Marktbericht 20:15

Dax nur kurz auf neuem Rekordhoch Die Hausse macht Pause

Stand: 16.05.2013, 20:15 Uhr

Nach enttäuschenden US-Konjunkturdaten ist die Kauflust der Investoren gedämpft worden. Der Dax bleibt aber trotzdem auf hohem Niveau und weiter auf dem Sprung nach oben. Vielbeachtet war auch die Telekom-Aktie.

Am Ende waren es schwächer als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten, die die Party verdarben. Anders als gestern hat sich der deutsche Leitindex Dax dieses mal nicht so schnell erholt.

Er schloss letztlich mit einem Miniplus von 0,09 Prozent auf 8.369 Punkte - übrigens auch ein neuer Rekord auf Basis der Schlusskurse. In der Tagesspitze hatte der Index mit 8.401 Zählern zuvor ein neues Rekordhoch aufgestellt und die Goldgräberstimmung an der Börse zumindest kurzfristig weiter angeheizt.

Auch der MDax, am Vortag noch der Star des Tages, legte eine Pause ein und beendete den Handel nahezu unverändert bei 14.047 Punkten. Lediglich der TecDax legte 0,38 Prozent auf 970,40 Punkte zu. Nachbörslich tendierte der Dax leichter, der L/E-Dax schloss bei 8.350 Punkten.

Experten sehen den Markt aber trotz der durchwachsenen Tagestendenz weiterhin gut unterstützt. "Die US-Daten haben zwar Einfluss auf den Dax, doch die Entwicklung des Leitindex ist sehr robust", sagte Andreas Feiden, Leiter Privatkundengeschäft bei Fidelity Deutschland. Gesunde Unternehmen, eine hohe Liquidität und niedrige Zinsen sorgten für Rückenwind. "Und jeder kleine Rücksetzer wird sogleich für Zukäufe genutzt", begründete er die Stabilität im Dax.

US-Konjunkturdaten enttäuschen...

Vor allem die mit 360.000 Neuanträgen deutlich schwächer als erwartet ausgefallenen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe enttäuschten, auch die Konjunkturdaten der Notenbank von Philadelphia fielen deutlich schwächer aus als erwartet. Inflation ist allerdings weiterhin kein Thema, wie die Preisdaten zeigen. Aus dem Bausektor fielen die Neubaubeginne positiv auf.

...und die Notenbank bleibt expansiv

Mit den jüngsten Daten bietet sich mehr und mehr ein Bild einer zumindest lustloser werdenden US-Wirtschaft. Dynamische Zuwächse, wie von der Notenbank gewollt, sehen anders aus. Damit dürfte die Fed auch weiterhin die Geldschleusen in einem bisher nie gekannten Ausmaß offen halten. So erklärte der einflussreiche Präsident der Fed of Boston, Eric Rosengren, das die Geldpolitik der Notenbank alles andere als zu locker sei. Die Arbeitslosigkeit sei noch zu hoch und die Inflationsraten gleichzeitig extrem niedrig.

Das alles sehr zur Freunde der Aktienmärkte, die die Liquidität aufsaugen wie ein Schwamm. "Wir leben in einer Welt, in der die üblichen Marktmechanismen ausgehebelt sind", erklärte ein Börsianer in Frankfurt. "In dieser Welt sind auch schlechte Konjunkturnachrichten gute Nachrichten, denn sie signalisieren eine Fortsetzung der ultra-lockeren Geldpolitik." Allerdings zeigen sich auch die US-Anleger zunächst vorsichtig, der Dow-Jones bewegt sich aktuell kaum.

Telekom kooperiert mit Vodafone

Unter den Einzelwerten hat heute die T-Aktie dem Gesamtmarkt kräftig die Show gestohlen. Sie übersprang am Tag der Hauptversammlung die Marke von zehn Euro und schloss als Tagessieger bei 10,04 Euro 2,7 Prozent höher. In der Spitze wurde mit 10,11 Euro ein neues Jahreshoch aufgestellt. Die Bonner wollen zusammen mit der britischen Vodafone ihr VDSL-Netz vermarkten und damit den Kabelbetreibern in der Festnetztelefonie den Kampf ansagen.

Der Schulterschluss geht noch weiter: "Die Kooperation mit der Telekom und die Nutzung der Vectoring-Technologie ermöglicht uns, im Festnetzmarkt anzugreifen", sagte Vodafone-Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum. Mit Vectoring will die Telekom die Geschwindigkeit ihrer Internet-Anschlüsse verdoppeln. Die Kabel-Deutschland-Aktie gab im Gegenzug nach und gehörte im MDax zu den schwächsten Werten.

Übernahmefantasien treiben Beiersdorf

Beiersdorf: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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In der Dax-Spitzenruppe behauptete sich auch den ganzen Tag die Aktie von Beiersdorf. Händler verwiesen auf erneute Spekulationen um ein Interesse von Procter & Gamble (P&G) an dem Nivea-Konzern. Demnach soll Maxingvest, die Holding der Hamburger Milliardärsfamilie Herz, bereit sein, einen Anteil an Beiersdorf für 98 Euro je Aktie zu verkaufen. Spekulationen um ein Interesse der Amerikaner sind allerdings nicht neu. Herz hat Verkaufsabsichten stets dementiert.

Conti und Deutsche Börse ex Dividende

Am anderen Dax-Ende fanden sich heute die Papiere von Continental und Deutsche Börse, die mit Dividendenabschlag gehandelt wurden. Conti zahlt 2,25 Euro je Anteilsschein und die Deutsche Börse 2,10 Euro. Auch die Commerzbank-Aktie stand wieder unter Druck und verlor 3,66 Prozent auf 7,50 Euro. Im SDax setzten IVG Immobilien ihre beispielllose Talfahrt fort und verloren weitere 10,36 Prozent. Die Aktie kostet mittlerweile nur noch 34,6 Cents.

FMC muss bescheidener werden

Die seit April geltenden Haushaltskürzungen in den USA stimmen den Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC) vorsichtig. "Wir wissen leider nicht, wie sich die Situation entwickeln wird", sagte FMC-Chef Rice Powell am Donnerstag in Frankfurt auf seiner ersten Hauptversammlung als Vorstandschef. "Je weiter das Jahr voranschreitet, umso unwahrscheinlicher wird eine Rücknahme." Daher gehe FMC aktuell davon aus, eher die untere Hälfte des für dieses Jahr in Aussicht gestellten Gewinnziels von 1,1 bis 1,2 Milliarden Dollar zu erreichen. Die USA sind der wichtigste Markt für FMC. Die Aktie verlor aber nur leicht 0,13 Prozent auf 52,97 Euro.

VW investiert in China

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Wolfsburger wollen in der südchinesischen Provinz Hunan bis Ende 2015 ein weiteres Werk mit einer jährlichen Kapazität von 300.000 Fahrzeugen bauen. Bis 2018 soll die Kapazität nach den Worten von VW-China-Chef Jochem Heizmann von aktuell rund 2,6 auf 4,0 Millionen Fahrzeuge ausgebaut werden. Mit seinen Partnern betreibt VW in China derzeit zwölf Werke, sieben neue sind geplant. China wird für VW angesichts der Autokrise in Europa immer wichtiger. Auch die Konzerntochter Audi kündigte auf der heutigen Hauptversammlung neue Investitionen an, unter anderem in China und Nordamerika. VW-Vorzüge verloren leicht.

Südzucker verschreckt die Anleger

Tagesverlierer im MDax waren Südzucker mit einem deutlichen Rutsch von 6,7 Prozent. Händlern zufolge hat nach sehr deutlichen Zuwächsen im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr der Ausblick enttäuscht. Das anvisierte operative Ergebnis von 825 Millionen Euro liege deutlich unter den aktuellen Markterwartungen, sagte ein Investor. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte das MDax-Unternehmen noch ein operatives Ergebnis von 974 Millionen erwirtschaftet.

Aus dem SDax

Neue Waggons und höhere Preise in der Waggonvermietung haben dem Schienenlogistikkonzern VTG zu einem Umsatz- und Ergebnisanstieg verholfen. Im ersten Quartal kletterte der Konzernumsatz um 5,3 Prozent auf 202,1 Millionen Euro. Das Ebitda legte um 9,5 Prozent auf 45 Millionen Euro zu. Damit übertraf VTG die Erwartungen der Analysten, die im Schnitt bei einem Umsatz von 193 Millionen Euro ein Betriebsergebnis von 43,6 Millionen Euro erwartet hatten. Die Aktie tendierte trotzdem deutlich schwächer.

Der LKW-Teilehersteller SAF Holland erwartet eine deutliche Erholung seines Geschäftes in der zweiten Jahreshälfte. Im ersten Quartal hat das im SDax notierte Unternehmen sein Ergebnis von sechs Millionen auf 8,6 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz ging leicht auf 210 Millionen Euro zurück von 216,6 Millionen. Firmenchef Detlef Borghardt kündigte für August ein Maßnahmenpaket an, um das Unternehmen auf Kurs zu bringen.

Der Ticketvermarkter CTS Eventim hat im ersten Quartal dank eines zweistelligen Wachstums im Segment Ticketing und einem stabilen Geschäft im Live-Entertainment den Umsatz um 6,3 Prozent auf 121,1 Millionen Euro gesteigert. Das Ebit kletterte auf 23,0 Millionen Euro, nach 20,0 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Medigene meldet Erfolg

Die Aktie des Biotechnologieunternehmens aus dem Prime Standard legte kräftig zu und stieg zwischenzeitlich wieder über die Marke von 1,00 Euro. Medigene berichtete über einen Studienerfolg mit seinem Krebsmedikament Endotag-1. In einer Phase-II-Studie habe die Arznei bei der Mehrheit der Patientinnen mit Brustkrebs den Tumor schrumpfen lassen. Arzneimittel müssen drei Phasen durchlaufen, bis sie genehmigt werden.

Richemont beglückt seine Aktionäre

Der Schweizer Luxusgüterhersteller Richemont erfreut seine Aktionäre im fünften Jahr in Folge mit einer zweistelligen Erhöhung der Dividende. Die Anteilseigner sollen für das Geschäftsjahr 2012/13 einen Franken je Aktie erhalten, nach 0,55 Franken im Vorjahr. Der Hersteller von Cartier-Schmuck und Jaeger-LeCoultre-Uhren hatte bereits Ende April mitgeteilt, im ersten Quartal seinen Gewinn um 30 Prozent auf 2,005 Milliarden Euro gesteigert zu haben.

Deutschland-Geschäft befeuert RTL

Die RTL Group hat dank ihres Deutschland-Geschäfts Umsatz und Gewinn zu Jahresbeginn gesteigert. Dies sei vor allem den deutschen Sendern sowie dem Verkauf der Rechte an der Handball-Weltmeisterschaft zu verdanken. Dennoch gab sich der Vorstand für das Gesamtjahr zurückhaltend. Weil die Marktentwicklung schwer vorherzusagen sei, sei nach wie vor unsicher, ob das Ergebnis das von 2012 erreichen werde.

Cisco haussieren

Der Netzwerkausrüster Cisco Systems wittert Morgenluft. "Wir sehen allmählich einige gute Anzeichen in den USA und anderen Teilen der Welt, die ermutigend sind", sagte Unternehmenschef John Chambers. Im ersten Geschäftsquartal, das am 27. April endete, konnte Cisco seinen Umsatz um mehr als fünf Prozent auf 12,2 Milliarden Dollar steigern. Der Gewinn kletterte auf 2,5 Milliarden Dollar von 2,17 Milliarden Dollar. Die Anleger honorieren die Zahlen, die Aktie liegt aktuell mit über zwölf Prozent kräftig im Plus.

Google macht jetzt auch in Musik

Google will mit einem eigenen Musik-Abo-Dienst den Computer- und Unterhaltungselektronikkonzern Apple angreifen. Der weltgrößte Suchmaschinenbetreiber startete gestern einen Streaming-Musikdienst, bei dem die Lieder direkt aus dem Netz abgespielt werden. Der Dienst sei zunächst nur in den USA verfügbar, teilte das Unternehmen auf seiner jährlichen Entwicklerkonferenz in San Francisco mit. Für 9,99 Dollar im Monat habe der Kunde einen uneingeschränkten Zugriff auf das Musik-Angebot.

Wal-Mart unter Erwartungen

Der weltgrößte Einzelhändler hat im ersten Quartal zwar zugelegt, die Erwartungen des Marktes aber knapp verfehlt. Das US-Unternehmen verdiente 3,8 Milliarden Dollar oder 14 Cents je Aktie, einen Cent weniger als erwartet. Der Umsatz belief sich auf 114,2 Milliarden Dollar, ein Plus von einem Prozent im Jahresvergeleich. Erwartet worden waren 116,2 Milliarden Dollar.

Die Steigerungen hat das Unternehmen hauptsächlich dem Auslandsgeschäft zu verdanken, im Heimatmarkrt schlugen sich das schlechte Wetter sowie verspätete Steuerrrückzahlungen negativ nieder. An der Börse kommen die Zahlen nicht gut an, das Papier liegt in New York über zwei Prozent im Minus.

Milliardenstrafe für Dow Chemical

Der US-Chemiekonzern ist von einem Gericht in Kansas City zu einer Strafzahlung von 1,2 Milliarden Dollar verurteilt worden. Dem BASF-Konkurrenten werden Preisabsprachen bei der Chemikalie Urethan vorgeworfen. Das Kartell, zu dem neben BASF auch Bayer gehörte, war 2005 aufgeflogen. Die deutschen Konzerne haben sich bereits außergerichtlich geeinigt, Dow Chemical beschreitet hingegen weiter den Rechtsweg. Gegen ein erstes Urteil von 400 Millionen Dollar hatte der Konzern Einspruch eingelegt, jetzt ist die Strafe vom Richter glatt verdreifacht worden. Die Aktie, die zuletzt gut gelaufen war, verliert an der Wall Street rund ein halbes Prozent.

Boeing - Ärger und kein Ende

Nach dem "Dreamliner" steht jetzt auch der Langstreckentyp "777" in der Kritik. Boeing hat zusammen mit seinem Partner, dem Triebwerksbauer General Electric, die betroffenen Fluggesellschaften darüber informiert, dass während des Fluges die Triebwerke ausfallen können. Die Ursache sei noch unklar, es könne sich um einen Materialfehler handeln. Es hat bereits zwei Vorfälle gegeben, die betroffenen Flugzeuge konnten aber mit einem Triebwerk den Flug beenden. Erwartet wird, dass die US-Flugaufsicht eine Inspektion anordnen wird, was teuer werden könnte. Die beiden Aktien bewegen sich in New York einhergehend mit dem Gesamtmarkt nur wenig.

Konkurrent Airbus hat sich derweil einen lukrativen Auftrag aus Kuwait gesichert. Die staatliche Fluglinie des Emirates "Kuwait Airways" bestellt 25 Maschinen, darunter 15 Airbus A 320neo. Zudem habe man sich die Option auf weitere zehn Airbus-Maschinen gersichert, gab die Gesellschaft bekannt. Die EADS-Aktie legte im MDax zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 17. Juli

Unternehmen:
VW: Absatzzahlen Juni
Hella: vorläufige Zahlen Gj. 2017/18, 07:00 Uhr
DieboldNixdorf: Q4-Zahlen
CropEnergies: Hauptversammlung in Mannheim, ab 10:00 Uhr
Tomtom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Yara: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Rio Tinto: Q2 Operation Report
Goldman Sachs: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Alstom: HV in Paris zum Zusammenschluss der Bahngeschäfte von Alstom und Siemens, 14:00 Uhr
Johnson & Johnson: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr
Telekom Austria: Q2 Trading Update, 18:00 Uhr
America Movil: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
T-Mobile US: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
EU: EZB-Wochenausweis, 15:00 Uhr
USA: Industrieproduktion im Juni, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Acea: Pkw-Neuzulassungen in Europa im Juni, 08:00 Uhr