Die Krisenangst legt sich

Stand: 04.11.2009, 20:00 Uhr

Nach dem Durchhänger am Dienstag hat der Dax am Mittwoch 1,7 Prozent zugelegt. Gefragt waren insbesondere Aktien von Unternehmen, die gute Geschäftszahlen vorgelegt hatten. Aber auch die Wall Street gab ihr Scherflein zur freundlichen Börsenstimmung in Frankfurt bei.

In New York notieren die drei großen Indizes deutlich fester, nachdem neue Daten des privaten Arbeitsvermittlers ADP gezeigt hatten, dass sich der Arbeitsplatzbau in Amerika im Oktober verlangsamt hat. Aber auch eine gute Prognose des japanischen Autoherstellers Nissan und Kursgewinne bei den Finanztiteln schoben den Dow Jones um mehr als ein Prozent nach oben. Dass der ISM-Dienstleistungsindex schwächer ausfiel als erwartet, ignorierten die Anleger.

Der deutsche Aktienmarkt profitierte am Nachmittag von den guten US-Vorgaben und schloss 1,7 Prozent fester bei 5.444 Zählern. Der MDax, der in der zweiten Oktoberhälfte kräftig hatte Federn lassen müssen, stieg sogar um mehr als vier Prozent.

Gerüchte beflügeln Infineon
An der Dax-Spitze, mit einem Kursplus von 7 Prozent, beendete die Infineon-Aktie den heutigen Handel. Gerüchteweise bereitet der südkoreanische Elektronikkonzern LG ein Übernahmeangebot für Infineon vor. Obwohl viele Händler dem Gerücht wenig Glauben schenkten, griffen die Anleger zu.

Adidas und der Ausblick auf 2010
Auch Adidas-Papiere schlossen höher. Der Sportartikelhersteller hatte das dritte Quartal zwar mit einem Gewinnrückgang von 30 Prozent beendet und sechs Prozent weniger umgesetzt. Doch der Ausblick auf die kommenden Monate habe durchaus optimistische Züge, finden Analysten. Der starke Euro komme Adidas ebenfalls zu Gute, außerdem die Fußball-WM in Südafrika.

Solarworld leidet unter der Nachfragekrise
Eine nicht so schöne Bilanz meldet der Solarkonzern Solarworld aus dem TecDax. Die Firma litt auch im dritten Quartal stark unter der Branchenkrise, der Gewinn sank um mehr als die Hälfte auf 16,1 Millionen Euro, der Umsatz ging leicht auf 232,5 Millionen Euro zurück.

Smartrac ist sehr optimistisch
Der Funktechnikspezialist Smartrac musste ebenfalls einen Gewinneinbruch hinnehmen. Der Überschuss brach um 74 Prozent ein, der Umsatz stieg allerdings auf 33,1 Millionen Euro. Außerdem stellte Smartrac bessere Quartale in Aussicht, die Aktie stieg daher an die TecDax-Spitze.

Roth&Rau senkt die Prognose
Der Solarkonzern Roth&Rau hat, wegen schleppender Geschäfte, seine Prognose gesenkt. Im gesamten Jahr 2009 werde man nur etwa 200 Millionen Euro erlösen, teilte der Vorstand des TecDax-Unternehmens mit. Gegenüber der vergangenen Prognose von 270 Millionen Euro ist dies eine erhebliche Korrektur, Roth&Rau begründete dies damit, dass sich die erwartete Erholung in der zweiten Jahreshälfte "nicht eingestellt" habe. Der Auftragseingang sei im dritten Quartal mit 18,3 Millionen Euro daher hinter den Erwartungen geblieben. Die Aktie reagierte mit Kursabschlägen auf die Nachricht und schloss 3,4 Prozent schwächer.

UI schraubt die Prognose nach oben
Der Internetdienstleister United Internet hat seine Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Das Ergebnis soll nun um acht statt wie zuvor erwartet um fünf Prozent wachsen. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters stellte UI-Chef Ralph Dommermuth außerdem die Zahlung einer Dividende in Aussicht. "Zu Höhe kann ich noch nichts sagen", sagte Dommermuth. Dennoch, die Anleger waren begeistert, die Aktie schloss 6,3 Prozent höher.

HeidelCement schleppt sich nach oben
Im MDax legte die Aktie des Baustoffkonzerns HeidelbergCement um 6,3 Prozent zu. Erstaunlich war dieser Kursanstieg, weil HeidelCement eine an sich enttäuschende Bilanz vorlegte. Die Firma meldete für das dritte Quartal einen Umsatzrückgang auf 3,02 Milliarden Euro, der Gewinn halbierte sich auf knapp 150 Millionen Euro. Außerdem erwartet HeidelCement nur eine schleppende Erholung der Geschäfte.

