Die Inflation rettete den Tag

Stand: 13.06.2008, 20:01 Uhr

Amerikanische Inflationszahlen haben am Freitag die Anleger besänftigt. Nach schwachem Start folgte der Dax am Nachmittag dem starken Dow und schloss im Plus. Die Wochenbilanz, allerdings, bleibt unerfreulich.

Es war eine durchwachsene Woche. Der stark schwankende Ölpreis, ein neues Milliardenloch bei den Lehman Brothers, Anlässe für Aktienverkäufe gab es in der vergangenen Woche genug. Der Dax fiel zwischenzeitlich auf 6.635 Punkte, am Freitag blieb eine Wochenbilanz von minus 0,6 Prozent.

Auch der Freitag fing mit Verlusten an. Am Nachmittag allerdings folgte der deutsche Aktienmarkt den amerikanischen Börsen ins Plus und schloss mit einem Tagesplus von 0,8 Prozent bei 6.765 Punkten.

Positiv aufgenommene Verbraucherpreisdaten sorgten für die Kursgewinne: Die amerikanischen Verbraucherpreise stiegen im Vorjahresvergleich um 2,3 Prozent, im Monatsvergleich legten sie um 0,2 Prozent zu. Damit stiegen die Preise zwar so stark wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Doch die Kernrate blieb erfreulich moderat, was die Inflationssorgen der Anleger dämpfte.

Die Statistik zum amerikanischen Verbrauchervertrauen hatte keine Auswirkung auf die Märkte. Der Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan fiel im Juni auf 56,7 Punkte und lag damit deutlich unter den erwarteten 59,5 Punkten.

Der Ölpreis verhielt sich am Freitag unauffällig, er blieb unter seinen Höchstständen von vergangener Woche. Der Euro verbilligte sich, nachdem bekannt wurde, dass die Iren den EU-Vertrag von Lissabon abgelehnt hatten. Auch diese Nachrichten wirkten am Freitag Nachmittag stützend auf den Aktienmarkt.

Bankenspekulationen
Sehr kräftige Kursgewinne verzeichneten im Dax die Aktien der Commerzbank und der Allianz. Nach Medienspekulationen ist die Commerzbank intensiv an der Übernahme der Allianz-Tochter Dresdner Bank interessiert, was die Aktien beider Unternehmen beflügelte. Die Commerzbank-Aktie legte um 5,9 Prozent zu, Allianz-Papiere verteuerten sich um 4,1 Prozent.

Daimler & Co. verkaufen weniger Autos
Die Autowerte schnitten schlechter als der Durchschnitt ab. Laut der neuesten Absatzstatistik des Verbandes der Europäischen Automobilhersteller verkauften alle deutschen Hersteller im Mai weniger Autos in Europa als vor einem Jahr, Daimler führt die Negativliste mit einem Absatzminus von 13,2 Prozent an. Bei BMW belastet zudem eine Analysteneinschätzung. Goldman Sachs stufte die Aktien des Autokonzerns von "Buy" auf "Neutral" herab und strich die Aktie von der "Pan Europe Buy List". BMW-Aktien verloren 0,3 Prozent.

BASF hebt die Preise an
Der Chemiekonzern BASF will wegen des hohen Ölpreises die Preise anheben. Bei einigen Produkten sollen die Preise um bis zu ein Fünftel steigen. Alleine im Öl- und Gasgeschäft von BASF machten zehn Dollar Unterschied beim Ölpreis 900 Millionen Euro Umsatz und beim Ergebnis 70 Millionen Euro nach Steuern aus, sagte BASF-Chef Jürgen Hambrecht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. BASF werde auch seine Prognose für den Ölpreis und den Dollarkurs überprüfen, sagte Hambrecht weiter. BASF-Aktien schlossen 0,7 Prozent fester.

Stahlproduktion stagniert
2,5 Prozent verlor die Aktie des Stahlkonzerns ThyssenKrupp. Der Branchenverband erwartet, dass die Stahlproduktion in Deutschland in diesem und im kommenden Jahr stagnieren werde. Händler begründeten die Kursverluste bei Thyssen auch mit Gewinnmitnahmen. Die Stahlaktie von Salzgitter, im MDax notiert, verlor 1,5 Prozent.

