Die Krisenfurcht ist wieder da

Stand: 15.03.2010, 20:00 Uhr

Von dem Marsch über die 6.000 Dax-Punkte wollten die Anleger am Montag nichts wissen. Neue Befürchtungen um die Nachhaltigkeit der Wirtschaftserholung haben die Börsen belastet. China und Amerika lieferten die passenden Krisennachrichten.

Es könne einen neuen Abschwung geben, hatte Chinas Regierungschef Wen Jiabao am Wochenende gesagt und damit das Fundament für den sehr maue Börsenmontag gelegt. Chinas Wirtschaft wird derzeit sehr genau beobachtet, und die Aussicht, dass es dort kriseln könnte, hat die Anleger mit einer Portion Vorsicht ausgestattet.

Der Dax zumindest kam kaum über 5.950 Punkte heraus. Und als die Wall Street am Nachmittag mit schwachen Kursen in den - wegen des zwei Wochen früheren Beginns der Sommerzeit - um eine Stunde vorgezogenen Handel startete, verließ die Investoren ganz der Mut. 0,7 Prozent verlor der Dax bis zum Handelsende, knapp über der Marke von 5.900 Punkten endete der unrühmliche Montag.

Auch die Konjunkturzahlen, die aus Amerika kamen, waren nicht eindeutig zu interpretieren. Während der Empire State Index leicht auf 22,86 Punkte fiel, war die Industrieproduktion mit einem Plus von 0,1 Prozent im Februar leicht besser als erwartet.

Die Anleger bevorzugten am Montag defensive Aktien. Beide Fresenius-Papiere waren gefragt, aber auch Metro und Merck, sowie RWE fanden ihre Käufer. Kursverluste verzeichneten die Zykliker, am schwersten betraf es Infineon, MAN und K+S.

Die Banken haben es (noch) nicht leicht
Der Bankenverband BdB wagte am Montag eine mittelfristige Prognose für die Ertragskraft der deutschen Banken. Nach den Analysen des Verbandes werde die Branche das Geschäftsniveau aus dem Vorkrisenjahr 2007 erst in drei bis vier Jahren wieder erreichen. Das laufende Jahr wird nach Angaben des BdB auch schwierig.

Die zu einem großen Teil der Deutschen Bank gehörende Postbank hat sich zuversichtlich zu ihren Geschäftsaussichten für 2010 geäußert. Man wolle vor Steuern ein positives Ergebnis erzielen, teilte die Bank in ihrem Geschäftsbericht mit. Die Deutsche Bank hat derweil die Übernahme des Vermögensverwalters Sal. Oppenheim abgeschlossen. Wie die Bank mitteilte, betrug der Kaufpreis eine Milliarde Euro.

Telekom will mehr Frauen
Die Telekom will künftig konzernweit eine Frauenquote einführen. Das berichtete das Magazin "Focus". Diese Aussicht ist aber nicht für den leichten Kursverlust bei der T-Aktie verantwortlich. Die Lösung findet sich eher in der Herunterstufung der Aktie durch Merrill Lynch.

Bilanzen von Smartrac und Krones
Aus dem TecDax legte am Morgen Smartrac Zahlen vor. Dem Spezialisten für Funkchips gelang es, den Erlös im vergangenen Jahr spürbar auf 127,9 Millionen Euro zu steigern, der Nettogewinn hingegen schrumpfte um mehr als die Hälfte auf 5,1 Millionen Euro. 2010 will Smartrac weiter wachsen, beim Umsatz stellt sich die Firma einen Wert von bis zu 150 Millionen Euro vor.

Der Anlagenbauer Krones aus dem MDax hat bei Umsatz und Gewinn deutliche Einbußen gemeldet. 2009 gingen die Erlöse stark auf 1,87 Milliarden Euro zurück, der Nettoverlust belief sich auf 34,5 Millionen Euro. Enttäuschend fanden Analysten vor allem das Ergebnis, immerhin will Krones in diesem Jahr wieder wachsen. Finanzchef Hans-Jürgen Thaus sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass Krones einen Nettogewinn von zehn Millionen Euro anstrebe.

