Die Korrektur hat begonnen

Angela Göpfert

Stand: 28.07.2009, 20:02 Uhr

Herbe Kursverluste bei der Deutschen Bank und ein trübes Konsumklima in den USA haben den Optimisten am deutschen Aktienmarkt eine kalte Dusche verpasst. Nur eine "ganz normale" Konsolidierung nach den heftigen Kursgewinnen der vergangenen Wochen, versuchen Händler zu beruhigen.

Tatsächlich hatte der Dax am Montag mit 5.309 Punkten den höchsten Stand seit Oktober vorigen Jahres erklommen. Kein Wunder also, dass es irgendwann zu Gewinnmitnahmen kommen musste. Am Dienstag war es dann soweit: Der deutsche Leitindex verlor im Xetra-Handel 1,5 Prozent auf 5.174 Punkte. Den späten Parketthandel beendete er bei 5.186 Punkten.

Skeptisch stimmte charttechnisch orientierte Analysten indes, dass der Dax die Widerstandszone bei 5.300 Punkten erneut nicht überwinden konnte. Damit ist er bereits dreimal an dieser Marke gescheitert.

Hauspreise hoch, Vertrauen runter
Dabei gab es heute durchaus auch positive Konjunktursignale: So legte der S&P/Case-Shiller-Hauspreisindex für die 20 größten US-Ballungsräume im Mai zum ersten Mal seit dem Sommer 2006 im Vormonatsvergleich wieder zu. Der dramatische Absturz der Hauspreise in den USA gilt als eine der wichtigsten Ursachen für die Wirtschaftskrise.

Doch Anleger schauten am Dienstag vielmehr auf den Index des US-Verbrauchervertrauens: In den USA hatte sich die Stimmung der Verbraucher im Juli unerwartet stark eingetrübt auf 46,6 Punkte. Damit verschlechterte sich das Verbrauchervertrauen bereits den zweiten Monat in Folge, vor allem die schwierige Lage auf dem Arbeitsmarkt bereitete den US-Bürgern Sorgen.

Öl-Spekulanten im Visier der CFTC
Die Enttäuschung darüber war an allen Märkten zu spüren: Zu Parkettschluss notierten die New Yorker Börsen im Minus. Am Devisenmarkt litt der Euro unter der gestiegenen Risikoaversion der Anleger, er rutschte ab auf unter 1,42 Dollar. Der Dollar-Anstieg lastete auf dem Goldpreis: Er sank von 955 auf 939 Dollar je Feinunze. Der Ölpreis stoppte seine seit neun Tagen dauernde Klettertour und fiel wieder unter die Marke von 67 Dollar.

Für die jüngsten Kapriolen beim Ölpreis sollen übrigens Spekulanten verantwortlich sein. Das glaubt zumindest die US-Aufsichtsbehörde CFTC. Sie hat am Dienstag härtere Kontrollen der Rohstoffmärkte angekündigt. Dabei müssten auch strikte Obergrenzen für die Wetten auf Preisentwicklung ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Anders als bei Agrarprodukten setzt die CFTC bei Energierohstoffen bislang keine Spekulationsgrenzen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
-0,12%

Deutsche Bank verscherbelt Tafelsilber
Im Dax war die Deutsche-Bank-Aktie der mit Abstand größte Verlierer, sie verlor 11,4 Prozent. Das Institut hatte am Morgen Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt. Analysten kritisierten vor allem die stark gestiegene Risikovorsorge und die hohen Kosten des Instituts.

Selbst der eingefahrene Milliardengewinn bot Anlass zu Kritik: So sprach JP Morgan von "verwirrenden Ergebnissen mit zu vielen Sondereffekten". Tatsächlich war der Milliardengewinn des Branchenprimus' auch auf den massiven Verkauf von Industriebeteiligungen zurückzuführen.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,40
Differenz relativ
-0,19%

Bankaktien europaweit unter Druck
Europaweit gehörten Bankenwerte nach dem Zwischenbericht des Branchenprimus Deutsche Bank zu den größten Verlierern. Der europäische Branchenindex fiel um 1,6 Prozent. Aktien von BNP Paribas, Unicredit und UBS notierten jeweils zwischen fünf und drei Prozent im Minus. Lediglich Commerzbank-Titel gewannen gegen den Trend 2,5 Prozent auf 5,48 Euro.

"Nach den guten Berichten der großen US-Banken waren die Zahlen der Deutschen Bank eine kalte Dusche", kommentierte ein Händler.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,16
Differenz relativ
-0,16%
Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
119,00
Differenz relativ
+0,46%

Die Leidensliste war lang
Dabei war die Deutsche Bank nicht das einzige Dax-Schwergewicht, das heute ein dickes Minus verbuchen musste. Auch die Kursverluste bei Daimler und der Deutschen Börse wogen schwer. Der Autokonzern legt am Mittwoch seine mit Spannung erwarteten Quartalszahlen vor. Die Aktie der Deutschen Börse litt dagegen unter einer Herabstufung der Unicredit von "Buy" auf "Hold". Titel des Börsenbetreibers hätten keinen signifikanten Aufwärtsspielraum mehr, meinten die Analysten.

Auch Zykliker wie Aktien des Salz- und Düngemittelherstellers K+S sowie Papiere der Stahlkonzerne Salzgitter und ThyssenKrupp fuhren erhebliche Verluste ein.

Gefragt: defensive Titel
Gefragt waren dagegen in ganz Europa defensive Werte. Im Dax war die Merck-Aktie mit einem Aufschlag von 2,2 Prozent zweitgrößter Gewinner. Die schwer gewichtete Aktie der Deutschen Telekom legte 0,7 Prozent zu.

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
107,72
Differenz relativ
+0,34%

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,57
Differenz relativ
0,00%

VW-Chef: "keine Kapitalerhöhung"
Zu den Gewinnern im Dax gehörte zeitweise auch die VW-Stammaktie. Jenseits der Auswahlindizes konnten VW-Vorzüge ihr Kursminus im Laufe des Tages immerhin begrenzen. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hatte belastende Spekulationen zurückgewiesen: "Momentan braucht Volkswagen keine Kapitalerhöhung", sagte er laut einer Vorabmeldung der "Bild"-Zeitung vom Dienstagnachmittag.

Pfeiffer Vacuum trotzt Analystenschelte
Trotz durchwachsener Quartalszahlen gewann die Pfeiffer-Vacuum-Aktie im TecDax 2,1 Prozent. "Da hatten einige Anleger offenbar noch schlechtere Zahlen befürchtet", sagte ein Händler. Unterdessen bezeichneten Analysten von Kepler und DZ Bank die Zwischenbilanz übereinstimmend als enttäuschend. Sie monierten vor allem die schwache Entwicklung der Margen.

Wacker Neuson top ...
Mehr Gehör fanden Analysten heute im SDax: Papiere des Spezialtiefbau-Konzerns Wacker Neuson kletterten nach einer Kaufempfehlung der DZ Bank um 2,9 Prozent an die SDax-Spitze. Die Experten der DZ Bank rechnen für das zweite Quartal mit einer "drastischen Margenverbesserung".

... Grenkeleasing flop
Dagegen gehört die Grenkeleasing-Aktie mit einem Minus von 3,9 Prozent zu den größten Verlierern im SDax - und das ganz selbstverschuldet: Der IT-Vermieter lag mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal unter den Erwartungen. Zudem senkte das Unternehmen seine Prognose für das Gesamtjahr.

OVB-Schock am Abend
Kurz vor Parkettschluss schockte die im SDax notierte OVB Holding Anleger mit einer Gewinnwarnung: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll sich 2009 nur noch auf 10 Millionen Euro belaufen. Ursprünglich hatte OVB ein Ebit von 29 Millionen Euro avisiert. Erst vor einer Woche hatte der Konzern mit der Meldung aufgeschreckt, er habe seinen jahrelangen Vorstandschef Michael Frahnert vor die Tür gesetzt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen