Die Krise ist wieder da

Karsten Leckebusch

Stand: 02.11.2007, 19:57 Uhr

Zumindest in die Köpfe der Anleger ist die Kreditkrise wieder zurückgekehrt. Ein desaströses Analystenurteil über die Finanzlage der Citigroup hat auch am Freitag die Aktienmärkte belastet. Der Dax verzeichnete wieder Verluste.

Bereits am Donnerstag hatte die Analysteneinschätzung, dass die US-Großbank Citigroup einen dringenden Finanzbedarf von mindestens 30 Milliarden US-Dollar habe, die Märkte durcheinandergewirbelt. Auch am Freitag war die Nervosität im Dax noch deutlich spürbar, die Bankentitel verzeichneten überdurchschnittliche Verluste.

Die Wall Street hat sich zumindest etwas von dem Schock am Donnerstag erholt. Der Dow Jones notierte bei Handelsschluss in Frankfurt leicht im Minus, der Nasdaq Composite mit leichten Gewinnen. Geringe Unterstützung kam am Freitag von amerikanischen Konjunkturzahlen: Die Arbeitslosenquote blieb mit 4,7 Prozent konstant, die US-Wirtschaft schaffte im Oktober aber deutlich mehr neue Stellen als erwartet. Auch die Statistik der Industrieaufträge für Oktober fiel deutlich besser als erwartet aus.

Banken unter den Verlierern
Die Ungewissheit über die tatsächliche Auswirkungen der US-Finanzmarktkrise setzte die Dax-Banken am Freitag deutlich unter Druck. Die Aktie der Postbank gab drei Prozent ab, die Deutsche Bank verbilligte sich um 2,1 Prozent. Etwas besser schnitt das Commerzbank-Papier ab. Einem Pressebericht zufolge soll der Vorstand des Konzerns umgebaut werden, demnach soll Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller im Mai kommenden Jahres in den Aufsichtsrat wechseln. Die Aktie verlor 1,5 Prozent.

Russland vs. Lufthansa
Wegen des Streits um russische Überflugrechte kam die Lufthansa-Aktie unter Druck. Russland verlängerte am Freitag zwar die Überflugrechte für die Lufthansa-Frachttochter Cargo um zwei Wochen, offenbar sollen die Überflugrechte aber nur dann wieder längerfristig gewährt werden, wenn der Konzern sein Asiendrehkreuz von Kasachstan nach Krasnojarsk in Russland verlegt. Das sei kurzfristig aus organisatorischen Gründen gar nicht möglich, gab die Fluggesellschaft zu bedenken, die Aktie verlor 1,7 Prozent.

Gewinner im Dax
Tui verteuerte sich um 3,9 Prozent. Merrill Lynch hat die Gesellschaft mit "sehr attraktiv" bewertet, am Donnerstag hatte sich zudem Thomas Cook optimistisch für die kommende Saison geäußert. Ein Analystenurteil hob auch den Aktienkurs von RWE und Eon an. Goldman Sachs hat das Kursziel für beide Versorger angehoben, Eon verteuerte sich um 0,2 Prozent, RWE stieg um 0,7 Prozent.

Die Metro-Aktie kletterte um drei Prozent. Das Handelblatt berichtete, dass der im MDax notierte Einzelhandels- und Touristikkonzern Arcandor die Kaufhof-Kette von Metro übernehmen wolle. Der Verkauf sei Teil der "werterhöhenden Strategie", die der Großaktionär Haniel und der neue Metro-Chef Eckhard Cordes fordern. Die Aktie von Arcandor verlor übrigens ein Prozent.

Siemens-Papiere gewannen ein Prozent. Um höhere Renditeziele zu erreichen, will Siemens-Chef Peter Löscher offenbar Tausende Stellen streichen. Das schrieb die Financial Times Deutschland und berichtet, dass außerdem das mittlere Management "ausgedünnt" werden solle. Siemens kommentierte den Bericht nicht.

Noch weniger Vergütung?
Einige Solaraktien reagierten negativ auf einen Zeitungsbericht. Die Frankfurter Allgemeine Rundschau schrieb, dass die Bundesregierung die Vergütung für Solarstrom ab 2009 deutlich reduzieren wolle. Q-Cells-Aktien fielen darauf um drei Prozent, und auch die Solarfirma Ersol, die einen 230 Millionen teuren Lieferauftrag bekannt gab, verbilligte sich um 4,1 Prozent.

Suzlon übernimmt das Ruder
Der Windkraftanlagenhersteller Repower reagiert auf die neuen Besitzverhältnisse im Konzern und baut seinen Vorstand um. Der Suzlon-Manager Per Hornung wird ab Januar neuer Vorstandschef und löst damit Fritz Fahrenholt ab; dieser wechselt im Januar in den Aufsichtsrat des Unternehmens. Die Repower-Aktie verlor am Freitag 3,5 Prozent.

Douglas will's nur organisch
Nicht über Akquisitionen wachsen will das Kosmetikunternehmen Douglas. Henning Kreke, der Chef des im MDax notierten Konzerns, sagte, Douglos wolle eher in bestehende Märkte investieren und organisch wachsen als Geld in Übernahmen anzulegen. Die Aktie gab 0,6 Prozent ab.

MPC baut in Indien
Das Hamburger Emissionshaus will auf dem "Wachstumsmarkt" Indien Fuß fassen. Dort will MPC 3.500 Wohnungen finanzieren. Die Mittel von geschätzten 69 Millionen Euro will das Unternehmen bei Investoren einsammeln. Außerdem sollen weitere Asien-Fonds aufgelegt werden. Die Aktie im SDax legte um 0,3 Prozent zu.

HHLA-IPO sehr erfolgreich
Die Aktien des Hamburger Hafens (HHLA) gingen am Freitag mit einem Kurs von 55 Euro an die Börse und stiegen bis zum Ende des elektronischen Handels auf 62 Euro. Die Papiere waren zu 53 Euro und damit am oberen Ende der Zeichnungsspanne ausgegeben worden. Die Emission brachte dem Unternehmen damit brutto rund 123 Millionen Euro ein.

Unteres Ende der Spanne
Der Ölspezialist Global Oil & Gas hat seinen Emissionspreis auf 13,00 Euro und damit am unteren Ende der Preisspanne von 13 bis 17 Euro festgesetzt. Der Bruttoemissionserlös betrage damit rund 4,2 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Die Aktien von Gobal Oil & Gas werden ab Dienstag im Freiverkehr der Frankfurter Börse gehandelt.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr