Die Hausse meldet sich zurück

Detlev Landmesser

Stand: 15.06.2007, 20:23 Uhr

Wer hätte das gedacht: Satte 5,8 Prozent legte der Dax auf Xetra-Basis in dieser Woche zu, und ließ seinen jüngsten Kurseinbruch vergessen. Auf einmal stellte auch die 8.000er Marke kein Hindernis mehr dar.

Der L-Dax ging über der runden Marke bei 8.006,56 Punkten ins Wochenende. Der Xetra-Dax hatte zwischenzeitlich ein neues Sieben-Jahres-Hoch bei 8.032,97 Zählern erreicht. Unweigerlich rückte damit auch wieder das historische Hoch von 8.136 Punkten ins Blickfeld.

Diesmal beflügelte auch der große Verfallstag an der Terminbörse Eurex, der so genannte Dreifache Hexensabbat, die Kurse. Unverkennbar war etwa die Wirkung des Verfalls der Futures und Optionen auf den Dax um 13:00 Uhr, der den Index steil nach oben trieb.

Noch stärker war aber der Kursschub ab 14:30 Uhr, als eine ganze Batterie amerikanischer Konjunkturdaten über die Ticker lief. Besonders erfreut waren die Börsianer über den geringen Anstieg der Kernrate der Verbraucherpreise im Mai von nur 0,1 Prozent sowie den robusten Konjunkturindex der Fed von New York, der mit 25,75 Punkten deutlich über den Erwartungen lag. Die Wall Street startete daraufhin ebenfalls freundlich. Eine stagnierende Industrieproduktion im Mai half dagegen dem Euro unverhofft bis auf Kurse um 1,3380 Dollar.

Mahnende Worte von Ben Bernanke gingen in der allgemeinen Euphorie unter. Der Fed-Chef hatte in einer Rede davor gewarnt, die Auswirkungen der Abschwächung auf dem Häusermarkt zu unterschätzen. Veränderungen im Wert der Wohnimmobilien könnten das Ausleih- und Ausgabeverhalten der Haushalte etwas stärker beeinflussen als Ökonomen traditionell erwarteten, sagte Bernanke.

Dresdner-Verkauf an Deutsche Bank?

Auch die Allianz-Aktie zog den Dax. Am Markt kursierten Gerüchte über einen Verkauf der Tochter Dresdner Bank an die Deutsche Bank. Laut einem Börsianer wäre eine solche Transaktion sinnvoll, "da sich die Deutsche Bank wieder mehr auf Privatkunden fokussieren will und die Allianz wohl vor einem größeren Umbruch steht". Zudem habe die Dresdner Bank bislang die Erwartungen nicht erfüllt. Daher sei der Versicherer gut beraten, sich von etwas zu trennen, was nicht zum Kerngeschäft gehöre. An der Deutschen Bank hält übrigens die Schweizer Großbank UBS nach jüngsten Angaben derzeit über drei Prozent.

Neuer Amerika-Coup der Deutschen Börse?
Die Aktie der Deutschen Börse setzte sich an die Dax-Spitze. Der weltgrößte Energie-Terminmarkt, die New York Mercantile Exchange (Nymex), prüft einen Verkauf an die NYSE Euronext, die Deutsche Börse AG oder die Chicago Mercantile Exchange (CME). Die Nymex-Betreiberin Nymex Holdings könnte insgesamt 14,3 Milliarden Dollar (10,6 Milliarden Euro) wert sein, berichtete die US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Nymex-Führungskräfte hätten sich mit Vertretern der drei Interessenten getroffen. An der Nymex in New York werden im Parketthandel und über die Globex-Plattform der CME in Chicago Terminkontrakte vor allem auf Öl, Erdgas und Gold gehandelt.

Hypo Real Estate kräftig erholt
Das Papier von Hypo Real Estate gewann satte 4,4 Prozent. Es bekam von Analysten Unterstützung. Morgan Stanley erhöhte das Kursziel auf 60 von 54 Euro und bekräftigte die "Overweight"-Einstufung. Gerade der Hypothekenfinanzierer hatte im Zuge der jüngsten Zinsdebatte unter Druck gestanden.

Sparkassen bekommen LBB
Im Poker um die Landesbank Berlin (LBB) hat der Sparkassenverband DSGV das Rennen gemacht. Der Kaufpreis beträgt 4,622 Milliarden Euro, zusätzlich wird die bestehende stille Einlage des Landes Berlin für 723 Millionen Euro vom Käufer abgelöst. Die LBB-Aktie legte zeitweise um mehr als acht Prozent zu.

Die Commerzbank, die sich ebenfalls um die LBB bemüht hat, hat das Nachsehen. Aber die Börsianer scheinen eher erleichtert. Die Aktie gewann über 3,5 Prozent hinzu.

Neuer Großaktionär bei Norddeutscher Affi
Im MDax katapultierte sich die Aktie der Norddeutschen Affinerie mit über elf Prozent Kursplus an die Indexspitze. Die vom österreichischen Industriellen Mirko Kovats geführte Industriegruppe A-Tec hat sich mit zehn Prozent an dem Kupferkonzern beteiligt.

Hochtief verkauft eigene Aktien
Die Hochtief-Aktie musste im Verlauf einen Großteil ihres Tagesgewinns preisgeben. Der Essener Baukonzern kündigte an, bis zum 30. September 2007 bis zu 3,47 Millionen eigene Aktien über die Börse zu verkaufen, das entspricht 4,96 Prozent der Gesamtanzahl der Aktien. Der Verkauf, der "kursschonend" erfolgen werde, diene zur Schaffung von Liquidität unter anderem für Akquisitionszwecke, teilte das Unternehmen am Nachmittag mit. Nach Angaben eines Sprechers verfolgt Hochtief "eine Reihe von interessanten Projekten".

Premiere freut sich über "konstruktive Gespräche"
Die Aktie von Premiere gewann knapp zwei Prozent. Auf der Hauptversammlung brachte Unternehmenschef Georg Kofler die Aktionäre auf den neuesten Stand zur Übertragung der Fußball-Bundesliga. Er wertete die Gespräche mit dem Bundeskartellamt in dieser Sache als "konstruktiv" und sprach von "guten Fortschritten". Der Bezahlsender hatte die Vermarktung des Bundesliga-Angebots des Konkurrenten Arena über Satellit wegen Bedenken der Kartellwächter stoppen müssen. Anfang Juni gaben beide Unternehmen dann bekannt, dass man den Wettbewerbshütern einen Kompromissvorschlag vorgelegt habe.

Drägerwerk stärkt Vorstand
Im TecDax verhielt sich die Drägerwerk-Aktie recht unauffällig. Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller hat seinen Vorstand von drei auf fünf Mitglieder erweitert. Der derzeitige Roche-Manager Volker Pfahlert werde vom 1. September an den Unternehmensbereich Dräger Medical leiten. Der ehemalige Altana-Pharma-Vorstand Ulrich Thibaut zeichne ab kommendem Montag für das neue Ressort Forschung und Entwicklung verantwortlich.

Asien-Fantasie für H&R Wasag
Zu den SDax-Gewinnern gehörte die Aktie von H&R Wasag. Der Spezialchemiekonzern übernimmt eine Anlage des US-Mineralölkonzerns ExxonMobil in Malaysia und will von dort aus den asiatischen Raum erobern.

10Tacle erhöht Prognose
Außerhalb der großen Indizes fiel das Papier von 10Tacle Studios positiv auf. Das Unternehmen erhöhte die Prognose für 2007. Erwartet wird ein Umsatz von 52 Millionen Euro und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 9,3 Millionen Euro.

Kunert stürzt ab
Die im Freiverkehr gelistete Kunert-Aktie brach zeitweise um mehr als 40 Prozent ein. Das Unternehmen gab den Verlust der Hälfte des Grundkapitals bekannt. Es mussten zusätzliche Rückstellungen gebildet werden, teilte der Strumpfhersteller mit. Das führte zu dem bilanziellen Verlust. Der Hauptversammlung wird man daher einen Kapitalschnitt vorschlagen - mit einer anschließenden sofortigen Sachkapitalerhöhung. Dabei sollen Darlehensforderungen quasi mit neuen Aktien beglichen werden.

Kingfisher stockt bei Hornbach auf
Der britische Handelskonzern Kingfisher hat seinen Anteil an Deutschlands fünftgrößter Baumarktkette Hornbach auf über ein Viertel erhöht. Kingfisher halte nun 25 Prozent plus eine Stimme an der Hornbach Holding, der börsennotierten Muttergesellschaft der Hornbach-Gruppe, teilte der Konzern am Abend mit. Zuvor hatte Kingfisher, das mit Hornbach beim Einkauf und bei Eigenmarken zusammenarbeitet, 17,4 Prozent an der Baumarktkette gehalten.

DeTeBe startet ordentlich
Heute feierte die Deutsche Technologie Beteiligungen AG ihr Börsendebüt. Die Aktie erreichte im Frankfurter Handel bis zu 4,71 Euro, nachdem sie zum Festpreis von 4,40 Euro ausgegeben worden war. Das Beteiligungsunternehmen hatte 300.000 Aktien ausgegeben.

Tagestermine am Dienstag, 23. Oktober

Unternehmen:
Sartorius: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Talanx: Telefon-Pk zum Kapitalmarkttag, 7:30 Uhr
Anglo American: Q3 Production Report, 8:00 Uhr
Eli Lilly: Q3-Zahlen, 12:25 Uhr
United Technologies: Q3-Zahlen, 12:55 Uhr
Lockheed Martin: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Verizon Communications: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Caterpillar: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
3M: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
McDonald`s: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Texas Instruments: Q3-Zahlen, 22:01 Uhr
Logitech: Q3-Zahlen
Harley-Davidson: Q3-Zahlen
Biogen: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise 9/18, 8:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen 10/18 (vorab), 16:00 Uhr