist kein großer Aufschlag zum aktuellen Börsenpreis. Das Time-Warner-Cable-Management zeigte sich empört und sprach von einem Schleuderpreis für das Unternehmen, das 13 Millionen Kunden hat. Zuletzt hat es jedoch Kunden verloren. Prominentester Großaktionär von Charter ist Kabelmilliardär John Malone von Liberty Media, der auch hierzulande mit seinem Anbieter Unitymedia bestens bekannt ist. Beide Aktien legen in New York zu.

rm

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