Die Hoffnung regiert

Detlev Landmesser

Stand: 03.02.2009, 20:17 Uhr

Nur mit einigem Wohlwollen konnte man der Zahlenflut des Tages genug abgewinnen, um die starke Kurserholung zu rechtfertigen. Immerhin gab es einzelne Lichttupfer.

So zeigten sich die Finanztitel von der Aussicht beflügelt, dass der Staat in absehbarer Zeit eine abschließende Lösung für die Hypo Real Estate findet. Schon morgen will Bundeskanzlerin Merkel zusammen mit Vizekanzler Steinmeier, Wirtschaftsminister Glos und Finanzminister Steinbrück über eine Mehrheitsübernahme der HRE durch den Bund beraten. Noch stärker als der MDax-Titel stieg aber die Aktie der Deutschen Bank im Dax.

Der L-Dax ging zwei Prozent höher mit 4.361,77 Punkten aus dem Handel. Auch an der Wall Street setzten sich im Verlauf die positiven Impulse durch.

Das lag auch an den neuen Daten vom US-Häusermarkt. Der Dezember-Wert der noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufe stieg von revidiert 82,5 Punkten auf 87,7 Punkte. Das war der erste Anstieg der Kennzahl seit August 2008. Volkswirte hatten für Dezember mit einer Stagnation gerechnet. Die so genannten "schwebenden Hausverkäufe" gelten als ein wichtiger Frühindikator für den US-Immobilienmarkt, da sie auf die künftigen Hausverkäufe schließen lassen.

US-Automarkt schrumpft drastisch

Die US-Autoabsatzzahlen für den Januar unterstrichen dagegen erneut die Schärfe des konjunkturellen Einbruchs. Während die Platzhirsche General Motors und Ford 49 beziehungsweise 39 Prozent weniger Autos absetzten als vor Jahresfrist, kamen die deutschen Autobauer etwas glimpflicher davon. Der Absatzeinbruch bei Daimler war dennoch dramatisch. Die Stuttgarter setzten im Januar 35,5 Prozent weniger Autos in den USA ab. Volkswagen meldete eine Absatzeinbuße von 11,6 Prozent.

Die Quartalszahlen des Tages fielen recht unterschiedlich aus. Der drittgrößte amerikanische Pharmakonzern Merck & Co hat im vierten Quartal 2008 überraschend mehr verdient als ein Jahr zuvor und dabei die Schätzungen der Analysten übertroffen. Auch Konkurrent Schering-Plough überraschte positiv. Dagegen enttäuschten der Handyhersteller Motorola und der Chemiekonzern Dow Chemical mit Milliardenverlusten im vierten Quartal. Der Logistikkonzern UPS blieb mit einem Gewinneinbruch ebenfalls hinter den Erwartungen zurück.

Lufthansa über Erwartungen
Bester Dax-Titel war die Lufthansa-Aktie. Trotz der Krise in der Weltwirtschaft hat die Fluggesellschaft im vierten Quartal 2008 kräftig verdient, was nicht zuletzt an den gesunkenen Kerosinpreisen lag. Nach der vorgelegten Hochrechnung dürfte das operative Ergebnis im Gesamtjahr bei 1,3 Milliarden Euro gelegen haben. Das sind rund 200 Millionen Euro mehr als bisher erwartet. Angesichts des schwierigen Marktumfeldes seien die Aussichten aber mit höheren als den sonst üblichen Risiken behaftet, teilte die Lufthansa weiter mit.

T-Aktie mit Vodafone-Bonus
Die T-Aktie lag mit einem Plus von 3,9 Prozent ebenfalls gut im Rennen. Neue Nachrichten von der Telekom gab es zwar nicht. Stattdessen wurden die guten Quartalszahlen des britischen Konkurrenten Vodafone zur Begründung angeführt. Der britische Mobilfunkkonzern hob nach Zuwächsen im vierten Quartal seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das Gesamtjahr an.

Deutsche Börse startet schwach ins Jahr
Der schwächste der drei Tagesverlierer im Dax war die Deutsche Börse. Im Januar machte sich die Krise massiv im Geschäft des Börsenbetreibers bemerkbar. Im elektronischen Handelssystem Xetra wurden im Januar nur noch 84,2 Milliarden Euro umgesetzt. Das war ein Rückgang um 71 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Anzahl der Transaktionen sank um 42 Prozent auf 14,6 Millionen. Auch an der Terminbörse Eurex brachen die Handelsumsätze ein. Die Zahl der gehandelten Terminkontrakte sank im abgelaufenen Monat um rund 30 Prozent auf 144,3 Millionen.

Heideldruck haussiert
Im MDax machte die Aktie von Heidelberger Druck mit einem Kurssprung von 26,3 Prozent Furore. Der Druckmaschinen-Hersteller hat im dritten Quartal seines Geschäftsjahres 2008/09 besser abgeschnitten als befürchtet. Der Umsatz sank von 929 auf 750 Millionen Euro. Unter dem Strich gab es einen Verlust von 24 Millionen Euro. Die Prognosen lagen mit 743 Millionen Euro bzw. minus 68 Millionen Euro allerdings noch niedriger. Der Auftragseingang ging von 958 auf 560 Millionen Euro zurück. Hier lagen die Durchschnitts-Erwartungen bei 528 Millionen Euro. Eine konkrete Prognose für das gesamte Geschäftsjahr will der Konzern aber immer noch nicht geben.

Fraport trennt sich von Flughafen Hahn
Das Kapitel Hahn ist für Fraport beendet. Der Flughafenbetreiber verkauft seinen 65-prozentigen Anteil an dem Hunsrück-Flughafen rückwirkend zum 1. Januar an das Land Rheinland-Pfalz - zum symbolischen Preis von einem Euro. An der Börse kam die Nachricht dennoch gut an - schließlich hatte der Flughafen der Fraport AG nur Verluste beschert. Für 2008 stellte der MDax-Konzern wegen Hahn eine Einmalbelastung von etwa 30 Millionen Euro in Aussicht. Ursprünglich habe Fraport 44 Millionen Euro in das Eigenkapital der Hahn-Betreibergesellschaft investiert, jedoch zwischenzeitlich bereits eine Wertkorrektur vorgenommen.

Hannover Rück voller Zuversicht
Von Hannover Rück kamen ungewohnt optimistische Töne: "Die Finanzkrise ist für uns ausgestanden", erklärte Vorstandschef Wilhelm Zeller am Dienstag. Für 2008 schloss Zeller rote Zahlen weiterhin nicht aus. Im laufenden Jahr peilt der weltweit viertgrößte Rückversicherer dagegen den zweithöchsten Gewinn der Konzerngeschichte an. Ein Überschuss von knapp 700 Millionen Euro sei "nicht unrealistisch", sagte Finanzchefin Elke König.

Kuka setzt weniger um
Die Aktie von Kuka lag am Ende leicht im Plus. Der Roboterbauer hat im vierten Quartal immerhin noch ein ausgeglichenes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erwirtschaft. Die Analystenerwartungen lagen bei minus 2,5 Millionen Euro. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent auf 342,1 Millionen Euro zurück. Das lag allerdings deutlich unter der Durchschnittsprognose der Analysten von 355,6 Millionen Euro.

Wirft Tui Hapag-Lloyd Geld hinterher?
Schwächster MDax-Titel war Tui. Der Reise- und Schifffahrtskonzern erwägt, die finanzielle Unterstützung für die in Kürze verkaufte Tochter Hapag-Lloyd auszuweiten. "Wir denken darüber nach, dass wir uns über unsere vertraglichen Verpflichtungen hinaus bei der Finanzierung der Hapag-Lloyd engagieren", sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, dass Tui dem Hamburger Konsortium, das Hapag-Lloyd kaufen will, einen Kredit über rund eine Milliarde Euro angeboten habe. "Es geht jetzt darum, den Deal zu retten", habe ein Beteiligter gesagt. Zwischenzeitlich musste Tui Gerüchte über eine angebliche Gewinnwarnung dementieren.

Nordex wächst schneller als der Markt
Im TecDax wurde die Nordex-Aktie um 3,2 Prozent teurer. Der Hersteller von Windkraftanlagen wuchs im abgelaufenen Jahr erneut stärker als der Markt. Die installierte Leistung stieg 2008 um 60 Prozent auf 1.075 Megawatt.

Arques feuert Chef
Arques trennt sich mit Wirkung zum 28. Februar von ihrem Vorstands- und Finanzchef Michael Schumann. Schumann habe zwar das Konzernportfolio bereinigen können, es sei ihm aber nicht gelungen, den Aktienkurs auf ein "akzeptables Niveau zu stabilisieren", begründete die Beteiligungsgesellschaft die Entscheidung. Einen neuen Finanzvorstand habe man bereits gefunden. Die Verunsicherung drückt die Arques-Aktie auf ein neues Jahrestief.

Aleo gewinnt fast ein Viertel an Wert
Die Aktie der Aleo Solar AG sprang um 24,2 Prozent nach oben. Das Solarunternehmen hat für das laufende Jahr bereits Verträge mit einem Absatzvolumen von mehr als 50 Megawatt in Europa in der Tasche. "Damit hat sich Aleo Solar bereits ein Drittel des für 2009 erwarteten Auftragsvolumens gesichert", sagte Unicredit-Analyst Michael Tappeiner.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr