Die Krise macht Pause

Stand: 14.09.2011, 20:05 Uhr

Sprunghaft steigende Kurse bei Dax und Dow - Trendwende oder nur eine kurze Schnäppchenjagd? Der deutsche Leitindex konnte einen turbulenten Handelstag mit dicken Gewinnen abschließen. Dabei schwelt die Euro-Krise unvermindert weiter.

Die Hoffnung auf eine Bewältigung der Euro-Krise war am Mittwoch stärker als die Furcht vor ihrer Verschärfung. Anleger klammerten sich an die vage Aussicht, dass China und vielleicht auch andere Schwellenländer Euro-Anleihen kaufen und so die klammen Länder aus ihrer Not befreien könnten. Auch die Euro-Bonds als gemeinsame Anleihen des Euro-Raums wurden am Mittwoch erneut diskutiert.

Krise jetzt "systemisch"?

An mahnenden Stimmen mangelte es am Abend aber ebenfalls nicht. So forderte US-Finanzminister Timothy Geithner die Euro-Staaten auf, die Krise aus eigener Kraft schnell zu lösen. Im Vorfeld des EU-Finanzministertreffens am Freitag kursierte zudem ein Bericht zur Lage des Bankenmarktes in Euro-Land. Die Euro-Schuldenkrise sei inzwischen "systemisch" und vom Anleihemarkt auf andere Märkte übergesprungen.

Late-Dax im Vorwärtsgang

Den Dax hinderte die unklare Gemengelage aber nicht, auch im späten Handel seine Gewinne auszubauen. Der Late-Dax übersprang, flankiert durch feste US-Börsen sogar die Marke von 5.400 Punkten. Der Xetra-Handel war mit einem Plus von 3,4 Prozent geschlossen worden.

US-Preise stagniren, Öl wird knapper

Neue Daten zur US-Wirtschaft und zum US-Rohstoffmarkt traten angesichts der Euro-Krise am Mittwoch eher in den Hintergrund. Die US-Erzeugerpreise verharrten im August auf dem Niveau des Vormonats, erwartet worden war ein Rückgang um 0,1 Prozent. Die Einzelhandelsumsätze stagnierten ebenfalls, hier hatten die Experten einen leichten Zuwachs von 0,2 Prozent erwartet. Die am Nachmittag gemeldeten Rohöllagerbestände gingen um 6,7 Millionen Barrel auf 346,4 Millionen Barrel zurück.

S&P mit düsterer Banken-Prognose

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,97
Differenz relativ
-0,77%

Am Nachmittag hatte eine Meldung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) wieder für erhöhte Nervosität gesorgt. Die Agentur warnt vor einer Verschärfung der Euro-Schuldenkrise und gravierenden Folgen für deutsche Banken. Die Gewinnaussichten der Institute wurden als "negativ" beurteilt. Bankentitel rutschen darauf hin ab. Deutsche Bank-Aktien hatten wegen Gerüchten eines Einstiegs des US-Milliardärs Warren Buffett zuvor noch profitiert.

IAA macht Autoaktien munter

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,33
Differenz relativ
-0,21%

Neben der Deutschen Börse und der Lufthansa konnten sich - passend zur Automesse IAA - auch die Autopapiere im Dax gut in Szene setzen. Daimler gab auf der IAA bekannt, seine Zusammenarbeit mit der französisch-japanischen Renault-Nissan-Allianz auszuweiten und will voraussichtlich einen neuen Kompaktwagen auf Mercedes-Benz-Basis ab 2014 bauen.

BMW und VW brummen

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
142,26
Differenz relativ
-0,45%

BMW-Aktien schlossen mit sechs Prozent noch klarer im Plus. Anleger reagierten laut Marktteilnehmern auf einen Bericht der "Financial Times Deutschland" kurstreibend, nach dem der Konzern BMW- und Mini-Modelle in einem Werk produzieren möchte, um Absatzschwankungen abzufedern. VW-Vorzüge schließlich profitierten von einer bestätigten Kaufempfehlung durch die UBS.

BASF hat noch einen Interessenten

Der russische Düngerproduzent EuroChem hat nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax ebenfalls Interesse an der Düngersparte von BASF. Bislang galt der norwegische Mitbewerber Yara als Favorit für den Kauf, nach Expertenmeinung sollte der Deal bereits bald unter Dach und Fach gebracht werden. Die BASF-Aktie legte im späten Handel weiter zu.

Phoenix und Gea führen zweite Reihe an

Im TecDax konnten sich Phoenix Solar und der Medizintechnik-Hersteller Drägerwerk mit Gewinnen von sieben bzw. sechs Prozent an die Indexspitze setzen. Im MDax ging die Aktie des Mischkonzerns Gea als bester Wert aus dem Handel. Auch Papiere der Baumarktkette Praktiker und des Modekonzerns Hugo Boss erfreuten sich großer Beliebtheit.

Gerry Weber mit schicken Zahlen

Das galt auch für den Konkurrenten Gerry Weber, der in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2010/11 gute Geschäfte gemacht hat. Der Umsatz wuchs um 13 Prozent auf 487 Millionen Euro. Noch schneller ging es für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) nach oben. Hier lag der Zuwachs bei 24 Prozent auf 57 Millionen Euro.

DBAG vor rotem Geschäftsjahr

SDax-Mitglied DBAG ist von Mai bis Juli, dem dritten Quartal des Geschäftsjahres 2010/11, tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust lag bei acht Millionen Euro nach einem Plus von vier Millionen im Vorjahr. Grund sind niedrigere Bewertungen bei vielen Beteiligungen des SDax-Mitglieds. Auch im Gesamtjahr rechnet Vorstandschef Wilken von Hodenberg bei einer anhaltend schlechten Börsenverfassung nun mit einem Verlust.

Tipp 24 und Jaxx haben Glück

Die Papiere der beiden Glücksspielanbieter legten am Mittwoch kräftig zu. Aktien von Jaxx sprangen am Nachmittag rund zwölf Prozent zu. Sie reagierten damit auf die Verabschiedung eines Glücksspielgesetzes in Schleswig-Holstein, das eine weitreichende Liberalisierung des Glücksspielmarktes zur Folge hat. Im späten Xetra-Handel zuckten dann auch Tipp24-Aktien nach oben. Das Unternehmen will nach der Entscheidung in Schleswig-Holstein wieder Wetten in Deutschland anbieten.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 15. August

Unternehmen:

Zur Rose Group: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Stratec: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
ADO Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Leoni: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
LPKF: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Cisco Systems: Q4-Zahlen, 22:05 Uhr
MVV Energie: Q3-Zahlen
Vestas: Q2-Zahlen

Konjunktur
Großbritannien: Verbraucherpreise 07/18, 10:30 Uhr
USA: Produktivität Q2, 14:30 Uhr
USA: Empire State Index 08/18
USA: Einzelhandelsumsatz 07/18, 14:30 Uhr
USA: Industrieproduktion 07/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 07/18, 15:15 Uhr
USA: Lagerbestände 06/18, 16:00 Uhr
USA: NAHB-Index 08/18, 16:00 Uhr
USA: Energieministerium Ölpreise (wöchentl.), 16:30 Uhr

Sonstiges:
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