Die Hoffnung ist weiblich ...

von Angela Göpfert

Stand: 13.07.2009, 20:05 Uhr

... und sie heißt Meredith Whitney. Die US-Staranalystin und Banken-Kritikerin steht der Branche plötzlich wieder ziemlich positiv gegenüber. Das hat bei Investoren die Hoffnung auf positive Quartalszahlen von Goldman Sachs & Co. geschürt und den Dax um 3,2 Prozent nach oben katapultiert.

Diese Frau hat Macht, ihr Wort wird an den Finanzmärkten gehört. Brachte Meredith Whitney vor anderthalb Jahren noch mit skeptischen Aussagen zur US-Bank Citigroup die Finanzmärkte ins Wanken, so gab sie heute mit einem einzigen Interview den Startschuss zu einer wahren Rally an den Börsen weltweit.

Renaissance der Bank-Aktien
Einen Tag vor Bekanntgabe der Zahlen zum zweiten Quartal empfahl Whitney die Aktien von Goldman Sachs zum Kauf. Auch die Bank of America und JP Morgan Chase könnten laut Whitney im zweiten Quartal überraschend gut abgeschnitten haben.

Die Folge: enorme Kurssprünge bei Finanztiteln, die die gesamte Wall Street nach oben zogen. Zwei Stunden vor US-Handelsschluss notierte der marktbreite S&P 500 1,8 Prozent im Plus. Dabei tat sich auch die Aktie des Mischkonzerns General Electric mit einem Plus von über sieben Prozent hervor; GE legt Ende der Woche Zahlen vor.

Der Late-Dax ging bei 4.730 Punkten aus dem Handel. Den Xetra-Handel hatte der deutsche Leitindex zuvor bei 4.722 Punkten beendet - ein Plus von 3,2 Prozent im Vergleich zum Freitag. Auch hierzulande verzeichneten Finanztitel weit überdurchschnittliche Kursgewinne: Aktien von Allianz, Deutsche Bank und Commerzbank legten jeweils rund vier Prozent zu.

Strohfeuer oder Trendwende?
Wie nachhaltig die heutige Erholung tatsächlich ist, muss sich indes noch weisen. Skeptiker verweisen auf die anhaltende Verunsicherung der Investoren, aber auch die finanzielle Schieflage des US-Mittelstandsfinanzierers CIT als Risikofaktor. Zudem habe die US-Berichtssaison gerade erst begonnen, Potenzial für negative Überraschungen und somit neuerliche Kursabschläge sei somit durchaus vorhanden.

Charttechniker heben dagegen positiv hervor, dass es dem Dax heute gelungen ist, sowohl die fallende 200-Tage-Linie als auch die Nacken-Linie einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation nach oben zu durchbrechen. Beides dürfte aus technischer Sicht weitere Kursgewinne nach sich ziehen.

Philips schiebt Siemens schiebt Dax an
Hauptverantwortlich für das heutige Dax-Plus war der Zuwachs von 4,4 Prozent bei der schwer gewichteten Siemens-Aktie: Allein 19 Indexpunkte gingen auf deren Konto. Siemens profitierte von positiven Quartalszahlen des Branchennachbarn Philips. Der Elektronikkonzern schaffte es zwar nur dank eines Anteilsverkaufs, im zweiten Quartal schwarze Zahlen zu schreiben, gab aber einen positiven Ausblick.

Daimler haussiert an Dax-Spitze
Größter Dax-Gewinner war die ebenfalls schwer gewichtete Daimler-Aktie, sie zog nach positiven Aussagen des Branchenverbands VDA zu den jüngsten Absatzzahlen in der Oberklasse um 6,0 Prozent an.

VW- und Porsche-Kursplus überzogen?
Die VW-Stammaktie gewann knapp fünf Prozent, die Porsche-Aktie gar 9,7 Prozent nach Spekulationen über eine sieben Milliarden Euro schwere Finanzspritze des Emirats Katar für Porsche. Doch viele Börsenexperten hielten derlei Gerüchte für wenig glaubwürdig, sie zweifelten an dem ihrer Meinung nach viel zu hohen Preis. Der niedersächsische Regierungschef und VW-Aufsichtsrat Christian Wulf bezeichnete die angeblich "endverhandelte" Katar-Offerte als "skurril".

BASF, Hannover Rück und ...
BASF-Aktien profitierten von einem positiven Analystenkommentar und kletterten um knapp fünf Prozent. Bank of America hatte die Titel auf ihre "Europe 1"-Liste gesetzt. Aktien der Hannover Rück zogen nach einer Hochstufung durch die DZ Bank 3,9 Prozent an.

... Bayer sind Analystenlieblinge
Papiere von Bayer legten dank einer positiven Studie zu einem Alzheimer-Diagnosemittel 4,3 Prozent zu. Die Ergebnisse seien gut und rechtfertigten den Eintritt in eine Phase-III-Studie, kommentierte die Commerzbank.

Eskalierende Preisrisiken bei K+S?
Größter und - neben FMC - einziger Dax-Verlierer war dagegen die K+S-Aktie mit einem Minus von 3,0 Prozent. Indien hatte bei Verhandlungen mit einem russischen Kalidünger-Produzenten eine heftige Preissenkung durchsetzen können. Die UBS sieht nun die Preisrisiken für Kaliproduzenten eskalieren und empfiehlt die K+S-Aktie zum Verkauf.

ThyssenKrupp vor Milliardenverlust?
Die ThyssenKrupp-Aktie hielt sich mit einem Plus von 0,8 Prozent ebenfalls deutlich schwächer als der Markt. Auf ihr lastete ein Bericht der "FTD", wonach der Stahlkonzern im laufenden Jahr beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ein Minus von mehr als 1,5 Milliarden Euro einfahren dürfte.

Weniger Risiken bei HeidelCement?
An der MDax-Spitze haussierte heute die HeidelbergCement-Aktie mit einem Kursplus von 10,4 Prozent nach einem positiven Analystenkommentar von Exane BNP Paribas. Die Analysten halten die größten Risiken - die Refinanzierungsschwierigkeiten und den schleppenden Geschäftsverlauf - mittlerweile für ausgeräumt.

Noch ein Kunde für Solon
Unter den Technologiewerten glänzte die Solon-Aktie, sie setzte sich mit einem Aufschlag von 8,2 Prozent an die TecDax-Spitze. Die Solarfirma hat mit der norwegischen Statkraft einen weiteren großen Versorger als Kunden gewonnen.

Freenet und Infineon weiter auf Höhenflug
Die Freenet-Aktie setzte sich mit einem Plus von 7,4 Prozent an die zweite Position im TecDax - ganz ohne neue Unternehmensnachrichten. Die Aktie hatte bereits in der vergangenen Börsenwoche dank einiger Kaufempfehlungen zu den stärksten TecDax-Titeln gehört. Auch die Infineon-Aktie setzte heute ihren Höhenflug nach dem Einstieg des US-Finanzinvestors Apollo fort und gewann knapp fünf Prozent.

UBS bekommt Aufschub
In der Schweiz kletterte die UBS-Aktie um 7,4 Prozent. Sie profitierte neben der verbesserten Stimmung für Finanzwerte auch von der Vertagung des Steuerprozesses in den USA. Die UBS hat nun bis zum 3. August Zeit, mit dem US-Justizministerium einen außergerichtlichen Vergleich auszuhandeln.

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr