Die Kurse spielen verrückt

Detlev Landmesser

Stand: 20.03.2008, 20:30 Uhr

Das hatte mit Rationalität nichts zu tun: Der große Verfallstag am Terminmarkt wirbelte die Kurse am Gründonnerstag kräftig durcheinander - besonders an der Wall Street.

Dort schnellte der Dow-Jones-Index bis zum Abend um mehr als zwei Prozent nach oben - obwohl einzelne Nachrichten aus dem Finanzsektor daran erinnerten, dass die schwere Finanzkrise weitere Opfer fordern wird.

Das störte vor den Osterfeiertagen offenbar niemanden. Als Begründung für die Rally wurden die deutlich fallenden Rohstoffpreise angeführt, die die Inflationssorgen der Marktteilnehmer dämpften. Zudem sorgten die jüngsten Konjunkturdaten für Entspannung. Der Index der Frühindikatoren fiel mit minus 0,3 Punkten wie erwartet aus, während der Konjunkturindex der Fed von Philadelphia mit minus 17,4 Punkten etwas weniger schlimm als erwartet aussah.

Der L-Dax ging 0,5 Prozent höher mit 6.352 Punkten ins Osterwochenende, und notierte damit 185 Zähler über dem am Montag erreichten Jahrestief von 6.167,82 Punkten. Während der deutsche Markt in eine viertägige Handelspause geht, wird an den japanischen und US-Börsen am Ostermontag wieder gehandelt.

Auch am deutschen Aktienmarkt sorgte Verfallstag am Terminmarkt für manchen merkwürdigen Kursausschlag. Um 13:00 Uhr verfielen an der Terminbörse Eurex Optionen und Futures auf den Dax, worauf die Kurse zunächst nachgaben. Zum Xetra-Schluss um 17:30 Uhr waren die Optionen auf die Einzelwerte fällig.

Euro und Rohstoffe fallen zurück

Der Euro stand den ganzen Tag über unter Druck. Gegenüber dem US-Dollar fiel die Gemeinschaftswährung unter die Marke von 1,55 Dollar. Daneben rutschte der Goldpreis im Verlauf fast auf 900 Dollar ab. Auch die Ölpreise gaben weiter nach. Für ein Barrel US-Öl mussten zeitweise weniger als 100 Dollar gezahlt werden. Noch zum Wochenanfang waren Rekordpreise von 1.030,80 Dollar für Gold und 111 Dollar für Öl erzielt worden. Händler begründeten die Rohstoffverkäufe auch mit einem erhöhten Liquiditätsbedarf vieler Marktteilnehmer im Vorfeld des langen Osterwochenendes.

Auf den europäischen Banktiteln lastete eine Gewinnwarnung der Credit Suisse. Die Schweizer Großbank rechnet wegen milliardenschwerer Subprime-Abschreibungen nicht mehr mit einem Gewinn für das erste Quartal. Die Aktie brach in Zürich um bis zu zehn Prozent ein.

Allianz-Aktie robust
Dagegen dürfte die Allianz-Aktie vom Verfallstag profitiert haben, denn angesichts der Nachrichtenlage hielt sie sich bemerkenswert gut. Es sei schwieriger geworden, das operative Ergebnis um durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr bis 2009 zu steigern, erklärte Vorstandschef Michael Diekmann in dem gerade veröffentlichten Geschäftsbericht 2007. "Ich muss daher für unseren Ausblick einen speziellen Vorbehalt für das Bankgeschäft machen." Eine zuverlässige Prognose für den Beitrag des Bankgeschäfts zum Gesamtergebnis sei derzeit unmöglich. Grund seien die Turbulenzen an den Finanzmärkten. Zugleich korrigierte der Finanzkonzern seine ihre Gewinne für die Jahre 2001 bis 2006 nachträglich nach unten.

Schwächster Dax-Titel war ThyssenKrupp mit einem Abschlag von vier Prozent. Händler verwiesen auf die allgemeine Korrektur der Rohstofftitel wegen der rückläufigen Rohstoffpreise. Dadurch kämen auch Stahlhersteller unter Druck.

Der Siemens-Aktie machte wieder die Gewinnwarnung von Montag zu schaffen. Goldman Sachs hatte den Dax-Titel von seiner "Pan-Europe Conviction Buy List" genommen. Die Empfehlung lautet aber weiterhin auf "Buy" mit einem Kursziel von 100 Euro.

Neue Hiobsbotschaft von der IKB
Diese Nachricht verwunderte nicht mehr viele Marktteilnehmer. Die schwer angeschlagene Mittelstandsbank IKB rechnet mit weiteren Abschreibungen und erwartet daher im bis Ende März laufenden Geschäftsjahr 2007/08 einen Verlust von 800 Millionen Euro. Erneut muss die staatliche KfW mit 450 Millionen Euro aus ihrem Risikoschirm für die zum Verkauf stehende Tochter einspringen. Der MDax-Titel rutschte nach einer Handelssaussetzung um bis zu 13,8 Prozent ab, erholte sich aber bis zum Handelsende wieder.

