Die Hausse bekommt Risse

Stand: 10.11.2010, 20:01 Uhr

Fast unaufhaltsam schien der Dax der 7.000-Punktemarke zuzustreben. Am Mittwoch bekam der Höhenflug einen Dämpfer. Die schwache Wall Street, eine schärfere Gelpolitik in China und neue Sorgen um schuldenbelastete Euroländer drückten den Dax ein Prozent ins Minus.

Die guten Nachrichten kamen am Mittwoch vor allem aus Deutschland. Viele Unternehmen legten ihre Zahlen vor und überraschten meist die Analysten. Doch für Kursgewinne reichte es nicht, der Dax schloss sogar ein Prozent schwächer, bei 6.720 Punkten.

Als Belastungsfaktoren stellten Marktbeobachter am Mittwoch zwei Themenkomplexe heraus: die chinesische Geldpolitik und die weiter steigenden Risikoausschläge auf Staatsanleihen "schwacher" Eurostaaten.

Die chinesische Notenbank hatte am Morgen ihre Geldpolitik weiter gestrafft, indem sie die Mindesteinlage bei der Zentralbank um 0,5 Prozentpunkte erhöhte. Anleger hätten jetzt wohl Angst, dass China zu stark bremst, urteilten Marktanalysten. Derweil erreichten die Renditen irischer und portugiesischer Staatsanleihen neue Höchststände. Die Sorge um die Finanzlage beider Länder ließ die Anleger am Anleihemarkt vorsichtig werden.

In den USA immerhin tendierte der Markt am Abend etwas in den grünen Bereich, was auch den LDax noch rund 20 Punkte nach oben hievte.

Anleger stürzen sich auf Henkel
Dass der Dax nicht noch tiefer schloss, hatte er wesentlich den Bilanzen von Henkel und Eon zu verdanken. Henkel-Aktien schlossen 9,8 Prozent höher, nachdem der Konsumgüterkonzern sein Quartalsergebnis um 73 Prozent auf eine halbe Milliarden Euro steigerte und auch beim Umsatz im dritten Quartal zulegte. Eob verbuchte für das dritte Quartal zwar nur einen leichten Zuwachs bei Überschuss und Umsatz, bei Analysten kam jedoch die Ankündigung des Konzerns gut an, dass er für 2010 eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie ausschütten will.

Bilanzen von Allianz und Hannover Rück
Deutlich im Minus schloss die Allianz-Aktie. Mit einem Umsatz von 24,5 Milliarden Euro im dritten Quartal sowie einem Gewinn von 1,26 Milliarden Euro schlug der Münchener Konzern trotzdem die Prognose, vor allem die Schadens- und Unfallversicherung sind nach Angaben des Konzerns gut gelaufen. Aus dem MDax berichtete der Versicherer Hannover Rück. Das Ebit der ersten neun Monate in Höhe von 862 Millionen und der von der Firma in Aussicht gestellten Rekordgewinn für 2010 überzeugte viele Analysten und Anleger, die Aktie legte 3,2 Prozent zu.

Deutsche Bank sichert sich Postbank-Aktien
Die Deutsche Bank meldete am Mittwoch, dass sie sich nach Ablauf der ersten Übernahmefrist einen weiteren großen Teil der im Freeflow befindlichen Postbank-Aktien gesichert habe. 11,47 Prozent der Aktionäre der Postbank hätten das Angebot von 25 Euro je Aktie angenommen. Die Deutsche Bank besitzt nun 41,43 Prozent der Anteile und damit mehr als die Deutsche Post, die noch 39,5 Prozent hält.

Bilanzregen aus der zweiten Reihe
Neben der Hannover Rück legten sechs weitere Unternehmen aus dem MDax ihre Geschäftszahlen vor. Der Chemiekonzern Lanxess versechsfachte sein Ergebnis im dritten Quartal und berichtigte sein Ebitda-Ziel für 2010 auf 900 Millionen Euro nach oben. Auch der Baukonzern Bilfinger Berger hob seine Gewinnprognose an und will 2010 nun 270 Millionen Euro verdienen. In den ersten neun Monaten des Jahres konnte Bilfinger Berger seinen Gewinn auf 201 Millionen Euro verdreifachen.

Der Stahlhändler Klöckner&Co. verbesserte im dritten Quartal Umsatz und Ebit sehr deutlich auf 1,4 Milliarden Euro beziehungsweise 39 Millionen Euro. Obwohl beide Werte über den Erwartungen der Analysten lagen, gab die Aktie 4,3 Prozent ab. Enttäuschend war die Umsatzentwicklung bei Axel Springer. Der Gewinn stieg dank eines guten Werbemarktes kräftig auf 87,3 Millionen Euro, die Erlöse erholten sich aber nur verhältnismäßig leicht auf 711 Millionen Euro.

Heidelberger Druck hat den Verlust im zweiten Geschäftsquartal zwar deutlich auf 35,46 Millionen Euro halbiert, ein schwacher Ausblick lastete jedoch stark auf der Aktie. Sie verlor am Mittwoch 4,9 Prozent. Auch dem Großküchenhersteller Rational gelang es nicht, die Aktionäre mit dem Quartalsbericht zu begeistern. Umsatz und Ergebnis im dritten Quartal stiegen leicht, blieben aber "nur" im Rahmen der Erwartungen. Die Firma zeigte sich immerhin zuversichtlich, im vierten Quartal den "Wachstumskurs halten zu können".

Zähneklappern bei Solaraktien
Im TecDax verloren am Mittwoch fast alle Solaraktien teilweise sehr deutlich. Das Papier von Roth&Rau rauschte um 11,3 Prozent in die Tiefe. Die Firma hatte im dritten Quartal nur noch drei Millionen Euro verdient, 80 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Jahresprognose für das operative Ergebnis verringerte Roth&Rau drastisch. Auch die Zahlen von Phoenix Solar kamen nicht gut an. Zwar legten Umsatz und Ergebnis leicht zu, doch die Verringerung der Einspeisevergütung für Solarstrom habe die Geschäftsentwicklung in Deutschland gebremst, so Phoenix Solar.

Die Aktie von Centrotherm schloss leicht im Plus, nachdem die Firma mit Umsätzen in Höhe von 180 Millionen Euro und einem Ebit von 20,3 Millionen Euro die Analystenprognose deutlich übertraf.

Berichte von Freenet und Drillisch
Die gute Bilanz des Internetunternehmens Freenet schob die Aktie am Mittwoch um 0,8 Prozent ins Plus. Mit einem Gewinn von 73 Millionen Euro in den ersten neun Monaten sowie einem Umsatz von 847 Millionen Euro im gleichen Zeitraum überraschte die Firma Experten und Anleger. Der Branchenkollege Drillisch berichtete über einen im dritten Quartal leicht geschrumpften Umsatz auf knapp 85 Millionen Euro. Das Ebitda legte leicht auf 12,5 Millionen Euro zu.

Was sonst passierte
Aus dem SDax legten drei Immobilienunternehmen ihre Zahlen vor. Die Zahlen von Patrizia und Alstria kamen bei den Aktionären verhältnismäßig gut an. Während Patrizia-Immobilien aber durch die Anhebung der Jahresprognose brillieren konnte, meldete Alstria Office einen Umsatzrückgang und einen Verlust von 11,5 Millionen Euro.

Die Immobilienfirma Colonia Real Estate schaffte es im vergangenen Quartal, ihre Leerstandsquote deutlich zu senken, dennoch blieb unter dem Strich nur ein homöopathischer Gewinn von 6.400 Euro übrig. Die Aktie schloss unverändert.

Die Aktie des Börsenneulings JK Wohnbau brachte einen suboptimalen ersten Handelstag hinter sich. Belastet vom negativen Sentiment am Mittwoch verloren sie gleich am ersten Tag ein Prozent. Immerhin gelang es dem Münchener Bauträger, 80 Millionen Euro mit dem Börsengang einzunehmen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)