Die Hatz geht weiter!

Detlev Landmesser

Stand: 30.05.2007, 20:26 Uhr

Unverhofft kommt oft: Den ganzen Tag hatte die Sorge um den chinesischen Markt auf der Börse gelastet. Doch im späten Handel erreichte der L-Dax gezogen von der Eon-Aktie und einer robusten Wall Street ein neues Jahreshoch.

Der L-Dax legte im Tagesvergleich um 0,6 Prozent auf 7.795,30 Punkte zu. Der Xetra-Dax hatte angesichts des Kurseinbruchs in China noch im Minus geschlossen.

Der wichtigste chinesische Index, der Shanghai Composite, war um 6,5 Prozent eingebrochen. Die chinesische Regierung hatte überraschend die Börsenumsatzsteuer erhöht, um den Run der Chinesen auf die einheimischen Aktienmärkte zu bremsen. In diesem Jahr hat der Shanghai Composite trotz des Minicrashs Ende Februar um mehr als 60 Prozent zugelegt.

Um 20:00 Uhr unserer Zeit wurden die "Fed Minutes" veröffentlicht, das Protokoll der Sitzung der US-Notenbank vom 9. Mai. Die Aussagen der Fed wurden an der Wall Street verhalten positiv aufgenommen. Die Währungshüter erklärten in dem Protokoll, die Risiken für die US-Konjunktur hätten sich leicht verringert. Die Inflation bleibe weiter die größte Sorge der Fed. Auf ihrer nächsten Sitzung Ende Juni dürfte die Fed ihren Leitzins aber unverändert bei 5,25 Prozent belassen, erwarten Experten.

Eon legt Riesen-Rückkaufprogramm auf

Am späten Nachmittag baute die Eon-Aktie ihren Tagesgewinn aus. Der größte deutsche Energiekonzern will nach der gescheiterten Übernahme der spanischen Endesa bis Ende 2008 für rund sieben Milliarden Euro eigene Aktien zurückkaufen und seine Investionen deutlich aufstocken. Der Gewinn soll in den kommenden Jahren erheblich steigen. Bis Ende 2010 will Eon rund 60 Milliarden Euro in den Ausbau seiner Geschäftsfelder investieren. Das 2006 erzielte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 8,4 Milliarden Euro will der Konzern bis 2010 auf 12,4 Milliarden Euro erhöhen.

Erneut schnitt auch die Aktie von MAN gut ab, nachdem die UBS das Kursziel von 115 auf 120 Euro angehoben hatte.

Schwächster Dax-Wert war die Altana-Aktie. Mitte Juni muss der abgespeckte Konzern seinen Platz im deutschen Leitindex mit der Darmstädter Merck tauschen.

Milliardenaufträge für EADS
Im Verlauf reduzierte die EADS-Aktie ihre Kursverluste. Die Konzerntochter Airbus hat zwei Großaufträge an Land gezogen. Der Konzern verkündete am Mittwoch Bestellungen von bis zu 150 Flugzeugen mit einem Listenpreis von insgesamt mehr als 22 Milliarden Dollar. Besondere Rückendeckung erhielt die EADS-Tochter von Qatar Airways: Die Fluggesellschaft orderte 80 Flugzeuge vom Typ Airbus A350 XWB, der sich bislang nur schleppend verkaufte. Die kolumbianische Fluggesellschaft Avianca gab zudem bis zu 70 Mittel- und Langstreckenmaschinen in Auftrag.

Fraport will in China wachsen
Der ebenfalls im MDax notierte Flughafenbetreiber Fraport hat auf seiner Hauptversammlung angekündigt, in China weiter zukaufen zu wollen. Nach der Beteiligung am Flughafen Xian seien weitere Akquisitionen geplant, teilte Fraport-Chef Wilhelm Bender mit. Am Flughafen Frankfurt stehe der Bau der neuen Landebahn und das Immobiliengeschäft im Mittelpunkt.

Solarworld-Chef zerstreut Gerüchte
Am Nachmittag sprang die Solarworld-Aktie vorübergehend an die TecDax-Spitze. Händler verwiesen auf wieder aufgewärmte Spekulationen um eine Übernahme des Solarkonzerns. Am Vortag hatte die spanische Zeitung "El Negocio" von möglichem Interesse von Acciona an Solarworld berichtet. Solarworld-Chef und Großaktionär Frank Asbeck wiederholte aber gegenüber Reuters, sein Aktienpaket von gut 25 Prozent stehe nicht zur Disposition.

6,00 Euro Dividende von Freenet
Freenet will seinen Aktionären eine Dividende von sechs Euro je Aktie zahlen. Diese setze sich aus einer regulären Dividende von 50 Cent und einer Sonderdividende von 5,50 Euro zusammen, teilte der Mobilfunk- und Internetanbieter nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Große Investoren fordern seit langem, dass das Hamburger Unternehmen in großem Stil zukauft oder das überschüssige Geld ausschüttet. Freenet verfügte Ende 2006 über liquide Mittel von 538 Millionen Euro. Vorstandschef Eckhard Spoerr hatte vor kurzem eine Sonderdividende zwischen fünf und sechs Euro als realistisch bezeichnet.

GPC gefragt
Die Aktie von GPC Biotech verteuerte sich um mehr als zwei Prozent. Händler verwiesen auf Zukäufe durch die Investmentbank Lehman Brothers, die nun 4,83 Prozent an GPC Biotech hält. Außerdem hat die Credit Suisse ihr Anlageurteil "Outperform" bekräftigt.

KWS Saat wächst und gedeiht
Im SDax setzte sich die Aktie von KWS Saat an die Spitze. Der Nettogewinn des größten deutschen Saatgutherstellers stieg in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2006/07 um rund die Hälfte auf 62,2 Millionen Euro. Der Umsatz legte in den ersten neun Monaten um 6,5 Prozent auf 428,3 Millionen Euro zu. Als Grund für die positive Geschäftsentwicklung nannte KWS ein gutes Geschäft mit Zuckerrübensaat und die zunehmende Nutzung von Agrarpflanzen für die Energiegewinnung.

Air Berlin tiefer in Rot
Unter Druck stand dagegen die Aktie von Air Berlin. Der Billigflieger hat seinen Umsatz im ersten Quartal von 224 auf 373,1 Millionen Euro gesteigert. Beim Nettoergebnis weitete sich der Verlust von 31,3 Millionen Euro vor einem Jahr auf 41,3 Millionen Euro aus.

Wyser-Pratte klagt gegen Cewe Color
Rund einen Monat nach der Niederlage der Hedge-Fonds auf der Hauptversammlung von Cewe Color will der US-Investor Guy Wyser-Pratte die Führung des Fotoentwicklers juristisch angreifen. "Wir werden in diesen Tagen zwei Klagen einreichen", sagte Wyser-Pratte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Vor dem Landgericht Hannover wolle er die Beschlüsse der Hauptversammlung anfechten. Zudem will der US-Investor, der 6,4 Prozent der Cewe-Aktien hält, auf dem Rechtsweg überprüfen lassen, ob die Zählung der Stimmen auf der HV am 26. April ordnungsgemäß verlaufen sei. Im Kampf um den Fotodienstleister hatten die übrigen Aktionäre die Forderungen der US-Investoren nach Sonderausschüttungen abgewehrt.

Muehlhan-Aktie fällt weiter
Die Aktie von Muehlhan geriet nach der Zahlenvorlage zum ersten Quartal erneut kräftig unter die Räder. Zwar hatte das im maritimen Oberflächenschutz tätige Unternehmen den Umsatz um acht Prozent auf 42,9 Millionen Euro gesteigert. Doch rutschte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf minus 0,5 Millionen Euro ab, nachdem es vor Jahresfrist noch plus 1,3 Millionen Euro betragen hatte. Mühlhan begründete den Rückgang mit Unterauslastung und vorläufigen Projektverlusten in den USA und kündigte für das Gesamtjahr 2007 eine deutliche Verbesserung der Ertragslage gegenüber dem ersten Quartal an.

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