Die Hoffnungskäufe gehen weiter

Stand: 24.08.2009, 20:01 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Montag ein weiteres Mal von seiner freundlichen Seite gezeigt. Die Hoffnung auf eine Erholung der Wirtschaft trieb den Leitindex über 5.500 Punkte, zum ersten Mal seit zehn Monaten.

Mit der europäischen Industrie scheint es nachhaltig nach oben zu gehen. Die monatlich festgestellten Industrieaufträge stiegen in der EU im Juli um 3,1 Prozent und damit stärker als erwartet. Damit unterbietet die Orderstatistik ihren Vorjahreswert immer noch um gut ein Viertel. Aber die Wirtschaftskrise scheint ihren Tiefpunkt überwunden zu haben, urteilen Volkswirte.

Dass der Dax im elektronischen Handel dann souverän die 5.500 Punktemarke überwand und ein Prozent höher bei 5.520 Zählern schloss, hatte der Leitindex dann wieder der Wall Street zu verdanken. Dort begannen die wichtigsten Indizes ihren Montagshandel ebenfalls mit Kursgewinnen. Im späteren Handel schrumpften die Zuwächse indes zusammen, der L-Dax schloss bei 5.489 Punkten.

MAN an der Spitze, VW am Ende
Ohne kursbewegende Nachrichten setzte sich die MAN-Aktie mit einem Plus von 5,2 Prozent an die Dax-Spitze. Händler verwiesen hier auf die anziehenden Industrieaufträge und charttechnische Gründe. Die meisten Industrieaktien schnitten überdurchschnittlich ab, Autoaktien allerdings widersetzten sich dem positiven Trend. Die VW-Aktie setzte den starken Abwärtstrend fort und verlor 1,9 Prozent. Auch BMW- und Daimler-Aktien befanden sich am Montag unter den Verlierern.

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
190,30
Differenz relativ
-0,78%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,56
Differenz relativ
-0,44%

Versicherer und Banken legen zu
Bank- und Finanzaktien gewannen am Montag überdurchschnittlich. Allianz- und Münchener Rückpapiere legten deutlich zu, Deutsche Bank-Aktien gewannen 3,1 Prozent. Die Kurserholung erklärten sich Händler damit, dass auch die Banken von der erwarteten Konjunkturerholung profitieren dürften.

BASF facht Übernahmefantasie an
BASF-Aktien stiegen am Montag um 1,6 Prozent. Konzerndirektor Jürgen Hambrecht hatte am Wochenende in einem Zeitungsinterview gesagt, seine Firma habe einen "Abwehrplan" entwickelt, um mögliche feindliche Übernahmen abzuwehren. Wegen gestiegener Rohstoffpreise hat BASF zudem die Preise für wichtige Chemikalien angehoben.

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
88,95
Differenz relativ
-3,00%

SAPs neue Softwareprobleme
Die SAP-Aktie gewann 0,7 Prozent und blieb damit unter dem Marktdurchschnitt. Der Softwarekonzern will noch in der zweiten Jahreshälfte seine neue Software "Business by Design" auf den Markt bringen. Doch angeblich trifft das Produkt nicht auf die erhoffte Resonanz, SAP habe bisher weniger Kunden gewinnen können als geplant. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin "Euro am Sonntag".

Will die Börse zukaufen?
Ohne großen Kurseffekt blieb die Meldung, dass die Deutsche Börse in den USA hinzukaufen könnte. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" ist der Frankfurter Börsenbetreiber offenbar an 33 Prozent des Index-Geschäftes des Dow Jones interessiert, schreibt die Zeitung. Die Börse kommentierte die Nachricht nicht.

Pfleiderer macht weiter Verluste
Der Holzverarbeiter Pfleiderer hat das zweite Quartal mit einem geringer als erwarteten Verlust von 2,9 Millionen Euro abgeschlossen. Enttäuscht waren Aktionäre aber von der Aussage, dass Pfleiderer wegen der immer schlechter werdenden Geschäftslage seine Kreditvereinbarungen mit den Banken nicht einhalten konnte. Immerhin haben die Banken aber, wie Konzernchef Hans Overdiek erklärte, noch eine Fristverlängerung von zwei Monaten eingeräumt, binnen derer weiterverhandelt werden kann. Die Aktie machte daraufhin einen Großteil ihrer Verlaufsverluste wett.

Postbank plant Gewinne für 2010
Die Aktie der Postbank legt ein wenig zu. Postbank-Chef Jürgen Jütte hatte der "Börsenzeitung" gesagt, dass das operative Geschäft der Bank derzeit gut laufe. Bis spätestens Ende nächsten Jahres soll die Bank wieder "ein deutlich schwarzes Ergebnis" erreichen wolle. "Womöglich schaffen wir es auch schon zur Jahresmitte", so Jütte. Die ersten beiden Quartale dieses Jahres hatte die Postbank noch mit Verlusten abgeschlossen.

Arcandor verliert mehr als 20 Prozent
Im MDax sackt die Aktie des bankrotten Kaufhaus-Konzerns Arcandor um ein Fünftel nach unten. Hier belastet vor allem die Einschätzung des Insolvenzverwalters, wonach das Unternehmen "keinen Restwert" mehr habe. Die Analysten von Cheuvreux haben zudem das Kursziel auf 0,01 Euro gesenkt.

IKB-Aktie legt heftig zu
Um mehr als ein Drittel legte die Aktie der staatlich gestützten Mittelstandsbank IKB im elektronischen Handel zu. Auf dem Parkett stieg der Kurs dann noch um mehr als 60 Prozent. Die Bank hat im ersten Geschäftsquartal, nach einem Verlust von einer halben Milliarde Euro vor einem Jahr, wieder leichte Gewinne gemacht. Der Nettogewinn lag in den Monaten April bis Juni 2009 bei 20 Millionen Euro. Der Zinsüberschuss ging von 67 auf 52 Millionen Euro zurück. Die Risikovorsorge musste die Bank von 38 auf 64 Millionen Euro aufstocken.

Procter&Gamble verkauft Pharmasparte
Der weltgrößte Konsumgüterkonzern Procter&Gamble hat seine Arzneimittelsparte an Warner Chilcott verkauft. Der Verkaufspreis habe 3,1 Milliarden Dollar betragen, teilte das Unternehmen am Mittag mit. Die Pharmasparte erwirtschaftete zuletzt Erlöse von rund 2,3 Milliarden Dollar und einen Überschuss von gut eine halben Milliarde Dollar.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"