EU genehmigt Scania-Übernahme
Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme des schwedischen Lkw- und Busherstellers Scania durch Volkswagen genehmigt. Die Untersuchung der Kommission habe ergeben, dass es durch die Übernahme nicht zu Überschneidungen bei dem jeweiligen Kerngeschäft der Unternehmen kommen werde, erklärte die Behörde nach Börsenschluss in Frankfurt. Volkswagen stelle vorwiegend Pkw und leichte Nutzfahrzeuge her, ein Marktsegment in dem Scania nicht aktiv sei. Die Minderheitsbeteiligung von VW an dem Lkw- und Bushersteller MAN werde sich daher nicht nachteilig auf den Wettbewerb auswirken. Volkswagen-Papiere schlossen fast unverändert.

Porsche im DAX International
Der Autokonzern Porsche und die Deutsche Börse haben ihren vier Jahre andauernden Streit über Quartalsberichte und Indexzugehörigkeit beendet. Die Deutsche Börse hatte Porsche 2001 aus dem MDax genommen und dies mit der Weigerung des Unternehmens, Quartalsberichte zu veröffentlichen, begründet. Porsche hatte dagegen geklagt. Jetzt einigten sich die beiden Kontrahenten: Porsche wird in den neuen Index Dax International aufgenommen, wird aber weiterhin keine Quartalsberichte veröffentlichen.

EADS und der Tankerstreit
Im Streit über die Vergabe eines 35 Milliarden Dollar schweren Tankflugzeug-Auftrags an EADS und Northrop Grumman hat die US-Luftwaffe Fehlberechnungen eingeräumt. Die Fehler stellten die Gründlichkeit und Glaubwürdigkeit der gesamten Auftragsvergabe in Frage, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, der Auftrag sei daher gefährdet. EADS hat nach eigenen Angaben keine dementsprechenden Informationen. Das glauben die Anleger aufs Wort: Die EADS-Aktie stieg um 3,2 Prozent.

Drillisch kauft eigene Aktien
Das Telekomunternehmen will eigene Aktien im Volumen von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals zurückkaufen. Ob Drillisch die Mittel, die zuvor für den gescheiterten Freenet-Kauf gedacht waren, nun zum Aktienrückkauf verwenden wolle, teilte das Unternehmen nicht mit. Die Aktie profitierte von der Ankündigung und stieg um zwei Prozent.

Solar Millennium braucht 40 Millionen
Das Solarunternehmen Solar Millennium will eine Unternehmensanleihe mit einem Gesamtvolumen von 40 Millionen Euro ausgeben. Mit dem Emissionserlös will die Firma Kraftwerkskomponenten mit langen Lieferzeiten vorzufinanzieren. Angaben zum Zeitpunkt der Emission machte Solar Millennium nicht. Die Aktie gewann 0,3 Prozent.

UBS bekommt zehn Milliarden
Die Schweizer Großbank UBS hat ihre Kapitalerhöhung von knapp 16 Milliarden Franken (fast zehn Milliarden Euro) fast vollständig platziert. Von den rund 760 Millionen zur Zeichnung angebotenen neuen Aktien brachte die UBS 99,4 Prozent bei den Anlegern direkt unter.

Hoch und runtergestuft
Das Papier des Industriekonzerns Siemens gewann drei Prozent. Goldman Sachs setzte die Aktie auf ihre "Conviction Buy List". Der Kurs hätte sich seit der Gewinnwarnung des Konzerns im März weit schlechter als die der Wettbewerber entwickelt, ohne dass die seither erzielten Fortschritte innerhalb des Konzerns berücksichtigt worden seien, hieß es zur Begründung.

Im TecDax verloren die Aktien des Telekomunternehmens QSC 0,9 Prozent, nachdem Goldman Sachs das Kursziel auf 2,97 Euro gesenkt hat.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"