Die Krise ist wieder ein Thema

Stand: 15.01.2010, 20:02 Uhr

Enttäuschende Konjunkturdaten und zu hohe Erwartungen an die Bilanz der Bank JP Morgan haben die Aktienmärkte am Freitag stark belastet. Der Dax schloss fast zwei Prozent schwächer und verlor mehr als 100 Punkte. Die 6.000-Punktemarke ist wieder in die Ferne gerückt.

Am Freitag gab der Dax 1,9 Prozent auf 5.876 Punkte nach. Damit ging am deutschen Aktienmarkt eine Woche zu Ende, der es nicht vergönnt war, an den Erfolg der ersten Handelswoche 2010 anzuschließen. 2,7 Prozent verlor der Dax auf Wochensicht, die Marke von 6.000 Punkten gab der Index am Freitag relativ nachhaltig preis.

Eine Mischung aus schwer einzuschätzenden Konjunkturzahlen und die Bilanz von JP Morgan trieben die Anleger auf die Verkäuferseite. Vor allem die am Nachmittag bekannt gegebenen Zahlen zum Verbrauchervertrauen konnten die die Anleger nicht überzeugen. Der Index stieg zwar auf 72,8 Punkte, war aber dennoch ein Prozentpunkt unter dem Prognosewert. Andere Konjunkturzahlen, darunter die Verbraucherpreise und die Industrieproduktion, waren indes unauffällig. Der Empire State Index fiel mit 15,92 Punkten sogar wesentlich besser aus als erwartet.

JPMorgan Chase: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
96,98
Differenz relativ
-0,60%

Bei JP Morgan übertraf der Gewinn zwar die Erwartungen, doch der Umsatz war schwächer als gedacht, und im Vergleich zum vorangegangenen Quartal schnitt JP Morgan schlechter ab. Für Unruhe sorgte auch, dass JP Morgan Rückstellungen für Kreditverluste im Volumen von 4,2 Milliarden Dollar bilden musste. Die Bankenkrise, so scheint, ist in den Köpfen der Anleger noch lange nicht vorbei.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,63
Differenz relativ
-1,17%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,20
Differenz relativ
-2,13%

Auch im Dax waren es die Bankaktien, die, zumindest am Nachmittag, verkauft wurden. Das Papier der Deutschen Bank verlor im Tagesverlauf 3,7 Prozent. Die Commerzbank gab 2,5 Prozent ab. Neben der Befürchtung, dass auch die deutschen Banken nicht mehr an ihr Vorquartalsergebnis anknüpfen können, mussten sich Aktionäre mit einer Studie auseinandersetzen. Analysten hatten berechnet, dass die Deutsche Bank mit einer Belastung von etwa einer halben Milliarde Dollar jährlich rechnen muss, wegen der geplanten amerikanischen Sondersteuer zur Finanzierung der Krisenkosten.

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
95,68
Differenz relativ
-2,37%
Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,94
Differenz relativ
-2,61%

Kaum Gewinner, viele Verlierer
Leicht gefragt waren an diesem Freitag nur die Papiere von eher konjunkturunabhängigen Firmen. Merck- und Fresenius-Aktien legten leicht, auch die Lufthansa verbuchte ein kleines Plus. Die Fluggesellschaft hatte gemeldet, dass sie ihren Kerosinzuschlag im Frachtbereich angehoben habe. Unter Druck waren neben den Banken sämtliche stark konjunktursensible Industrietitel sowie SAP. Die Aktie verlor 3,5 Prozent, nachdem ein halbes Dutzend Banken ihre Einschätzungen zu SAP überprüft und zumeist verschlechtert hatten. SAP hatte am Donnerstag recht durchwachsene Quartalszahlen vorgelegt.

Bilfinger: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
32,46
Differenz relativ
-1,99%

Bilfinger Berger will an die Börse
Der im MDax notierte Baukonzern Bilfinger Berger will noch in diesem Jahr seine australische Tochter an die Börse bringen. Die Wahrscheinlichkeit dazu sei "hoch", sagte Vorstandschef Herbert Bodner der Nachrichtenagentur Reuters. Den erhofften Liquiditätsgewinn will der zweitgrößte deutsche Baukonzern nach Hochtief in die Unternehmensentwicklung investieren, so Bodner.

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
95,60
Differenz relativ
+0,07%

A400M-Käufer einigen sich
Im Streit um die Milliardenfinanzierung des europäischen Militärtransporters A400M haben sich die Käuferstaaten auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. Dies bestätigte das deutsche Verteidigungsministerium. Wie dieses Vorgehen allerdings aussieht, ist nicht bekannt. Die Aktie der Airbus-Mutter EADS zumindest reagierte erleichtert, sie stieg am Freitag um 0,7 Prozent.

Air Berlin ist optimistisch
Die Fluggesellschaft Air Berlin rechnet mit einem "deutlich positiven Ebit" in diesem Jahr. Die Planung für das laufende Jahr sei natürlich schwierig, sagte Vorstandsmitglied Christoph Debus der Nachrichtenagentur Reuters. Man hoffe aber, die Ergebnisse von 2008 und 2009 noch zu steigern. Die Air Berlin-Aktionäre reagieren gnädig. Die Aktie gewann 0,2 Prozent.

Angst um die Solarförderung
Sämtliche im TecDax notierten Solartitel schlossen am Freitag erheblich im Minus, am weitesten hinten war die Aktie von SMA Solar mit fast 13 Prozent Kursabschlag. Q-Cells-Papiere verloren 8,8 Prozent und Phoenix Solar und Roth&Rau gaben 6,5 Prozent ab. Nach Medienberichten soll die über das Erneuerbare Energien Gesetz bereitgestellte Förderung für Solarstrom bereits im April um 16 bis 17 Prozent sinken. Der Bundesverband Solarwirtschaft erwartet für diesen Fall das "Aus für viele Solarunternehmen und die Technologieführerschaft der deutschen Solarbranche".

Epigenomics bricht ein
Aktien des Biotechnologieunternehmens Epigenomis verloren 23 Prozent. Der Bericht der Firma über vorläufige Studienergebnisse fiel nicht aus wie gewünscht: Während zwei von drei beteiligten Laboren gute Ergebnisse zu einem Darmkrebsmarker von Epigenomics meldeten, war der dritte Laborbericht äußerst unbefriedigend. Nur 28 Prozent der Krebsfälle konnte der Marker nachweisen.

Intel überzeugt
Der weltgrößte Chiphersteller Intel hat das vierte Quartal mit einem Milliardengewinn beendet. 2,3 Milliarden Dollar blieben in der Kasse, Analysten hatten mit deutlich weniger gerechnet. Intel steigerte seinen Umsatz um ein Viertel auf 10,6 Milliarden Dollar. Auch das erste Quartal soll Intel zufolge besser laufen als bisher gedacht.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr