Die Kurse bröckeln wieder

von Detlev Landmesser

Stand: 28.03.2008, 20:29 Uhr

Zum Wochenschluss war es ausnahmsweise mal die Wall Street, die den deutschen Aktienmarkt nachahmte. Nach einem positiven Start gerieten auch in den USA die Kurse unter Druck.

Der L-Dax ging 0,36 Prozent tiefer mit 6537,28 Punkten ins Wochenende. An der Wall Street bröckelten die Kurse bis zum Abend kontinuierlich ab. Händler begründeten das vor allem mit dem schwachen Zutrauen der US-Verbraucher in die Wirtschaft des Landes. Der entsprechende Index der Uni Michigan gab von 70,8 auf 69,5 Punkte nach. Das war immerhin der tiefste Stand seit 16 Jahren. Volkswirte hatten mit 70,0 Punkten gerechnet.

Die jüngst übernommene US-Investmentbank Bear Stearns verlor in New York über fünf Prozent, was vor allem am Ausstieg des Verwaltungsratschefs James Cayne lag. Der 74-jährige Ex-Bankchef erlöste mit dem Verkauf seiner Anteile rund 61 Millionen Dollar. Vor der Zuspitzung der Kreditkrise im vergangenen Jahr hätte er dafür noch fast eine Milliarde Dollar bekommen!

Eine "Germanische Bank"?

Am Morgen hatte der Dax den schwachen Vorgaben noch getrotzt und bis zu 0,6 Prozent zugelegt. Hinter dem Alleingang stand vor allem die neu angefachte Konsolidierungsfantasie unter den deutschen Geschäftsbanken. An der Dax-Spitze lag das Dreiergespann Allianz, Commerzbank und Postbank mit Kursgewinnen von bis zu 3,4 Prozent. Grund waren Planspiele der Allianz, ihre Tochter Dresdner Bank mit den anderen beiden Instituten zu verschmelzen. Das berichteten zumindest Zeitungen unter Berufung auf Insider. Außerdem soll die spanische Banco Santander an der Privatkundensparte der Dresdner Bank interessiert sein.

Die Commerzbank bekräftigte unterdessen ihr Gewinnziel für 2008, womit sich die Geschäftsbanken einmal mehr vom öffentlich-rechtlichen Sektor abgrenzten: Bei der BayernLB wird nun über Krisenbelastungen von rund vier Milliarden Euro gesprochen.

Inflation wieder über drei Prozent
Die anhaltend hohe Inflation trug nicht zur Begeisterung am Aktienmarkt bei. Im März kletterte die Teuerungsrate wieder auf 3,1 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Januar und Februar hatte die Rate noch bei jeweils 2,8 Prozent gelegen. Die Teuerung liegt damit deutlich über dem Ziel der EZB von knapp unter zwei Prozent, was denn auch die Zinssenkungshoffnungen weiter dämpfte. Der aktuelle Preisdruck sei "Besorgnis erregend", sagte Bundesbank-Präsident Axel Weber.

Eon bremst den Dax
Alleine 15,5 Punkte Minus im Dax gingen auf das Konto der Eon-Aktie. Der Versorger drosselte seine Erwartung für das laufende Jahr. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) werde eher am unteren Ende der Prognose liegen, sagte Finanzchef Marcus Schenck. Eon hatte für 2008 einen Zuwachs von fünf bis zehn Prozent in Aussicht gestellt.

Ein Jahr nach der gescheiterten Komplett-Übernahme des spanischen Versorgers Endesa übernimmt Eon vom italienischen Energiekonzern Enel und dem spanischen Baukonzern Acciona für rund 11,8 Milliarden Euro Endesa-Anteile. Enel und Acciona hatten Eon die Abgabe der Anteile zugesagt, deren Wert die Unternehmen in einer ersten Einschätzung vor einem Jahr allerdings nur mit rund zehn Milliarden Euro beziffert hatten.

Aareal etwas vorsichtiger
Wegen der Kreditkrise rückte die Aareal Bank von ihren Renditezielen für 2009 ab. Zudem stellte Vorstandschef Wolf Schumacher auch die Prognosen für das laufende Jahr unter die Bedingung, dass sich die Marktlage nicht weiter dramatisch verschlechtert. "Kein Bankvorstand kann sagen, wie das Jahr 2008 wird", sagte Schumacher. Zwar könne die Bank im Zuge der Krise von höheren Margen profitieren, allerdings werde das Volumen bei Immobilienkrediten abnehmen. Die eigentlich für 2009 anvisierte Eigenkapitalrendite nach Steuern von 13 Prozent werde die Bank erst im Jahr darauf erreichen. Für 2008 erwartet das Institut ein operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau. Das Betriebsergebnis hatte sich 2007 auf 380 Millionen Euro mehr als verdoppelt, allerdings auch dank eines Sonderertrags.

RBS hält 5,4 Prozent an HeidelCement
Was läuft da bei HeidelbergCement? In den vergangenen Wochen hielt sich der MDax-Titel auffallend gut. Am Freitag meldete Deutschlands größter Baustoffkonzern, die Royal Bank of Scotland habe am 18. März die Drei- umd Fünf-Prozent-Schwelle überschritten und halte nun 5,36 Prozent am Grundkapital.

Singulus zuversichtlicher bei Blu-Ray
Singulus hat 2007 deutlich weniger Gewinn erzielt. Das Ergebnis lag 2007 mit drei Millionen Euro um acht Millionen Euro unter dem Vorjahreswert. Der Spezialmaschinenbauer verwies auf den Streit um das DVD-Nachfolgeformat, der neue Aufträge für sein Produktionsmaschinen gebremst habe. Der Auftragseingang sank daher von 319 auf 203,8 Millionen Euro. Seit der Entscheidung für Blu-Ray zu Jahresbeginn habe sich die Lage aber entspannt, teilte die TecDax-Firma mit. Dieses Jahr will Singulus mehr als 20 Blu-Ray-Anlagen verkaufen. Bislang hatte das Unternehmen mit einem Absatz von 15 bis 20 Maschinen gerechnet.

Frosta stockt Dividende auf
Der Tiefkühlkostanbieter Frosta hat seinen Gewinn deutlich gesteigert und will die Aktionäre mit einer höheren Ausschüttung daran beteiligen. Für 2007 sollen die Anteilseigner 66 (Vorjahr: 60) Cent je Aktie erhalten. Dank der gestiegenen Nachfrage setzte Frosta 2007 mit 349 Millionen Euro 13,5 Prozent mehr um. Der Gewinn stieg um 17 Prozent auf 12,2 Millionen Euro. Auch für dieses Jahr rechnet das Unternehmen mit steigenden Erlösen.

Erfreuliches aus der Solarbranche
Mehr als sechs Prozent gewann die Aktie von Solar-Fabrik. Die Solarfirma hat im vergangenen Jahr ihren Konzernumsatz auf etwa 148 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Die gute Auftragslage bescherte dem Unternehmen zudem einen Jahresüberschuss von 4,5 Millionen Euro, was etwa einer Verdreifachung entspricht. Die Solar-Fabrik erhöhte die Umsatzprognose für 2008 von 200 auf 250 Millionen Euro.

Auch der Solarzellenhersteller Sunways hatte ein erfreuliches Jahr 2007. Nach Sicherung des langfristigen Versorgung mit dem Rohstoff Silizium werde die Produktionskapazität in diesem Jahr von 46 auf 116 Megawatt ausgebaut, kündigte die Gesellschaft an. Im vergangenen Jahr steigerte Sunways den Umsatz um 40 Prozent auf 213,5 Millionen Euro zu. Das operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich von 1,0 auf 4,1 Millionen Euro.

Jenoptiks Zuversicht zündet
Die Aktie von Jenoptik legte um mehr als 13 Prozent zu. Der Technologiekonzern hat die vorläufigen Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr und zugleich die Ziele bestätigt. "Unsere langfristigen Ziele stehen: Wachstum von durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr, langfristig eine Milliarde Umsatz bei einer Ebit-Marge von neun bis zehn Prozent", erklärte der Vorstandsvorsitzende Michael Mertin.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr