Die gute Laune verdorben

Stand: 06.07.2012, 19:58 Uhr

Nach einem fulminanten Start in die Woche hat der Dax seine Gewinne am Freitag komplett eingebüßt. Unerwartet schlechte Arbeitslosenzahlen in den USA habenden Anlegern die Hoffnung auf neue Impulse genommen.

Der Dax weitet seine Verluste immer weiter aus und geht schließlich 1,9 Prozent oder 125 Punkte niedriger aus dem Handel bei 6.410 Punkten - sechs Punkte niedriger als in der Vorwoche. Der europäische Stoxx50 schließt 2,1 Prozent im Minus. Die Börsen in Mailand und Madrid verzeichnen Abschläge von 2,5 und 3,1 Prozent.

An der Wall Street büßt der Dow-Jones-Index der Standardwerte zum Handelsschluss in Europa 1,4 Prozent ein bei 12.722 Punkten. Der Euro fällt bis auf 1,2280 Dollar - den niedrigsten Stand seit zwei Jahren.

Mehr neue Stellen erhofft
"Nach dem recht guten ADP-Bericht vom Donnerstag hatten alle auf einen etwas höheren Stellenzuwachs gehofft", kommentierte Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg den US-Arbeitsmarktbericht. Dieser wies für Juni 80.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft aus und damit 10.000 weniger als prognostiziert.

"Der Trend, dass die US-Wirtschaft an Dynamik einbüßt, hält an. Es ist keine Rezession wie teilweise hier in Europa, aber für starke Impulse für die globale Wirtschaft reicht das Tempo in den USA nicht", ergänzte Klude.

Am Rohstoffmarkt verbilligten sich Öl, Industriemetalle und Gold spürbar. Die Angst vor einer rückläufigen Nachfrage ließ den Preis für ein Fass europäisches Brent-Öl um 2,4 Prozent auf 98,22 Dollar fallen. Der Preis für die Tonne Kupfer gab um 2,1 Prozent auf 7532 Dollar nach. Gold kostete 1586 Dollar je Feinunze und damit ein Prozent weniger als im späten Vortagesgeschäft.

Druck auf die Fed steigt
Laut Andreas Lipkow von MWB Fairtrade zeigen die Arbeitsmarktzahlen, dass die bisherigen Maßnahmen der US-Notenbank Fed keine nachhaltige Verbesserung am Arbeitsmarkt gebracht haben." Das spiele zwar den Befürwortern weiterer geldpoltischer Maßnahmen (QE3) in die Karten, drossele aber kurzfristig die Aussichten für die US-Konjunktur.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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23,12
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Deutsche Bank in Libor-Skandal unter Verdacht
Kurz vor Börsenschluss gerät die Deutsche Bank-Aktie mächtig unter Druck. Sie verliert 4,7 Prozent und ist damit der zweitgrößte Verlierer im Dax nach Infineon. Laut Reuters ist die Bank Gegenstand einer Sonderprüfung der Bankenaufsicht Bafin, mit der eine Verwicklung in den Skandal um die Festsetzung des Marktzinssatzes Libor aufgeklärt werden soll. Die Deutsche Bank gehört damit zu mehr einem Dutzend Investmentbanken, gegen die in der Sache ermittelt wird.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Morgan Stanley lobt Lufthansa
Dagegen sind die Papiere von Lufthansa an die Dax-Spitze geklettert. Händler sprachen von einer anhaltenden Erholungsbewegung in Richtung des nächsten Widerstands bei rund 9,50 Euro. Zudem hilft der Aktie ein positiver Analystenkommentar. Morgan Stanley erhöhte das Kursziel von 14,30 auf 15,70 Euro und bleibt auf "Overweight". Analystin Penelope Butcher sprach von einer relativ niedrigen Bewertung der Airline und nennt die Aktie eine "Best Idea".

Merck wieder gesucht
Die Aktie von Merck legt dagegen zu und klettert an die zweite Stelle der Dax-Gewinner. Händler verweisen auf den defensiven Charakter der Papiere des Darmstädter Pharmakonzerns. Nachdem die Börsen am Vortag nach den Zinsentscheidungen der Notenbanken zunächst den Rückwärtsgang eingelegt hätten, seien risikoärmer eingeschätzten Werte wie Merck gefragt.

Medigene-Aktionäre jubeln
Um knapp 25 Prozent nach oben geht es mit der Aktie des Biotechunternehmens Medigene. Die Firma hat für ihr Krebsmittel Endotag-1 nach langer Suche einen Partner gefunden. Das Unternehmen SynCore, eine Tochter der taiwanischen Gruppe Sinphar Pharmaceutical, werde mit Medigene bei dem Krebsmittel in Asien, Australien und Neuseeland zusammenarbeiten, teilte Medigene mit. Die Deutschen behalten die Rechte an dem Wirkstoff in den USA, in Europa und in den verbleibenden Ländern.

Fielmann geschwächt
Fast fünf Prozent verliert dagegen die Aktie der Optikerkette Fielmann. Das Papier wird heute ex-Dividende gehandelt und gerät zudem wegen einer Herabstufung unter Druck. Die britische Investmentbank HSBC hat die Aktie nach vorläufigen Zahlen von "Neutral" auf "Underweight" abgestuft und das Kursziel von 75,00 auf 71,00 Euro gesenkt. Die Resultate des ersten Halbjahres hätten seine Erwartungen verfehlt, urteilt Analyst Thomas Teetz. Der Experte senkte daher seine Margenprognosen für 2012 bis 2013.

Brenntag wird Hedgefonds los
Das Brenntag-Papier gerät ebenfalls unter Druck und büßt gut vier Prozent. Der Finanzinvestor Brachem hat seinen restlichen Anteil an dem Chemikalienhändler verkauft. Die Beteiligungsgesellschaft habe rund 6,9 Millionen Aktien zu einem Stückpreis von 89,00 Euro am Markt platziert, teilte Brachem am Freitag mit. Mit dem Verkauf von rund 13,3 Prozent des gesamten Aktienkapitals erzielte die Gesellschaft einen Transaktionserlös von brutto rund 611 Millionen Euro.

Air Berlin leidet unter Flughafen-Debakel
Gut ein Prozent abgeben muss die Aktie von Air Berlin. Die kurzfristig abgesagte Eröffnung des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg hat bei Air Berlin zu einem Passagierrückgang geführt. Im Juni beförderte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft rund 3,3 Millionen Fluggäste und damit fünf Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Ende Februar hatten BC Partners, Bain Capital und die Investmentbank Goldman Sachs bereits die Hälfte ihrer verbliebenen Anteile abgestoßen. Brachem Acquisition ist deren gemeinsame Beteiligungsgesellschaft.

WMF macht Freudensprung
Um gut 23 Prozent springt die Aktie des Küchengeräteherstellers WMF in die Höhe. Hintergrund ist ein Angebot des Hedgefonds KKR an die WMF-Aktionäre, ihre Anteile für 47 Euro je Stammaktie abzukaufen. Die Vorzugsaktionäre sollen mindestens 31,70 Euro erhalten. Insgesamt bietet KKR damit über 586 Millionen Euro für das in Geislingen bei Göppingen beheimatete Unternehmen.

Peugeot-Absatz bricht ein
Um mehr als fünf Prozent abwärts geht es mit der Aktie des französischen Autobauers Peugeot-Citroen (PSA). Grund ist ein Absatzeinbruch im ersten Halbjahr um 13 Prozent auf 1,62 Millionen Fahrzeuge. In Europa wurden mit 980.000 Autos sogar 15 Prozent weniger verkauft.

HTC im Niedergang
Der Smartphone-Hersteller HTC kämpft weiter mit rückläufiger Nachfrage vor allem in Europa. Das taiwanische Unternehmen weist nach vorläufigen Zahlen zum dritten Mal in Folge einen geringeren Quartalsgewinn aus. Der Nettoprofit von 7,4 Milliarden Taiwan-Dollar (200 Millionen Euro) war im zweiten Quartal um mehr als die Hälfte (57,8 Prozent) niedriger als ein Jahr zuvor, wie HTC am Freitag mitteilte. Die Aktie bricht ein.

Das Unternehmen hatte bereits Anfang Juni seine Gewinnerwartung nach unten korrigiert und dies mit einem schleppenden Absatz in Europa und einer Verschiebung bei der Einführung neuer Modelle in den USA begründet.

Samsung auf Rekordkurs
Dagegen bleibt der südkoreanische Elektronikriese Samsung auf der Erfolgsschiene - dem Erfolge seiner Galaxy-Smartphones. Das operative Ergebnis stieg im zweiten Quartal nach vorläufigen Zahlen binnen Jahresfrist um 79 Prozent auf 6,7 Billionen Won (5,9 Milliarden Dollar).

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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1.564,00
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Steigt Amazon in Handymarkt ein?
Das Internetkaufhaus Amazon will einem Medienbericht zufolge ins Handygeschäft einsteigen. Der weltgrößte Online-Händler arbeite mit dem chinesischen Auftragsfertiger Foxconn an einem Gerät, das mit dem iPhone von Apple konkurrieren soll, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Als Betriebssystem setze Amazon auf Googles Android. Zudem erwerbe das Unternehmen derzeit Patente für drahtlose Technologien, um mögliche Klagen von vornherein abzuwehren. Ein Amazon-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)