Die Krise holt die Börse wieder ein

Stand: 14.05.2010, 20:01 Uhr

Der Freitag war ein Handelstag der eher unangenehmen Sorte. Seit dem frühen Morgen notierte der Dax im Minus. Bis zum Handelsende hin beschleunigte der Leitindex die Talfahrt. Am Ende verlor der Dax 3,1 Prozent. Die Wochenbilanz glänzt dennoch.

Trotz der herben Verluste, die der Dax am Freitag einfuhr, war die Handelswoche für die Anleger, die bis zum Ende dabeiblieben, erfolgreich. Der Dax legte von Montag Morgen bis Freitag Nachmittag 6,0 Prozent zu, von 5.715 auf 6.057 Punkte. Wer auf die Daimler-Aktie setzte, konnte sogar 13 Prozent einstreichen, Infineon verteuerte sich um rund 11 Prozent.

Dass die Handelswoche dennoch einen schalen Beigeschmack hinterließ, lag zum einen an dem 3,1-prozentigen Verlust vom Freitag, und an dem Auslöser für die Viertageshausse. Denn der so genannte "Rettungsschirm" für die schuldengeplagten Euroländer hatte zwar für den kurzen Aufwärtstrend an der Börse gesorgt, doch den Euro hat er nicht gestützt, und ob die Milliardenhilfen im Fall der Fälle jemals zurückgezahlt werden können, bezweifeln viele Marktbeobachter.

Am Aktienmarkt überwog am Freitag also die Skepsis, die Anleger trennten sich en gros von ihren Aktien und nahmen einige Gewinne mit. Selbst gute Konjunkturdaten aus den USA, wo sich die Wirtschaftserholung festigt, konnten dies nicht verhindern. Die amerikanische Industrie produzierte im April 0,8 Prozent mehr, der Einzelhandel verzeichnet ein Umsatzplus von 0,4 Prozent. Das Verbrauchervertrauen stieg, wenn auch etwas schwächer als gedacht, auf 73,3 Punkte.

Lieber investieren die Anleger in Inflationssicheres. Gold erreichte am Freitag, auch dank des tiefsten Eurostands seit 18 Monaten, einen Rekord von mehr als 1.000 Euro je Feinunze.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,32
Differenz relativ
+2,01%

Was im Dax am meisten verlor
Aus dem Dax schaffte es bis zum Handelsschluss keine einzige Aktie in den grünen Bereich. Vor allem die Industriepapiere und die Aktien von Banken und Versicherern verloren, bis zu fünf Prozent. Die Deutsche Bank verbilligte sich um 4,2 Prozent. Das Bank-Management muss sich in New York den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft stellen. Jene wirft dem Konzern und sieben weiteren Banken vor, Ratingagenturen über die Bewertung von Hypothekentitel im Unklaren gelassen zu haben. Aber auch die Aktien von Adidas, Salzgitter und Siemens, um nur ein paar zu nennen, gaben heftig nach.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,84
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+2,13%

Daimler will sich delisten
Der Daimler-Konzern will seine Börsennotierung in New York beenden. Man strebe das Delisting und die Deregistrierung an, teilte Daimler mit - übrigens genau drei Jahre nach der Ankündigung, Chrysler verkaufen zu wollen. Damit ziehe man die Konsequenz aus dem "veränderten Investorenverhalten und konstant niedrigem Handelsvolumen". In New York werden nach Angaben des Autobauers im Schnitt deutlich unter fünf Prozent des weltweiten Handelsvolumens bei Daimler-Aktien getätigt.

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
93,11
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+2,42%

EADS übertrifft Erwartungen
Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat wegen der Euroschwäche im ersten Quartal unter dem Strich weniger verdient. Dennoch übertraf die Firma die Analystenprognose, was die Commerzbank veranlasste, ihr Kursziel für EADS-Aktien zu erhöhen. EADS hofft zudem, von der Euroschwäche zu profitieren. Dies aber eher langfristig, kurzfristig sei der schwache Euro eher belastend. Die EADS-Aktie war die einzige aus dem MDax, die den Handelstag mit einem Gewinn beendete.

Hoffnung und Enttäuschung bei Solartiteln
SMA Solar und Roth & Rau aus dem TecDax legten am Freitag ihre Zahlen vor. Bei Roth & Rau gind der Umsatz im ersten Quartal noch zurück, und die Firma machte auch einen Verlust von 600.000 Euro, erstaunlich gut war jedoch der auf 55,9 Millionen Euro gestiegene Auftragseingang. Die Bilanz von SMA Solar las sich, mit einem verzwölffachten Gewinn, nur auf dem ersten Blick hervorragend. Im zweiten Quartal wird SMA jedoch, wegen Lieferengpässen, nicht alle Aufträge erfüllen können. Dies sei "sehr enttäuschend", finden Analysten.

Die geplante Kürzung bei der Solarförderung hatte zu Jahresbeginn auch bei der Solar-Fabrik eine wahre Auftragsflut ausgelöst. Die Firma machte einen Gewinn von 2,5 Millionen Euro im ersten Quartal, die Erlöse stiegen um die Hälfte. Die Aktie aus dem Prime Standard legte zu.

Zahlen aus dem SDax
Aus dem SDax legten Homag und MMV Energie ihre Quartalsberichte vor. Der Maschinenbauer Homag meldete einen Gewinn von 1,3 Millionen Euro, nach einem Verlust von 11,2 Millionen vor einem Jahr. Der Umsatz legte um knapp 40 Prozent zu. Die Aktie drehte nach Auftaktgewinnen jedoch ins Minus. Der Versorger MVV Energie profitierte im zweiten Geschäftsquartal von der Erholung der Nachfrage bei Geschäftskunden, die Firma steigerte Umsatz und Ergebnis. Die Aktie schloss etwas fester.

Borussia Dortmund weitet Verluste aus
Der Fußballclub Borussia Dortmund hat das dritte Geschäftsquartal abermals mit einem Verlust beendet. Der Verlust betrug nach Angaben der Geschäftsleitung 2,6 Millionen Euro, nach einem Verlust von 1,8 Millionen Euro vor einem Jahr. Auch die Umsätze waren - sie erreichten 24,3 Millionen Euro - rückläufig. Die Aktie verlor fast drei Prozent.

Kleine Bilanzen
Außerhalb der Indizes legten eine Reihe kleinerer Firmen ihre Quartalszahlen vor. Der Maschinenbauer SMT Scharf verzeichnete einen erheblichen Umsatzeinbruch, beim Ebit gelang der Firma ein deutlicher Anstieg auf 1,4 Millionen Euro im Quartal. Der Schlachthofbetreiber Moksel meldete Viermonatszahlen, wonach die Umsätze um drei Prozent auf 529 Millionen Euro und das Vorsteuerergebnis im "erwarteten, leicht positiven" Bereich lag.

Das kleine Softwareunternehmen SoftM Software und Beratung meldete, dass sich der Ebitda-Verlust etwas auf 300.000 Euro verbessert habe, der Umsatz aber deutlich auf 8,8 Millionen Euro zurück gegangen sei. Die Unternehmensholding 3U hat ihr Ergebnis in den ersten drei Monaten auf 663.000 Euro verbessert. Der Umsatz schrumpfte wegen des Rückgangs im Segment Festnetztelefonie deutlich auf 21 Millionen Euro.

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.