Magazinbericht belastet K+S
Auch die MDax-Perle K+S musste einen Kursrückschlag hinnehmen. Das viel beachtete US-Anlegermagazin "Barron's" schrieb in einem Bericht über den weltweiten Düngemittel-Boom, wegen der unsicheren Konjunkturaussichten könnten spekulative Anleger verstärkt Kasse machen. Gerade Spekulanten hätten zuletzt stark in Düngemittel-Werte investiert und damit zur Vervielfachung der Aktienkurse der nordamerikanischen K+S-Rivalen Potash und Mosaic beigetragen. Auch der Aktienwert von K+S hatte sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt.

Solarwerte aus der Mode
Für Solaraktien ging es weiter abwärts. Besonders hart traf es ohne neue Nachrichten Conergy. Auch Ersol sah nicht besonders gut aus. Die Commerzbank hat den TecDax-Titel von "Add" auf "Hold" abgestuft. Die Preise für Wafer und Solarzellen dürften angesichts von Unsicherheiten über die Nachfrage in den kommenden Jahren stärker fallen als bisher angenommen, hieß es zur Begründung.

Die Aktie des Übernahmekandidaten Tele Atlas erholte sich dagegen deutlich. Nach Angaben von Händlern zeichnet sich ab, dass die Europäische Kommission die Übernahme durch TomTom doch genehmigen wird.

Gewinnsprung bei ElringKlinger
Zu den stärksten SDax-Titeln gehörte ElringKlinger. Der schwäbische Autozulieferer hat im vergangenen Jahr trotz Gegenwinds durch den starken Euro einen Gewinnsprung verzeichnet. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um 24,3 Prozent auf 116 Millionen Euro. Auch mit dem um 15 Prozent auf 607,8 Millionen Euro gestiegenen Jahresumsatz übertraf ElringKlinger die selbstgesteckten Erwartungen.

Takkt will noch mehr
Im SDax kam auch die Aktie von Takkt gut voran. Der Büroausstatter strebt im laufenden Jahr ein Umsatzplus von mindestens vier Prozent an. Auch der Gewinn soll weiter wachsen. Im vergangenen Geschäftsjahr legte der Jahresüberschuss um knapp 27 Prozent auf 79,3 Millionen Euro zu. Der Umsatz stieg um 2,9 Prozent auf 986,2 Millionen Euro.

Curanum verdient weniger
Der ebenfalls im SDax notierte Pflegeheimbetreiber Curanum musste im vergangenen Jahr einen kräftigen Gewinnrückgang von 0,31 Euro auf 0,16 Euro je Aktie verbuchen. Gründe waren höhere Investitionen und steuerliche Faktoren. Der Umsatz stieg um 6,6 Prozent auf 230 Millionen Euro. Im laufenden Jahr sollen die Erlöse auf 260 bis 265 Millionen Euro wachsen. Auch das operative Ergebnis soll besser werden.

TAG verdient gut
Das Immobilienunternehmen TAG Tegernsee hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 36 Prozent auf 146,1 Millionen Euro verbessert. Das Vorsteuerergebnis machte einen Sprung von 6,4 auf 31,1 Millionen Euro. Das SDax-Mitglied plant eine Dividendenausschüttung von 0,10 Euro je Aktie.

Das Solarunternehmen Centrosolar hat im vergangenen Geschäftsjahr seinen Umsatz um 28 Prozent auf 220 Millionen Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen Steuern und Abschreibungen (Ebitda) machte einen Sprung um 53 Prozent auf 15 Millionen Euro. Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von 310 Millionen Euro und einem Ebitda von 22 Millionen Euro.

Deutlich langsamer wuchs das Mutterunternehmen Centrotec 2007. Der Umsatz wuchs um sechs Prozent auf 406 Millionen Euro und das Ergebnis je Aktie von 0,88 auf 1,01 Euro je Aktie. Für das laufende Geschäftsjahr geht das Unternehmen von einem organischen Umsatzzuwachs auf 435 bis 445 Millionen Euro aus. Das Ergebnis je Aktie soll 1,10 bis 1,15 Euro erreichen.

Kampa verspricht die Wende
Deutschlands größter Fertighausbauer Kampa hat das Geschäftsjahr 2007 mit Millionenverlusten abgeschlossen. Der Verlust belaufe sich auf 35 Millionen Euro, teilte das Mindener Unternhehmen mit. 2006 hatte Kampa einen Überschuss von 7,5 Millionen Euro erzielt. Der Umsatz brach um 29,8 Prozent auf 158,4 Millionen Euro ein. Schon im Sommer 2007 hatte Kampa wegen des schwachen Fertighaus-Markts Verluste in zweistelliger Millionenhöhe für 2007 prognostiziert. Schon dieses Jahr will die Gesellschaft nach ihrem schmerzlichen Umbau wieder schwarze Zahlen schreiben. Für 2008 sei mit einem Nettoergebnis von einer Million Euro zu rechen, "mindestens aber ein ausgeglichenes Ergebnis", sagte der scheidende Vorstandschef Elmar Schmidt.

Das Zahlenwerk von Pulsion wurde mit Kursverlusten quittiert. Das Medizintechnikunternternehmen vermeldete einen Gewinnrückgang von 23 Prozent aus steuerlichen Gründen. Das operative Ergebnis legte dagegen um 21 Prozent zu.

Die neuesten Geschäftszahlen von Bwin trieben die Aktie an. Der österreichische Glücksspiel- und Wettanbieter verbesserte im vergangenen Jahr seine Bruttoerträge um 21 Prozent auf 305,5 Millionen Euro.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat