Marktbericht 20:15 Uhr

Dax legt deutlich zu Die Investoren warten ungeduldig auf die EZB

Stand: 25.11.2015, 20:15 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt hat sich nach dem schwachen Vortag wieder eindrucksvoll zurückgemeldet. Wie immer, wenn neue geldpolitische Fantasie in den Markt kommt, haben die Bullen leichtes Spiel. Auch heute war das nicht anders.

Der Dax bleibt trotzt Terrorangst, politischen Krisen und der bevorstehenden Zinserhöhung in Amerika weiterhin auf seinem hohem Niveau. Zur Wochenmitte legte das führende deutsche Börsenbarometer 2,15 Prozent auf 11.169 Punkte zu und machte damit die Vortagesverluste mehr als wett. Der Index steht damit so hoch, wie seit über drei Monaten nicht mehr.

Im Tageshoch stand er bei 11.186 Punkten, das Tagestief lag bei 10.921 Punkten. Unter den Indizes der Deutschen Börse war der Leitindex Dax damit der erfolgreichste. Der MDax gewann 1,53, der TecDax 1,39 und der SDax 1,16 Prozent hinzu. Politik spielte heute, anders als gestern, keine Rolle. Dies, obwohl die heftigen Wortgefechte zwischen der Türkei und Russland nach dem Abschuss einer russischen Militärmaschine durch die Türken weiter gingen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.341,00
Differenz relativ
-0,11%
MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23.700,89
Differenz relativ
-0,24%
TecDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.569,53
Differenz relativ
-0,08%

Alles wartet auf die EZB

Die Anleger setzten vielmehr auf neue geldpolitische Erleichterungen der EZB, nachdem diese insbesondere ihr Inflationsziel von zwei Prozent bisher weit verfehlt hat. Gegen diese Fantasie ist, wie die Vergangenheit bereits oft gezeigt hat, kein Kraut gewachsen. Im Dax gab es zudem keine Verlierer, alle 30 Aktien legten zu.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

"Insbesondere die Aussicht auf eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik hat dem Dax neuen Schwung gegeben, auch wenn die Frage bleibt, ob der Sprung über 11 100 Punkte nachhaltig ist", sagte Händler Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner.

Neue Übernahmefantasie bei K+S

Tagessieger war mit großem Abstand die K+S-Aktie. Das Papier legte kräftig um 7,67 Prozent zu. Aktienhändlern zufolge berichtete der "Platow Brief" von einem möglichen zweiten Übernahmeversuch durch den kanadischen Wettbewerber Potash im Frühling 2016. Anfang Oktober hatte der kanadische Kali-Hersteller nach rund dreimonatigem Werben den Übernahmeversuch des deutschen Konkurrenten abgeblasen.

Gefragt waren auch Allianz, die als zweitbester ins Ziel gingen und 3,86 Prozent auf 168 Euro zulegten. Der Markt reagierte positiv auf die neuen Strategiepläne des Konzerns vom Vortag. Analyst James Shuck von der UBS bestätigte seine Kaufempfehlung und sein Kursziel von 181 Euro. Er bezeichnete die neuen mittelfristigen Gewinnziele als vielversprechend. Auch Münchener Rück zogen im Sog der Allianz an.

Dow nur leicht im Plus

Bei weitem nicht so stürmisch geht es derzeit an der Wall Street zu. Der Leitindex Dow Jones liegt bei ruhigem geschäft nur leicht im Plus. Hauptgesprächsthema sind eine ganze Reihe von Konjunkturzahlen, die schon heute wegen des morgigen Thanksgiving-Feiertages (Erntedank), dem traditionellen Familienfest in Amerika, veröffentlicht wurden. Der Markt bleibt morgen geschlossen.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.414,77
Differenz relativ
+0,52%

Die Daten deuten darauf hin, dass es wie erwartet im Dezember zu einer ersten Zinserhöhung durch die Fed kommen dürfte. Zwar stagnierte die Inflation im Oktober, die Auftragsdaten für die Industrie, die Konsumausgaben und das Konsumentenvertrauen sowie neue Daten vom Hausmarkt zeigten sich allesamt robust. Ebenso wie die wöchentlichen Zahlen vom Arbeitsmarkt, die bei 260.000 Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe besser lagen als erwartet. Die Erwartungen auf eine Zinswende im Dezember dürften sich verfestigen, kommentierte Viola Julien von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Euro zwischenzeitlich unter 1,06 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1416
Differenz relativ
+0,81%

Anders als die Aktien leidet die Gemeinschaftswährung derzeit unter der Erwartung, dass die EZB eine spürbare Lockerung der Geldpolitik bekannt geben wird. Nach einer tendenziellen Erholung seit Wochenbeginn fiel der Euro zunächst weiter zurück und rutschte unter die Marke von 1,06 Dollar. Gegen Handelsende erholte er sich wieder etwas.

VW arbeitet die Abgaskrise ab

Das hört sich alles ganz einfach an. Um die vom Abgasskandal betroffenen diversen Diesel-Motoren wieder gesetzeskonform auszurichten, genügt in den meisten Fällen neben einer Aktualisierung der Software der Einbau eines zusätzlichen Bauteils, das etwa zehn Euro kostet.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
Differenz relativ
-2,52%

Betroffen sind die beiden Dieselaggregate mit 1,6 und 2,0 Liter Hubraum, die bei drei beziehungsweise 5,2 Millionen Fahrzeugen eingebaut sind. Für den 1,2-Liter-Motor (ca. 300.000 betroffene Fahrzeuge) sind die Vorschläge noch nicht fertig. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat die Eingriffe für die beiden größeren Motoren bereits genehmigt. Die VW-Aktie profitiert schon seit Tagen von der Aussicht darauf, dass der Konzern womöglich billiger wegkommt als befürchtet. Sie war auch heute gefragt und gehörten zu den stärksten Dax-Gewinnern. Trotzdem will VW-Chef Müller die Rückstellungen in Höhe von 6,7 Milliarden Euro vorerst beibehalten.

Lufthansa: Streik abgesagt

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,15
Differenz relativ
+0,30%

Die Lufthansa-Aktie stieg mit dem Markt. Das Papier profitierte davon, dass die Flugbegleitergewerkschaft Ufo den für Donnerstag und Freitag geplanten Streik des Kabinenpersonals abgesagt hat. Das teilte Ufo am Mittwoch in Frankfurt mit.

Deutsche Bank streicht jeden vierten Job in Privatkundensparte

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,60
Differenz relativ
-0,05%

Die Aktie der Deutschen Bank stand ebenfalls im Blick der Anleger, nachdem das Haus den angekündigten Stellenabbau konkretisiert hat. Laut einem Medienbericht trifft der Abbau vor allem das Privat- und Firmenkundengeschäft. Jede vierte Stelle soll dabei den Einschnitten zum Opfer fallen.

Deutsche Wohnen will Vonovia eine "Giftpille" verabreichen

Nach Informationen von Insidern steht die Deutsche Wohnen unmittelbar vor dem Kauf eines Wohnungspaketes von rund 14.000 Wohnungen von der Augsburger Patrizia. Das in Fachkreisen als "Obligo" bekannte Patrizia-Portfolio wird mit rund einer Milliarde Euro bewertet. Es würde als Giftpille für den Konkurrenten Vonovia wirken, der die Deutsche Wohnen für 14 Milliarden Euro feindlich übernehmen will. Die Mega-Übernahme könnte nun scheitern. In einem freundlichen Gesamtmarktumfeld legen alle Immobilien-Aktien zu. Vonovia und Patrizia gehörten im Dax beziehungsweise im SDax zu den größten Gewinnern.

Metro lockt mit höherer Dividende

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
4,10
Differenz relativ
+0,47%

Im MDax war die Metro-Aktie ganz vorne. Der Handelskonzern will mehr Geld an seine Anteilseigner ausschütten. Für das Geschäftsjahr 2014/15 sollen die Aktionäre je Stammaktie einen Euro bekommen. Zuletzt waren es 90 Cent je Stammaktie gewesen. Künftig sollen 45 bis 55 Prozent des Ergebnisses je Aktie vor Sonderfaktoren ausgeschüttet werden, bisher lag die Bandbreite bei 40 bis 50 Prozent.

MTU setzt ganz auf das Wartungsgeschäft

Der Triebwerksbauer aus dem MDax erwartet für das kommende Jahr nur noch im Wartungs- und Ersatzteilgeschäft Wachstum. Beim Neuverkauf erwartet Firmenchef Reiner Winkler hingegen nur eine Stagnation. Er äußerte sich auf dem Kapitalmarkttag des Unternehmens in London. Für das laufende Jahr bestätigte Winkler die Prognose. Danach soll der Umsatz von 3,9 auf 4,6 Milliarden Euro steigen und das operative Ergebnis bei etwa 430 Millionen Euro liegen. Eine konkrete Prognose für 2016 soll es im Februar geben.

Krones will die Kosten senken

Der Hersteller von Getränkeabfüllautomaten aus dem MDax will die internen Kosten senken und Teile der Prozesstechnik auslagern. Insgesamt 164 Stellen in Deutschland sind betroffen, es soll aber keine Entlassungen geben. Die Jahresprognose bleibt unverändert. So soll die Ergebnismarge vor Steuern bei sieben Prozent liegen. Die Aktie legt leicht zu und steht damit weiter in der Nähe des Rekordhochs aus der vergangenen Woche, das bei 116,15 Euro erreicht worden war.

Stoxx 600: Zalando rein, Leoni raus

Verfrühtes Weihnachtsgeschenk für Zalando: Der Online-Modehändler zieht zum 21. Dezember in den Stoxx 600 ein. Dafür müsse der Autozulieferer Leoni seinen Platz räumen, teilte der Index-Anbieter Stoxx mit. Die Zalando-Aktie hat in der Zwölf-Monats-Perspektive 49 Prozent hinzugewonnen. Dagegen war die Leoni-Aktie im gleichen Zeitraum um 26 Prozent eingebrochen. Zalando legten im MDax kräftig über vier Prozent zu und waren damit zweitbester Wert.

CTS verdient gut

Der Ticketvermarkter CTS Eventim verdient weiter gut am Geschäft mit Online-Eintrittskarten. Der Umsatz in den ersten neun Monaten kletterte binnen Jahresfrist um knapp ein Viertel auf 577,5 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Das Betriebsergebnis (Ebitda) stieg um knapp ein Fünftel auf 106,9 Millionen Euro. Im Ausblick äußerte sich das Münchener Unternehmen aus dem MDax zuversichtlich.

Syngenta setzt auf DuPont

Der Schweizer Agrarchemiekonzern will bei der Neuordnung der Branche ein aktive Rolle spielen und entweder die Nummer eins oder zwei der Branche werden. Dies erklärte der Chef des Verwaltungsrates, Michel Demare, am Mittwoch.

Dabei scheint das Syngenta-Management den amerikanischen Chemiekonzern DuPont besonders im Auge zu haben. Finanzchef John Ramsey betonte, dass man mit keinem Konzern in der Vergangenheit so eng zusammengearbeitet habe wie mit DuPont. Einer Zusammenarbeit mit den beiden deutschen Konzernen BASF und Bayer erteilte der Konzern hingegen eine Absage. Die Branche steht angesichts fallender Getreidepreise sowie schwächeren Geschäften in Lateinamerika unter Druck.

Swatch kooperiert mit Visa bei Uhr mit Bezahlfunktion

Der Schweizer Uhrenkonzern Swatch will mit dem US-Kreditkartenanbieter Visa bei der Entwicklung einer Uhr mit Bezahlfunktion zusammenarbeiten. Ein Swatch-Sprecher bestätigte am Dienstag einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Le Temps". Swatch schließt sich damit anderen Schweizer Uhrenherstellern an, die in den Markt der Uhren mit Zusatzfunktionen vorstoßen wollen.

HP verprellt erneut die Anleger

Der Computer-Konzern Hewlett-Packard hat das letzte Quartal vor der Aufspaltung in zwei Unternehmen wenig erfreulich abgeschlossen. Die Erlöse sanken um 6,4 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar, wie HP nach US-Börsenschluss am Dienstag mitteilte. Der Gewinn in dem Ende Oktober abgeschlossenen vierten Geschäftsquartal lag mit 1,3 Milliarden Dollar knapp unter dem Vorjahreswert.

John Deere schwächelt

Der amerikanische Traktorenbauer leidet unter der schwierigen Weltmarktlage für Agrarmaschinen. Im Geschäftsjahr 2014/15 (per 31.10.) sank der Umsatz um 20 Prozent auf knapp 29 Milliarden Dollar. Dies teilte der Konzern am Mittwoch in seiner Deutschland-Zentrale in Mannheim mit. Der Gewinn brach um fast 40 Prozent auf 1,94 Milliarden Dollar ein. In Deutschland lag der Umsatz bei rund 3,2 Milliarden Euro, ein Rückgang um sechs Prozent. An der New Yorker Börse legt die im S&P-500-Index enthaltene Aktie derzeit trotzdem zu, offensichtlich war noch Schlimmeres erwartet worden.

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Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"