Hochtief baut in der Wüste Gobi
Der ebenfalls im MDax notierte Baukonzern Hochtief hat einen Auftrag in der Mongolei gemeldet. Die australische Tochter Leighton werde für etwa 207 Millionen Euro eine Eisenbahnstrecke durch die Wüste Gobi bauen und für 119 Millionen Euro den Kohleabbau in einer Kohlemine des ostasiatischen Landes fortführen. Die Hochtief-Aktie legte fast fünf Prozent zu.

Kurszielerhöhungen und ProSiebenSat.1
Im MDax gewann die Aktie des Chemiekonzerns Lanxess mehr als zehn Prozent. Die Analysten von Morgan Stanley erhöhten ihr Kursziel am Morgen auf 28 Euro und sagten, die Geschäfte bei Lanxess dürften sich 2010 wesentlich verbessern. Auch der Grafitspezialist SGL wurde gelobt: Die Deutsche Bank erhöhte das Kursziel auf 23 Euro. Die Aktie kostet allerdings schon mehr als 25 Euro, der Kursanstieg war daher eher gering.

Ebenso bei Rofin-Sinar Tech. Hier erhöhte die Deutsche Bank ihr Kursziel auf 13 Euro, die Aktie ist allerdings bereits jetzt nicht für unter 14,59 Euro zu haben. Die Aktie des Fernsehkonglomerats ProSiebenSat.1 stieg um 13,6 Prozent. Hier fanden die Analysten von Morgan Stanley, dass der Konzern über ein solides drittes Quartal berichten wird, was wiederum ein gutes Signal für das vierte Quartal sein sollte.

Balda macht wieder Gewinne
Der Handyzulieferer Balda hat in den ersten neun Monaten des Jahres wieder ein positives Ergebnis eingefahren. Zwar sank der bereinigte Umsatz um fast ein Drittel auf knapp 106 Millionen Euro, doch dank eines strikten Sparkurses stand unter dem Strich ein Gewinn von 7,9 Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte Balda noch Verluste von 19,2 Millionen Euro gemacht. Für das kommende Jahr erwartet Balda auch bei den Umsätzen eine Trendwende.

Time Warner-Umsatz sinkt
Das amerikanische Medienunternehmen Time Warner hat im dritten Quartal weniger umgesetzt. Die Erlöse sanken, teilte die Firma am Mittag mit, um sechs Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar. Den bereinigten Gewinn gab Time Warner mit 0,61 Dollar je Aktie an. Für 2009 erwartet der Konzern nun einen bereinigten Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft von 2,05 Dollar je Aktie, das sind drei Cent mehr als bisher von Analysten erwartet.

Kleinere Bilanzen
Das Biotechunternehmen Paion hat hohen Forschungsausgaben Tribut gezollt und einen leicht höheren Verlust ausgewiesen. Während sich der Konzernumsatz in den ersten neun Monaten auf 1,2 Millionen Euro verringerte, stiegen die Aufwendungen für Forschungen und Entwicklung auf 8,3 Millionen Euro, der Verlust erhöhte sich ebenfalls leicht auf zehn Millionen Euro. Allerdings berichtete Paion über Forschungserfolge, die Aktie ist deshalb gefragt. Der Chiphersteller Elmos erreichte nach hohen Verlusten im ersten Halbjahr wieder grünes Terrain. Das Ebit gab Elmos mit 0,3 Millionen Euro für das dritte Quartal an, die Geschäfte hätten sich "signifikant" verbessert.

Klöckner-Werke in der Branchenkrise
Der Spezialist für Abfüll- und Verpackungstechnik Klöckner-Werke hat, verursacht von erheblichem Nachfragerückgang, die ersten neun Monate des Jahres mit einem Verlust von 67 Millionen Euro abgeschlossen. Vor einem lag das Ergebnis noch bei plus 28 Millionen Euro. Der Umsatz, teilte die Salzgitter-Tochter mit, schrumpfte auf 545,1 Millionen Euro, die Auftragseingänge lagen etwa ein Drittel unter dem Vorjahreswert. Die Firma sieht die Talsohle jedoch erreicht und kann sich "die mittelfristige Regeneration des Geschäftes verhältnismäßig gut" vorstellen. Die Aktie reagiert auf die Zahlen allerdings mit Kursverlusten, sie schließt 2,8 Prozent schwächer.

Niedriger Ölpreis belastet Konzernbilanzen
Der vergleichsweise niedrige Ölpreis hat die Bilanzen der beiden Ölkonzerne StatoilHydro und Total verhagelt. Beim französischen Total-Konzern ging der Gewinn um mehr als Hälfte auf 1,87 Milliarden Euro zurück, Statoil berichtete von einem Gewinnrückgang um rund ein Drittel auf 3,7 Milliarden Euro.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"