Die Hoffnung starb am Nachmittag

Detlev Landmesser

Stand: 19.01.2009, 20:23 Uhr

Am Dienstag tritt er an, der große Hoffnungsträger Barack Obama. Dieser Umstand ließ die Anleger am Montag lange ihre Sorgen vergessen. Doch diese Zuversicht war angesichts der trüben Realität nicht zu halten.

Nach einem Plus von zwei Prozent stürzte der Dax um bis zu 2,7 Prozent ab. Der L-Dax schloss mit 4.313,58 Punkten ein Prozent unter dem Freitagsniveau. Am Tag vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten kamen von den US-Börsen keine Impulse. Die Wall Street blieb wegen des Martin-Luther-King-Tages geschlossen.

Bankenkrise schwelt weiter

So waren die Europäer besonders auf die immensen Probleme ihres Finanzsektors verwiesen, die den deutschen Aktienmarkt schließlich in die Knie zwangen. Die Postbank verlor 13,3 Prozent an Wert, die Deutsche Bank 10,6 Prozent. Im MDax büßte die Aareal Bank sogar fast ein Viertel ihres Wertes ein.

Dafür gab es eine Reihe von Gründen. Zum einen meldete die Royal Bank of Scotland für das vergangene Jahr mit bis zu 28 Milliarden Pfund den größten Verlust eines Unternehmens in der britischen Geschichte. Die RBS-Aktie verlor in London zwei Drittel ihres Wertes.

Um einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern, schob die britische Regierung ihr zweites Rettungspaket nach. Auch in Deutschland wird über weitere Rettungsmaßnahmen angesichts der unvermindert rollenden Abschreibungswelle diskutiert. Der "Spiegel" hatte aus einer Studie berichtet, dass die Banken erst rund ein Viertel ihrer faulen Wertpapiere im Umfang von geschätzten 300 Milliarden Euro abgeschrieben hätten.

Zudem berichtete das Magazin, dass die Deutsche Bank ihren Eigenhandel offenbar teilweise oder komplett einstellen wolle. "Langsam stellt sich die Frage, mit was die Deutsche Bank ihr Geld verdient", kommentierte ein Händler.

Blessing nun auch Dresdner-Bank-Chef
Commerzbank-Chef Martin Blessing führt ab sofort auch die Dresdner Bank. Im Zuge der Übernahme durch die Commerzbank berief der Aufsichtsrat der Dresdner Bank Blessing am Montag zum Vorstandsvorsitzenden. Damit endete zugleich die Amtszeit von Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter, der sich ganz aus dem Institut verabschiedet. Die beiden Großbanken sollen im März endgültig miteinander verschmolzen werden.

Kurzarbeit bei BASF
Die BASF-Aktie verlor 4,55 Prozent. Nun muss auch der Chemiekonzern wegen der eingebrochenen Nachfrage im Dezember und Januar an einigen Standorten Kurzarbeit einführen. "Ich vermute, dass damit eine Gewinnwarnung vorbereitet wird", kommentierte ein Händler die Ad-hoc-Mitteilung. Allerdings komme die negative Nachricht nicht unerwartet.

Infineon in Spekulantenhand
Die Infineon-Aktie stieg zeitweise um fast 20 Prozent. Fundamentale Neuigkeiten von dem Chiphersteller gab es nicht. "Die Aktie ist zum Spielball der Spekulanten geworden", sagte ein Händler. Bei einem "Penny-Stock", wie es Infineon mittlerweile sei, seien solche massiven Kurssprünge fast normal.

Post erreicht Jahresziel
Die Deutsche Post hat 2008 dank Einsparungen ihr Gewinnziel erreicht. Das operative Ergebnis ohne Einmaleffekte lag leicht über den geplanten 2,4 Milliarden Euro. Inklusive Einmaleffekte, vor allem wegen der Sanierung des US-Expressgeschäftes, erwartet die Post einen Verlust von nicht ganz einer Milliarde Euro. Wegen der Finanzkrise will die Post nicht vor Ablauf des ersten Quartals eine Jahresprognose für 2009 abgeben.

SAP-IBM-Software kommt im März
SAP und IBM wollen ihre erste gemeinsame Software im März auf den Markt bringen. Das vor einem Jahr angekündigte Produkt führt die IBM-Software Lotus Notes mit der SAP-Business-Suite zusammen und trägt nun den Namen "Alloy", wie SAP und IBM am Montag mitteilten. An einem solchen Angebot hätten tausende gemeinsame Kunden beider Unternehmen Interesse gezeigt.

Tröstliches von Wincor Nixdorf
Die Wincor Nixdorf-Aktie lag mit einem Plus von 8,7 Prozent an der MDax-Spitze. Der Geldautomaten- und Kassenhersteller hat im ersten Quartal seines Geschäftsjahres 2008/09 die Analystenprognosen deutlich geschlagen. Der Umsatz war mit 646 Millionen Euro sieben Prozent besser als vor einem Jahr und schlug die Analystenerwartungen von 578 Millionen Euro deutlich. Das Ebita (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen) von 56 Millionen Euro (plus acht Prozent) war deutlich besser als die Prognose von 48 Millionen Euro. Wincor dämpfte aber die Erwartungen. Die Quartalszahlen ließen sich wegen der Wirtschaftskrise nicht auf das Jahr hochrechnen.

Hochtief bietet für Gatwick
Unter Druck stand dagegen die Hochtief-Aktie. Anders als Fraport ist der Baukonzern in den Bieterwettstreit um den Londoner Flughafen Gatwick eingestiegen. Hochtief verfügt bereits über eine Reihe von Flughafen-Beteiligungen, darunter Düsseldorf, Hamburg, Budapest und Tirana. Mit dem Dienstleistungsgeschäft hat der MDax-Konzern seine Abhängigkeit vom konjunkturabhängigen klassischen Baugeschäft minimiert.

Solarkooperation im TecDax
Die beiden Solarzellenhersteller Manz und Roth & Rau wollen künftig intensiver zusammenarbeiten. Die TecDax-Unternehmen wollen ihre Kooperation bei schlüsselfertigen Produktionslinien zur Herstellung von kristallinen Solarzellen verbessern und vertiefen. Mittelfristig planen Manz und Roth & Rau, eine neue Generation dieser Maschinen auf den Markt zu bringen. Beide Titel profitierten von den Plänen.

Morphosys voller Zuversicht
Auch die Aktie von Morphosys war gefragt. 2009 werde man trotz verdoppelter Investitionen in Forschungs- und Entwicklungsprogramme einen "soliden Gewinn" ausweisen, kündigte das Biotechunternehmen an. In der zweiten Jahreshälfte will Morphosys dann einen selbst entwickelten Antikörper in die zweite klinische Phase bringen. Ende 2008 hätten die liquiden Mittel mehr als 130 Millionen Euro betragen.

Kontron setzt deutlich mehr um
Der ebenfalls im TecDax notierte Minicomputer-Hersteller Kontron hat im vierten Quartal 2008 seinen Umsatz gesteigert. Die Erlöse legten von 123,9 auf 139 Millionen Euro zu. Man habe die eigene Prognose voll erfüllt, so Kontron. Der Auftragsbestand betrug Ende des vierten Quartals 290 Millionen Euro und lag damit ebenfalls über dem Vorjahreswert. Vollständige Jahreszahlen legt das TecDax-Unternehmen am 24. März vor.

MPC bekommt noch mehr Geld
Die Aktie von MPC Capital setzte ihren Erholungskurs im SDax fort. Nach der am Freitag angekündigten Stärkung des Eigenkapitals durch Großaktionäre hat das Emissionshaus eine Finanzierungszusage von zwölf Banken über 500 Millionen Euro erhalten.

Kurzarbeit auch bei ElringKlinger
Die Aktie von ElringKlinger reihte sich die die Verliererliste des SDax ein. Der schwäbische Autozulieferer fährt angesichts der Flaute auf den Automärkten seine Kosten drastisch zurück. Dazu hat der auf Dichtungen und Hitzeschilde spezialisierte Konzern nach Angaben vom Montag ein Sparprogramm mit einem Volumen von zehn Millionen Euro aufgelegt und führt ab 1. Februar Kurzarbeit ein. Die Investitionen werden im Vergleich zum Vorjahr auf 40 bis 45 Millionen Euro halbiert.

Tagestermine am Dienstag, 23. Oktober

Unternehmen:
Sartorius: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Talanx: Telefon-Pk zum Kapitalmarkttag, 7:30 Uhr
Anglo American: Q3 Production Report, 8:00 Uhr
Eli Lilly: Q3-Zahlen, 12:25 Uhr
United Technologies: Q3-Zahlen, 12:55 Uhr
Lockheed Martin: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Verizon Communications: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Caterpillar: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
3M: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
McDonald`s: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Texas Instruments: Q3-Zahlen, 22:01 Uhr
Logitech: Q3-Zahlen
Harley-Davidson: Q3-Zahlen
Biogen: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise 9/18, 8:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen 10/18 (vorab), 16:00 Uhr