Indus setzt auf 2010
Die vorläufige Jahresbilanz des im SDax notierten Beteiligungsunternehmens Indus kam bei den Aktionären gut an. Nach einem deutlichen Umsatz- und Gewinneinbruch, wobei die Umsatzentwicklung allerdings die Erwartungen übertraf, rechnet Indus für 2010 wieder mit einer Geschäftsbelebung. 2009 erzielt die Firma einen Umsatz von 770 Millionen Euro, das operative Ergebnis schrumpfte von knapp 91 auf 53 Millionen Euro.

Celesio zwischen Rösler und Optimismus
Die Aktie des Pharmahändlers Celesio verlor leicht. Händler verwiesen auf die Pläne von FPD-Gesundheitsminister Rösler, die Arzneimittelpreise zu senken. Dass sich Celesio-Chef Fritz Oesterle in einem Interview optimistisch zur Geschäftslage geäußert hat, beruhigte die Anleger offensichtlich ein wenig.

Solar mal wieder gefragt
Solartitel im TecDax stellten ein weiteres Mal ihre Anfälligkeit für die aktuelle Nachrichtenlage unter Beweis. Am Montag notierten die stark im Index vertretenen Titel tendenziell höher. Die Förderkürzung für Solarflächen auf Freiflächen soll nun erst im Oktober in Kraft treten, und nicht schon im Juli.

Nordex liefert nach Pakistan
Der im TecDax notierte Windkraftkonzern Nordex hat sich einen Auftrag aus Pakistan gesichert. Im Rahmen des geplanten Windparks "Jhimpir" soll die Firma Windräder mit einer Gesamtleistung von 50 Megawatt liefern. Zum finanziellen Volumen wurde nichts bekannt.

Brenntag plant den IPO
Nach Kabel Deutschland und Tom Tailor hat nun auch der Chemikalienhändler Brenntag Einzelheiten zu seinem geplanten Börsengang mitgeteilt. Bis zu 588 Millionen Euro will Brenntag bei der Emission erlösen, die Preisspanne liegt zwischen 46 und 56 Euro. Am 29. März soll die Aktie erstmalig an der Börse handelbar sein. Profitieren von dem IPO wird vor allem der Finanzinvestor BC Partners, der weiterhin investiert bleiben will.

PSI schlägt Mensch und Maschine
Zwei kleinere Softwareunternehmen gaben am Montag ihre Jahresbilanzen bekannt. Während Mensch und Maschine wegen hoher Abschreibungen einen Verlust von 4,78 Millionen Euro auswies, stieg bei PSI das Ergebnis auf 6,6 Millionen Euro, plus 61 Prozent. Auch beim Umsatz legte PSI zu, während Mensch und Maschine stark abrutsche. Erlösmäßig steht Mensch und Maschine mit 163,3 Millionen Euro gegenüber 147 Millionen bei PSI jedoch noch etwas besser da.

Philips will was von Elcoteq
Das kleine, im Freiverkehr notierte Elektronikunternehmen Elcoteq meldete am Montag einen Großauftrag. Für den niederländischen Konzern soll Elcoteq Beleuchtungslösungen auf der Basis von neuartigen Lichttechnologien entwickeln. Die Anleger greifen begeistert bei Elcoteq zu, die Aktie stieg um 17 Prozent.

Tommy Hilfiger von Calvin Klein einverleibt
Die Modewelt ist um einen Giganten reicher. Die Modekette Phillips-Van Heusen, zu der auch Calvin Klein gehört, kauft den Rivalen Tommy Hilfiger. Den Kaufpreis von drei Milliarden Dollar streicht der Finanzinvestor Apax ein, dem Hilfiger gehört. Der Deal kommt an der Börse gut an, die Van-Heusen-Aktie steigt um bis zu zehn Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr